Mittwoch, 9. September 2015

Welch ein Frevel

Die zweitbeste Ehefrau von allen hatte am Abend, am Sonntag wohlgemerkt, einen Termin. Sie würde sich mit Rajiv und anderen Referenten der Trainerschule treffen, um einen Programmpunkt einer geplanten Benefiz-Veranstaltung zu planen. Wie Rajiv im Vorfeld meinte, würde es nicht lange dauern. Nun ja, meine Angetraute verließ das Haus kurz nach 18 Uhr, um dann erst nach dem regionalen Datumswechsel wieder in der Wohnhöhle aufzuschlagen. Meine später folgende Nachfrage, was Rajiv denn wohl meinen würde, wenn er ankündige, daß etwas länger dauern und später werden würde, konnte sie nicht so eindeutig beantworten.

Wir bewegen uns wieder etwas in der Zeit zurück. Es ist immer noch Sonntag, aber so gegen 9 Uhr morgens. Meine Angetraute bereitete sich auf den morgendlichen Besuch der Trainerschule vor, was mich wieder um die Gelegenheit brachte, selbst sportlich aktiv zu werden, da mir somit die Verfügungsgewalt über Balduin entzogen wurde. Kennt man ja schon.

Sie fragte mich, was man denn wohl zur abendlichen Veranstaltung mitnehmen könne, da man gedachte, in der angekündigten Runde in Form einer Bottle-Party auch zu speisen. Die Einschränkung war, daß auf Kuhmilch verzichtet werden solle, weil eine Teilnehmerin da gewisse Unverträglichkeiten zeigte. Ich glaube bereits erwähnt zu haben, daß auf dem Kalender stand, daß Sonntag sei. Nun mutmaßte ich, daß auch der örtliche Einzelhandel über einen solchen Kalender verfügen würde und sich bestimmt auch über die Bedeutung dieses Umstandes im Klaren sein sollte: Die Geschäfte würden geschlossen bleiben.

Eine Sache, die ich übrigens unterstütze. Nur mal so am Rande bemerkt.

Ich überlegte etwas herum, ohne zu einem abschließenden Ergebnis zu gelangen. Schließlich stellte sich die Frage, ob sich die Unverträglichkeit gegen Kuhmilch als solche oder um die darin enthaltene Laktose bestünde. Im letzteren Fall ließe sich schnell was zaubern. Ich hatte alle Zutaten für einen Brokkoli-Blumenkohl-Auflauf zur Hand, dazu einige teilweise schon von Natur aus weitestgehend laktosefreie Milchprodukte.  Die Hintergründe der Unverträglichkeit wollte die zweitbeste Ehefrau von allen dann im Laufe des Morgens in Erfahrung bringen, denn sie würde die Trainer-Kollegin dann schon sehen und die Gelegenheit entsprechend nutzen.

Tja, und nun gab es ein Problem. Die Unverträglichkeit bestand gegen Kuhmilch als solche. Dazu kam auch noch eine gegen Weizen in jeglicher Form. Schwierig. Also bereitete meine Angetraute wieder einen Daalzu. Und dies in einer Menge, welche  vermutlich nicht nur eine indische Fußballmannschaft gesättigt hätte.  Wenn dann noch hinzukommt, daß die anderen Teilnehmer der abendlichen Runde auch etwas zur Verköstigung… na ja, ihr könnt es euch vorstellen. Am Montag würde es bei uns Daal geben. Dienstag vielleicht auch noch. Und am Mittwoch. Donnerstag wäre dann Schluss.

Ich esse ihn ja. Mit stark gebremster Begeisterung, aber immerhin. Da meine Angetraute montags aber auch abends unterwegs ist, konnte ich meinen Teil geschmacklich anreichern. Ich fand noch eine Dose argentinisches Corned Beef. Ja, damit ging es. Reste von am Samstag gekochten Reis auf den Teller, Daal drüber, ab in die Mikrowelle. Dann auf dem warmen Gericht ein paar dicke Scheiben vom Corned Beef – eine klare Verbesserung. Aber mein Lieblingsessen wird es dennoch nicht werden.

Die heilige Kuh*) möge mir ob des begangenen Frevels verzeihen.


*) Um Mutmaßungen und Strafaktionen vorzubeugen: Damit meine und ich natürlich nicht die zweitbeste Ehefrau von allen.







Kommentare:

  1. Und wir bleiben beim Thema: Und wieder einmal hat sich Herr Paterfelis als sehr kreativ bewiesen....;-D

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    1. Das war keine Kreativität, sondern eine natürliche männliche Reaktion.

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  2. *wurgs*
    Der gute Daal! O.o

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    1. Dazu vielleicht noch etwas Schmalz und Speck...

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  3. Habe soeben per Wiki.pedia erfahren, was Daal ist. Bin erschüttert über Zustand der Welt, der viele Menschen zwingt, so etwas zu essen. Zu arm für Fleisch, zu zahnlos für feste Konsistentz? Schlimme Sache. Die Loyalität Deiner Frau in allen Ehren, aber ich bin dafür zu schwach. Viva la Sauerkraut mit Eisbein und Kartoffeln!
    Eine Schinkenstulle mampfend, Molly

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  4. Ok, nehme ich auch. Beide Auswahlen. Danke im voraus.

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