Samstag, 12. September 2015

Mach ihn nur...

fertig mag sich der Ökoklaus mittags gedacht haben. 

In der Mittagszeit, zu der jeder brave Jünger Sankt Bürokratius‘ den Griffel fallen lässt, plauderte ich kurz mit Sven über die wichtigen Dinge des Lebens. Imperiale Sternenzerstörer. Als Modell für die Spielplatte. Mal wieder. Also ging es tatsächlich um unbestreitbar wirklich wichtige Dinge.

Völlig unvermutet erschien der Ökoklaus mit irgendetwas in Papier eingeschlagenem im Raum.

„So, Paterfelis, jetzt mache ich dich fertig.“

Ich nahm die Herausforderung mit dem mir eigenen Selbstverständnis und Coolnessfaktor an, zog die Augenbrauen etwas hoch und sprach.

„So?“

Der Ökoklaus bewegte das Papierdingens betont theatralisch in eine etwas günstigere Sichtposition. Noch war ich der Überzeugung, er sei beim Bäcker gewesen. Bei dem gibt es aber kaum etwas, was mich beeindrucken könnte. Von Frikadellenbrötchen mal abgesehen. Oder Thunfischbrötchen. Mit Zwiebeln, Salatblatt und Remoulade. Vielleicht auch noch etwas Ei.

„Ich war gerade beim ÄrWeh und wollte mir nur zwei Fleischkäsebrötchen besorgen.“ fuhr er fort, während er begann, das geheimnisvolle Papierdingens auszuwickeln.

Also wohl doch nix mit Bäckern.

„In der Fleischtheke hatte mich was angelacht.“

Schon hielt er mir ein kleines Fleischgebirge unter die Nase.

„Genau 1 Kilo Club-Steak. Im Angebot für 14 Euro nochwas. Das landet heute Abend auf dem Grill.“

Na ja. Mich beeindruckt das ja eher, wenn ich es nicht selbst bezahlen muß… Also schloß ich meine Augen zu einem Strich und ging in die Offensive.

„Du glaubst doch nicht im Ernst, daß das gleich zum Feierabend noch im Kühlschrank liegt?“

Meine Drohung lag unausgesprochen, aber doch sehr verständlich im Raum.

„Das muß nicht in den Kühlschrank. Rindfleisch hält auch so lange genug durch. Ich lege es in meine Tasche.“

Ich blieb weiterhin unbeeindruckt, kniff meine Augen noch bedrohlicher zusammen.

„Mach das ruhig. Aber irgendwann musst du auch mal auf die Toilette. Ich sehe es von hier aus, wenn du den Gang antrittst. Und dann…“

Wer will denn schon wissen, warum er den Rest des Tages so verkniffen geguckt hat?



Kommentare:

  1. Beneidenswerte Zurückhaltung. Ich hätte es ihm ja aus den Händen gerissen. Notfalls mit der Hand dran am Papier.

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    1. Oh ja, die Selbstbeherrschung ist eine edle Kunst. :-D

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