Samstag, 19. September 2015

Das zweite und das erste mal...

Es gibt mindestens drei Termine im Jahr, vor denen ich regelmäßig eine Krise bekomme. Und alle drei fallen in diese Wochen. Neben der obligatorischen Kontrolle beim Haus- und beim Zahnarzt bleibt da noch der Zeitpunkt, zu dem es an die Steuererklärung geht. Da die zweitbeste Ehefrau von allen sich ja in selbständiger Art und Weise betätigt, ist es gut getan, sich zum Zweck der nicht mehr als unbedingt notwendigen finanziellen Unterstützung unseres staatlichen Gemeinwesens an einen Experten zu wenden.

Unser Experte ist eine Expertin. Frau Kaufmann ist ihres Zeichens Steuerberaterin und trägt zwei Herzen mit sich herum. Eines davon hat sie am rechten Fleck, das andere auf der Zunge. Letzteres, gepaart mit gelegentlichen Verwirrungszuständen, sorgen bei mir schon für ein verzweifelt-tragisch-komisches Ansteigen meines Blutdrucks, wenn ich sie nur auf unserem Anrufbeantworter höre.

Zwischen der Verabschiedung ihres gerade anwesenden Autoschraubers und dessen nochmaliger Rückkehr von draußen wurden wir wie üblich gefragt, ob uns nach einem Wässerchen oder Käffchen wäre. Unisono gaben wir dem Wässerchen den Vorzug. Nachdem der Autoschrauber erneut verschwunden war, verschwand auch Frau Kaufmann. Und zwar in die Küche, um sich etwas später wieder zu uns zu gesellen, nachdem ich den Bürohund, eine Seele von Mensch Kalb keineAhnungwelcheRasseabergroßundlanghaarig, ausgiebigst gestreichelt hatte, während meine Angetraute seinen ständig in der Schnauze getragenen Plüschweihnachtselch unablässig und zu seiner großen Freude bewunderte.

Frau Kaufmann brachte uns – zwei Tassen Kaffee.

Kaffee!

Tja.

Ist ja auch eine Form von Wasser, wenn auch stark verschmutztes.

Uäääääh!

Nun denn, während es so ans Eingemachte ging, versenkte ich Milch und Zucker in der braunen Brühe und leerte die Tasse nach angemessener Abkühlung unauffällig in wenigen, großen Schlucken. Da war ja nun das zweite mal in meinem Leben, daß ich den Inhalt einer solchen Tasse in mir verstaut habe. Was man aus purer Höflichkeit nicht alles macht.

Meine Angetraute schaute, während Frau Kaufmann sich gerade in unseren Papieren versenkte, verzweifelt zu mir rüber. Tja, ich hatte es schon hinter mich gebracht. Und war sowohl nicht gewillt als auch nicht in der Lage, unauffällig die Tassen zu tauschen, um die ihrige auch noch zu leeren. Im Vorfeld des Leerens meiner Tasse hatte ich schon die Räumlichkeiten gesichtet und in unserer Nähe auch zwei größere Bodentöpfe mit Grünzeug gefunden, in welchen man den Kaffee vielleicht bei einer sich bietenden Gelegenheit…

Aber die Gelegenheit bot sich nicht. Der Autoschrauber klingelte nicht nochmal, Frau Kaufmann hatte auch nicht das Bedürfnis, die Toilette aufzusuchen oder andere Dinge außerhalb des Raumes zu erledigen. Sie hätte doch wenigstens mal zum Kopierer gehen können, oder? Aber nein. Statt dessen animierte sie uns mit der gastgebertypischen einladenden Bewegung, den kötzköstlichen Kaffee zu trinken.

Also musste meine Angetraute da jetzt alleine ran. Hat dann auch geklappt. Für sie war es das erste Mal, daß sie Kaffee getrunken hat, ohne ihn wieder auszuspucken. Was wohl aber auch nur etwas peinlich gewirkt hätte.

Ehrlich, Helma, du liebst das Zeug? Gut, das kann ich als Aroma in irgendwelchen Backwaren ja noch akzeptieren. Auch den Geruch von Kaffeepulver empfinde ich ja als durchaus angenehm. Aber trinken? Eine Tasse auf einen Liter Milch ist ok, wenn man den Zucker nicht vergisst. Aber so?

Wir hoffen, jetzt wieder ein paar Jahre Ruhe zu haben.

Irgendwann jedenfalls waren die Sachfragen geklärt. Frau Kaufmann stieß noch auf das inzwischen noch neu angemeldete Gewerbe der zweitbesten Ehefrau von allen: dem Vertrieb von Nahrungsmittelergänzungen und Anti-Aging-Pflegeprodukten, wenn ich das alles richtig in Fachsprache übersetzt wiedergegeben habe. Im Selbsttest haben die Sachen bei meiner Angetrauten anscheinend in sehr beeindruckender Weise angeschlagen, und ehe man sich versah, waren die beiden Damen im hierzu in Verkaufsverhandlungen im Fachgespräch in einer zielführenden Plauderei verwickelt. In sehr anschaulicher Weise wurde seitens Frau Kaufmann die Stelle präsentiert, an der ihr gerade Falten zu schaffen machen. Der Ausschnitt ihres Oberteils rutschte entsprechend weit runter und… gut, ich habe genug gesehen.

Wo ist der Hund? Niemals da, wenn man ihn dringend zur Ablenkung benötigt.

Dabei hat er mir doch extra noch seinen Plüschweihnachtselch dagelassen.



Kommentare:

  1. Awwwwww - Wauwau!
    Deine Rassebeschreibung ist aber alles andere als befriedigend. Ich will SOFORT wissen, bei welchen Hund du die Ehre hattest, ihm die Ohren kraulen zu dürfen! Los! Streng dich an!

    Und hey. Sie wollte nur höflich sein und wollte euch Wasser mit Geschmack anstelle nur von Wasser aus der Wand geben. Ist doch auch nett. Das sie dann ausgerechnet dieses scheußliche Kaffeepulver da reinwerfen musste... Ehrlich... ich bin da nicht höflich. Ich schaue höchstens irritiert auf das Wasser, versuche genug Mut zu sammeln um jetzt doch mein Glas Wasser zu bekommen und ignoriere den Kaffee geflissentlich.
    Besser als diese Mistbrühe zu schlucken. Tausend mal besser. :D

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    1. Hatte ich schon erwähnt, daß der Hund groß ist?

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    2. Okay. Ich werde dir jetzt eine kleine Menge großer Hunde mit langen Fell nennen und du wirst mir dann die korrekte Rasse verraten? Ich will es wissen! :3

      Wolfspitz, Eurasier, Wetterhound, Weißer Schweizer Schäferhhund, Tervueren, Husky, Schwarzer Terrier, Saluki, Riesenschnauzer, Bobtail, Neufundländer, Leonberger, Landseer, Kleiner Münsterländer (50 - 58cm Wideristhöhe... "klein"... aha), Irish Wolfhound, Irish Red Setter, Hovawart, Harzer Fuchs, Groenendael, Großer Münsterländer (58-63... nagut. Der ist größer), Griffon d’arrêt à poil dur – Korthals (wer zum Teufel denkt sich solche Namen aus????), Gordon Setter, English Setter, Tibetdogge, Deutscher Wachtelhund, Deutscher Schäferhund (den hättest du doch hoffentlich erkannt?!), Deutsch Langhaar (Ach Deutschland... Deutsch Kurzhaar gibt es auch. Voll die tollen und inspirierenden Namen!), Deutsch Drahthaar (kay... kurzes Fell... aber inspirierender, deutscher Name und so), Deerhound, Curly Coated Retriever (wobei... "gelockt" wäre dann ja vielleicht auch bei deiner Beschreibung gewesen...), Collie, Chow-Chow, Bouvier des Flandres, Border Collie, Berger de Picardie, Berger de Brie (okay, Franzosen sind auch einfallsreich), Bergamasker Hirtenhund, Belgischer Schäferhund, Bearded Collie, Barsoi, Barbet, Australian Shepard (da Modehund hättest du den doch auch hoffentlich erkannt!?) oder Afghanischer Windhund.

      Wenn DEIN Hund nicht dabei ist, dann hätte ich gerne ine genauere Beschreibung. Eher bullig, schlank, Pressschnauze (siehe Mops), etc. pp. Und was heißt groß? Groß wie "jeder normale Mensch sagt auch groß" oder groß wie "größer als Paterfelis Stubentiger"? Fellfarbe? War das Fell so lang, dass seine Augen davon verdeckt waren oder eher so Schäferhundmäßig?

      *voller Begeisterung auf Antwort wartet* (in Wolfsgestalt! Rute wedelnd! Aufgeregt hechelnd! Nur um das mal klar zu stellen)

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    3. Australien Shepard? Nie gehört. Und Spitze sind doch nicht groß. Auch keine Wolfsspitze. Wenn ich groß schreibe, meine ich groß. Groß ist mindestens ein Schäferhund. War aber keiner, den hätte ich erkannt. Meine Recherchen lassen mich zu der Vermutung gelangen, daß es sich um einen Irish Wolfhound handelt. So, und jetzt wieder hinlegen, zusammenrollen und brumm... ach ne, das machen Hunde ja nicht.

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    4. Alle Hunde sind größer als 50cm und damit zugehörig zu "große Hunderassen". ;) Der Wolfsspitz ist nur minimal kleiner als der deutsche Schäferhund (Wolfsspitz 49 - 55cm, weiblicher Schäferhund 55 bis 60cm). Woran du denkst ist bestimmt der Kleinspitz von Max und Moritz. :P
      Die großen japanische Spitze (Akita) können zum Beispiel auch bis zu 65cm hoch werden (und sind damit genauso groß wie männliche Schäferhunde). Eurasier (die im Groben und Ganzen auch Spitze sind... Wolfsspitz sowie Samojede sind beides Urahnen) kann auch 60cm erreichen.
      Soviel also zu "Spitze sind klein". :P

      Aber gut. Allesamt keine Riesen wie der Irish Wolfhound. Nur "groß" ist eben relativ. :D
      (ich persönlich unterscheide sogar Chihuahua in groß und klein. Wobei großer Chihuahua alles über 2kg Kampfgewicht ist - alles darunter ist einfach nur Qualzucht).

      Und Australian Shepard sind diese Megastreber, die alles machen, können und wollen und die von diversen Haltern einfach nur unterfordert werden, weil sie ja soooooo süß sind. Zieht man die Mischlingshunde ab, ist er Platz 10 der beliebtesten Hunderrasen in D-Land. Noch vor dem Dackel. 2013 waren sie sogar auf Platz 8. Also wirst du sie 100% schon mal irgendwo gesehen haben ^____^

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    5. Habe gerade mal bei Google gesucht. Die sind mir echt noch nicht bewusst untergekommen.

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    6. Jetzt bin ich enttäuscht. :O
      Und ich dachte jeder ist so "WAS DAS FÜR EIN WAUWAU!"-wahnhaft wie ich. Naja. So irrt man sich. :D

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    7. Paterfelis sieht Hund, entscheidet spontan "gefällt mir" oder "gefällt mir nicht", Fall erledigt. Da es hier leider ohnehin nicht in Frage kommt, einen Hund anzuschaffen, beschäftige ich mich auch nicht weiter mit den Rassen.

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    8. Paterfelis ist komisch. So! ;P

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    9. Dann hast du ja was zu lachen. :-D

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  2. " Wo ist der Hund? Niemals da, wenn man ihn dringend zur Ablenkung benötigt."
    Hehe, köstlich. Man könnte sich natürlich auch den Grünpflanzen widmen ...

    Und hey, so ein Termin ist jährlich. Die Steuern sind jedes Jahr fällig! Und wenn Sie Espresso-Bohnen nehmen würde, würde es wahrscheinlich auch dir schmecken ...

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    1. Da bleibe ich lieber bei schwarzem Tee. Gerne englisch oder ostfriesisch.

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  3. Niemals aus Hoeflichkeit etwas essen oder trinken, was man nicht mag. Da lehne ich hoeflich aber bestimmt ab. Den Hund haette ich auch gerne gestreichelt. Ich hoffe, du hast dich vom Anblick des faltigen Dekolletes erholen koennen :)

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    1. Ganz so schlimm war es auch nicht. Aber man will ja nicht so unhöflich sein und da drauf starren.

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  4. Hi,
    also ich mag Kaffee...und Tee, sogar Pfefferminze, auch wenn ich nicht krank bin ;-)
    Der Autoschrauber unseres Vertrauens hat auch einen seeehr großen Hund. Der liegt in einem seeehr großen Stoffkorb in der Werkstatt. Als ich zum ersten Mal dort hinkam, klopfte ich an die Werkstatttür, was sich als Fehler erwies, denn dieser seeehr große Hund (ich denke, Neufundländer) bellte, als ginge es ums Leben seines Herrchens.
    Der sagte dann zu mir, ich solle nicht mehr klopfen, sondern einfach die Tür aufmachen und reingehen...*schluck* :-/
    Und siehe da, beim nächsten Mal öffnete ich todesmutig die Tür und war danach erst einmal fünf Minuten beschäftigt, dieses große Kalb zu kraulen, ehe ich mit Herrchen über mein Auto sprechen konnte ;-)
    Mittlerweile bleibt der Hund sogar in seinem Korb liegen und hebt ev. noch müde blinzelnd den Kopf, als wolle er sagen "ach Du bist es, OK, komm' ruhig rein". Und das, obwohl wir nicht gerade jede Woche dort sind. Dann hätten wir unsere Autos wohl auch schon verschrottet.

    Schönen Sonntag noch
    Gruß, Conny

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    1. Ok, der Hund deines Autoschraubers scheint mir als Wachhund tendentiell weniger qualifiziert zu sein. Und Pfefferminztee trinke ich auch. Egal, ob kalt oder heiß. Es sollte nur umgekehrt zur Wetterlage sein.

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    2. Och unterschätz mal so nen Neufundländer nicht. Wenn da ein Einbrecher kommt, will das Blüschkalb ihn eventuell nur abschlecken - aber bei knapp 70kg Lebendgewicht bekommt "zu tote geliebt" eine wahrhaft andere Bedeutung. :D

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    3. Mir reicht Kampfschmuser Marty mit geschätzten 7 oder 8 kg Lebendgewicht, welches er zur Durchsetzung seiner Bedürfnisse gnadenlos einsetzt, vollkommen aus. Wenn er seinen Kopf bettelnd in eine zufällig in der Nähe befindliche Hand oder gegen eine menschliche Stirn rammt, ist man immer wieder erstaunt, wie viel Kraft in dem kleinen Körper steckt.

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  5. Warum habt ihr nicht einfach dem Hund den Kaffee gegeben?

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    1. Der kannte den Trick wohl schon. Und weil er anscheinend auch keinen Kaffee mag, hatte er sich zum entscheidenden Zeitpunkt in sein überdimensioniertes Körbchen zurückgezogen - und damit außerhalb unserer Reichweite.

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