Sonntag, 23. August 2015

In freudiger Erwartung

Was ist, wenn Paterfelis sich als einziger Vertreter seines Geschlechtes in einem Raum mit sich umziehenden und insofern zumindest halbnackten Frauen aufhält? Und Paterfelis zum was weiß ich wievielten Mal während der Zeit des Umziehens gelangweilt in einer dort seit Jahren ausliegenden Broschüre blättert? Richtig, es geht wieder zum alljährlichen Auftritt des Ensembles in den Guttersdorfer Stadtpark. Nun, an diesem Tag im aktuellen Sommer war es etwas anders.

Doch beginnen wir mit A wie Anfang.

Aus dem Mädchenzimmer, in welchem die zweitbeste Ehefrau von allen noch hinter verschlossener Tür vor sich hin ruhte, erreichte mich elektronische Post.  Aha, man ruhte also wirklich nur und schlief nicht noch. Ok. Ich wurde beauftragt, anlässlich eines am selbigen Tag stattfindenden öffentlichen Auftritts des Tanzensembles und einer von Alexandras Anfängergruppen schon mal etwas geeigneten Naschkram zur Nervenstärkung vor bzw. zur Regeneration der Damen nach absolviertem Auftritt aus unserem Fundus ausgraben.

Das hört sich jetzt einfacher an als es ist. Denn mit unserem entsprechenden Fundus ist es nicht so weit her. Also nochmal losziehen und beim Feinkosthändler nachsehen, ob er noch etwas da hat, was er mir auch verkaufen würde. Hat er dann tatsächlich gemacht, was ich wiederum sehr freundlich fand.

Kurz nachdem ich mit meinen Erwerbungen zu Hause aufgeschlagen war, begab sich meine Angetraute dann ins Mädchenbad, um sich herzurichten. Ich hatte derweil mal nicht so viel zu tun. Angezogen war ich ja nun schon, meine zeitweiligen Maskeraden als Bruder Bernhard van Instincfeld oder gar als Yussuf Ben Achmed Ibn Ali benötigte ich hier nicht. Ich war gänzlich in zivil dabei.

Alles, was gesucht werden musste, war schon am Vortag zusammengetragen worden. Also nur noch die Kamera vorbereiten, leeres Aufnahmematerial laden und den Rucksack mit allen Dingen befüllen, die man so gebrauchen könnte. Insbesondere aber das schwere Stativ, mit dem ich die Kamera über Kopfhöhe – sogar über meineKopfhöhe, um genau zu sein - justieren kann, war unverzichtbar. Ein Buch wäre vielleicht auch nicht verkehrt, damit ich nicht wieder in dieser blöden Broschüre blättern muß, während die Damen in meinem Rücken blank ziehen.

Den plötzlich wahrnehmbaren – was eine Untertreibung schlechthin ist, denn das Geräusch zog durch Mark und Bein – elektronisch erzeugten Warnton ignorierte ich noch. Beim zweiten Mal auch, aber irgendwann, als sich das Geräusch im Abstand mehrerer Minuten stetig wiederholte, fragte ich dann doch mal ins Badezimmer, was da los sei. Die zweitbeste Ehefrau von allen klärte mich darüber auf, daß sie einen Countdowntimer aktiviert habe, um endlich mal nicht zu knapp in der Zeit fertig zu sein.

Tja.

Es gibt ja Countdowns. Und es gibt Countdowns. Und in diesem Fall handelte es sich um einen Countdown. Und zwar von jener Art, bei dem man sich in freudiger Erwartung die Explosion wünscht, damit Ruhe einkehrt. Nicht einen sympathischen, wie diesen hier:




Aber er hatte seinen Zweck erfüllt.

Wir erreichten den Zielort mehr als rechtzeitig. Dieses Mal würden sich die Damen allerdings keineswegs in den üblichen Räumen umziehen, da diese aufgrund von Baumaßnahmen nicht zur Verfügung standen. Und Balduin wurde auch nicht in dem üblichen Parkhaus abgestellt. Nein, die heiße Vorbereitungsphase fand in einer Schulturnhalle statt, und dementsprechend stand der Wagen auf dem Schulparkplatz. Ich beschloss also, lieber draußen zu bleiben und mich dort meinem Buch zu widmen, als mit hineinzugehen.

Das Schnattern der Damen und das Klingeln der Münzen an den Hüfttüchern warnten mich nach einer guten Stunde rechtzeitig vor, daß es nun losgehen würde. Wir begaben uns zum Ort des Geschehens. Ich baute meine Kamera wie immer in gewissem Abstand zur Bühne neben der Tonzentrale auf und ließ sie laufen. Viel konnte ich sonst nicht machen. Und dann geschah etwas, was ich immer als eintretende Möglichkeit kalkuliert hatte. Nein, es hat nichts mit dem Auftritt zu tun.

Als Einwohner von Klein Bloggersdorf tummle ich mich ja auch bei der Nachbarschaft herum. Meistens als Paterfelis, hin und wieder mal unter einem anderen Namen, mal als bekennender Leser und dann wieder anonym über einen Direktaufruf der entsprechenden Seite. Ich habe da kein System, das ist alles mehr zufallsgeprägt.

Bei einigen der Blogger ist bekannt, wie sie aussehen und aus welcher Stadt sie ungefähr kommen. Und so weiß ich natürlich auch von einigen, daß sie aus der gleichen Gegend stammen, in der ich gerade mein Unwesen treibe. Somit besteht eine gewisse, wenn auch geringe Wahrscheinlichkeit, daß man sich über den Weg läuft. Schon lange habe ich mir überlegt, ob ich eine dieser in Frage kommenden Personen dann auch ansprechen würde. Zumindest, wenn ich von ihr weiß, daß sie auch bei mir mitliest oder mal mitgelesen hat, mich also in irgendeiner Weise kennt.

Es kommt häufiger vor, daß mir etwas Vergleichbares im Büro geschieht, ich also Anträge oder Anfragen von Nachbarn oder anderen Personen bearbeite, mit denen ich mehr oder weniger privat zu tun habe, wie zum Beispiel meinem Augenoptiker. In diesen Fällen gebe ich mich grundsätzlich nicht zu erkennen. Und im Zweifel kann ich die Bearbeitung wegen Befangenheit an einen anderen Kollegen abgeben. Aber das ist auch eine andere Sache.

Nun ist der Fall tatsächlich eingetreten. Ein bekanntes Gesicht schaute sich den Auftritt an. Ich war mir fast zu 100 % sicher. Auch die zweitbeste Ehefrau von allen bestätigte meinen Eindruck, nachdem ich ihr nach dem Auftritt meine Entdeckung aus der Ferne zeigte, denn auch sie liest in dem Blog mit.

Nein, ich habe den Kontakt nicht gesucht. Der Soziophobiker in mir hat es letztendlich erfolgreich verhindert.

Was aber wäre, wenn ich mal enttarnt und persönlich von einem Leser angequatscht werden würde? Würde ich mich freuen? Ich kann es inzwischen noch nicht mal mehr ausschließen, wenn es dabei bleibt, nur mal kurz ein paar Worte zu wechseln.

Würde ich hingegen in Zukunft jemanden in ähnlicher Situation ansprechen?

Vermutlich nicht.

Was würdet ihr machen? Nicht an meiner Stelle, sondern an eurer. 



Kommentare:

  1. Lieber Paterfelis, ich hätte da wohl auch meine Schwierigkeiten, den- oder diejenige(n) anzusprechen. Es käme vermutlich drauf an,wie "gut" man sich in klein Bloggersdorf versteht, ob man viel gegenseitig kommentiert oder doch eher nur ab und an mal usw..

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    1. Und wie sähe es aus, wenn du angesprochen werden würdest?

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  2. Schreiend wegrennen.
    Oder halt nein. Das wäre zu auffällig. Also lieber ducken und hinterm Stativ verstecken (wenn ich denn eines hätte und es zufällig auch dabei hätte) - aber nur, wenn es eh schon da steht, denn erst umständlich hinrennen zu müssen, wäre ja auch wieder Aufmerksamkeitsheischend. Andererseits ist so ein Stativ auch wieder sehr auffällig... also ab hinter den nächsten Baum, wenn er denn mit nur einen Schritt zu erreichen ist. Aber man kann ja nich immer im Wald sein. Den nicht vorhandenen Hut ins Gesicht ziehen, klappt auch nicht, weil der Hut nicht vorhanden ist. Bleibt nur sturr gerade aus schauen und tun, als wäre man über alles erhaben.
    Also beten, dass Bloggersdorfkollege mich nicht (er)kennt. Und wenn es mich doch erkennt? Schreien wegrennen. Achnee halt. Das hatten wir ja schon ausgeschlossen.
    Bleibt nur pansich versuchen nett zu sein, doch irgendwie unhöflich wirken (ungewollt, weil das Gespräch aus meiner Richtung doch recht einsilbig wäre und von mir nicht vorangetrieben wird), jeden Fluchtweg ausloten und hoffen, dass da jemand kommt und mich errettet (mein Bär kann das gut). Andernfalls einen Grund vortäuschen. Zum Beispiel auf Klo zu müssen. Und dann hoffentlich schon so viele Negativ-Punkte gesammelt haben, dass die etwaige Bloggerin nicht MITKOMMEN will (Schreckliche Angewohnheit das!). Und wenn doch... dann... dann... dann... auf zum nächsten Mampf. Ich verbrenne mittlerweile Kalorien in Weltrekordgeschwindigkeit vor Stress, ich brauch mehr.

    Also im Endeffekt:
    Wie ein verschrecktes Reh dastehen und überfordert sein. :D
    Oder vielleicht doch panisch wegrennen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

    Und natürlich hoffen, dass kein Mitblogger so sadistisch ist und bekennende Soziophobiker anspricht. x.X

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    1. Ok. Ich mache ab sofort um alle Frauen einen Bogen, die ihren Partner mit "Bärchen" ansprechen. ;-)

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    2. Das ist aber nur sein Bloggerspitzname. Im RL hat er zwar auch einen, aber nicht Bärchen. Wobei der RL-Spitzname auch nicht üblich ist. Habe es zumindest noch keine andere Frau zu ihren Männle sagen sein (und nein, ich spreche nicht von "ARSCHLOCH!". So nenne ich ihn zwar auch stets liebevoll, aber da gibt es einen viel öfteren. xD)

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    3. Ausreden, nichts als Ausreden und Vertuschungsversuche. ;-)

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  3. Kurze Gespräche sind auch für mich in Ordnung. Längere? Maximal dann, wenn man sich sehr, sehr gut kennt. Bei uns heißt es immer: "Guten Tag und guten Weg." Fahre ich ganz gut mit.

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    1. Da hätte ich dich jetzt etwas anders eingeschätzt.

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  4. Antworten
    1. Im Gegensatz zur Antwort vom Löffel habe ich deine jetzt irgendwie so erwartet. :-D

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  5. Hm. Wenn das jetzt ein richtig lieber Blogger wäre, dann ... ja, warum nicht? Ich müsste ja nicht sagen, wer ich bin!
    Allerdings käme mir da - sofern meine Sozialinkompetenz den Tag mal Pause macht und ich echt gut drauf bin - etwas ganz anderes in die Quere: Ich kann mir waaaaaahhhhhhnsinnig schlecht Gesichter merken. Zudem verwechsele ich andauernd Menschen, die für jeden anderen völlig unterschiedlich aussehen. Gibt auch ein Wort dafür, für diese Schwäche. Anyway, will heißen: Ich wäre mir nie genügend sicher, dass derjenige das auch wirklich ist! Ergo käme ich nie in so eine Situation. Auch kenne ich "meine Bloggerdörfler" gar nicht von Fotos her.
    Also ... tja, kann ich zu der ganzen Sache eigentlich gar nichts sagen und hätte mir diesen Kommentar auch sparen können! :-D

    OK, damit das hier doch noch etwas Gehalt bekommt:
    Was würde ich tun, wenn ich (zweifelsfrei) den Paterfelis erblicken würde? Schutzlos, äh, allein, meine ich, in einem Park oder so?
    "PATERFELIS!" *Kreiiiiiiiiiiisch*
    Und dann würde ich mit ausgebreiteten Armen auf Dich zugelaufen kommen.
    Du würdest Dich natürlich umdrehen und die Flucht ergreifen.
    Tja, und der Rest ist Physik. ;-)

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    1. Plan A: Ich laufe jetzt nur noch ärmellos herum und lasse es darauf ankommen, ob jemand meine Tätowierung erkennt.

      Plan B: Wir gründen zusammen mit Wölfchen eine Selbsthilfegruppe. Wird aber schwierig, wenn wir uns alle nicht ansprechen. ;-)

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    2. @Plan A) Du hast eine Tätowierung? Was für eine? *Neugierigbin*
      @Plan B) Selbsthilfegruppe? Hm. Das würde aber implizieren, dass wir uns helfen wollen. Nähh, dieses Jahr nicht. Wie wäre es, wenn Ihr stattdessen bei Endless und mir einsteigen würdet? Wir starten nämlich eine Gruppe, in der man sich gegenseitig freundlich ignoriert! (Guckst Du hier: https://endless89.wordpress.com/2015/08/20/sechsundzwanzigste-sitzung/#comments) Das wäre doch was, oder? *Strahl*

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  6. @ Plan A: Immer wieder im Blog sichtbar. Klick mich

    @ Plan B: Verdammt, hier im Blog muß es doch eine Ignore-Funktion geben... ;-)

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    1. Oh! Heißt das, ich habe schon tausend Mal - unter anderem auch schonmal nackt!!!!!! - auf Deinen entblößten Oberarm geguckt, Mr. Unicorn????

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    2. Ich weiß ja nicht, wie du so vor dem Rechner sitzt, aber grundsätzlich kann ich diese Möglichkeit nicht vollständig ausschließen.

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    3. Ich finde, eine Warnung vorab wäre angebracht gewesen. Wie hätte ich auch ahnen können, dass Du einen exibitionistischen Zug bzw. Einhorn hast?
      Bin schwer getroffen und werde jetzt nur noch vollständig bekleidet vor`m PC hocken.
      Die Alternative wäre gewesen, alle Nackedei-Einhornbildnisse von Dir abzukleben, wo imer sie auftauchen.
      Hat`s irgendwie nicht so gebracht.
      Na ja.
      ;-)

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    4. Natürlich hat das nichts gebracht. Das wäre ja Selbstkasteiung gewesen. Nein, das lasse mal besser sein.

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    5. Eine Warnung wäre dennoch angebracht gewesen, *schmoll*

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    6. Bei Molly habe ich nun Bilder im Kopf... oje...

      Zu Plan B)
      Ohje. Das heißt ich würde dauernd kreischend aus der Selbsthilfegruppe wegrennen, Paterfelis mit seiner Einhornkatze kuscheln (pah! Das wird nun weiter ausgebaut!), Molly würde sichdauernd fragen, ob sie diese komischen Typen schon mal gesehen hat und Endless... kenne ich nicht, wird sicher aber auch bekloppt sein.

      ...

      Wenn es lecker Kuchen/Fleisch/Süßigkeiten und Hundewelpen (nicht zum essen) gibt, bin ich dabei!

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    7. @ Molly: Dann hättest du dich ja nicht in meiner geschickt ausgelegten Schlinge verfangen. :-D

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  7. Diskretion heißt das Zauberwort. Abwarten und Tee trinken. Schauen, ob man erwünscht ist. Es entscheidet die Situation. Und der "Nasenfaktor". Es ist also wie im richtigen Leben. Obwohl ich schon gerne wüsste, ob Du, wenn Du schon so heißt wie der Chef, ihm auch ähnlich siehst....

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    1. Autsch, das richtige Leben und ich - schwierig, schwierig. Wenn ich an dich denke, dann schwebt mir immer die amerikanische Schauspielerin mit der Serienrolle vor, in der sie den gleichen Namen hat wie du.

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    2. Ach so? Es gibt eine amerikanische Schauspielerin, die einen französischen Namen in einer Serie trägt, die vermutlich nichts mit Katzen zu tun hat? Jetzt habe ich eine längere Denksportaufgabe vor mir. Zum Glück ist ja Sonntag. Grüße, the black cat

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    3. Ich dachte schon an deinen echten Vornamen. :-)

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  8. Es ist gut, wenn man im Leben echte Freunde hat ;-)

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