Samstag, 11. Juli 2015

Wikingergedöns

Eine der ersten Fernsehserien, an die ich mich als regelmäßiger Zuschauer erinnern kann, ist Wicki und die starken Männer. Immer donnerstags, 17.10 Uhr im ZDF. Vorher gab es die Programmvorschau, eingeblendet auf Schrifttafeln. Ziemlich langweilige Sache. Und noch davor gab es – nichts. Das Programm fing unter der Woche einfach nicht früher an. Es hat niemanden geschadet.

Natürlich habe ich die Serie gerne gesehen, denn es kamen ja Schiffe darin vor. Aber auch ein paar Dinge, die ich nicht so ganz verstehen konnte. Zum Beispiel war immer unklar, wie viele Wikinger sich jetzt tatsächlich auf dem Schiff befanden. Meistens waren nur die Hauptpersonen zu sehen, in anderen, eher seltenen Einstellungen tauchten auch weitere Männer an Bord auf. Und man konnte nicht nachvollziehen, wo die herkamen. Bei einem Drachenboot gab es zwar Räume unter Deck, aber diese dienten nicht dazu, die Mannschaft aufzunehmen. Und auch in den Dialogen beschränkte sich die Anzahl der als vorhanden erwähnten Wikinger oft auf sechs zuzüglich des Häuptlings Halvar, also auf die namentlich bekannten Hauptpersonen. Mich störte das schon ein wenig, denn ich konnte mir dies nicht rational im Zusammenhang mit der Handlung erklären. Schon als Kind war ich da bekanntlich etwas eigen.

Egal, die Geschichten haben mir immer gefallen, sofern sie auf einer Reise spielten und nicht so einen Kinderkram oder - noch schlimmer - Mädchenkram zeigten wie Wicki und seine beiden Robben. Oder waren das Seelöwen? Weiß ich nicht mehr. Schon damals waren die besten Folgen immer jene, in denen die Wikinger sich durchaus handgreiflich mit ihren Gegnern auseinandergesetzt haben. Männer sind so. Und Jungs auch.

Nur eine einzige Folge habe ich verpasst. Und zwar ausgerechnet diejenige, in welcher der Schreckliche Sven auftauchte um das Wikingerdorf zu überfallen. Ich hatte einen Termin im Krankenhaus zu einer Untersuchung. Schon in meinem damaligen zarten Alter litt ich regelmäßig an Kopfschmerzen, deren Ursache man mittels eines EEG auf die Spur kommen wollte. Später zeigte sich, daß der Besuch eines Augenarztes der Sache dienlicher gewesen wäre. Doch zurück zum Thema. Mein Vater hat sich dann mit Mikrofon und Tonbandgerät vor dem Fernseher aufgebaut, damit ich diese Folge zumindest als Hörspiel mitbekommen konnte. Videorekorder gab es ja noch nicht.

Natürlich habe ich mich – ganz dem Kind im Manne folgend – auch sehr über die späteren Realfilme gefreut, die ich für wirklich gelungen halte.

Beim gelangweilten Hin- und Herschalten zwischen den Programmen Zappen bin ich auf eine weitere Neuverfilmung gestoßen. Offensichtlich hat man zwischenzeitlich weitere Folgen der Serie im Trickfilmformat produziert, wenn auch computeranimiert. Ganz eindeutig orientierte man sich bei der Gestaltung der Figuren und der Szenerie an der alten Zeichentrickserie. Und als alter Klugscheißer mußte ich gleich feststellen, daß man einen Fehler aus der Serie übernahm, der nun wirklich nicht sein musste. Nein, es geht nicht um das Fernrohr, welches einen deutlichen Anachronismus darstellte, sondern um die Fahne des Schiffes. Denn diese zeigte zuweilen die Angewohnheit, auch bei stramm von achtern wehendem Wind und geballtem Segel vom Mast aus gegen den Wind heckwärts zu wehen.

Freunde, bei jeglicher Hommage an das Ursprüngliche wäre das nun wirklich nicht nötig gewesen.


PS: Der Beitrag liegt bei mir schon seit ein paar Monaten auf Eis, aber ich meine, er passt jetzt gut zu Lady Crooks Serie über die Helden der Kindheit.


Kommentare:

  1. Meine Güte... du bist ja genauso nervigstreng wie mein Mann, wenn es um Kleinigkeiten geht, die sonst niemanden auffallen. :D
    Aber gut... ich schaue heute immer noch Kinderfilme und sehe die sexuell anrüchigen Dinger nicht, solange mich niemand mit der Nase drauf rumstößt. ^^" (also sowas da: http://img.pr0gramm.com/2015/07/10/23c693861796edeb.jpg )

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    1. Also wirklich, diese Darstellung stößt mich aufs Schärfste ab. Dies ist ein FSK unter 18 Blog. Nicht, daß Jugendliche etwas aufrufen, was ihre zarten Seelen verletzt.

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