Freitag, 31. Juli 2015

Morgenstund hat Gold im Mund

Es war noch früher Morgen, zumindest nach Bürozeit bemessen. Also kurz nach Sieben. Ich trat gerade aus Rebeccas Büro, in dem ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen war. Nämlich der temporären Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden. Ihr kennt das ja inzwischen zur Genüge.

Eine Durchsage über die hauseigene Rundsprechanlage riss mich aus meinem Tran.

„Guten Morgen!“

Die allseits bekannte Stimme von Frau Sanchez-Diaz, einer unserer Damen vom Empfang, hämmerte durch das ganze Haus.

„Der Besitzer eines schwarzen BMWs, älteres Modell, mit dem Kennzeichen…“ (der Leser möge sich hier einen passenden Eintrag vorstellen)„…oder so ähnlich soll den Parkplatz sofort räumen. Es handelt sich um einen Mitarbeiterparkplatz. UND ZWAR MEINEN! Ich bin richtig sauer.“

Oh, oh. Schwerer Fehler. Zum Glück nicht meiner. Wenn die mal böse ist... südländisches Temperament in Reinkultur. Kundschaft kann es nicht gewesen sein, die hat zu dieser Uhrzeit noch keinen Zugang. Also ein Kollege. Die Stimmung im Haus zeigte schlagartig eine - untertreiben wir es mal mit den Worten - gewisse Heiterkeit.

Aber was viel wichtiger ist: Jetzt bloß nicht auffallend unaufällig zum Schreibtisch gehen, einen Schlüssel in die Hand nehmen und die Etage verlassen.

Egal warum...



Kommentare:

  1. Ich kann mich an ein Rundschreiben erinnern, in dem wer sein von ihm eigenhändig geklautes Lufthansa-Essbesteck suchte, mit harschen Worten und deutlicher Verurteilung des Zweitdiebs. Aber zum Glück gibt es hier bei uns weder Mitarbeiterparkplätze noch Rundsprechanlagen. Wer als erster kommt, kriegt den besten Parkplatz (meistens ich), und wer als letzter aufkreuzt, oder ein zu großes Auto fährt, steht halt unter der Platane, auf der die Krähen und Dohlen diese ekligen Beeren verdauen.

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    1. Wir haben feste Plätze, wie sich aus dem Text unzweifelhaft schließen lässt. Und in beiden Außenstellen, in denen ich bislang beschäftigt war, hatte ich den mit der Arschkarte. Und zwar in Bezug auf Vogeldreck und Baumdreck. Super.

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  2. Ja, Linden und Krähen... das eine tropft, das andere...tropft. Aber dunkler. Und ätzender. Der einzige Nachteil an meinem vogelscheißefreien Standard-Standort ist, dass da ab drei die Sonne hinknallt, und das Auto selbst im Winter oft eher muckelig ist. Das ist eigentlich nur gut am letzten Tag vor dem Ausbruch einer fiesen Erkältung, wenn man den ganzen Tag schon gefröstelt hat.

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    1. Siehst du. Man kann allem etwas Positives abgewinnen.

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