Montag, 27. Juli 2015

Ganz neue Methoden

Das Gebäude, in dem sich unsere LASA-Außenstelle befindet, verfügt bekanntlich weder über eine Klima- noch über eine Belüftungsanlage. Es muß nach Feierabend nahezu hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt werden. Kein Fenster darf über Nacht oder am Wochenende auch nur auf Klappe geöffnet bleiben. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen der Sicherheit.

Dies führt zwangsläufig morgens zu einem Atmosphäreschock. Stickige, warme Luft allen Ortes innerhalb der heiligen Mauern. Nicht nur im Sommer. Die will erst mal beseitigt werden.

Dr. Strebsinger – noch der alte – hatte daher mal zu einer sich bietenden Gelegenheit  ganz unkompliziert vorgeschlagen, daß der- oder diejenige, welche(r)  morgens zuerst im Büro aufschlägt, gerade zu warmen Wetterlagen alle Fenster und Türen in den Zimmern öffnet. Eigentlich eine klassische Arbeit für Hausmeister, zumal dieser zumindest rein theoretisch der Allererste im Haus ist, aber der arme Kerl ist permanent dermaßen überfordert, daß ihm dies nicht auch noch zugemutet werden kann. Er benötigt ja schon Tage bis Wochen, um eine ausgefallene Lampe wieder zum Funktionieren zu bringen und ist ansonsten schwer damit beschäftigt, die Arbeiten des Reinigungspersonals zu überwachen…

Hmmmm?

Dr. Strebsinger, so einfach geht das nicht. Wir sind eine öffentliche Verwaltung. Da sind doch einige Problemfelder zu klären.

Gehört das Öffnen der Fenster zur Arbeitszeit?

Wie wird der Zeitverlust in abzugebende Akten ausgeglichen?

Ist derjenige für alle Etagen zuständig oder nur für seine eigene?

Was ist eine warme Wetterlage?

Wo wird die Temperatur gemessen?

Wer misst die Temperatur?

Gilt dies auch für Schwerbehinderte, Kleinwüchsige und schwächliche Kollegen?

Was ist, wenn aufgrund des zu erwartenden Durchzuges loses Papier durch die Gegend weht?

Wer ist für Schäden im Falle eines unerwarteten Regen- oder Hagelschauers oder nach unerwartet starken Windbewegungen verantwortlich?

Was ist eine unerwartet starke Windbewegung?

Und wer haftet, wenn sich jemand Unbefugtes von außen Zutritt in die noch leeren Büros verschafft?

Fragen über Fragen.

Nein, Herr Dr. Strebsinger, wir können doch nicht plötzlich einfach so unerwartet unkompliziert sein. Gründen wir erst mal einen Arbeitskreis, wählen einen Vorsitzenden und einen Protokollführer, erarbeiten eine Geschäftsordnung, diskutieren und konkretisieren die Fragestellung, machen eine erste Nutzen-Folgenanalyse, bestimmen den erforderlichen Personalmehrbedarf, involvieren den Personalrat zur Durchführung einer offiziellen Testphase, holen die Zustimmung der FrauenGleichstellungs- und des Sicherheitsbeauftragten, der Schwerbehinderten- und der Jugendvertretung sowie des medizinischen Dienstes ein, lassen eine unter Einbeziehung des betrieblichen Gesundheitsmanagementes eine Gefährdungsanalyse erstellen und bereiten schließlich bis zum Beginn des nächsten Sommers einen finalen Arbeits- und Verantwortlichkeitenplan unter Berücksichtigung der bis dahin noch voraussichtlich ausscheidenden Kollegen.

Einfach so… wäre ja noch schöner.

Manchmal war er schon etwas wunderlich.




Kommentare:

  1. Ich glaube ich miete euch mal, wenn unser Chef wieder komische Anfälle hat. Der überrennt uns immer so sehr mit seinen dämlichen Ideen ("Ich unterschreibe keine Rezepte von Kollegen!" - "aber Pat. war gerade dort in der Sprechstunde und der ist gerade zum Nothausbesuch. Pat. hatte nur das Rezept hier vergessen zu bestellen und nimmt das Zeug seit x Jahren! Haben sie selbst angesetzt!" "Ich unterschreib das nicht!"... und 20 Minuten später erklärt er dann, dass Rezepte schneller rausgegeben werden müssen und die Akten nicht so durcheinander sein sollen) oder... wenn er doch mal gute Ideen hat... sind die schon seit Jahren Gang und Gebe ("Wie wäre es, wenn sie die Blutabnahmen schon am Vortag vorbereiten, damit im Labor die Arbeitsabläufe beschleunigt werden?" - machen wir seit Praxisbestand [wohl gemerkt... das aktuelle Ärzteteam ist die dritte Generation... 1. Arzt vererbt an seinen Sohn, der vererbt an den Schwiegersohn]... aber wurscht).

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    1. Die Aufgabe der Führungskräfte ist es, zu führen. Von der Materie müssen sie keine Ahnung haben. Ist bei uns jedenfalls hochoffiziell so.

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    2. Wir hatten da mal einen, der versuchte, pädagogische Sachverhalte in Schnelltrenn-Formulare zu pressen, und anstelle einer inhaltlichen Würdigung von Schriftsätzen gern und üppig Rechtschreib- und Grammatik-Korrekturen vornahm. Gar nicht so einfach, um eine Führungskraft drumrum zu organisieren. Aber es geht, man braucht nur Geduld.

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    3. Man darf sie nur nicht erkennen lassen, daß man sie erzieht.

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    4. Erziehung, Schmerziehung... bringt doch nix. Abläufe unter weiträumiger Umgehung der Leute gestalten und schon sieht alles ganz prima aus.

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    5. Wir versuchen, die inneren Abläufe der Sachbearbeitung möglichst geheim zu halten. Zumindest an den Stellen, die zur Zeit problemlos funktionieren. Und da, wo wir kreative Sachbearbeitung einsetzen, um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir erst Recht niemanden draufstoßen. Wer fragt bekommt Antworten. Die will man üblicher Weise nicht hören.

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  2. Ich finde es an dieser Stelle überdies sehr befremdlich, dass Ihr gar nicht darüber nachdenkt, wie sich so ein offenes Fenster auch mal ganz schnell zur seelischen Gefahrenquelle entwickeln kann. Daher schlage ich vor, alternativmedizinische und anderweitig esoterisch Orientierte auspendeln, ob das alles so seine Häng-Pfui-Ordnung hat! Man stelle sich nur mal vor, das Fenster befindet sich in der Finanzecke und Ihr reisst es auf!!!!!
    Wobei das allerdings Einiges erklären würde ...

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    1. Esoterik? Bei uns? Wir glauben nur an die Macht des Stempels. Jawohl!

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    2. Na DANN ist es ja kein Wunder, wenn hier alles in die Binsen geht. Ich wette, Ihr wurdet vor Einstellung nichtmal ausgependelt, wa?

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    3. Nein. Wir dürfen auch keine Karten legen, aber bevor ich einen Bescheid erteile, würfle ich das Ergebnis aus. Das kommt dann zwar nicht aus der esoterischen Ecke, doch ich denke, das gilt auch.

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    4. *lol*

      Wahrscheinlich spricht das ganze Gebäude gegen die Häng-Pfui-Ordnung. Da hilft nur noch abreisen und neubauen (dann kann man gleich noch Klimaanlagen integrieren).

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    5. Würde man nicht machen. Und zwar aus Gründen des Gesundheitsschutzes zur Minderung der Zahl der Erkältungskrankheiten.

      Unsere Azubinette war schon entsetzt, als sie kürzlich die Außenjalousien von Hand hochkurbeln musste. Sie kennt ansonsten nur unsere Hauptverwaltung, da geht auch das elektrisch.

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    6. Elektrische Außenjalousien hatten wir schon zu Schulzeiten (länger her, als ich zuzugeben bereit bin). Die Dinger hatten einen Heidenspaß beim Rauf- und Runterfahren. Sonst hätten sie das sicher nicht so oft gemacht. Leider konnten sie ihrem Auftrag auf diese Weise nicht nachkommen. Und wir konnten wegen des Lärms und des Geklappers dem Unterricht nicht folgen- das aber war nicht weiter tragisch.

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    7. Man muß eben schon mal Opfer bringen.

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  3. Kann es sein, dass Euer Hausmeister seine Ausbildung zusammen mit dem Unseren gemacht hat?

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    1. Ich bin mir nicht sicher. Unser ist ehemaliger Zeitsoldat, Und zwar einer von den langjährigen. Wer weiß, was man da so alles lernt?

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  4. Gibt es sowas? Eine Ausbildung zum Hausmeister?

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    1. Würde mich nicht wundern. Wenn ich mich so umsehe, was es heutzutage alles für Schulen und Kurse gibt, dann sollte da auch was dabei sein.

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