Montag, 6. Juli 2015

Er kommt voran

Wir saßen in unserem kleinen, gemütlichen Büro und arbeiteten vor uns hin. Also die Azubiene und ich. War ja sonst keiner im Raum. Mich überkam der leichte Drang nach Feierabend, also richtete ich huldvoll das Wort an meinen Schützling (?), meine Schützlinga (?), die Schützline (?), also die Schutzbefohlene.

„Hallo, aufwachen. Sie waren doch heute Mittag draußen. Wie war denn das Wetter so.“

„Warm. Nicht so warm wie am Wochenende, aber warm. Immer noch zu warm, wenn Sie mich fragen.“

Das hatte ich befürchtet.

„Hrmpf. Vielleicht bekommen wir ja bald wieder Herbst.“

Der Ökoklaus hatte meinen frommen Wunsch mitbekommen.

„Du weißt schon, daß wir gerade erst Sommer haben, oder?!

„Ja, aber es handelt sich um den deutschen Sommer. Da können sich die Dinge sehr schnell ändern.“

„Richtig, wir hatten schon Sommer, die nach wenigen Tagen in den Herbst übergingen. Will ich aber nicht haben.“

„Du hast ja nur Angst vor dem Wind, wenn du mit dem Fahrrad fährst.“

„Der Wind ist jetzt schon mein ärgster Feind. 10 Kilometer bei 12 km/h bergauf sorgen nicht für Gegenwind, der sich kühl anfühlt. Und schon gar nicht an Tagen wie den letzten Donnerstag oder Freitag.“

Ich bleibe dabei, kein Mitleid mit ihm zu haben.

„Aber ich habe jetzt eine Idee gehabt, wie ich etwas besser fahren kann.“ fuhr der Ökoklaus fort, mich von meinem Feierabend abzuhalten. „Ich habe die Reifen stärker aufgepumpt.“

„Und?“

„Jetzt bin ich eine Minute schneller.“

Sehr beeindruckend.

„Da kannst du mal sehen, was der Abrollwiderstand ausmacht. Wie negativ sich da wohl noch zusätzliche Stützräder auswirken…“

„Stimmt, die sollte ich so langsam auch mal entfernen.“

Rennrad mit Stützrädern sieht aber auch irgendwie bescheuert aus.

Es kann nur an der Hitze liegen.








Kommentare:

  1. Gegen Genderdingineszeugs!
    Entweder Schützling oder wenn ihr das zu männlich ist, wird es eben verniedlicht. Schützly oder Schützlinchen also. Vielleicht auch noch Schütz(ling)lein. Oder ganz Plumb: Schützdingsbums.
    Und überhaupt. Wasserhahnin ist auch bescheuert. Weiß doch jeder, das es Wasserhuhn heißen sollte. Oder anders: wenn schon Gender, dann wenigstens fantasievoll ("Feuerwehrfrau") und nicht immer mit diesem erbärmlich "-in(nen)" an allen möglichen Wörtern. Wie Beamte. Das -in kann gerne an Dinge, sobald sie auf ein weibliches Individuum bezeichnet... oder nur weibliche Teile einer Truppe. Aber doch nicht Generell. Bäh. Also es heißt "Die Beamten haben nichts zu tun" aber "Die spezielle Beamtin spielte Strippoker". Sonst landen wir am Ende noch bei Kinderinnen. Oder Mannin, weil "Frau" ja schon wieder sexistisch ist. Hrmpf!

    ...

    Aber ich bin auch ein Wölfchen... was weiß ich schon? xD

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    1. Die Beamtin in Besoldungsgruppe A11 wurde früher als Amtmännin bezeichnet. Hach, die gute alte Zeit. ;-)

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  2. Ich fahre ja auch die meiste Zeit mit dem Fahrrad in die Arbeit. Meist lasse ich mir dabei aber so viel Zeit, dass mich sogar Rentner auf dem Weg zum gemeinsamen Frühstück im Dorfcafé überholen. Irgendwann komm ich dann leider doch im Büro an. Vielleicht sollte ich etwas Luft aus den Reifen lassen? ;-D - Lieben Gruß von der Sturmtänzer - in.
    Das - in lasse ich mir übrigens nicht nehmen!

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    1. Die ganzen Rentner haben ja auch E-Bikes. Das ist unfair.

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  3. Amtfrau hört sich aber auch komplett scheiße an. Ich bin ja für Hauptinspektor/in. Aber wer bin ich schon? Oberinspektorin seit gefühlten hundert Jahren. Das bin ich. Grrrmpf.

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    1. Und ich bin nur ein titelloser Angestellter. Seit über 30 Jahren immer dasselbe, wenn auch sechs Mal befördert seit der Lehre. Amtmann und Amtfrau finde ich aber auch blöd. Gut, daß ich davongekommen bin. :-D

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  4. Ich hab alte Akten gesehen, da zeichneten die Angestellten anstelle eines hübschen Titels mit ihrer Gehaltsgruppe- gz. Müller, Ang. BAT IVb und so. Bizarr.

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    1. Das ist ja noch kranker als die alten Amtsräte, die den Titel sogar in dem Kopfbogen ihrer privaten Post enthalten haben. :-D

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    2. Oder die Freaks, die als "Dipl. Kommunalbeamter" im Telefonbuch stehen. Naja, ich vermute, wenn ich meine "Diplom-Verwaltungswirtin" ins Telefonbuch eintragen ließe, würde ich Angebote kriegen, die Rathausschänke zu pachten.

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    3. Wirtin ist doch gut, das hat Zukunft. Gesoffen wird immer. ;-)

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    4. Unter dem Gesichtspunkt sollte man Klofrau werden.

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