Dienstag, 14. Juli 2015

Aufgabenstellungen

Meine Azubinette steht jetzt kurz vor einem Teil ihrer mündlichen Prüfung. Sie muß einen Aktenvortrag halten. Das bedeutet, daß sie den Inhalt einer von mir ausgesuchten und vorbereiteten Akte mündlich darstellen und bewerten muß sowie erläutern soll, wie weiter damit umzugehen ist. Diesen Aktenvortrag werden Frau Dr. Vroni Strebsinger und ich abnehmen.

Wie alle anderen Azubinetten und Azubinären vor ihr auch, denkt sie nicht im Traum daran, ihre Erfolgsaussichten mit Hilfe des von mir erwarteten neuen Fernsehers, des Wedelns mit einem Palmwedel oder auch nur des regelmäßigen Servierens eines heißen Kakaos mit Sahne zu verbessern. Dabei wird sie auch noch eine Beurteilung von mir bekommen. Unglaublich, so etwas.

„Hat das denn schon mal jemand gemacht?“

„Nur einmal habe ich einen Kakao bekommen. Sonst haben sich alle geweigert.“

„Der eine muß es aber nötig gehabt haben.“

„Eher nicht.“

„Und?“

„Jetzt wissen Sie jedenfalls, warum wir hier so ein Personalproblem haben.“

Soviel dazu.

Und die Sache mit dem Kakao?

Es ist schon Jahre her. Im Rahmen einer Überstundenaktion arbeiteten wir auch an mehreren Samstagen. Finanziell war das für uns überhaupt nicht lohnend, denn vom Brutto blieb nach allen Abzügen nur gerade ein Drittel für uns. Wenn überhaupt. Aber die Arbeitsatmosphäre war ganz anders als an den fünf Wochentagen, welche den Samstagen vorangingen.

Es war ruhiger, was nicht nur daran lag, daß das Telefon nicht klingelte. Es kam auch sonst nichts rein, was störte. Keine neuen Anträge, keine Post, keine Faxe und keine E-Mails. Man schaffte deutlich mehr. Natürlich waren auch die Erwartungshaltungen andere. Seitens des Herrn Abteilungsleiters stand die Forderung eines drastischen Anstiegs der Erledigungszahlen über das Wochenende, wir hingegen zielten nicht ganz so viel auf die Masse, dafür aber auf ein Absinken der Problemfälle. Um die Erwartungshaltung des Herr Abteilungsleiters zu erfüllen, bereiteten wir unter der Woche dann eben ein paar Fälle vor, die wir an dem Samstag nur noch an der EDV freigaben, um uns den wichtigen Dingen widmen zu können. Der Statistik war Genüge getan.

Unsere damalige Dienststellenleiterin war Frau Dr. Adelheid Strebsinger. Sie selber karrte an jedem Samstag aus eigener Tasche bezahltes Frühstück für uns alle an, ging mit einem Wägelchen rund und versorgte uns mit selbst geschmierten Brötchen. An den Tagen, an denen sie selbst unabkömmlich war, ließ sie eben alles von einem der Anwesenden besorgen und bezahlte die Auslagen. Dann wurde das Frühstück eben als kleines Buffet zum Selbermachen aufgebaut.

Später erschien an einem der Samstag die Vorgängerin Frl. Hasenclevers bei mir mit einer Tasse heißem Kakao. Er war nicht von ihr, sie sollte mir aber ausdrücklich nicht sagen, wer ihn beschafft und gekocht hätte.

Ich konnte es mir schon denken.

Auch wenn Frau Dr. Adelheid Strebsinger eine harte Nuss war, so hatte ich doch einen guten Draht zu ihr und konnte ihr zuweilen sogar in kleiner Runde Äußerungen ihres durchaus überraschend dreckigen Humors entlocken.

Frl. Hasenclevers Vorgängerin und Dr. Adelheid Strebsinger wurden später für uns alle überraschend sehr plötzlich versetzt. Unfreiwillig. Es gab zu viele Querelen und ungelöste Problemfelder. Da hat auch der Kakao nichts genützt. Aber mich hat ja auch keiner gefragt.

Doch sie hatten beide auch ihre guten Seiten. Man vergisst sie nur zu schnell.

Und das ist unfair.




Kommentare:

  1. Büroalltag eben ..menschlich und echt. "Man vergisst sie nur zu schnell" ... Da geb ich dir recht. Unangenehmes bleibt wohl in der Tat länger im Gedächtnis haften. Leider
    Gruß vonner Grete

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    1. Dabei sagt man immer, man erinnere sich nur an das Gute und verdränge das Schlechte. Menschen sind seltsam.

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  2. Wie immer. Die Besten gehen viel zu früh. :(

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    1. In diesem Zusammenhang würde ich nicht unbedingt von den Besten reden wollen. Die überraschende Entfernung aus den Positionen hatte durchaus Gründe. Mir geht es nur darum festzustellen, daß beide auch gute Seite hatten. Menschlich und fachlich.

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  3. Als ich anno 2010 aus über zwanzig-jährigem Einsatz in einer Verwaltungseinheit entfloh, hatte ich davon 17 unter einem Abteilungsleiter zu leiden, der nicht nur menschlich eine Niete war, sondern fachlich komplett unbeschlagen und nebenbei auch noch stinkefaul war. Die A13, die er für die "Leitung" einer insgesamt nur 8-köpfigen Gruppe kassierte, hätte man als Schmerzensgeld auf seine Untergebenen verteilen sollen.

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    1. Ja, auch solche Helden musste ich schon kennen lernen. Aber das war noch zu meinen Zeiten in der Hauptverwaltung, nicht in unserer Außenstelle.

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  4. Na, falls die Lust auf Kakao mal zu arg wird, dann hier mein Rezept. Die Ex meinte, ich würde sie damit umbringen wollen. Keine Ahnung, was die meint...
    500 ml Milch 3,5 %
    200 ml Sahne, 32 %
    2 Tüten Vanillezucker (oder zwei Esslöffel Zucker und 1 Vanillestange)
    ->aufkochen.
    50 g Vollmilchschokolade
    -> darin schmelzen.
    Schmeckt ganz gut. ;-)

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    1. Hmmm, ich bin da eher der etwas herbere Typ. Milch und echter Kakao, aber nicht so viel Zucker. Ganz ohne klappt nicht, aber im Vergleich eher wenig. Ich kann ja die Vollmilchschokolade gegen 80 %ige tauschen und dann mal sehen. Hat du übrigens schon mal die 99 %ige dieses Markenherstellers probiert? Ist ein Erlebnis. Was für eines, lasse ich jetzt mal außen vor. :-D

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    2. Ja, allerdings von Valrhona. Ist zwar a....teuer und leicht überbewertet, aber sehr lecker ;-)

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