Freitag, 31. Juli 2015

Morgenstund hat Gold im Mund

Es war noch früher Morgen, zumindest nach Bürozeit bemessen. Also kurz nach Sieben. Ich trat gerade aus Rebeccas Büro, in dem ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen war. Nämlich der temporären Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden. Ihr kennt das ja inzwischen zur Genüge.

Eine Durchsage über die hauseigene Rundsprechanlage riss mich aus meinem Tran.

„Guten Morgen!“

Die allseits bekannte Stimme von Frau Sanchez-Diaz, einer unserer Damen vom Empfang, hämmerte durch das ganze Haus.

„Der Besitzer eines schwarzen BMWs, älteres Modell, mit dem Kennzeichen…“ (der Leser möge sich hier einen passenden Eintrag vorstellen)„…oder so ähnlich soll den Parkplatz sofort räumen. Es handelt sich um einen Mitarbeiterparkplatz. UND ZWAR MEINEN! Ich bin richtig sauer.“

Oh, oh. Schwerer Fehler. Zum Glück nicht meiner. Wenn die mal böse ist... südländisches Temperament in Reinkultur. Kundschaft kann es nicht gewesen sein, die hat zu dieser Uhrzeit noch keinen Zugang. Also ein Kollege. Die Stimmung im Haus zeigte schlagartig eine - untertreiben wir es mal mit den Worten - gewisse Heiterkeit.

Aber was viel wichtiger ist: Jetzt bloß nicht auffallend unaufällig zum Schreibtisch gehen, einen Schlüssel in die Hand nehmen und die Etage verlassen.

Egal warum...



Mittwoch, 29. Juli 2015

Ergebnis einer Schönwetterlage

Dieser Moment an der Spülmaschine, in dem man die verschlossene Plastikdose öffnet, welche die Reste einer Quarkspeise enthält und die man nach Tagen in einer Tasche vergessen wieder aufgefunden hat…

Unvergesslich.

Unbeschreiblich.

Was könnte ihn besser zusammenfassen als mit einem simplen

*röchel*?!

Pest, Hölle und Verdammnis, das brauche ich so schnell nicht nochmal. 

Und falls es doch nochmal vorkommt: Atem anhalten, bis die Dose zumindest rudimentär mit heißem Wasser ausgespült wurde.



Montag, 27. Juli 2015

Ganz neue Methoden

Das Gebäude, in dem sich unsere LASA-Außenstelle befindet, verfügt bekanntlich weder über eine Klima- noch über eine Belüftungsanlage. Es muß nach Feierabend nahezu hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt werden. Kein Fenster darf über Nacht oder am Wochenende auch nur auf Klappe geöffnet bleiben. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen der Sicherheit.

Dies führt zwangsläufig morgens zu einem Atmosphäreschock. Stickige, warme Luft allen Ortes innerhalb der heiligen Mauern. Nicht nur im Sommer. Die will erst mal beseitigt werden.

Dr. Strebsinger – noch der alte – hatte daher mal zu einer sich bietenden Gelegenheit  ganz unkompliziert vorgeschlagen, daß der- oder diejenige, welche(r)  morgens zuerst im Büro aufschlägt, gerade zu warmen Wetterlagen alle Fenster und Türen in den Zimmern öffnet. Eigentlich eine klassische Arbeit für Hausmeister, zumal dieser zumindest rein theoretisch der Allererste im Haus ist, aber der arme Kerl ist permanent dermaßen überfordert, daß ihm dies nicht auch noch zugemutet werden kann. Er benötigt ja schon Tage bis Wochen, um eine ausgefallene Lampe wieder zum Funktionieren zu bringen und ist ansonsten schwer damit beschäftigt, die Arbeiten des Reinigungspersonals zu überwachen…

Hmmmm?

Dr. Strebsinger, so einfach geht das nicht. Wir sind eine öffentliche Verwaltung. Da sind doch einige Problemfelder zu klären.

Gehört das Öffnen der Fenster zur Arbeitszeit?

Wie wird der Zeitverlust in abzugebende Akten ausgeglichen?

Ist derjenige für alle Etagen zuständig oder nur für seine eigene?

Was ist eine warme Wetterlage?

Wo wird die Temperatur gemessen?

Wer misst die Temperatur?

Gilt dies auch für Schwerbehinderte, Kleinwüchsige und schwächliche Kollegen?

Was ist, wenn aufgrund des zu erwartenden Durchzuges loses Papier durch die Gegend weht?

Wer ist für Schäden im Falle eines unerwarteten Regen- oder Hagelschauers oder nach unerwartet starken Windbewegungen verantwortlich?

Was ist eine unerwartet starke Windbewegung?

Und wer haftet, wenn sich jemand Unbefugtes von außen Zutritt in die noch leeren Büros verschafft?

Fragen über Fragen.

Nein, Herr Dr. Strebsinger, wir können doch nicht plötzlich einfach so unerwartet unkompliziert sein. Gründen wir erst mal einen Arbeitskreis, wählen einen Vorsitzenden und einen Protokollführer, erarbeiten eine Geschäftsordnung, diskutieren und konkretisieren die Fragestellung, machen eine erste Nutzen-Folgenanalyse, bestimmen den erforderlichen Personalmehrbedarf, involvieren den Personalrat zur Durchführung einer offiziellen Testphase, holen die Zustimmung der FrauenGleichstellungs- und des Sicherheitsbeauftragten, der Schwerbehinderten- und der Jugendvertretung sowie des medizinischen Dienstes ein, lassen eine unter Einbeziehung des betrieblichen Gesundheitsmanagementes eine Gefährdungsanalyse erstellen und bereiten schließlich bis zum Beginn des nächsten Sommers einen finalen Arbeits- und Verantwortlichkeitenplan unter Berücksichtigung der bis dahin noch voraussichtlich ausscheidenden Kollegen.

Einfach so… wäre ja noch schöner.

Manchmal war er schon etwas wunderlich.




Samstag, 25. Juli 2015

Die Macht der Gewohnheit

Die zweitbeste Ehefrau von allen war am heutigen Samstag ganztägig zu Hause. Entgegen der üblichen Gepflogenheiten. Da sie am Sonntag bereits relativ früh morgens aushäusig sein wird, habe ich meine wochenendliche Sportrunde einen Tag vorziehen müssen. Ebenfalls entgegen der üblichen Gepflogenheiten

Mit anderen Worten: Am Samstag war alles so, als ob es Sonntag gewesen wäre. Und ich latsche auch den ganzen Tag mit dem Gefühl herum, daß heute Sonntag sei.

Sollte mich jemand dabei beobachten, wie ich Sonntag die Wohnung zur Bushaltestelle in Richtung Neustadt verlasse, dann haltet mich auf.

Bitte.

Es wäre sehr freundlich.



Freitag, 24. Juli 2015

Brillekieker

Dienstbesprechung im LASA. Eine der letzten unter der Leitung von Dr. Gottfried Strebsinger. Die Kolleginnen bemängelten den Zustand der Damentoiletten.

„Die Toilettenbrillen könnten auch mal getauscht werden. Das sind noch die gleichen, die schon beim Einzug hier montiert waren.“ beklagte sich Frau Wuschelpuschel. „Ekelhaft.“

„Dann müsst ihr es so machen, wie auf dem Männerklo. Unsere Brillen wurden schon häufiger getauscht, weil die kaputt waren.“  meldete sich Sven zu Wort.

„Wie? Macht ihr die immer kaputt oder was?“

„Na ja, wir haben hier ja nun einige Kollegen mit über 125 Kilo Lebensgewicht.“

Allgemeines Grinsen. Warum gucken die mich jetzt so an? Wir haben hier auch noch die beiden Inkarnationen des Ökoklaus herumsitzen. Außerdem verfolge ich diesbezüglich ja meine eigene Theorie, die ich auch gleich verkündete. Unsere billigen Klobrillen zu Hause jedenfalls sind bislang weiterhin ungebrochen.

Dr. Strebsinger kündigte einen Ortstermin mit Damenbegleitung an und versprach, sich danach um Abhilfe zu kümmern.

Die Besprechung war damit beendet.

Auf dem Flur zurück in die Büros nahmen der Ökoklaus und ich Sven in die Zange.

„Bursche, wie war das gerade? Wir zeigen dir jetzt mal, wie so eine Klobrille von unten aussieht – in runtergeklapptem Zustand…“

Boaaah, der Typ kann aber auch zappelig werden.



Donnerstag, 23. Juli 2015

Teile und herrsche

Wenn wir im LASA für die temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeit auf alle Anwesenden die Akten aufteilen, dann geschieht dies zumeist nach einem festen Plan. So ist gewährleistet, daß die Akten wiedergefunden werden und der Einzelne auch Akten bekommt, die er schon kennt, was oft ein Einlesen in einen unbekannten Vorgang erspart.

Natürlich ist diese Verteilung nicht zwingend gleichmäßig. Mal verliert man, mal gewinnen die anderen.

Nun hatte der Ökoklaus verloren.

„Paterfelis, du hast doch die Akten von Rebecca aufgeteilt?!“

„Jau.“

„Da hast du mich aber gut bedacht. Ich habe ja den mit Abstand größten Stapel abbekommen.“

Ich blickte ihn so treuherzig an, wie ich nur konnte.

„Du weißt doch, daß ich keine Freunde habe. Und jetzt weißt du auch, warum.“

Das Leben ist kein Ponyhof.



Dienstag, 21. Juli 2015

Verschnitt kommt vor

Ich saß mit meiner Auszubinetten in unserem kleinen, gemütlichen Büro und arbeitete vor mich hin, während Mandy immer noch als Langzeiterkrankte durch Abwesenheit glänzte. Nadja erschien, um auf Mandys Schreibtisch die temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden zu organisieren, als sogar mir etwas auffiel.

„Nadja, neue Frisur?“

Auch eine sparsame Wortwahl kann zum Informationsfluss führen.

„Ja.“ (Ich sagte kann. Hier ist der Fluss eben etwas kürzer)

Moment! Klang da nicht etwas Gequältes durch? Grund genug zum Nachhaken.

„Sehr kurz für deine Verhältnisse.“

„Das kommt eben davon, wenn man beim Friseur im falschen Moment niesen muß.“

Ups. Werde ich mir merken.



Montag, 20. Juli 2015

Futterstation geschlossen

Der zweitbesten Ehefrau von allen war wieder einmal danach zumute, den Grill anzuschmeißen. Zu diesem Unterfangen signalisierte ich mein Einverständnis, obwohl dadurch natürlich mein sorgsam ausgetüftelter Wochenspeiseplan durcheinander gewirbelt würde. Ich bin ja nicht so sehr der spontane Mensch und schon gar nicht der Freund des unvorbereiteten Ergänzungseinkaufens. Gut Ding will Weile Planung haben.

Egal.

Es wurde mit dem Vorsatz Grillgut gekauft, daß es nur für einen Durchgang reichen solle. Was natürlich nicht funktioniert hatte, denn es wurde einerseits doch wieder etwas viel und andererseits war es auch kein richtiges Grillwetter. Man kann grillen, wenn es warm draußen ist. Und wenn es kühler ist. Wir können auch bei leichtem mit mittelschwerem Regen draußen grillen (so lange die Windrichtung stimmt) und sind auch entsprechenden Aktivitäten im Winter während Schneefall nicht abgeneigt. Aber bei tropischen Temperaturen macht ja noch nicht mal das Essen Spaß. Also gab es am nächsten Tag mittags wieder Restegrillen.

Auf der Terrasse habe ich einen offenen Behälter für Gartenabfälle, in denen wir nach dem Ende abendlichen Grillens auf einer trocknenden weil dem Boden entrissenen Unkrautablage die Bioabfälle deponieren. Am nächsten Tag, während des Restegrillens, konnten wir die Wespen beobachten, welche sich darüber hermachten. Kein Problem soweit, denn dann bleiben sie unserem Tisch fern.

Nach dem Abflammen des Grillrostes brachte ich den Biomüll weg zur dazugehörigen Tonne. Vierbeinigen Besuch zur Leerung meines Biomüllbehälters muß ich nicht auch noch bekommen. Ich mag Ratten zwar sehr, aber alles hat seine Grenzen. So beobachteten wir die Wespen, welche auf einmal vollkommen aufgeregt in der Gegend herumflogen und die Futterstation suchten. Doch das Restaurant Paterfelis war geschlossen. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis es sich im Stock herumgesprochen hatte.

Pech.

Größeres Bedauern hingegen haben wir mit den Hummeln, die sich regelmäßig und in größeren Scharen an der hauseigenen Futteraußenstation, nämlich unserem großen Lavendelfeld, weiden. Das Feld ist jetzt auch erntereif. Die alljährlichen verschiedenen Erntehelfer stehen schon in den Startlöchern, um den Lavendel zu trocknen und dann zu Duftsäckchen zu verarbeiten.

Aber wir mögen ja unsere Hummeln. An der Seite der Terrasse steht noch ein einzelner Lavendelstrauch. Den lassen wir aus Tradition in Ruhe.

Liebe Hummeln, fresst euch daran satt, so lange er blüht. Es sei euch gegönnt.




Sonntag, 19. Juli 2015

Nordseefrühstück

Morgenroutine. Ich stehe auf und mache dem mir an der Engstelle zwischen Bett und Wand entgegenkommenden Kater klar, daß ich es durchaus ernst damit meine, genau dort entlanglaufen zu wollen.

Ab in die Küche. Was bieten wir den lieben Kleinen denn heute an?

Hering und Krabben.

Ich fülle den Napf.

Augenblicke später haben Smilla und Marty ihre Positionen eingenommen und fressen, was immer auch geht. Moment. Wie war das? Tatsächlich! Nicht Lilly und Marty, sondern Smilla und Marty. Ausgerechnet unser Trockenfutterjunkie macht sich über das Nassfutter her und drängt Lilly ab.

Immerhin lässt man noch etwas für unsere Möchtegernchefkatze übrig, welche sich später dann um ein paar der liegengebliebenen Reste kümmert.

Und ja, ich empfinde eine tiefgehende Dankbarkeit, daß alles so schnell ging. Und daß das Wetter es gerade zulässt, die Fenster weit aufzureißen.

Das Zeug stinkt wie ein ganzer Fischkutter. Ich mag ja Fisch sehr gerne und würde ihn auch schon am frühen Morgen essen, aber das hier… Pest, Hölle und Verdammnis treffen aufeinander.

Puuuhh!



Samstag, 18. Juli 2015

Katzen für Anfänger - Lektion 2

Merke: Als Mensch als solches darfst du bei deinen Katzen wohnen. Sie tolerieren deine Anwesenheit. Es gibt eine ganze Reihe pragmatischer Gründe, welche aus ihrer Sicht dafür sprechen. Du gibst ihnen Futter und Wasser. Natürlich streichelst du sie und bürstest auch ihr Fell. Je nach Katze mehr oder weniger häufig. Und du verbringst deine Zeit damit, ihre Scheiße zu schaufeln sowie tonnenweise Katzenstreu heranzukarren. Es ist ihnen egal, ob du dir beim Schleppen der Pakete einen Bruch hebst oder nicht.

Katzen haben ein eigenes, uns fremdes und zutiefst gestörtes Wärmeempfinden. Sie können in ihrem dicken Fell direkt an der geschlossenen Terrassentür in der prallen Sonne liegen auf sich aufheizen bis kurz vor dem Hitzschlag. Oder darüber hinaus. Sie merken es nicht. Es ist ihnen egal, ob du dir an ihrem Fell die Finger verbrennst, wenn du sie vor dem drohenden Durchgaren ihres Gehirns retten willst. Denn es sind Katzen.

Es gibt Katzen, die entwickeln eine tiefgehende Liebe zu dir als ihrem Menschen. Sie sind immer da, wo du auch bist. Sie legen sich neben dich. Sie legen sich auf dich. Sie pressen sich an dich. Denn sie mögen die Wärme, die du ausstrahlst. Dabei ignorieren sie vollkommen, daß auch sie selbst Wärme von sich geben. Ein rein biologischer Wärmetauschprozess findet statt.

Du bist der Verlierer des Wärmetauschprozesses. Denn eine solche, dich abgöttisch liebende Katze wird sich auch an den heißesten Sommertagen und in den schwülsten Sommernächten neben dich legen. Oder auf dich legen. Und sich an dich pressen. In ihrer vollen Länge. Und Katzen können sich sehr lang machen.

Sie wird eine Stelle finden, an der du unbekleidet bist und ihre Wärme direkt übertragen. Du bist ihre Matratze und ihr Kopfkissen. Solltest du es über das Herz bringst, sie zu verjagen, wird sie abwarten und wieder kommen, wenn du unaufmerksam geworden bist. Sie hat die nötige Geduld. Neben dir sitzend beobachtet sie dich. Sie hört auf die Geräusche, die du verursachst. Und dann spürt sie den passenden Moment.

Irgendwann beginnst du einzuschlafen. Du kannst es nicht vermeiden.

Du hast keine Chance.

Fazit: Wenn du nicht bereit bist, dich durch deine Katze selbst in den tropischsten Sommernächten überhitzen zu lassen, dann bist du nicht katzentauglich.



Donnerstag, 16. Juli 2015

Tropical Feeling

Es geht ums Wetter. Natürlich geht es ums Wetter. Als ob es noch was anderes gäbe. Außer Sternenzerstörer.

Die Wetterfrösche hatten es angesagt, und auch für den nicht akademische ausgebildeten Wetterlaien war es bereits spürbar: Der Tag würde wieder sehr warm werden. Also hatte ich mich in meinen noch von der ersten Wäsche am gestrigen Abend leicht feuchten Neuerwerb geschmissen und nahm den Weg in Richtung LASA, Außenstelle Süd-Südwest, Abschnitt Höhle im Schicksalsberg auf.

Im Bus musste ich mit nicht geringem Erstaunen zur Kenntnis nehmen, daß manche Menschen wieder Jacke trugen. Nicht nur ein einfaches Strickjäckchen, sondern Steppjacken. Dabei hatten meine investigativen Bemühungen zuvor ergeben, daß sich die Außentemperaturen gegen halb sechs Uhr morgens schon knapp unter 20 Grad bewegten. Die 30 Grad-Marke würde heute wieder geknackt werden. Aber der Himmel war nicht ungetrübt, sondern zeigte das eine oder andere Wölkchen. Ein vermutlich sicheres Anzeichen für den drohenden Wintereinbruch.

Als ich die Treppe nach oben zum Erdgeschoss vor mir aufragen sah, lief mir an der Seite schon der erste Schweißtropfen herunter. Buaaahh. Stufe für Stufe stieg ich nach oben, hielt meine Karte gegen den Kartenleser, ließ die Pforte aufschwingen und betrat das Gebäudeinnere.

Die Tür des mir gegenüber befindlichen Aufzugs öffnete sich, als auch schon die Azubinette den Vorraum des Hauses betrat. Na prima, unsereins fährt brav mit Bus und Bahn, während die Jugend ungehemmt das Auto nutzt, um die Wege zu bewältigen. Irgendetwas läuft in meinem Leben ganz gewaltig schief, davon bin ich einfach überzeugt.

Die Azubinette sah mich, grinste wie ein Honigkuchenpferd, deutete auf mein Shirt und begrüßte mich mit den Worten: „ Guten Morgen, Herr Paterfelis. Endlich gibt es von Ihnen auch mal was Positives. Sonst sind sie ja nur am Meckern.“

Mooooment. Ich meckere nie. Ich äußere allenfalls sachdienliche und höchst erwünschte Kritik. Nur um das hier mal direkt zu klären. 

Und selbstverständlich stellt mein Shirt nicht mal im Ansatz den Ausdruck eines Wohlbefindens dar…



Zustand nach Abtrocknen der Schweißflecken


…sondern soll eher den Aufschrei einer gequälten Seele in einem gequälten Körper vermitteln.

Rotzblag.



Mittwoch, 15. Juli 2015

Vom frühzeitigen Ende einer potentiellen Karriere

Wir saßen in unserem gemütlichen Büro der Höhle zum Schicksalsberg und litten vor uns hin. Die Mittagshitze war unerträglich, außerdem hatte mich mein Suppenloch voll erwischt. Pausenzeit.

Sven stand im Raum. Wie aus in letzter Zeit häufiger gegebenem Anlass plauderten wir über Sternenzerstörer. Es gibt da nämlich ein neues Spiel, welches zu besitzen mir wieder in den Fingern juckt. Mit Sternenzerstörern und so. Alles eine Geldfrage. Dementsprechend bleibt es bei meinen Traumvorstellungen, mit einer Flottille den Sieg des Galaktischen Imperiums über das Rebellenpack davonzutragen. Außerdem kann ich Sven nicht bequatschen, da mit einzusteigen.

Meine Azubinette verstand kein Wort von dem, was wir so redeten. Sie wusste nicht mal, was ein Sternenzerstörer ist. Und von Darth Vader hatte sie nur am Rand etwas mitbekommen. Die Jugend von heute, also echt. Sie argumentierte damit, daß seien Jungsfilme gewesen, die auch vor ihrer Zeit ins Kino gekommen wären. Damals, Ende der Siebziger, als der Krieg der Sternenoch gut war. Auch die Argumentation, daß da eine Prinzessin und Teddybärenauftreten würden, ließ sie ihre Meinung nicht ändern.

Nun denn, es gibt ja auch Mädchenfilme. Ich erinnerte mich an Alex‘ Filmrätsel und erzählte davon. Man sieht ein Foto mit einer Frau, welche eine Melone in den Armen hält. Wie heißt der Film. Meine Gedanken dazu ähnelten durchaus denen des Herrn Löffels in den Kommentaren zu Alex‘ Eintrag, aber er war mir da voraus.

Die weibliche Leserschaft kam schneller auf die Lösung. Die richtige natürlich. Quasi sofort. Auch meine Azubinette wusste augenblicklich, um welchen Film es sich handelt. Dabei war es jetzt natürlich völlig egal, daß dieser Film ebenfalls deutlich älter ist als sie.

Auch der zweitbesten Ehefrau von allen musste ich, nachdem Alex das Rätsel veröffentlicht hat, nur kurz das Bild zeigen, da hatte sie die Lösung. Sie erzählte etwas von DER zentralen Stelle des Films. Ich wurde sogar gezwungen, mir die fragliche Szeneanzuschauen.

Wir wiederholten das Experiment und holten den Ökoklaus hinzu.

„Ökoklaus, hör mal zu.  Wie heißt der Film? Frau hält Melone mit beiden Armen.“

„Ähm, keine Ahnung.“

„Hallo? Das ist DIE zentrale Stelle des Films.“

„Keine Ahnung.“

Gut, wechseln wir zur aus männlicher Sicht zentralen Stelle des Films.


„Ach so, Dirty Dancing. War ja einfach.“

Na also. Hat doch geklappt.

Und was sagt die Azubinette?

„Dirty Dancing ist ja auch das weibliche Gegenstück zu Krieg der Sterne.“

Das! Weibliche! Gegenstück! Zu! Krieg! Der! Sterne!

Damit sind wohl die letzten Aussichten auf Bestehen der Prüfung den Bach runter gegangen. Gleich ob mit oder ohne Typ im Wasser.

Obwohl… Frau Dr. Strebsinger ist bei der Prüfung dabei. Und sie ist ziemlich eindeutig eine Frau.

Da könnte jetzt aber jemand mächtig Glück gehabt haben.




Dienstag, 14. Juli 2015

Aufgabenstellungen

Meine Azubinette steht jetzt kurz vor einem Teil ihrer mündlichen Prüfung. Sie muß einen Aktenvortrag halten. Das bedeutet, daß sie den Inhalt einer von mir ausgesuchten und vorbereiteten Akte mündlich darstellen und bewerten muß sowie erläutern soll, wie weiter damit umzugehen ist. Diesen Aktenvortrag werden Frau Dr. Vroni Strebsinger und ich abnehmen.

Wie alle anderen Azubinetten und Azubinären vor ihr auch, denkt sie nicht im Traum daran, ihre Erfolgsaussichten mit Hilfe des von mir erwarteten neuen Fernsehers, des Wedelns mit einem Palmwedel oder auch nur des regelmäßigen Servierens eines heißen Kakaos mit Sahne zu verbessern. Dabei wird sie auch noch eine Beurteilung von mir bekommen. Unglaublich, so etwas.

„Hat das denn schon mal jemand gemacht?“

„Nur einmal habe ich einen Kakao bekommen. Sonst haben sich alle geweigert.“

„Der eine muß es aber nötig gehabt haben.“

„Eher nicht.“

„Und?“

„Jetzt wissen Sie jedenfalls, warum wir hier so ein Personalproblem haben.“

Soviel dazu.

Und die Sache mit dem Kakao?

Es ist schon Jahre her. Im Rahmen einer Überstundenaktion arbeiteten wir auch an mehreren Samstagen. Finanziell war das für uns überhaupt nicht lohnend, denn vom Brutto blieb nach allen Abzügen nur gerade ein Drittel für uns. Wenn überhaupt. Aber die Arbeitsatmosphäre war ganz anders als an den fünf Wochentagen, welche den Samstagen vorangingen.

Es war ruhiger, was nicht nur daran lag, daß das Telefon nicht klingelte. Es kam auch sonst nichts rein, was störte. Keine neuen Anträge, keine Post, keine Faxe und keine E-Mails. Man schaffte deutlich mehr. Natürlich waren auch die Erwartungshaltungen andere. Seitens des Herrn Abteilungsleiters stand die Forderung eines drastischen Anstiegs der Erledigungszahlen über das Wochenende, wir hingegen zielten nicht ganz so viel auf die Masse, dafür aber auf ein Absinken der Problemfälle. Um die Erwartungshaltung des Herr Abteilungsleiters zu erfüllen, bereiteten wir unter der Woche dann eben ein paar Fälle vor, die wir an dem Samstag nur noch an der EDV freigaben, um uns den wichtigen Dingen widmen zu können. Der Statistik war Genüge getan.

Unsere damalige Dienststellenleiterin war Frau Dr. Adelheid Strebsinger. Sie selber karrte an jedem Samstag aus eigener Tasche bezahltes Frühstück für uns alle an, ging mit einem Wägelchen rund und versorgte uns mit selbst geschmierten Brötchen. An den Tagen, an denen sie selbst unabkömmlich war, ließ sie eben alles von einem der Anwesenden besorgen und bezahlte die Auslagen. Dann wurde das Frühstück eben als kleines Buffet zum Selbermachen aufgebaut.

Später erschien an einem der Samstag die Vorgängerin Frl. Hasenclevers bei mir mit einer Tasse heißem Kakao. Er war nicht von ihr, sie sollte mir aber ausdrücklich nicht sagen, wer ihn beschafft und gekocht hätte.

Ich konnte es mir schon denken.

Auch wenn Frau Dr. Adelheid Strebsinger eine harte Nuss war, so hatte ich doch einen guten Draht zu ihr und konnte ihr zuweilen sogar in kleiner Runde Äußerungen ihres durchaus überraschend dreckigen Humors entlocken.

Frl. Hasenclevers Vorgängerin und Dr. Adelheid Strebsinger wurden später für uns alle überraschend sehr plötzlich versetzt. Unfreiwillig. Es gab zu viele Querelen und ungelöste Problemfelder. Da hat auch der Kakao nichts genützt. Aber mich hat ja auch keiner gefragt.

Doch sie hatten beide auch ihre guten Seiten. Man vergisst sie nur zu schnell.

Und das ist unfair.




Montag, 13. Juli 2015

Übergangszeit

Aus Frl. Hasenclevers Büro drang sehr undamenhaftes Gefluche an mein Ohr. Vorsichtig riskierte ich einen Blick, der Anteilnahme signalisieren sollte. Kann ich aber nicht so gut.

„Was ist denn los?“

Sie schaute mich mit blitzenden Augen an.

„Dr. Strebsinger nervt.“

„Welcher?

„Der alte. Seit die neue Dr. Strebsinger da ist, hat er nicht mehr viel zu tun. Und was geschieht bei Leuten, die nicht viel zu tun haben?“

„Weiß ich doch nicht, ich kenne mich damit nicht so aus.“

„Sie mutieren zu Fiseuren…“

„Ähm..?“

„…und entwickeln haarsträubende Gedanken.“

Na dann.



Samstag, 11. Juli 2015

Wikingergedöns

Eine der ersten Fernsehserien, an die ich mich als regelmäßiger Zuschauer erinnern kann, ist Wicki und die starken Männer. Immer donnerstags, 17.10 Uhr im ZDF. Vorher gab es die Programmvorschau, eingeblendet auf Schrifttafeln. Ziemlich langweilige Sache. Und noch davor gab es – nichts. Das Programm fing unter der Woche einfach nicht früher an. Es hat niemanden geschadet.

Natürlich habe ich die Serie gerne gesehen, denn es kamen ja Schiffe darin vor. Aber auch ein paar Dinge, die ich nicht so ganz verstehen konnte. Zum Beispiel war immer unklar, wie viele Wikinger sich jetzt tatsächlich auf dem Schiff befanden. Meistens waren nur die Hauptpersonen zu sehen, in anderen, eher seltenen Einstellungen tauchten auch weitere Männer an Bord auf. Und man konnte nicht nachvollziehen, wo die herkamen. Bei einem Drachenboot gab es zwar Räume unter Deck, aber diese dienten nicht dazu, die Mannschaft aufzunehmen. Und auch in den Dialogen beschränkte sich die Anzahl der als vorhanden erwähnten Wikinger oft auf sechs zuzüglich des Häuptlings Halvar, also auf die namentlich bekannten Hauptpersonen. Mich störte das schon ein wenig, denn ich konnte mir dies nicht rational im Zusammenhang mit der Handlung erklären. Schon als Kind war ich da bekanntlich etwas eigen.

Egal, die Geschichten haben mir immer gefallen, sofern sie auf einer Reise spielten und nicht so einen Kinderkram oder - noch schlimmer - Mädchenkram zeigten wie Wicki und seine beiden Robben. Oder waren das Seelöwen? Weiß ich nicht mehr. Schon damals waren die besten Folgen immer jene, in denen die Wikinger sich durchaus handgreiflich mit ihren Gegnern auseinandergesetzt haben. Männer sind so. Und Jungs auch.

Nur eine einzige Folge habe ich verpasst. Und zwar ausgerechnet diejenige, in welcher der Schreckliche Sven auftauchte um das Wikingerdorf zu überfallen. Ich hatte einen Termin im Krankenhaus zu einer Untersuchung. Schon in meinem damaligen zarten Alter litt ich regelmäßig an Kopfschmerzen, deren Ursache man mittels eines EEG auf die Spur kommen wollte. Später zeigte sich, daß der Besuch eines Augenarztes der Sache dienlicher gewesen wäre. Doch zurück zum Thema. Mein Vater hat sich dann mit Mikrofon und Tonbandgerät vor dem Fernseher aufgebaut, damit ich diese Folge zumindest als Hörspiel mitbekommen konnte. Videorekorder gab es ja noch nicht.

Natürlich habe ich mich – ganz dem Kind im Manne folgend – auch sehr über die späteren Realfilme gefreut, die ich für wirklich gelungen halte.

Beim gelangweilten Hin- und Herschalten zwischen den Programmen Zappen bin ich auf eine weitere Neuverfilmung gestoßen. Offensichtlich hat man zwischenzeitlich weitere Folgen der Serie im Trickfilmformat produziert, wenn auch computeranimiert. Ganz eindeutig orientierte man sich bei der Gestaltung der Figuren und der Szenerie an der alten Zeichentrickserie. Und als alter Klugscheißer mußte ich gleich feststellen, daß man einen Fehler aus der Serie übernahm, der nun wirklich nicht sein musste. Nein, es geht nicht um das Fernrohr, welches einen deutlichen Anachronismus darstellte, sondern um die Fahne des Schiffes. Denn diese zeigte zuweilen die Angewohnheit, auch bei stramm von achtern wehendem Wind und geballtem Segel vom Mast aus gegen den Wind heckwärts zu wehen.

Freunde, bei jeglicher Hommage an das Ursprüngliche wäre das nun wirklich nicht nötig gewesen.


PS: Der Beitrag liegt bei mir schon seit ein paar Monaten auf Eis, aber ich meine, er passt jetzt gut zu Lady Crooks Serie über die Helden der Kindheit.


Donnerstag, 9. Juli 2015

Es wäre doch so schön

Während ich gerade Akten in anderer Leute Schränke deponierte – ich wisst ja, die Temporäre undsoweiterundsofort – sprach mich Trudi an.

„Ich habe da was Wichtiges.“

„Was denn?“

„Wie ist das eigentlich mit dem Firmenlauf?“

„Was für ein Firmenlauf?“

„Ich habe gelesen, daß in Neustadt ein Firmenlauf stattfindet. Ein Wettbewerb für Laufteams aus den örtlichen Unternehmen.“

„Na, und?“

„Alle großen Firmen machen dabei mit.“

„???“

„Das könnten wir doch auch.“

„Meinst du, wir bekämen genügend Leute zusammen?“

„Bestimmt. Ich würde das machen, der Ökoklaus und Rebecca bestimmt auch.“

„Und weiter?“

„Ich könnte ja mal Dr. Strebsinger fragen.“

„Oh, die Antwort kann ich dir schon geben.“

„Echt?“

„Klar. Es wird heißen ‚Charmante Idee, Frau Trudi. Dann kümmern Sie sich mal gleich darum.‘“

„Ne, dann lieber nicht.“

Dann war es wohl kaum wichtig genug.



Dienstag, 7. Juli 2015

Verwirrte

Schon am frühen Morgen hatte uns in der letzten Woche die Hitze im Griff. Die Nacht hatte so gut wie keine Abkühlung gebracht. Kann auch nicht funktionieren, weil die Fenster nach Feierabend aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben müssen. Also bleiben Wärme und Mief in der Bürogrotte gut erhalten. Und im Büro darf ich mich natürlich nicht so anziehen, wie ich das gerne möchte. Gut, der so genannte Dresscode ist offiziell für uns in der Sachbearbeitung nicht vorhanden und ansonsten auch butterweich, aber den Ansatz von Ärmeln möchte man bei den Herren der Schöpfung schon sehen.

ÄRMEL!

Ich schleppte mich den Gang runter zu meiner Höhle im Schicksalsberg. Eine Bezeichnung, die sich inzwischen für mein Büro eingebürgert hatte. Der geneigte Leser wird sich zu erinnern wissen.

Frl. Hasenclever war bereits vor mir angekommen und zeigte sinnvolle Initiative, indem sie die Höhlenfenster öffnete.

„Frl. Hasenclever, ich habe gerade im Aufzug zunächst den falschen Knopf gedrückt. Das ist doch bestimmt ein Zeichen von beginnender, hitzebedingter Verwirrtheit.“

„Ganz bestimmt, Herr Paterfelis.“

„Schicken Sie mich jetzt nach Hause?“

„Klar. Und suchen Sie sich noch einen Begleiter, der Sie auf den rechten Weg führt. Nicht, daß Sie in den falschen Zug einsteigen.“

„Wäre echt dramatisch.“

„Ich will dann aber auch gehen.“

„Sie sind ja häufiger verwirrt. Was ist es denn dieses Mal?“

„Ich habe heute Morgen versehentlich beide Haustürschlüssel mitgenommen. Wenn mein Freund jetzt das Haus verlässt und in der Unterhose vor der Tür steht, kommt er nicht mehr rein.“

„…“

Nein, ich habe nicht gefragt, warum ihr Freund in Unterhose vor der Tür stehen sollte.

Wirklich nicht.

Vorschläge?






Montag, 6. Juli 2015

Er kommt voran

Wir saßen in unserem kleinen, gemütlichen Büro und arbeiteten vor uns hin. Also die Azubiene und ich. War ja sonst keiner im Raum. Mich überkam der leichte Drang nach Feierabend, also richtete ich huldvoll das Wort an meinen Schützling (?), meine Schützlinga (?), die Schützline (?), also die Schutzbefohlene.

„Hallo, aufwachen. Sie waren doch heute Mittag draußen. Wie war denn das Wetter so.“

„Warm. Nicht so warm wie am Wochenende, aber warm. Immer noch zu warm, wenn Sie mich fragen.“

Das hatte ich befürchtet.

„Hrmpf. Vielleicht bekommen wir ja bald wieder Herbst.“

Der Ökoklaus hatte meinen frommen Wunsch mitbekommen.

„Du weißt schon, daß wir gerade erst Sommer haben, oder?!

„Ja, aber es handelt sich um den deutschen Sommer. Da können sich die Dinge sehr schnell ändern.“

„Richtig, wir hatten schon Sommer, die nach wenigen Tagen in den Herbst übergingen. Will ich aber nicht haben.“

„Du hast ja nur Angst vor dem Wind, wenn du mit dem Fahrrad fährst.“

„Der Wind ist jetzt schon mein ärgster Feind. 10 Kilometer bei 12 km/h bergauf sorgen nicht für Gegenwind, der sich kühl anfühlt. Und schon gar nicht an Tagen wie den letzten Donnerstag oder Freitag.“

Ich bleibe dabei, kein Mitleid mit ihm zu haben.

„Aber ich habe jetzt eine Idee gehabt, wie ich etwas besser fahren kann.“ fuhr der Ökoklaus fort, mich von meinem Feierabend abzuhalten. „Ich habe die Reifen stärker aufgepumpt.“

„Und?“

„Jetzt bin ich eine Minute schneller.“

Sehr beeindruckend.

„Da kannst du mal sehen, was der Abrollwiderstand ausmacht. Wie negativ sich da wohl noch zusätzliche Stützräder auswirken…“

„Stimmt, die sollte ich so langsam auch mal entfernen.“

Rennrad mit Stützrädern sieht aber auch irgendwie bescheuert aus.

Es kann nur an der Hitze liegen.








Sonntag, 5. Juli 2015

Immer noch Ernst

Kaum meckert man öffentlich, ändern sich die Dinge.

Wolken!

Wind!

Donnergrollen!

Sturmgebruus!

Hagel!

Fenster aufreißen, Terrasse sichern!



Ja, der Grill steht mittlerweile ständig auf der Terrasse.



Die Dampfschwaden sieht man leider nicht so richtig.


Nach Ende des Hagelschlages, also quasi nur Augenblicke nach seinem Beginn, liefen wildfremde Menschen in Notbekleidung durch die abgekühlte Luft auf die Straßen und fielen sich in die Arme schauten nach ihren unter freiem Himmel geparkten Autos.

Frau Kleinhüppgenreuther bewaffnete sich schnurstracks mit einem Besen und befreite die Straße von den vor sich hin dampfenden Hagelkörnern. Herr Kleinhüppgenreuther trocknete die außen liegenden Fensterbänke des Hauses. Übrigens: Dieses ist kein Scherz und auch keine Übertreibung, sondern zeigt das harte, unverfälschte Leben im Kirschgartenweg. Ich muß einfach mal darauf hinweisen.

Und dann geschah das Schlimmste.

Die Sonne kam wieder raus.

NEIIIIIIIIN!!!

Jetzt wird es ekelig. Aber so richtig. Schlimmer als zuvor.

Wir verrammeln dann mal wieder alles. Sauerstoff und Textilien werden ohnehin überbewertet.



PS: Meine Angetraute muß morgen Kurse geben. Wirbelsäulengymnastik und Problemzonengymnastik. Ich rege an, jeden bei diesem Wetter dort freiwillig auftauchenden Teilnehmer einzuweisen.



Ernst

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

die noch heute Morgen versprochene Abkühlung wurde wieder abgesagt. Der Wetterdienst hat einen Rückzieher gemacht. Mehr als mal für eine paar Minuten Wolken vor der Sonne hat es nicht gegeben, und die wenige Fliegenpisse, die da vom Himmel kam, hat die Luftfeuchtigkeit nur wieder erhöht. Das Donnergrollen interessiert mich nicht. Warten wir auf die Abendstunden.

Mein Kreislauf lief gestern weder im Kreis noch geradeaus. Er lag darnieder. Innerhalb der Woche hätte ich mich in dem Zustand tatsächlich krank melden und mich dazulegen müssen.

Wenn dann noch im Angebotszettel des örtlichen Einzelhandels ein Schweinekrustenbraten offeriert wird, und ich nicht mal den Ansatz eines Hauches von Interesse daran zeige, eine derartige Delikatesse zu erwerben, zuzubereiten und zu essen, ist es wirklich schlimm.

Ich würde den nicht mal essen, wenn ich mich nicht auch nur um irgendetwas zur Vorbereitung kümmern müsste und der Ofen in einem anderen Gebäude stände.

Damit ist der Punkt erreicht.

Die Lage ist Ernst. ERNST!

Ich röchel dann mal weiter vor mich hin und überlege, was ich morgen im Büro alles nicht anziehen werde.

Mit freundlichen Grüßen

Paterfelis


Vom Umgang mit Wetterfröschen

Mein Weg führte mich, nachdem ich mich dort einiger Akten entledigt hatte, vom Postbüro unseres Erdgeschosses auf die Etage der Sachbearbeitung. Die Aufzugstüren öffneten sich. Ich wechselte vom noch relativ kühlen Inneren der Metallbox in den bereits wärmegefluteten Flur.

Landesdirektor Dr. Gottfried Strebsinger, seines Zeichens scheidender Leiter der Außenstelle Süd-Südwest des Landesamtes für sozialen Ausgleich, schleppte einige Aktenordner durch die Gegend, um deren Inhalt im Container für datenschutzwürdigen Papiermüll zu entsorgen. Er würde das ganze Zeug in seiner künftigen Position nicht mehr benötigen.

„Na, ist ja ganz schön warm. Und das zu dieser Uhrzeit.“ nahm er mich verbal in Empfang.

„Oh ja, aber wir sind ja Leid gewohnt.“

„Bei Ihnen im Zimmer ist es ja noch schlimmer als bei mir.“

„Stimmt. Und wenn ich nochmal im Fernsehen einen Wetterfrosch sehe, der bejubelt, daß der Sommer endlich angekommen sei, ziehe ich ihn direkt durch die Mattscheibe.“

„Jawohl, und dann aufpusten und platzen lassen…“

Hin und wieder hat er ja richtig gute Ideen, das muß man ihm lassen. Ich bin sehr gespannt, ob seine designierte Nachfolgerin, Frau Dr. Vroni Strebsinger, auch so drauf ist.



Samstag, 4. Juli 2015

Walzer und Abgeleitetes

Freitag, früher Abend. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich arbeiteten in unserem kleinen, gemütlichen Büro friedlich suppten auf der Terrasse vor uns hin, während der Grill sein Bestes gab, die Umgebungstemperatur weiter nach oben zu jagen. Jajaja, Grillen bei dem Wetter grenzt an Selbstmord. Ist mir klar. Und meiner Angetrauten auch. Aber wenn man nach unangemessenem Unterschätzen der Wettervorhersage den Kram besorgt hat und kein Platz zum Einfrieren frei ist, muß man da durch. Das ist jetzt eben mal so. Und immer noch besser als der Ökoklaus, der am Donnerstag nach Feierabend mit seinem Fahrrad 10 km bergauf strampeln musste.

Arme Sau.

Aber er suchte es sich ja selbst aus. Also doch kein Mitleid. Wir gedenken der Hinterbliebenen.

Am Samstag hat meine Angetraute vor, ganztägig an einem Erste Hilfe-Kurs teilzunehmen.

„Du, ich weiß nicht, was ich morgen anziehen soll.“

„Auf jeden Fall was Luftiges.“

„Ich kann morgen aber keinen Rock oder Kleid anziehen.“

„Warum nicht?“

„Hallo? Erste Hilfe-Kurs! Ich muß nicht unbedingt ein Kleid anhaben, wenn ich da auf dem Boden herumgewälzt werde.“

Verdammt!

Sie sagte gewälzt.

Irgend etwas hat in meinem hitzegeplagten Hirn Klick gemacht. Jetzt habe ich wieder fast zusammenhanglos einen Ohrwurm im Kopf.







Macht nichts, es gibt Schlimmere. Bekanntgabe erfolgt auf Anfrage.

Los, fragt schon!

>:-)


Freitag, 3. Juli 2015

Katzen-Uff

Die Aufnahme fester Nahrungsmittel scheint bei diesem Wetter auch nicht zu den angenehmen Dingen zu gehören.

Heute Morgen, während die Schweißperlen auf meinem Rücken schon wieder ein Wettrennen veranstalteten, hat sich kein Angehöriger der Katzenbande auch nur in der Nähe der Küche blicken lassen, um Futter abzuholen.

Keine(r)!

Die drei Fellbündel liegen auch nur wie erschossen in der Gegend herum.

Und ich?

Ich gehe dann mal zur Arbeit in den Schicksalsberg.




Donnerstag, 2. Juli 2015

Gedanken zum Tag

Uff!

Und morgen?

Siehe heute.

Übermorgen?

Siehe morgen.

Schrecklich.

Bald ist wieder Herbst. Auf irgendwas muß man sich ja freuen. Bis dahin funktioniere ich in jeglicher Hinsicht nur im Sparbetrieb.

Aber vielleicht vergeht der deutsche Sommer ja auch wieder etwas schneller.

Uff!