Sonntag, 7. Juni 2015

Wat is en Dampfmaschin?

Eines der Fundstücke aus der Keller-Kellerentrümpelung ist meine alte Dampfmaschine. Eine D16 von der Firma Wilesco. Wobei der Begriff Fundstückehier nicht so ganz zutreffend ist. Ich wusste ja, daß sie da lagert. Aber ich freue mich trotzdem immer wieder, wenn sie mir mal in die Finger fällt.

Das heute noch unter dieser Bezeichnung hergestellte Modell sieht in einigen Details anders aus. Das Baujahr meiner Maschine müsste um 1975/76 gewesen sein, was ich jetzt einfach vom ungefähren Zeitpunkt des Kaufes ableite.

Ich wollte immer eine eigene Dampfmaschine haben, seit ich mal so eine bei meinem älteren Cousin gesehen hatte. Der hatte eine D20, die mit einem Manometer ausgestattet war. Nur war sie teuer. Richtig teuer. Noch teurer als die von mir auserkorene D16. Etwa 80 DM sollte das Objekt meiner Begierde kosten. Das war natürlich viel Geld für mich. Ein Vermögen. Also begann ich, mein Taschengeld zu sparen. Doch es würde dauern, bis ich das Geld zusammen hatte. Deutlich länger als ein Jahr. Meine Rechenkünste reichten damals schon so weit, um diese ernüchternde Feststellung treffen zu können.

Nun begab es sich aber, daß meine Eltern und ich ins Sauerland in Urlaub fuhren. Und mein damals bester Freund Holger durfte mitfahren. Meine Eltern wollten damals kein Geld dafür, aber um sich dennoch erkenntlich zu zeigen, schenkten Holgers Eltern mir ein kleines Buch, in dessen Inneren ein 50 DM-Schein lag.

50 DM! Für mich! Ich war reich. Nie wieder arbeiten!

Zusammen mit meinem Ersparten reichte es aus, um mir die ersehnte Dampfmaschine zu kaufen. Und durch die eine oder andere milde Gabe waren auch noch Erweiterungen drin. Denn so eine Dampfmaschine ist ja kein reiner Selbstzweck; die soll schon was antreiben.

Nun habe ich mich ja schon häufiger über meinen Realitätssinnausgelassen. Auch hier kam er sofort zum Tragen. Denn es gab da als Erweiterung unter anderem ein so genanntes Antriebsmodell, welches eine echte Dampfmaschine niemals angetrieben hätte, ja was noch nicht mal einen Sinn hatte, wäre es einst tatsächlich in groß gebaut worden. Ein Farbenrad. Vollkommen unrealistisch! Das wollte ich auf keinen Fall. Seit dem ich wusste, daß es das gibt, trieb mich die Sorge um, es mal geschenkt zu bekommen und dafür auch noch Dankbarkeit vortäuschen zu müssen, um niemanden zu enttäuschen - und damit der einzige Enttäuschte zu sein. Ich hasste es damals schon, genau so wie ich es heute noch hasse. Nein, da sollten es besser einige Werkzeuge sein, wie sie auch in einer Werkstatt vorhanden waren. Also ein Schleifblock, eine Säge und so etwas in der Art. Die Auswahl war groß genug.


Der Sockel des Schleifblocks ist etwas angerostet, alles andere kann man polieren.

Nun hatte ich also meine Dampfmaschine, meine Antriebsgeräte und Esbit-Stäbe, um den Kessel auch ordentlich befeuern zu können. Nun brauchte ich noch jemanden, der mir diese Stäbe auch anzündete. Das habe ich mich nicht getraut, obwohl ich damals ja schon von Feuer fasziniert war und mich immer gefreut habe, wenn ich in Omas Ofen oder bei einem Postfeuer etwas verbrennen durfte.

Ihr kennt keine Postfeuer? Postfeuer nannten wir es immer, wenn irgendwo im Garten Holz-, Karton- und Papierreste flammenderweise entsorgt wurden. Bei meiner Oma im Garten klappte das ganz gut, bis auf dem Nachbargrundstück hinter dem Sandberg ein Krankenhaus errichtet wurde. Von da an war diese Zeit vorbei. Und Jahre später führte man diesen neumodischen Umweltschutz ein, womit sich die Postfeuer auch anderen Ortes zu meinem größten Leidwesen erledigt hatten.

Wie dem auch sei, war ich ein kleiner Pyromane, der sich allerdings nicht mal traute, ein Feuer selbst anzuzünden, weil er Angst hatte, sich mit einem abbrechenden aber doch schon entzündeten Streichholz die Finger zu verbrennen. Wer weiß, was der Welt dadurch alles erspart geblieben ist?

Der Idee meines Vaters, der damals dazu neigte, alles was ins Haus kam sofort irgendwie umzubauen, die Maschine auf Feuerung mittels Brennspiritus umzustellen, leistete ich heftigen Widerstand. Diesen Spiritus kannte ich vom Fondue. Und das war mir dann erst recht viel zu gefährlich. Gefährlicher jedenfalls als ein abbrechendes, brennendes Streichholz.

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, daß die zweitbeste Ehefrau von allen der Meinung ist, ich sei nie ein Kind gewesen? Wenn sie diese Zeilen liest, wird sie mir dies wieder erklären. Da bin ich ganz sicher.


Sogar die originale Gebrauchsanweisung ist noch da.

Was aber stellt man denn nun mit einer Dampfmaschine an, wenn der Kessel endlich ordentlich Druck aufgebaut hat? Man lässt sie arbeiten, so daß die Werkzeuge sich bewegen. Das ist alles. Richtig spielen konnte man damit irgendwie nicht. Es sah einfach nur gut aus. Ach ja, wenn der Kesseldruck hoch genug war, konnte man das Sicherheitsventil pfeifen lassen. Auch nicht schlecht. Aber irgendwie ist das Modell doch eher ein Sammlerstück als ein Kinderspielzeug. Zumindest sehe ich es heute so.

Ich habe mal einen meiner Schlümpfe, ein altes Exemplar aus einer Schokoladenpackung, nicht in blauweiß, sondern ganz in grün, aber stilecht passend mit Maulschlüssel in der Hand, auf den Umlauf der in Betrieb befindlichen Maschine gestellt. Was soll ich sagen – seine Füße zeigten nach einiger Zeit gewisse Verformungserscheinungen. Schade.

Einen Höhepunkt gab es noch, als wir im Sachkundeunterricht der Grundschule die Dampfmaschine durchnahmen zum Thema hatten. Ich habe von meiner Maschine erzählt und durfte sie zu Vorführzwecken mit in die Schule bringen. Auch unser Rektor Herr Schöne war anwesend und erklärte mir direkt, daß der Trichter, mit dessen Hilfe das Wasser in den Kessel zu füllen war, an Verkalkung leiden würde, weil ich nie destilliertes Wasser verwendet hatte. Der Trichter wurde von mir später immer und immer wieder in Augenschein genommen, aber ich konnte nie feststellen, wie Herr Schöne das erkannt haben will. Was bestimmt nur ein Bluff von ihm.

Als meine Lehrerin mich fragte, was das denn für eine Flüssigkeit sei, die an der Seite in einem kleinen Becken aufgefangen wurde, erklärte ich ihr, daß es wohl Öle sein würden, welche von der Maschine im Betrieb über die Röhren ausgespuckt werden. Die gleiche Frage hatte ich schon vorher mal zuerst mir und dann meinem Vater auch gestellt. Mein Vater hat mir auf meine diesbezügliche Frage hin zwar zutreffend erklärt, daß es sich dabei um Kondenswasser handeln würde, aber leider vergaß er mir auch klarzumachen, was Kondenswasser überhaupt sei. Und ich habe dann einfach meine Erklärung gefunden.

Dumm gelaufen.

Nach einiger Zeit des Nichtgebrauches wurde die Dampfmaschine zunächst im elterlichen Keller, dann jahrzehntelang in der Garage meiner Oma und schließlich von dort aus in unserem Keller-Keller eingelagert. Jeglichem Entsorgungsvorschlag seitens meiner Eltern habe ich standhaft gegengehalten.

Die D16 hat ihre ersten 40 Jahre eigentlich ganz gut überstanden.

Und jetzt stellen wir uns mal ganz dumm und lauschen noch etwas dem dem Unterricht von Professor Bömmel.






Kommentare:

  1. Das erweckt auch Erinnerungen in mir. Ich habe die selbe Maschine mal zu Weihnachten bekommen. Viel anfangen konnte ich damit auch nicht. Ein Freund von mir bekam dann eine Dampfwalze. Die konnte wenigstens fahren.

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    1. Ja, die Dampfwalze kenne ich auch noch. Tolles Modell.

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  2. D8 - leider zu schwach für was auch immer. Stand dann nach drei Betrieben rum, ging per eBay weg. In der Hoffnung, dass ein weiteres Kind Spaß daran haben könnte. War ja so gut wie neu, mit Originalpackung.
    Ob ich mal wieder eine kaufen sollte? Oder gleich "in echt"?

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    1. In echt wirkt die etwas cooler. Zumindest vermute ich das.

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    2. Hmmm... Mit Stromerzeugung? Wäre mal ein Projekt :-)

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  3. Von der Dampfmaschine meiner Brüder (jawohl, auch in bin geschlechtssegregiertem Umfeld aufgewachsen) ist mir nur der stechende Geruch vom Esbit in Erinnerung geblieben. Der dafür nachhaltig.

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    1. Den habe ich auch noch in der Nase, aber ich könnte nicht sagen, daß ich den als schlimm empfunden habe. Hauptsache es brannte und war nicht flüssig.

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