Sonntag, 14. Juni 2015

Spuren

Lilly machte mich dezent darauf aufmerksam, daß der Feuchtfutternapf leer war. Absolut dezent. Ähnlichkeiten mit dem Verhalten einer gewissen anderen, aus Literatur und Internet bekannten Katze wären rein zufällig. Und es ist ja nicht so, daß das arme Tier hier einen grausamen Hungertod sterben müsste. Nein, es stehen ganztägig zwei weitere Näpfe mit Trockenfutter bereit. Aber man ist Feuchtfutterjunkie und widmet sich dem Trockenfutter nur dann, wenn es nicht mehr anders geht.
Also wuchtete ich mich aus dem Bett, schlurfte in die Küche und öffnete eine neue Dose. Man ist ja gut dressiert.

Es kommt nur sehr selten vor, daß alle drei Katzen sich gleichzeitig auf einen Napf stürzen. Da Smillas Interesse an Feuchtfutter zwar vorhanden, aber bei weitem nicht so ausgeprägt ist, kommt sie nur kurz vorbei und nimmt zur Kenntnis, was es gibt. Sie wird sich später wieder blicken lassen, wenn Ruhe am Buffet herrscht. Marty kommt zu diesen Gelegenheiten überwiegend tiefenentspannt in aller Gemütlichkeit aus irgendeiner Ecke der Wohnung angetrottet, beschnüffelt die aktuelle Auswahl und schiebt seinen Kopf dann entweder neben die bereits gierig schlabbernde Lilly, um diese bei der Reinigung des Napfes zu unterstützen, oder er geht ans Trockenfutter. Im ersten Fall zieht sich Lilly nach ein paar Augenblicken zurück, lässt Marty weiterfressen und kümmert sich anschließend um die Reste. Denn Marty hat die Angewohnheit, während des Fressens eine kleine Pause einzulegen, eine kurze Runde durch die Wohnung zu drehen um dann nochmal wiederzukommen und weiterzufressen. Im Zweifel eben beim Trockenfutter.

Heute zog der Herr Kater es vor, sein Bad in der Morgensonne trotz Rufens meinerseits nicht durch so profane Dinge wie die Nahrungsaufnahme unterbrechen zu wollen, so daß Lilly ungestört fressen konnte. Anschließend hüpfte sie auf unseren Fernsehsessel, um sich dort nach der obligatorischen Fellsäuberung zu einem Verdauungsschläfchen zusammenzurollen. Augenblicke später sprang sie auf rannte Flur hinunter und verschwand nach einer 180 Grad-Kurve unter Verwendung der Abkürzung durch Öffnung zwischen den Stäben des Treppengeländers in Richtung Gartenzimmer.

Ja, werte Leser, es gibt Katzen, die schaffen es, nur auf dem Katzenklo zu kotzen. Miss Daisy war so eine Katze. Smilla ist so eine Katze.

Lilly nicht.

Nachdem ich das erwartete markante Geräusch gehört hatte, schnappte ich mir eine Rolle Küchenpapier und folgte Lilly – ohne die Abkürzung unter das Treppengeländer zu nehmen – nach unten. Den ersten Haufen des Erbrochenen fand ich am unteren Ende der Treppe, den nächsten, kleineren einen Meter entfernt in Richtung Katzenklo und den letzten einsamen Brocken unmittelbar vor dem Eingang des Katzenklos.

Immerhin hatte sie es versucht.

Während ich die Bescherung aufwischte und Lilly sich wieder auf dem Weg nach oben begab, um die frisch entstandene Lücke im Magen wieder aufzufüllen, machte ich mir so meine Gedanken. Und diese drehten sich alleine um die Frage…

…warum das blöde Vieh sich ausgerechnet das am weitesten entfernte Klo als Ziel ausgesucht hatte, wenn sie auf ihrem Weg dahin doch fast an dem Katzenklo aus dem Mädchenbad vorbeikommen war. Sie hätte nur eine etwas größere Kurve machen müssen.

Umpf!



Kommentare:

  1. Lilly ist eine Frau. Ja sie hat Fell und Schnurrhaare und macht miau statt Radau - aber die weiblichen Angewohnheiten hat sie eben doch.
    Da ging die Katzentoilette im Mädchenbad eben nicht. Warum? Weil es nicht zur Farbe der Krallen passte. Oder weil ein Milligrämchen zu viel oder zu wenig Einstreu drin lag. Eventuell roch es für die katzendamische Nase nicht fein genug. Vielleicht hatte sie Streit mit der dortigen Waschwasserspritzerschutzeinrichtung und war noch zickig? Vielleicht hatte sie auch Mitleid, weil sie dachte, du hättest nichts zu tun (hast ja vorher dumm beim Fressen zu gesehen) und wollte dir ein wenig Arbeit besorgen?
    Was auch immer der Grund sein mag: Sie hatte einen. Und mag er noch so obskur sein! ;D

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  2. DAS sind die Geschichten, die ich lesen will. Quasi unmittelbar, nachdem ich frisch vom Griechen, mit Bifteki und anderen Leckerheiten abgefüllt, zu Hause rein rolle....

    Auch mal Umpf...

    ;o)

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    1. Immerhin habe ich auf Fotos verzichtet. Außerdem war das noch nicht mal anverdaut, sah und roch also fast noch so, wie zuvor im Napf

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    2. Du hättest es ja in den Napf zurückpacken können ...

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    3. Nur, wenn ich den Teppich vorher gesaugt hätte... ;-)

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  3. Meine Miezen kotzen am liebsten auf den Teppich. Da hat man doch viel mehr davon! ;-)

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    1. Zwischen dem unteren Ende der Treppe und dem Katzenklo LIEGT ein Teppich. :-/

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  4. Ich hab mir letztens von so einer Propagandistin, die beim Futterhandel meines Vertrauens Teuerfutter vertickte, sagen lassen, dass das ein "Mutterverhalten" ist. Also, das Kotzkatzenverhalten. Man würgt wieder aus, um die Jungen zu füttern. Und wenn man genug Zeit verstreichen lässt, so als Halter, dann fräßen sie es selbst wieder.... Die Dame schien qualifiziert, sie hat 12. ZWÖLF. Katzen.
    Ich hab nur drei, zwei davon (die, die kotzen) sind Kater. Die kleine Madame tut das nicht, die futtert Gras zu den bekannten Zwecken und färbt damit Laminat grün, aber Futter bleibt drin. Rollenkonfusion?

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    1. Marty und Smilla kotzen auch kein Futter wieder aus. Außer mal im Zusammenhang mit einem Haarballen. Bei Lilly lässt es sich aber schon nachvollziehen, daß sie zuviel in zu großer Hast in sich reingeschlungen hat. Wenn wir es rechtzeitig bemerken, nehmen wir den Napf auch wieder weg, während sie noch frisst, und stellen ihn nach einer Viertelstunde wieder hin. Das reicht schon aus.
      12 Katzen? Ich weiß ja nicht. Phasenweise vier waren schon sehr viel, umständehalber drei sind gerade so akzeptabel. An sich sollten es ja immer nur zwei sein, aber die Umstände lagen halt anders.

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  5. Sie hat auch noch 12 Hunde. Und drei Meerschweinchen.

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    1. Nun wissen wir auch, warum sie Teuerfutter vertickte ... ;)

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    2. Aber normal ist das nicht mehr.

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