Mittwoch, 3. Juni 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 7 - Showdown in Gutterdorf)

Wir erreichten das letzte Geschäft auf der Liste der angegebenen Vertragspartner des Applikationsglitzerdingheißklebegeräteherstellers. Das Ladenlokal befand sich in einem parkplatzarmen Wohngebiet, unmittelbar neben einem Dönerladen.

Immer auf der Spur des lieblichen Dönergeruchs erreichten wir nach erledigter Parkplatzsuche jenen Ort, an welchem dem Begehr der zweitbesten Ehefrau von allen hoffentlich endlich entsprochen werden konnte. Ich trottete meiner Angetrauten einfach hinterher und nahm, noch vollkommen erfüllt von dem leichten chinesischen gemüsehaltigen Frühstück, dem abschließenden Fruchtsaft und dem gesunden Joghurt auch nicht die verlockend weit geöffnete Tür in den Dönerladen, sondern folgte brav in den dunklen, unübersichtlichen Laden, von dem ich anhand seines feilgebotenen Sortimentes wahrlich nicht erkennen konnte, was der thematische Schwerpunkt der in ihm nachgegangenen händlerischen Tätigkeit sein sollte. Und auf das Ladenschild hatte ich vorher keinen Blick geworfen, war ich doch zu sehr von der anregenden optischen Erscheinung der herrlich vor sich hin brutzelnden Dönerspieße gefangen, die förmlich darauf warteten, von mir ein wenig erleichtert zu werden. Doch sie würden vergeblich warten.

Wie mir später erläutert wurde, handelte es sich bei unserem Ziel um einen Laden für Scrapbooking. Nachdem ich mir weiterführende Informationen darüber eingeholt hatte, was das überhaupt sei, stellte sich mir noch die Frage, wie man damit einen ganzes Geschäft betreiben könne. Das mußte wieder so ein Frauending sein, das ich nicht verstand.

Hinter der Kasse stand sie - die Dame vom Fach. Die Scrapbookingfachverkäuferin. Sie richtete sich ein wenig auf, als wir den Raum betraten, schaute in Richtung der Eingangstür und fixierte uns mit ihrem Blick. Meine Angetraute fixierte ebenfalls, setzte ein gewinnendes Lächeln auf und trug mit einer Stimme, die keinerlei Verzweiflung erahnen ließ, ihren Wunsch vor, hier vor Ort, und zwar genau in diesem Augeblick, ein Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik, käuflich erwerben zu wollen.

Schon beim Nennen des Herstellernamens zeigte sich in den Augen der anwesenden Verkäuferin ein Blitzen, ihr warmes Lächeln erfüllte unsere Herzen eine Symbolik, die sich nur mit inhaltlicher Leere des hinter den Augäpfeln befindlichen Restkopfvolumens übersetzen ließ. Auch hier wusste man also weder von dem Hersteller, von dem man offizieller Vertragspartner war, noch etwas von einem Applikationsglitzerdingheißklebegerät. Weder mit noch ohne Vakuumtechnik. Der Showdown war beendet. Wir hatten verloren. So verließen wir das Scrapbookingfachgeschäft durch die Eingangstür, welche praktischerweise auch als Ausgangstür genutzt werden konnte. Nach Stunden führte unser Weg wieder nach Hause.

Der viel beschworene örtliche Einzelhandel in der großen Stadt hatte seine mehr als faire Chance bekommen.

Und vertan.


(Ende)



Kommentare:

  1. ach nööööhöhöhöööö..... Deine arme Frau!
    Wie blöd ist denn das?
    Hast Du das Applikationsdingheißklebegerät denn jetzt online bestellt?

    Da regen die sich auf, dass die bösen online-Händler ihnen das Geschäft vermasseln....
    Geht ja gar nicht.

    Aber ich liebe diesen Satz: eine Symbolik, die sich nur mit inhaltlicher Leere des hinter den Augäpfeln befindlichen Restkopfvolumens übersetzen ließ.
    Herrlich!

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    1. Bestellt, trotz Streik der Postboten zwei Tage später erhalten und direkt zur vollsten Zufriedenheit verwendet.

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  2. Und was war mit dem Döner? Nicht genascht? DAS wäre dann ja wirklich ein trauriges Ende...

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    1. Es kann nicht immer ein Happy End geben. :-(

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  3. Wenn ich das alles so lese, dann weiss ich wieder, warum ich nicht gerne shoppen gehe sondern lieber alles online bestelle. Wie gut, dass das Heiklebedingensgerät online so schnell zu beschaffen war!

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    1. Ganz meine Meinung. Nur wenn es wegen der Versandkosten zu unverhältnismäßig wird, hole ich mir meinen speziellen Spezialkram noch vor Ort. Wobei ich aber auch nicht so arschig bin, und mir beim Einzelhandel die Beratung und hole und dann woanders kaufe. Wenn ich Beratung und Service haben möchte, dann versuche ich es auch zuerst im Einzelhandel und kaufe dann auch entsprechend da, selbst wenn es etwas teurer sein sollte.

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  4. Das hiesige Karstadt-Haus schließt im nächsten Jahr- und als ordentlicher Ladenlokalpatriot geht man da dann doch mal hin, um Gegenstände des täglichen Bedarfs (= BH für meine Mama) zu erwerben. Gekauft, Stück für 55 komma nochwas Euro. Am nächsten Tag noch welche holen wollen: Es gab keine mehr. Bei Amaz*n nachgeschaut: Da kosten sie dann exakt 30 €. Inklusive Versand. Merke: Ladenlokalpatriotismus kann ich mir nicht leisten. Das Karstadt-Haus macht übrigens zu, weil es nicht mehr profitabel zu betreiben ist, nachdem das im Eigentum des Konzerns stehende Gebäude vertickt und für sehr viel teures Geld monatlich vom Konzern zurück gemietet wurde.

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    1. Bei den großen Einkaufshäusern hält sich mein Patriotismus auch in engen Grenzen. Bei den wirklich kleinen, inhabergeführten Einzelhändlern sieht das anders aus. Ich gehe auch nur ungern zu Ketten. Und im Zweifel lieber zur Pommesbude um die Ecke als zum amerikanischen Burgerbrater. Aber es gibt ja nicht mehr so viele kleine Geschäfte, die ich mit meinem Besuch beehren könnte und die auch noch für mich interessant sein könnten. Bekleidungsgeschäfte - oder sagt man Modehaus dazu (?) - hingegen ignoriere ich. Klamotten anprobieren ist die Hölle; das mache ich lieber zu Hause.

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  5. Also ich kaufe technische Geräte schon seit Jahren zu 95% online. Inhabergeführte Geschäfte wie auch Ladenketten haben meistens nicht so *die* Auswahl und es ist selten, dass ich den Artikel wirklich mal "in die Hand nehmen" möchte (zuletzt passiert bei einem Autoradio vor gut zehn Jahren, das nutze ich heute noch).
    Wenn ich hingegen *Beratung* brauche oder die Sachen mal direkt vor Augen haben muss, weil ich eben nicht ganz genau weiss, was ich will oder nehmen kann, gehe ich gern ins Fachgeschäft. Gilt besonders für Schuhe und sämtliche Klamotten die in größerer Bandbreite als "einfarbige T-Shirts Größe XL" angeboten werden. Das fällige Anprobieren finde ich zwar auch etwas doof, aber man nimmt es halt auf sich- weil die nach hause geschickten und bei der Anprobe als "nicht passend" befundenen Klamotten wieder einzupacken und zurückzuschicken find ich noch weit lästiger.

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    1. Jeder so, wie er mag. Aber schon der Gedanke an Umkleidekabinen lässt es mich schaudern. Nur die Umkleiden von Frei- oder Hallenbädern sind schlimmer. :-D

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