Montag, 1. Juni 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 5 - Joghurt)

Auf dem Rückweg zur ebenerdigen Tiefgarage unserer LASA-Außenstelle bemerkte die zweitbeste Ehefrau von allen einen neuen Laden. Der wäre mir glatt durchgegangen. Man bot mit wohlfeilen Worten frozen Yoghurt an. Joghurt also, aha. Kenne ich noch von meiner Oma. Die hat auch regelmäßig Joghurts oder pure Milch eingefroren und dann, wenn er oder sie durch und durch hart gefroren war, wieder aus dem Eisfach des Kühlschranks geholt und mit dem Löffel wortwörtlich aus dem Behälter gekratzt. Sie war - nun, sagen wir mal - sparsam. Es war billiger als Speiseeis zu kaufen.

Irgendwie habe ich jedoch das Gefühl, daß sich die Sache hier etwas anders handhaben würde.

Joghurt ist ja zunächst mal durchaus als gesund anzusehen. Und wer würde schon etwas dagegen haben, eine gesunde Zwischenmahlzeit einzunehmen? Außerdem war die Hütte bis auf eine einzelne Kundin leer, also schauten wir uns die Sache mal näher an.

Das Geschäft war relativ karg eingerichtet. Rechter Hand fanden wir eine Ablage, vollgestellt mit leeren Pappbechern in verschiedenen Größen, nicht unähnlich einem Eisbecher. Nur daß die in einer Eisdiele zu erhaltenden Eisbecher in ihrer größten Ausprägung hier ungefähr der kleinsten Variante entsprachen. Auf der linken Seite fanden sich unterschiedlichste Sitzgelegenheiten und kleine Tische. An der Rückwand waren in der Wand mehrere Automaten eingelassen, welche Eiszapfmaschinen ähnelten. Schließlich, zwischen Sitzecke und Eiszapfmaschinen, war noch eine kleine Theke sowie die Kasse zu finden.

Die Verkäuferin Kassiererin wies uns als deutlich erkennbare Neulinge in dieser Art von Laden kurz in die Gepflogenheiten vor Ort ein. Man nehme einen der in unterschiedlichen Größen bereitstehenden Becher, zapfe sich die einem nach Augenschein genehme Menge an gefrorenem Joghurt in der gewünschten Geschmacksrichtung aus der Maschine, überstreue sie als Garnierung Topping mit zerkrümelten Süßigkeiten, Obst oder Cremes und verfeinere schließlich alles mit einem abschließenden Klacks verschiedener bereitgestellter Saucen.

An der Kasse schließlich würde alles gewogen und berechnet werden. Ok, bei einem angeschlagenen Preis von 1,89 Euro pro 100 Gramm war absehbar, daß die Angelegenheit in Anbetracht der Größe der bereitstehenden Becher nicht gerade billig sein würde. Aber wann kommt es denn schon mal vor, daß ich mit meiner Angetrauten durch die große Stadt bummle? Eben. Außerdem habe ich Urlaub. Da muß das schon mal drin sein.

Zwischenzeitlich hatte eine wilde Meute geschätzt zwischen 9 und 12 Jahren alter Mädchen den Laden gestürmt, was das weitere Vorgehen etwas erschwerte. Immer musste ich darauf achten, niemanden umzurennen. Die jungen Damen Gören wussten, was sie wollten und woher sie es bekommen würden. Nichts und niemand würde ihnen auf dem Weg zu ihrem Ziel in die Quere kommen. Das war eindeutig. Daß die uns nicht vom Topping-Tresen weggeboxt haben, dürfte alleine am unterschiedlichen Körpermasseverhältnis zwischen ihnen und uns gelegen haben. Was sie aber durch Frechheit wieder ausglichen, denn sie scherten sich einen Dreck darum, war meine Angetraute und ich an diesem Tresen vorhatten - sie griffen einfach zu.

Nachdem ich an der Kasse meinem kleinen Herzinfarkt verdrängte und für auf zwei Becher verteilte 730,687 Gramm gefrorenen, hochgezuckerten, mit Aromastoffen versehenen, getoppten und gesoßten Joghurt das letzte Geld aus meinem Portemonnaie zusammengekratzt hatte, machten wir es uns mit unserer Beute auf dem bereitgestellten Sitzmobiliar bequem. Die Konsistenz des Joghurts erinnerte durchaus an das von mir zuvor vermisste Softeis. Und auch der Geschmack war durchaus ansprechend.

Das Mädchenrudel setzte sich nebenan hin. Gut, man muß jetzt nicht ausdrücklich von in Hörweite reden, denn der kundige, lebenserfahrene Leser wird sich darüber im Klaren sein, daß der Abstand, bis zu dem man dem Gespräch eines solchen Grüppchens problemlos folgen konnte, auf jeden Fall die Grenzen jeglicher branchenüblicher Ladenlokale sprengen dürfte. Viel mehr erstaunte mich das Geschick, mit dem man gleichzeitig Eis Joghurt frozen Yoghurt mit einem Löffel aus dem Becher essen, dabei mit dem Smartphone spielen und auch noch mit den Begleiterinnen kommunizieren kann. Ebenfalls bemerkenswert war es für mich, wie selbstverständlich diese Gören über die für mich beachtliche Höhe ihrer aktuellen finanziellen Reserven - für die Rudelführerin war dies ein dreistelliger Betrag – redeten. Das verdient man nicht mit dem Austragen von Werbeblättchen. Nicht in dem Alter. Die Reserven sollten später noch für den überteuerten Pseudo-Edelfummel in diesem nur von der jungen und schönen Kundschaft frequentierten Kleidungsgeschäfte ausgegeben und somit dem allgemeinen Geldfluss zurückgeführt werden.

Das passte zu den beiden seltsamen, vielleicht gerade so nicht mehr minderjährigen Jungs Gestalten, die uns zuvor bei Knuffhof über den Weg gelaufen sind und die dort lautstark verkündeten, doch lieber bei Armani einkaufen zu wollen als bei Knuffhof. Vielleicht hatte ich das ja auch nur falsch verstanden und dieser Armani war ein Kumpel von den beiden, der in einer Pizzeria arbeitet.


(wird fortgesetzt)



Kommentare:

  1. Oh.. doch wieder ein Cliffhanger.. und diesmal "Armani"....

    Ja, ich finde es auch immer wieder erstaunlich, wie die Kinder das machen.
    Unangenehm, dass man jdes Wort mitbekommt....
    Erträglich sind die eigentlich nur einzeln.
    Dann sind sie höflich und respektvoll.
    Wehe sie treten zu mehreren auf - da haben die alles vergessen.

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    1. Nix Cliffhanger. Und jetzt geht es weiter mit den neuen Kapitel.

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