Dienstag, 16. Juni 2015

Die Sache mit der Dusche

(Heute in Fettschrift: Dr. Gottfried Strebsinger als Landesdirektor Dr. Strebsinger)


„Wie ich mitbekommen habe, kommt Herr Ökoklaus jetzt regelmäßig mit dem Fahrrad.“ eröffnete Dr. Strebsinger die wöchentliche Dienstbesprechung und wandte sich anschließend direkt an den Ökoklaus. „Brauchen Sie hier einen Raum, um sich umzuziehen? Da dürfte sich etwas finden lassen.“

Der Ökoklaus sah die Angelegenheit vollkommen tiefenentspannt.

„Nein, ist nicht nötig. Ich mache die Tür zu und verstecke mich hinter meinem Stuhl, wenn ich die Klamotten wechsle. Und falls doch mal jemand reinkommt, sieht er im Zweifel nur meinen entblößten Oberkörper. Das halte ich aus.“

„Und Herr Sven?“

„Den halte ich auch aus... Nein, der hat sich auch noch nicht beklagt.“

„Was ist, wenn eine Frau reinkommt?“

„Dann stört es mich auch nicht. Im umgekehrten Fall würde ich ebenfalls alles gelassen an- ähm sehen.“

„Und Ihre Kleidung?“

„Die hänge ich hier auf die Garderobe. Wenn die Sachen zu verschwitzt sind, finde ich schon einen leerstehenden Raum, wir haben ja genügend davon. Aber wo wir gerade dabei sind: Die Möglichkeit zu duschen wäre nicht schlecht. Gerade im Sommer und auch für die anderen Kollegen. Es wird hier ja doch schon sehr warm im Gebäude, da wäre so ein kurzes Abbrausen in der Mittagszeit auch sehr erfrischend.“

Ich lauschte dem Dialog mit einem gewissen Interesse. Mein Gedanke an die Einrichtung einer Firmensauna…  Und was kann ich dafür, wenn die Kolleginnen da nicht mit rein wollen?  Die wissen ja nicht, daß ich ohne Brille nicht mal zwischen Männlein und Weiblein unterscheiden kann, selbst wenn diese nur zwei Meter vor mir entfernt stehen. Da sollte ich häufiger drauf hinweisen, vielleicht wäre das zielführend.

„Eine Dusche haben wir leider nicht im Haus.“

„Wir könnten doch eines der zahlreichen Herren-WCs umwidmen. Gekachelt ist schon, der Wasseranschluss und -abfluss ebenfalls, den Rest bekommen wir dann auch noch hin.“

„Sie werden lachen, aber die Idee ist mir selbst schon mal gekommen, als ich hier meinen Dienst aufgenommen hatte.“

„Und?“

„Als ich den Gedanken in Bad Husten im Baureferat angesprochen habe, hat man mich gefragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Man hat es nur geringfügig freundlicher formuliert. Das sind Baumaßnahmen, für die kein Geld vorhanden ist. Nicht durchsetzbar.“

„Schade.“

Das Thema hätte damit erledigt sein können, wenn sich nicht Frau Wuschelpuschel eingebracht hätte.

„Wir müssten aber eigentlich eine Dusche im Haus haben.“

„Wie kommen Sie denn da drauf?“

„Der Herr Maus von zweiten Stock hat doch eine Behinderung. Und mit dieser hat er eigentlich Anspruch auf eine Dusche. Das war damals ein Thema bei seiner Einstellung. Er hat aber darauf verzichtet, weil er in der Nähe wohnt und eben kurz nach Hause gehen kann, um dort im Fall des Falles unter die Dusche zu springen.“

„Ah ja, das wusste ich nicht.“

„War ja auch vor Ihrer Zeit hier. Aber damit könnte man doch eine bauliche Maßnahme begründen. Das Büro muß sowieso behindertengerecht sein. Und überhaupt: Was ist, wenn wir hier mal Rollstuhlfahrer einstellen? Die haben doch auch schon mal Bedarf nach einer Dusche, wenn der Unterleib gelähmt ist.“

„Ja, stimmt wohl. Da haben Sie Recht.“

„Na dann. Jetzt haben wir Ihnen doch alles an Argumenten geliefert – also machen Sie mal. So als Abschiedsgeschenk für uns.“

„Oh Mann, da habe ich ein Thema angefangen…“

Ja, hat er. Irgendwie sah Dr. Strebsinger nicht sehr glücklich aus.



Kommentare:

  1. gnihihihihihi... Dr. Strebsinger... Frau Wuschelpuschel ist eine großartige Frau.

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    1. Sie wird es erfahren, schließlich liest sie hier regelmäßig mit. :-D

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  2. In seiner Position wird er ja auch nicht fürs glücklich aussehen bezahlt :-)
    Gruß, Holger

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    1. Richtig lachen wird er erst wieder, wenn er seine neue Stelle hat. Ganz bestimmt. ;-)

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  3. Wir hatten mal ein komplett eingerichtetes Badezimmer in "meinem" Amt. In der ehemaligen Hausmeisterwohnung. Direkt nebenan war ein Snoezelen-Raum, für die in dieser Abteilung zu betreuenden Kinder. Meine Güte, was man da alles hätte anstellen können, und nachher duschen. Bin ich nie drauf gekommen.

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  4. Schaust du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Snoezelen

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    1. Ich hätte Stein und Bein darauf gewettet, daß das nicht in der Wikipedia zu finden ist. *staun* Den Begriff habe ich ja noch niemals nie nicht gehört.

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  5. Antworten
    1. Wie heißt es so schön: Da wird man alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.

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