Dienstag, 30. Juni 2015

Eine bizarre Vorstellung

Sven hatte irgend etwas vor unserer Bürotür zu tun. Mandy ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, um ihn zu ärgern. Wie immer wechselte das eine oder andere Wort, da beide generell nicht auf den Mund gefallen sind. Schließlich fand sich Mandy in Bedrängnis wieder.

„Sven, wehe du schießt jetzt mit dem Aktengummi auf mich. Nimm lieber Paterfelis.“

Keine Reaktion. Sven blieb ruhig.

„Du, Paterfelis, der reagiert ja gar nicht.“

„Natürlich tut er das nicht. Er ist noch mit deiner Ansage beschäftigt, auf mich mit einem Gummi schießen zu sollen.“

„Verstehe ich nicht.“

„Er auch nicht. Denn alleine der Gedanke, auf mich mit einem Gummi zu schießen, ist für ihn selbstverständlich dermaßen abwegig, daß er ihn gar nicht erst erfassen kann.“

Es soll ja niemand behaupten, ich hätte meine Leute nicht im Griff.



Sonntag, 28. Juni 2015

Französisch in der Öffentlichkeit

Ziemlich entnervt kam ich nach Hause. Die zweitbeste Ehefrau von allen sah mich mitleidig an.

„Was war denn los?“

„Im Zug war eine Schulklasse auf Wandertag. Siebtes Schuljahr oder so.“

„Armer Hase.“

„Die sprachen alle Frankreichisch.“

„Aha.“

„Durch den ganzen Wagen waren die zu hören. Die Mädels schrill, die Jungs auch verbal auf dicke Hose machend.“

„Ganz armer Hase.“

„Ja.“

„Aber du musst das Positive daran sehen.“

„Das wäre?“

„Du konntest wenigstens den ganzen Stuss nicht verstehen, den die von sich gegeben haben.“

Ja, da ist was dran. Es bringt also doch etwas, mal in der Schule nicht aufgepasst zu haben.




Freitag, 26. Juni 2015

Insider

Mitteilung an die anonym mitlesende Kollegin S.:


GEFUNDEN


Auf dem platten Land wird es ja mitunter schwierig, alles was das Herz begehrt im örtlichen Einzelhandel aufzutreiben.

Meinem Suchauftrag in den Grenzgebieten zur großen Stadt folgend ließ sich da was machen. Unser örtlicher Kolonialwarenhändler führte das begehrte Produkt.





Montag findet die Übergabe statt.

Ich bitte um herzliche Anteilnahme.





Donnerstag, 25. Juni 2015

Federvieh

Tach, Post!


„Sehr geehrter Damen und Herren – mit Ausnahme Herrn Paterfelis,

hiermit lege ich frist- und formgerecht Widerspruch gegen Ihren Bescheid ein.

Ihre Bescheide sehen aus, als ob die Eulen die Hühner gevögelt hätten. Prüfen sie doch alles nochmal nach.

Herzlichst
Ihr Helmut Schießer aus Costa Rica“


Hmmm, im letzten Brief wollte er noch auf mein Wohl trinken, im Brief davor hat er ausdrücklich mir und meinen Kollegen seine Körperorgane nach einem eventuellen Ableben seinerseits als Transplantate zur Verfügung gestellt.

Nun weiß ich ja nicht aus eigener Ansicht, wie es aussieht, wenn Hühner von Eulen gevögelt werden. Aber ich bin durchaus der Meinung, daß unsere Bescheide sehr klar strukturiert sind. Auch für Laien.

Ich habe so eine Vermutung, dass ein sachgerechter Widerspruch eine etwas andere Argumentationslinie verfolgen sollte.



Dienstag, 23. Juni 2015

Fast wie Weihnachten

Es war Zeit für die wöchentliche Dienstbesprechung. Die Teilnehmer trudelten langsam ein, verteilten sich unauffällig auf die Plätze und tauschten letzte, wertvolle Informationen aus.

„Dauert es heute lange, Frl. Hasenclever?“

„Keine Ahnung. Ich jedenfalls habe nichts.“

„Aber bestimmt Helga. Die hat doch immer noch Themen in Reserve.“

„Mir hat sie nichts gesagt.“

„Kann ruhig länger dauern. Ist gerade nicht mein Tag, da kann ich hier gut vor mich hin ruhen. Und außerdem muß Frau Wuschelpuschel heute Protokoll führen.“

„HEH!“

„Wo bleibt der Chef denn schon wieder?“

„Waaahhh, da isser ja.“

„Mit einem Karton in der Hand. Mir wird schlecht.“

„Guten Morgen zusammen. Bleiben Sie ruhig und gelassen, da ist kein Papier für Sie drin.“

„Aha?!“

„Ich habe die neuen Stempel für Sie.“

Hach, kann es etwas aufregenderes im Leben eines Verwaltungsmenschen geben als neue Stempel zu bekommen?

Nur Weihnachten ist schöner.




Montag, 22. Juni 2015

Tja, äh

Problem des Tages:

Hat man im Mittelalter auch Kleidung in Lila, Violett oder so etwas in der Art getragen? Bzw. konnte man Stoffe in diesen Farben herstellen? Historiker, wo seid ihr, wenn man euch braucht?

Ich möchte die nächste Serie Püppies bemalen. Der erste Durchgang ist fertig. 12 Modelle in drei Tagen. Das klappt auch nur, so lange ich Herr über Tisch und Fernbedienung bin. Wollte ich nur nochmal erwähnen. Aber ich kann mich mit mir selbst nicht auf ein Farbschema für die nächsten Püppies einigen.

Es geht um Blood Bowl. Fantasy Football. Also fallen alle Neonfarben raus. Fantasy ist Mittelalter. Neonfarben sind Science Fiction. Also Dreadball. Zum Beispiel. Darum geht es hier aber nicht. Neonfarben passen nicht ins Mittelalter. Nicht mal dann, wenn es um Fantasy geht. Dazu fehlt mir die Einbildungskraft. Es ist einfach nicht richtig.

Übrigens bin ich angenehm überrascht, wie wenige von meinen Farbtöpfen nach jahrelangem Nichtgebrauch aufgrund akuten und irreversiblen Eintrocknens derer Inhalte weggeworfen werden mussten.

Rot und Gelb fallen raus. Das sind undankbare Farben, wenn es ums Bemalen geht. Zu schwache Pigmentierung.

Graubabstufungen? Nääääähh, muß nicht. Sieht nur bei meinen Lederlesben Sigmaritenschwestern gut aus. Und ist ein anderes Spiel. Obwohl Stahlpeitschen auch zu Blood Bowl passen würden. Hallo? Es geht um Blood Bowl, nicht um Hallenhalma. Im Zwergenteam werden sogar dampfbetriebene Kettensägen als Ausrüstungsteil verwendet.

Grün? Ist schon zuviel auf der Platte vorhanden. Scheiß Orks. Würde zwar schön mit dem Astrogranitboden des Spielfeldes kontrastieren, aber mein Stadion hat einen Rasenboden. Ist also eher was für Weicheier.

Blau? Wird generell in dem Bereich zu viel verwendet. Außerdem habe ich bereits ein Team in Blau.

Orange? Siehe Nachsatz zu Blau und tausche Blau gegen Orange. Super Orks!

Schwarz? Lässt Details am Modell untergehen. Also müsste ich die aufhellen. Nö, keine Lust.

Braun? Gehts noch?

Weiß? Siehe Rot und Gelb. Da brauche ich unzählige Farbschichten, bis es ordentlich deckt. Das fehlt mir gerade. Bin doch kein Fanatiker am Pinsel, der auf ein Modell 23 Schichten mit superverdünnten Farben aufträgt.

Mit diesen Gedanken kann man sich übrigens auch von den sonstigen Widrigkeiten des Lebens prima ablenken.

Höre ich da gerade was in Richtung Krankes Hirn?

Jau, stimmt.



Sonntag, 21. Juni 2015

Friedlich geeinigt

Da war ja noch die Geschichte mit dem neuen Kratzbaum offen. Ihr erinnert euch daran.

Zunächst war es so, daß die linke Mulde des Kratzbaums nur von Lilly genutzt wurde. Marty machte es sich allenfalls auf der unteren oder der mittleren Ebene bequem, nutzte aber ansonsten den Balkon unseres Monsters. Die beiden Mulden des Kratzbaums ignorierte er vollkommen.

Es hat keine zwei Wochen gedauert, bis die Katzenbande sich über die Neuverteilung ihrer Lieblingsruheplätze geeinigt hatte.

Die sich in den letzten Wochen hier etablierte bevorzugte Nutzung sieht wie folgt aus:


Smilla ist Alleinnutzerin des Balkons am Monster.


Lilly links, Marty rechts


Oder auch mal umgekehrt


Es ist eben doch alles eine Frage der Zeit.




Samstag, 20. Juni 2015

Es gibt Dinge...

Aus dem Zimmer, in dem Sven und der Ökoklaus ihr Unwesen trieben, drangen lautstarke Gesprächsfetzen an mein Ohr, während ich mich mal wieder in höchst dienstlicher Angelegenheit in Richtung Indien bewegte.  Man diskutierte gerade irgendetwas aus, was einem der beiden Zimmerinsassen am Wochenende geschehen sei. Die Argumentationsketten näherten sich dabei eher dem Niveau einer Sitcom, was aber durchaus im Rahmen meiner Erwartungen lag.

Mit anderen Worten: Man blödelte herum.

Ich marschierte weiter meines Weges, als mir Dr. Strebsinger entgegenkam.

„Na, Herr Paterfelis, was gibt es Neues.“

„Ach wissen Sie, es gibt Dinge, die wollen Sie gar nicht wissen.“

Na, bemerkte ich da ein nervöses Zucken in Dr. Strebsingers Gesicht?

„Was ist denn jetzt schon wieder passiert?“

Seine Betonung klang nach einer Mischung aus leicht genervter Verzweiflung, wobei ich das Gefühl hatte, daß die Verzweiflung vor dem Genervten zu überwiegen schien. Da ist das Zucken wohl doch keine Einbildung meinerseits gewesen.

Ich schüttelte nur leicht den Kopf und zeigte mit dem Daumen in Richtung des bereits eingangs erwähnten Büroraumes. Dr. Strebsingers Gesichtszüge entspannten sich; Erkenntnis breitete sich aus.

„Ach, die beiden. Dann ist ja alles klar.“

Genau. Laurel und Hardy waren nichts gegen die beiden. 



Donnerstag, 18. Juni 2015

Geht immer

Was macht man, wenn die zweitbeste Ehefrau von allen Mandeln, Zimt, Sultaninen, Zitronensaft und Rum von der letzten Weihnachtsbäckerei übrig behalten hat, ein Netz Äpfel sinnlos in der Gegend herumliegt und beim Aufräumen des Lebensmittelregals im Keller tatsächlich noch ein Paket Gelierzucker das Tageslicht erblickt?

Richtig! Alles in einen Topf schmeißen und aufkochen lassen.

Lirum, larum, Löffelstiel, wer nicht rührt, der kriegt nicht viel.

Auch außerhalb der Wintersaison sehr schmackhaft: selbstgemachte Bratapfelkonfitüre




Die zweitbeste Ehefrau von allen ließ es sich nicht nehmen, zum Frühstück den ersten ordentlichen Klacks der von mir nur Stunden zuvor gekochten Konfitüre  vom Glas aus direkt auf den bereitliegenden Frischkäsetoast fallen zu lassen.

Die Frage, ob ich denn auch mal probieren möchte, konnte ich nur verneinend beantworten…

…ich hatte nach dem Abfüllen die Reste aus dem Kochtopf gekratzt. Das reicht jetzt wieder für eine Weile.




Dienstag, 16. Juni 2015

Die Sache mit der Dusche

(Heute in Fettschrift: Dr. Gottfried Strebsinger als Landesdirektor Dr. Strebsinger)


„Wie ich mitbekommen habe, kommt Herr Ökoklaus jetzt regelmäßig mit dem Fahrrad.“ eröffnete Dr. Strebsinger die wöchentliche Dienstbesprechung und wandte sich anschließend direkt an den Ökoklaus. „Brauchen Sie hier einen Raum, um sich umzuziehen? Da dürfte sich etwas finden lassen.“

Der Ökoklaus sah die Angelegenheit vollkommen tiefenentspannt.

„Nein, ist nicht nötig. Ich mache die Tür zu und verstecke mich hinter meinem Stuhl, wenn ich die Klamotten wechsle. Und falls doch mal jemand reinkommt, sieht er im Zweifel nur meinen entblößten Oberkörper. Das halte ich aus.“

„Und Herr Sven?“

„Den halte ich auch aus... Nein, der hat sich auch noch nicht beklagt.“

„Was ist, wenn eine Frau reinkommt?“

„Dann stört es mich auch nicht. Im umgekehrten Fall würde ich ebenfalls alles gelassen an- ähm sehen.“

„Und Ihre Kleidung?“

„Die hänge ich hier auf die Garderobe. Wenn die Sachen zu verschwitzt sind, finde ich schon einen leerstehenden Raum, wir haben ja genügend davon. Aber wo wir gerade dabei sind: Die Möglichkeit zu duschen wäre nicht schlecht. Gerade im Sommer und auch für die anderen Kollegen. Es wird hier ja doch schon sehr warm im Gebäude, da wäre so ein kurzes Abbrausen in der Mittagszeit auch sehr erfrischend.“

Ich lauschte dem Dialog mit einem gewissen Interesse. Mein Gedanke an die Einrichtung einer Firmensauna…  Und was kann ich dafür, wenn die Kolleginnen da nicht mit rein wollen?  Die wissen ja nicht, daß ich ohne Brille nicht mal zwischen Männlein und Weiblein unterscheiden kann, selbst wenn diese nur zwei Meter vor mir entfernt stehen. Da sollte ich häufiger drauf hinweisen, vielleicht wäre das zielführend.

„Eine Dusche haben wir leider nicht im Haus.“

„Wir könnten doch eines der zahlreichen Herren-WCs umwidmen. Gekachelt ist schon, der Wasseranschluss und -abfluss ebenfalls, den Rest bekommen wir dann auch noch hin.“

„Sie werden lachen, aber die Idee ist mir selbst schon mal gekommen, als ich hier meinen Dienst aufgenommen hatte.“

„Und?“

„Als ich den Gedanken in Bad Husten im Baureferat angesprochen habe, hat man mich gefragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Man hat es nur geringfügig freundlicher formuliert. Das sind Baumaßnahmen, für die kein Geld vorhanden ist. Nicht durchsetzbar.“

„Schade.“

Das Thema hätte damit erledigt sein können, wenn sich nicht Frau Wuschelpuschel eingebracht hätte.

„Wir müssten aber eigentlich eine Dusche im Haus haben.“

„Wie kommen Sie denn da drauf?“

„Der Herr Maus von zweiten Stock hat doch eine Behinderung. Und mit dieser hat er eigentlich Anspruch auf eine Dusche. Das war damals ein Thema bei seiner Einstellung. Er hat aber darauf verzichtet, weil er in der Nähe wohnt und eben kurz nach Hause gehen kann, um dort im Fall des Falles unter die Dusche zu springen.“

„Ah ja, das wusste ich nicht.“

„War ja auch vor Ihrer Zeit hier. Aber damit könnte man doch eine bauliche Maßnahme begründen. Das Büro muß sowieso behindertengerecht sein. Und überhaupt: Was ist, wenn wir hier mal Rollstuhlfahrer einstellen? Die haben doch auch schon mal Bedarf nach einer Dusche, wenn der Unterleib gelähmt ist.“

„Ja, stimmt wohl. Da haben Sie Recht.“

„Na dann. Jetzt haben wir Ihnen doch alles an Argumenten geliefert – also machen Sie mal. So als Abschiedsgeschenk für uns.“

„Oh Mann, da habe ich ein Thema angefangen…“

Ja, hat er. Irgendwie sah Dr. Strebsinger nicht sehr glücklich aus.



Sonntag, 14. Juni 2015

Spuren

Lilly machte mich dezent darauf aufmerksam, daß der Feuchtfutternapf leer war. Absolut dezent. Ähnlichkeiten mit dem Verhalten einer gewissen anderen, aus Literatur und Internet bekannten Katze wären rein zufällig. Und es ist ja nicht so, daß das arme Tier hier einen grausamen Hungertod sterben müsste. Nein, es stehen ganztägig zwei weitere Näpfe mit Trockenfutter bereit. Aber man ist Feuchtfutterjunkie und widmet sich dem Trockenfutter nur dann, wenn es nicht mehr anders geht.
Also wuchtete ich mich aus dem Bett, schlurfte in die Küche und öffnete eine neue Dose. Man ist ja gut dressiert.

Es kommt nur sehr selten vor, daß alle drei Katzen sich gleichzeitig auf einen Napf stürzen. Da Smillas Interesse an Feuchtfutter zwar vorhanden, aber bei weitem nicht so ausgeprägt ist, kommt sie nur kurz vorbei und nimmt zur Kenntnis, was es gibt. Sie wird sich später wieder blicken lassen, wenn Ruhe am Buffet herrscht. Marty kommt zu diesen Gelegenheiten überwiegend tiefenentspannt in aller Gemütlichkeit aus irgendeiner Ecke der Wohnung angetrottet, beschnüffelt die aktuelle Auswahl und schiebt seinen Kopf dann entweder neben die bereits gierig schlabbernde Lilly, um diese bei der Reinigung des Napfes zu unterstützen, oder er geht ans Trockenfutter. Im ersten Fall zieht sich Lilly nach ein paar Augenblicken zurück, lässt Marty weiterfressen und kümmert sich anschließend um die Reste. Denn Marty hat die Angewohnheit, während des Fressens eine kleine Pause einzulegen, eine kurze Runde durch die Wohnung zu drehen um dann nochmal wiederzukommen und weiterzufressen. Im Zweifel eben beim Trockenfutter.

Heute zog der Herr Kater es vor, sein Bad in der Morgensonne trotz Rufens meinerseits nicht durch so profane Dinge wie die Nahrungsaufnahme unterbrechen zu wollen, so daß Lilly ungestört fressen konnte. Anschließend hüpfte sie auf unseren Fernsehsessel, um sich dort nach der obligatorischen Fellsäuberung zu einem Verdauungsschläfchen zusammenzurollen. Augenblicke später sprang sie auf rannte Flur hinunter und verschwand nach einer 180 Grad-Kurve unter Verwendung der Abkürzung durch Öffnung zwischen den Stäben des Treppengeländers in Richtung Gartenzimmer.

Ja, werte Leser, es gibt Katzen, die schaffen es, nur auf dem Katzenklo zu kotzen. Miss Daisy war so eine Katze. Smilla ist so eine Katze.

Lilly nicht.

Nachdem ich das erwartete markante Geräusch gehört hatte, schnappte ich mir eine Rolle Küchenpapier und folgte Lilly – ohne die Abkürzung unter das Treppengeländer zu nehmen – nach unten. Den ersten Haufen des Erbrochenen fand ich am unteren Ende der Treppe, den nächsten, kleineren einen Meter entfernt in Richtung Katzenklo und den letzten einsamen Brocken unmittelbar vor dem Eingang des Katzenklos.

Immerhin hatte sie es versucht.

Während ich die Bescherung aufwischte und Lilly sich wieder auf dem Weg nach oben begab, um die frisch entstandene Lücke im Magen wieder aufzufüllen, machte ich mir so meine Gedanken. Und diese drehten sich alleine um die Frage…

…warum das blöde Vieh sich ausgerechnet das am weitesten entfernte Klo als Ziel ausgesucht hatte, wenn sie auf ihrem Weg dahin doch fast an dem Katzenklo aus dem Mädchenbad vorbeikommen war. Sie hätte nur eine etwas größere Kurve machen müssen.

Umpf!



Freitag, 12. Juni 2015

Keine Zeit

Hab' gerade keine Zeit für nix. Muß Püppies anstreichen.


Ok, Bild ist gestellt. In Echt sind viel mehr Farbtöpfe auf dem Tisch.


Und dabei Dr. Who gucken.




Die Zeit läuft. Aus Gründen. Das ist alles nicht mehr so einfach, wenn man älter wird.

Wie? Tatterich?

Na, von wegen, nur die Augen.



Donnerstag, 11. Juni 2015

Schnell ist nicht schnell genug

Zeit für die wöchentliche Dienstbesprechung. Viele werden wir nicht mehr mit unserem amtierenden Dr. Strebsinger haben, denn er hat gekündigt, um anderen Ortes – wie er sich ausdrückte - eine Beschäftigung mit besseren Rahmenbedingungen aufzunehmen. Einige Monate würde er aber noch bleiben.

Die Kollegen des Fachbereichs versammelten sich in dem kleinen Raum, welcher zur allgemeinen Verärgerung auf der Bahn- und Sonnenseite des Gebäudes eingerichtet worden war.

„Frl. Hasenclever, kommt Dr. Strebsinger heute etwa nicht?“

„Hat er nicht gesagt. Aber er war in dieser Woche wieder auf der Narrensitzung Besprechung der gehobenen Führungskräfte in Bad Husten.  Davon berichtet er doch sonst immer.“

„Da, schon zwei nach Neun. Der kommt bestimmt nicht mehr.“

„Hmmm, ich könnte ja einfach schon mal mit meinen Themen anfangen.“

„Haben Sie viel?“

„Nö.“

„Dann machen Sie mal hinne. Wenn Sie fertig sind, hauen wir einfach ab. Sein Pech, wenn er nicht rechtzeitig kommt.“

Also legte Frl. Hasenclever, die ohnehin zu einer etwas schnelleren Sprechweise neigt, los. Zack, Thema  1 durch. Wusch, Thema 2 fertig. Und jetzt, ja, vier Minuten, und…

„Guten Morgen zusammen!“

Mist, auf der Zielgeraden abgefangen. Aber sie hat wirklich ihr Bestes gegeben.




Mittwoch, 10. Juni 2015

Katzen für Anfänger - Lektion 1

Merke: Wenn sich deine Katze während ihres verdienten Mittagsschläfchens an dich kuschelt und dann erschrickt, weil draußen irgendein Honk meint, zum Abschied von wem auch immer ordentlich hupen zu müssen, kann das bei dir durchaus sichtbare Folgen hinterlassen.


Durch die Hose durch

Fazit: Wenn du nicht bereit bist, regelmäßig mit Kratzern herumzulaufen, bist du nicht katzentauglich.

Narben machen sexy. Kratzer auch?



Dienstag, 9. Juni 2015

Eindeutige Wünsche

Es war einer dieser seltsamen Tage im Büro. Wir waren gerade aus verschiedenen Gründen personell ohnehin schon etwas dünn besetzt, als die ersten Krankmeldungen einliefen. Da nicht nur Frl. Hasenclever, sondern auch andere Kollegen der Führungsebene durch Abwesenheit glänzten, war es an Dr. Strebsinger als letzter verbliebener Führungskraft des Hauses, die besagten Krankmeldungen entgegenzunehmen.

In schneller Folge erreichten uns seine E-Mails mit immer wieder neuen Namen der ungeplant Abwesenden. Der arme Kerl schien zu nichts anderem mehr zu kommen.

Dann setzte Ruhe ein. Die Uhrzeit, bis zu der man sich zu melden hatte, war erreicht. Dr. Strebsinger fand endlich die Muße, sich auf seine allmorgendliche Begrüßungsrunde zu begeben.

Helga hatte an diesem Tag Geburtstag. Natürlich gratulierte unser ob des ganzen Unbill des noch jungen Tages geknickter Dr. Strebsinger, während Helga ihm im Gegenzug ein großes Stück selbstgebackenen Geburtstagskäsekuchen offerierte.

„Oh, vielen Dank, Frau Helga, aber im Moment hätte ich lieber eine Pistole.“

Na na, wer wird denn gleich…

Aber immerhin weiß er, was er will.



Sonntag, 7. Juni 2015

Wat is en Dampfmaschin?

Eines der Fundstücke aus der Keller-Kellerentrümpelung ist meine alte Dampfmaschine. Eine D16 von der Firma Wilesco. Wobei der Begriff Fundstückehier nicht so ganz zutreffend ist. Ich wusste ja, daß sie da lagert. Aber ich freue mich trotzdem immer wieder, wenn sie mir mal in die Finger fällt.

Das heute noch unter dieser Bezeichnung hergestellte Modell sieht in einigen Details anders aus. Das Baujahr meiner Maschine müsste um 1975/76 gewesen sein, was ich jetzt einfach vom ungefähren Zeitpunkt des Kaufes ableite.

Ich wollte immer eine eigene Dampfmaschine haben, seit ich mal so eine bei meinem älteren Cousin gesehen hatte. Der hatte eine D20, die mit einem Manometer ausgestattet war. Nur war sie teuer. Richtig teuer. Noch teurer als die von mir auserkorene D16. Etwa 80 DM sollte das Objekt meiner Begierde kosten. Das war natürlich viel Geld für mich. Ein Vermögen. Also begann ich, mein Taschengeld zu sparen. Doch es würde dauern, bis ich das Geld zusammen hatte. Deutlich länger als ein Jahr. Meine Rechenkünste reichten damals schon so weit, um diese ernüchternde Feststellung treffen zu können.

Nun begab es sich aber, daß meine Eltern und ich ins Sauerland in Urlaub fuhren. Und mein damals bester Freund Holger durfte mitfahren. Meine Eltern wollten damals kein Geld dafür, aber um sich dennoch erkenntlich zu zeigen, schenkten Holgers Eltern mir ein kleines Buch, in dessen Inneren ein 50 DM-Schein lag.

50 DM! Für mich! Ich war reich. Nie wieder arbeiten!

Zusammen mit meinem Ersparten reichte es aus, um mir die ersehnte Dampfmaschine zu kaufen. Und durch die eine oder andere milde Gabe waren auch noch Erweiterungen drin. Denn so eine Dampfmaschine ist ja kein reiner Selbstzweck; die soll schon was antreiben.

Nun habe ich mich ja schon häufiger über meinen Realitätssinnausgelassen. Auch hier kam er sofort zum Tragen. Denn es gab da als Erweiterung unter anderem ein so genanntes Antriebsmodell, welches eine echte Dampfmaschine niemals angetrieben hätte, ja was noch nicht mal einen Sinn hatte, wäre es einst tatsächlich in groß gebaut worden. Ein Farbenrad. Vollkommen unrealistisch! Das wollte ich auf keinen Fall. Seit dem ich wusste, daß es das gibt, trieb mich die Sorge um, es mal geschenkt zu bekommen und dafür auch noch Dankbarkeit vortäuschen zu müssen, um niemanden zu enttäuschen - und damit der einzige Enttäuschte zu sein. Ich hasste es damals schon, genau so wie ich es heute noch hasse. Nein, da sollten es besser einige Werkzeuge sein, wie sie auch in einer Werkstatt vorhanden waren. Also ein Schleifblock, eine Säge und so etwas in der Art. Die Auswahl war groß genug.


Der Sockel des Schleifblocks ist etwas angerostet, alles andere kann man polieren.

Nun hatte ich also meine Dampfmaschine, meine Antriebsgeräte und Esbit-Stäbe, um den Kessel auch ordentlich befeuern zu können. Nun brauchte ich noch jemanden, der mir diese Stäbe auch anzündete. Das habe ich mich nicht getraut, obwohl ich damals ja schon von Feuer fasziniert war und mich immer gefreut habe, wenn ich in Omas Ofen oder bei einem Postfeuer etwas verbrennen durfte.

Ihr kennt keine Postfeuer? Postfeuer nannten wir es immer, wenn irgendwo im Garten Holz-, Karton- und Papierreste flammenderweise entsorgt wurden. Bei meiner Oma im Garten klappte das ganz gut, bis auf dem Nachbargrundstück hinter dem Sandberg ein Krankenhaus errichtet wurde. Von da an war diese Zeit vorbei. Und Jahre später führte man diesen neumodischen Umweltschutz ein, womit sich die Postfeuer auch anderen Ortes zu meinem größten Leidwesen erledigt hatten.

Wie dem auch sei, war ich ein kleiner Pyromane, der sich allerdings nicht mal traute, ein Feuer selbst anzuzünden, weil er Angst hatte, sich mit einem abbrechenden aber doch schon entzündeten Streichholz die Finger zu verbrennen. Wer weiß, was der Welt dadurch alles erspart geblieben ist?

Der Idee meines Vaters, der damals dazu neigte, alles was ins Haus kam sofort irgendwie umzubauen, die Maschine auf Feuerung mittels Brennspiritus umzustellen, leistete ich heftigen Widerstand. Diesen Spiritus kannte ich vom Fondue. Und das war mir dann erst recht viel zu gefährlich. Gefährlicher jedenfalls als ein abbrechendes, brennendes Streichholz.

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, daß die zweitbeste Ehefrau von allen der Meinung ist, ich sei nie ein Kind gewesen? Wenn sie diese Zeilen liest, wird sie mir dies wieder erklären. Da bin ich ganz sicher.


Sogar die originale Gebrauchsanweisung ist noch da.

Was aber stellt man denn nun mit einer Dampfmaschine an, wenn der Kessel endlich ordentlich Druck aufgebaut hat? Man lässt sie arbeiten, so daß die Werkzeuge sich bewegen. Das ist alles. Richtig spielen konnte man damit irgendwie nicht. Es sah einfach nur gut aus. Ach ja, wenn der Kesseldruck hoch genug war, konnte man das Sicherheitsventil pfeifen lassen. Auch nicht schlecht. Aber irgendwie ist das Modell doch eher ein Sammlerstück als ein Kinderspielzeug. Zumindest sehe ich es heute so.

Ich habe mal einen meiner Schlümpfe, ein altes Exemplar aus einer Schokoladenpackung, nicht in blauweiß, sondern ganz in grün, aber stilecht passend mit Maulschlüssel in der Hand, auf den Umlauf der in Betrieb befindlichen Maschine gestellt. Was soll ich sagen – seine Füße zeigten nach einiger Zeit gewisse Verformungserscheinungen. Schade.

Einen Höhepunkt gab es noch, als wir im Sachkundeunterricht der Grundschule die Dampfmaschine durchnahmen zum Thema hatten. Ich habe von meiner Maschine erzählt und durfte sie zu Vorführzwecken mit in die Schule bringen. Auch unser Rektor Herr Schöne war anwesend und erklärte mir direkt, daß der Trichter, mit dessen Hilfe das Wasser in den Kessel zu füllen war, an Verkalkung leiden würde, weil ich nie destilliertes Wasser verwendet hatte. Der Trichter wurde von mir später immer und immer wieder in Augenschein genommen, aber ich konnte nie feststellen, wie Herr Schöne das erkannt haben will. Was bestimmt nur ein Bluff von ihm.

Als meine Lehrerin mich fragte, was das denn für eine Flüssigkeit sei, die an der Seite in einem kleinen Becken aufgefangen wurde, erklärte ich ihr, daß es wohl Öle sein würden, welche von der Maschine im Betrieb über die Röhren ausgespuckt werden. Die gleiche Frage hatte ich schon vorher mal zuerst mir und dann meinem Vater auch gestellt. Mein Vater hat mir auf meine diesbezügliche Frage hin zwar zutreffend erklärt, daß es sich dabei um Kondenswasser handeln würde, aber leider vergaß er mir auch klarzumachen, was Kondenswasser überhaupt sei. Und ich habe dann einfach meine Erklärung gefunden.

Dumm gelaufen.

Nach einiger Zeit des Nichtgebrauches wurde die Dampfmaschine zunächst im elterlichen Keller, dann jahrzehntelang in der Garage meiner Oma und schließlich von dort aus in unserem Keller-Keller eingelagert. Jeglichem Entsorgungsvorschlag seitens meiner Eltern habe ich standhaft gegengehalten.

Die D16 hat ihre ersten 40 Jahre eigentlich ganz gut überstanden.

Und jetzt stellen wir uns mal ganz dumm und lauschen noch etwas dem dem Unterricht von Professor Bömmel.






Freitag, 5. Juni 2015

Mistdrecksverdammtfaules Katzenpack

Hier in der Wohnung fliegt eine Fliege. Und das faule Katzenpack unternimmt nichts, aber auch rein gar nichts, um sie zu fangen. Außer sie aus bequemer Lage anzuglotzen. Leute, das Fliegzeug zu Tode gucken funktioniert nicht. Los, macht was. Wozu füttern wir euch durch?


(Aktualisierung 15:41 Uhr, noch während des Schreibens)

Na also, geht doch. Aber am Erfolg müssen sie noch etwas arbeiten.


(Aktualisierung 15:43 Uhr, noch während des Schreibens)

Sie haben aufgegeben. Alles zurück auf Anfang.



PS:

Na, bei DER Überschrift müssten jetzt unbestätigten Behauptungen zu Folge (siehe hier und nachfolgende Kommentare) die Klickzahlen jetzt aber mal steilstens nach oben gehen. Ich werden den Feldversuch überwachen.



Donnerstag, 4. Juni 2015

Mampf

Es ist zweifellos so, daß es sich lohnt, mal zum Grillen nicht das Zeug vom Discounter zu holen, selbst wenn es dann etwas mehr kostet. Und auch bei den Grillsaucen empfiehlt es sich, eher bei den etwas teureren zuzugreifen. Man schmeckt einfach den Unterschied.

Nur mal so am Rande...



Die Sonne scheint

Es ist warm draußen.

Die Wohnung ist zwischenzeitlich weitgehend entmüllt. Nur die Säcke mit Wertstoffmüll und drei Kartons mit Papiermüll stehen noch herum. In zwei Wochen werden sie geholt, den Rest habe ich gestern selbst zur Entsorgung gebracht.

Es ist warm draußen.

Der Keller-Keller ist wieder eingeräumt. Eine Klappbox mit Kram sowie ein paar Autopflegeprodukte müssen im Keller untergebracht verteilt werden. Im Regal stehen leere Kisten, um alles aufzunehmen. Es sind sogar noch Lücken frei. Prima.

Es ist warm draußen.

Garten und Terrasse wollen auch wieder beachtet werden. Mal sehen, wann ich das in meinen Tagesplan einbaue. Vielleicht morgen.

Es ist warm draußen.

Ich schlafe inzwischen morgens bis 5 Uhr, nachdem ich um Mitternacht ins Bett gegangen bin. Der Urlaub beginnt, meinen Rhythmus kaputt zu machen.

Es ist warm draußen.

Aufstehen um 7 Uhr. Ist ja schon fast dekadent, zwei Stunden wach im Bett zu liegen.

Es ist warm draußen.

Ich fühle mich vollkommen zerschlagen. Heute keinen Sport, obwohl ich es fest eingeplant hatte. Aber den hatte ich in den letzten Tagen auch in anderer Form zu genüge. Und der Rücken wird sich auch wieder beruhigen.

Es ist warm draußen.

Heute ist ein guter Tag, den Grill anzuwerfen.



Mittwoch, 3. Juni 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 7 - Showdown in Gutterdorf)

Wir erreichten das letzte Geschäft auf der Liste der angegebenen Vertragspartner des Applikationsglitzerdingheißklebegeräteherstellers. Das Ladenlokal befand sich in einem parkplatzarmen Wohngebiet, unmittelbar neben einem Dönerladen.

Immer auf der Spur des lieblichen Dönergeruchs erreichten wir nach erledigter Parkplatzsuche jenen Ort, an welchem dem Begehr der zweitbesten Ehefrau von allen hoffentlich endlich entsprochen werden konnte. Ich trottete meiner Angetrauten einfach hinterher und nahm, noch vollkommen erfüllt von dem leichten chinesischen gemüsehaltigen Frühstück, dem abschließenden Fruchtsaft und dem gesunden Joghurt auch nicht die verlockend weit geöffnete Tür in den Dönerladen, sondern folgte brav in den dunklen, unübersichtlichen Laden, von dem ich anhand seines feilgebotenen Sortimentes wahrlich nicht erkennen konnte, was der thematische Schwerpunkt der in ihm nachgegangenen händlerischen Tätigkeit sein sollte. Und auf das Ladenschild hatte ich vorher keinen Blick geworfen, war ich doch zu sehr von der anregenden optischen Erscheinung der herrlich vor sich hin brutzelnden Dönerspieße gefangen, die förmlich darauf warteten, von mir ein wenig erleichtert zu werden. Doch sie würden vergeblich warten.

Wie mir später erläutert wurde, handelte es sich bei unserem Ziel um einen Laden für Scrapbooking. Nachdem ich mir weiterführende Informationen darüber eingeholt hatte, was das überhaupt sei, stellte sich mir noch die Frage, wie man damit einen ganzes Geschäft betreiben könne. Das mußte wieder so ein Frauending sein, das ich nicht verstand.

Hinter der Kasse stand sie - die Dame vom Fach. Die Scrapbookingfachverkäuferin. Sie richtete sich ein wenig auf, als wir den Raum betraten, schaute in Richtung der Eingangstür und fixierte uns mit ihrem Blick. Meine Angetraute fixierte ebenfalls, setzte ein gewinnendes Lächeln auf und trug mit einer Stimme, die keinerlei Verzweiflung erahnen ließ, ihren Wunsch vor, hier vor Ort, und zwar genau in diesem Augeblick, ein Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik, käuflich erwerben zu wollen.

Schon beim Nennen des Herstellernamens zeigte sich in den Augen der anwesenden Verkäuferin ein Blitzen, ihr warmes Lächeln erfüllte unsere Herzen eine Symbolik, die sich nur mit inhaltlicher Leere des hinter den Augäpfeln befindlichen Restkopfvolumens übersetzen ließ. Auch hier wusste man also weder von dem Hersteller, von dem man offizieller Vertragspartner war, noch etwas von einem Applikationsglitzerdingheißklebegerät. Weder mit noch ohne Vakuumtechnik. Der Showdown war beendet. Wir hatten verloren. So verließen wir das Scrapbookingfachgeschäft durch die Eingangstür, welche praktischerweise auch als Ausgangstür genutzt werden konnte. Nach Stunden führte unser Weg wieder nach Hause.

Der viel beschworene örtliche Einzelhandel in der großen Stadt hatte seine mehr als faire Chance bekommen.

Und vertan.


(Ende)



Dienstag, 2. Juni 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 6 - Blechlawine)

Mit dem Auto fuhren wir weiter Richtung Gutterdorf. Zu diesem Zweck war es unerlässlich, sich über die stauverseuchte Bundesstraße drölfundpfirsich mitten durch die Innenstadt zu quälen.

„Was machen die alle hier? Nur auswärtige Kennzeichen. Und zwar von weit auswärtig.“

Die kommen bestimmt wegen des Weihnachtsmarktes? Ist doch jedes Jahr so.

Wobei ich, und es ist mir ein besonderes Anliegen dies anzumerken, überhaupt nicht verstehe, warum der Neustädter Weihnachtsmarkt so ein Touristenmagnet ist. An dem ist echt nichts Besonderes.

„Weihnachtsmarkt? Bist du irre, wir haben Ende Mai.“

Gut, eine berechtigte Fragestellung.

„Schon, aber Ostern ist doch schon lange vorbei, in spätestens drei Monaten gibt es wieder Weihnachtsgebäck in den Läden. Vielleicht haben die sich nur wegen des Wetters etwas verschätzt. Ist ja möglich.“

Die zweitbeste Ehefrau von allen vermochte sich dieser für mich durchaus schlüssigen Theorie weiterhin nicht zur Gänze anzuschließen.

Gelangweilt schaute ich nach draußen, während wir unsere Schleichfahrt fortsetzten.

Uaaahhh.

„Was?“

„Da fährt ein rotes Auto! Eines unter hunderten anderen in königsdunkelblau-schwarz oder silbermetallic-weiß lackierten. Es ist schockierend, was sich manche Leute rausnehmen, nur um Beachtung zu finden.“

„Balduin ist auch rot.“

„Ja, aber den sehe ich gerade nicht, weil ich in ihm sitze. Und wer kann schon damit rechnen, daß es darüber hinaus noch andere Autos gibt, die nicht königsdunkelblau-schwarz oder silbermetallic-weiß sind?“

Ist doch wahr, Mensch. Heutzutage erkennt man sein Auto auf einem Parkplatz doch nur anhand seines wohl für diesen Zweck angebrachten, passenderweise auch so benannten Kennzeichens sowie der individuellen Gestaltung der angebrachten Beulen und Kratzer.

Irgendwann hatten wir es dann doch noch geschafft, inmitten der monotonen aneinandergereihten Blechmassen die Innenstadt zu verlassen.


(wird fortgesetzt)




Montag, 1. Juni 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 5 - Joghurt)

Auf dem Rückweg zur ebenerdigen Tiefgarage unserer LASA-Außenstelle bemerkte die zweitbeste Ehefrau von allen einen neuen Laden. Der wäre mir glatt durchgegangen. Man bot mit wohlfeilen Worten frozen Yoghurt an. Joghurt also, aha. Kenne ich noch von meiner Oma. Die hat auch regelmäßig Joghurts oder pure Milch eingefroren und dann, wenn er oder sie durch und durch hart gefroren war, wieder aus dem Eisfach des Kühlschranks geholt und mit dem Löffel wortwörtlich aus dem Behälter gekratzt. Sie war - nun, sagen wir mal - sparsam. Es war billiger als Speiseeis zu kaufen.

Irgendwie habe ich jedoch das Gefühl, daß sich die Sache hier etwas anders handhaben würde.

Joghurt ist ja zunächst mal durchaus als gesund anzusehen. Und wer würde schon etwas dagegen haben, eine gesunde Zwischenmahlzeit einzunehmen? Außerdem war die Hütte bis auf eine einzelne Kundin leer, also schauten wir uns die Sache mal näher an.

Das Geschäft war relativ karg eingerichtet. Rechter Hand fanden wir eine Ablage, vollgestellt mit leeren Pappbechern in verschiedenen Größen, nicht unähnlich einem Eisbecher. Nur daß die in einer Eisdiele zu erhaltenden Eisbecher in ihrer größten Ausprägung hier ungefähr der kleinsten Variante entsprachen. Auf der linken Seite fanden sich unterschiedlichste Sitzgelegenheiten und kleine Tische. An der Rückwand waren in der Wand mehrere Automaten eingelassen, welche Eiszapfmaschinen ähnelten. Schließlich, zwischen Sitzecke und Eiszapfmaschinen, war noch eine kleine Theke sowie die Kasse zu finden.

Die Verkäuferin Kassiererin wies uns als deutlich erkennbare Neulinge in dieser Art von Laden kurz in die Gepflogenheiten vor Ort ein. Man nehme einen der in unterschiedlichen Größen bereitstehenden Becher, zapfe sich die einem nach Augenschein genehme Menge an gefrorenem Joghurt in der gewünschten Geschmacksrichtung aus der Maschine, überstreue sie als Garnierung Topping mit zerkrümelten Süßigkeiten, Obst oder Cremes und verfeinere schließlich alles mit einem abschließenden Klacks verschiedener bereitgestellter Saucen.

An der Kasse schließlich würde alles gewogen und berechnet werden. Ok, bei einem angeschlagenen Preis von 1,89 Euro pro 100 Gramm war absehbar, daß die Angelegenheit in Anbetracht der Größe der bereitstehenden Becher nicht gerade billig sein würde. Aber wann kommt es denn schon mal vor, daß ich mit meiner Angetrauten durch die große Stadt bummle? Eben. Außerdem habe ich Urlaub. Da muß das schon mal drin sein.

Zwischenzeitlich hatte eine wilde Meute geschätzt zwischen 9 und 12 Jahren alter Mädchen den Laden gestürmt, was das weitere Vorgehen etwas erschwerte. Immer musste ich darauf achten, niemanden umzurennen. Die jungen Damen Gören wussten, was sie wollten und woher sie es bekommen würden. Nichts und niemand würde ihnen auf dem Weg zu ihrem Ziel in die Quere kommen. Das war eindeutig. Daß die uns nicht vom Topping-Tresen weggeboxt haben, dürfte alleine am unterschiedlichen Körpermasseverhältnis zwischen ihnen und uns gelegen haben. Was sie aber durch Frechheit wieder ausglichen, denn sie scherten sich einen Dreck darum, war meine Angetraute und ich an diesem Tresen vorhatten - sie griffen einfach zu.

Nachdem ich an der Kasse meinem kleinen Herzinfarkt verdrängte und für auf zwei Becher verteilte 730,687 Gramm gefrorenen, hochgezuckerten, mit Aromastoffen versehenen, getoppten und gesoßten Joghurt das letzte Geld aus meinem Portemonnaie zusammengekratzt hatte, machten wir es uns mit unserer Beute auf dem bereitgestellten Sitzmobiliar bequem. Die Konsistenz des Joghurts erinnerte durchaus an das von mir zuvor vermisste Softeis. Und auch der Geschmack war durchaus ansprechend.

Das Mädchenrudel setzte sich nebenan hin. Gut, man muß jetzt nicht ausdrücklich von in Hörweite reden, denn der kundige, lebenserfahrene Leser wird sich darüber im Klaren sein, daß der Abstand, bis zu dem man dem Gespräch eines solchen Grüppchens problemlos folgen konnte, auf jeden Fall die Grenzen jeglicher branchenüblicher Ladenlokale sprengen dürfte. Viel mehr erstaunte mich das Geschick, mit dem man gleichzeitig Eis Joghurt frozen Yoghurt mit einem Löffel aus dem Becher essen, dabei mit dem Smartphone spielen und auch noch mit den Begleiterinnen kommunizieren kann. Ebenfalls bemerkenswert war es für mich, wie selbstverständlich diese Gören über die für mich beachtliche Höhe ihrer aktuellen finanziellen Reserven - für die Rudelführerin war dies ein dreistelliger Betrag – redeten. Das verdient man nicht mit dem Austragen von Werbeblättchen. Nicht in dem Alter. Die Reserven sollten später noch für den überteuerten Pseudo-Edelfummel in diesem nur von der jungen und schönen Kundschaft frequentierten Kleidungsgeschäfte ausgegeben und somit dem allgemeinen Geldfluss zurückgeführt werden.

Das passte zu den beiden seltsamen, vielleicht gerade so nicht mehr minderjährigen Jungs Gestalten, die uns zuvor bei Knuffhof über den Weg gelaufen sind und die dort lautstark verkündeten, doch lieber bei Armani einkaufen zu wollen als bei Knuffhof. Vielleicht hatte ich das ja auch nur falsch verstanden und dieser Armani war ein Kumpel von den beiden, der in einer Pizzeria arbeitet.


(wird fortgesetzt)