Freitag, 1. Mai 2015

Tage wie diese braucht kein Mensch

Im Rahmen der nicht vorhandenen Rubrik Aus dem Archiv gekramt präsentiere ich dieses Fundstück, welches ich schon vor ein paar Monaten geschrieben habe. Dennoch hat der Text in seinen Einzelkomponenten eine gewisse Zeitlosigkeit mit Wiedererkennenswert, während das geballte Zusammentreffen des Beschriebenen schon einzigartig war.


Es gibt so Tage, an denen ich zwischen Verzweiflung und Amoklauf stehe. Kommt in unserer Außenstelle ja durchaus regelmäßig vor. Die Welt hat sich verschworen.

Unmittelbar nach dem Aufschlagen auf unserer Büroetage stelle ich schlagartig fest, daß wir mal wieder eine neue Putzfrau haben. Die fünfte innerhalb von zwölf Wochen! Unlängst wurde wieder jemand herumgeführt, um die Örtlichkeiten kennen zu lernen. Nun zeigen sich morgens zahlreiche Bürotüren als abgeschlossen. In Umlauf befindliche Schlüssel zu diesen Türen gibt es nur in übersichtlicher Zahl, nämlich bei Dr. Strebsinger, Frl. Hasenclever, unserem Hausmeister und der Putzfrau. Das niedere Volk, also jene Menschen, welche in den Büros arbeiten, benötigt derlei unnütze Dinge nicht und scheiden als Verursacher aus. Die drei erstgenannten Schlüsselbewahrer hingegen kämen nicht auf so einen Unfug. Bleibt also objektiv nur die Putzfrau.

Mein Büroraum verfügt über zwei Türen, von denen sich in halbherziger Konsequenz der Angelegenheit nur eine als verschlossen erweist. Immerhin kann ich meinen Arbeitsplatz erreichen. Andere Kollegen müssen zu diesem Zweck auf das Eintreffen zumindest eines der in Frage kommenden Schlüsselbeauftragten warten, was sich aufgrund gleitender Arbeitszeit durchaus hinziehen kann. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Übrigens möchte ich darauf hinweisen, daß der weibliche Teil der auf unserer Etage arbeitenden Belegschaft wieder das Nachfüllen der Papierhandtücher vermisst. Toilettenpapier ist auch knapp. Eine Sichtung der Vorräte auf den Herrenklos bestätigt die Annahme, daß es dort ähnlich aussieht. Scheinbar werden unsere Putzfrauen stets nach vergleichbaren Kriterien ausgesucht. Hierzu verweise ich auf die obige Verlinkung meiner früheren Anmerkungen zu dieser Sache. Es hat sich nichts geändert. Absolut nicht. Und nein, niemand von uns wäre so verrückt, außer in absoluten Notfällen, deren Möglichkeit ich nicht per se ausschließen möchte, eine Rolle unseres Edelpapieres zum eigenen Bedarf mitzunehmen. Und schon gar nicht größere Mengen davon.

Nach dem Lesen meiner E-Mails, welche unter anderem eine unsere Arbeitsorganisation betreffende Ideen der Führungsebene enthält, deren praktischer Nutzen sich mir weiterhin zur Gänze entzieht, gelingt es mir, die von zwei Tagen umständehalber liegengebliebene Arbeit kurz zu sichten und die eingegangene Post den verschiedenen Vorgängen zuzuordnen. Nun folgt der GAU: Die Datenverbindung nach Bad Husten bricht in unserer gesamten Außenstelle zusammen. Da wir auf den Festplatten unserer Rechner so rein gar nichts an Material haben, sind wir komplett ohne EDV-Unterstützung. Kommt immer wieder mal vor und ist meistens nach ein oder zwei Stündchen bereinigt.

Dieses Mal nicht.

Da wir auf Gedeih und Verderb die EDV benötigen, können wir nicht arbeiten. Rein gar nicht. Und das zu einer Zeit, in der ich aufgrund der vorherigen programmtechnischen Pannen nur noch bis Freitag Zeit habe, verschiedene Dinge zu erledigen, deren Nichterledigung mich mit einer Flut von bösen Anrufen, garstigen Schreiben und manueller Korrekturarbeiten zuschmeißen würde. Das bedeutet schon im Normalfall Überstunden bis zum Abwinken.

Gegen 13 Uhr ruft uns Dr. Strebsinger zusammen. Er schildert nochmal die Situation und bietet uns an, daß wir nach Hause gehen können. Hört sich erstmal nicht verkehrt an. Der Haken ist, daß wir dies zu unseren Lasten, also unter Abzug der nicht geleisteten Arbeitszeit tun sollen.

Aus bekannten Gründen hat niemand wirklich Lust, unserem Arbeitgeber dahingehend auch nur einen Zentimeter entgegenzukommen. So stellen wir also weiterhin unsere Arbeitskraft zur Verfügung. Was können wir dafür, wenn die Strukturen so gestaltet sind, daß ohne EDV keine sinnvolle Arbeit mehr möglich ist?

Trotz wiederholter warmer Worte Dr. Strebsingers hält sich der Trend hartnäckig, sein Angebot nicht nutzen zu wollen, was den armen Kerl mal wieder sichtlich verstimmt.

Nicht mein Problem. Ich habe Dank beim gelangweilten Kramen in den Schubladen zufällig gefundener Brillenputztücher endlich wieder eine saubere Tastatur und eine saubere Maus. Ehrlich: Wenn ich nicht gewusst hätte, daß das alles mein Dreck ist, hätte ich die schon seit Monaten nicht mehr angefasst. Zusätzlich gewinne ich die Erkenntnis, daß es nicht möglich ist, den PC per Hypnose durch Daueranstarren des Monitors durch kanzlerbewährtes Aussitzen mit sämtlichen mir bekannten Methoden dazu zu bewegen, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Ich werde noch wahnsinnig.



Kommentare:

  1. Machen hättest Du gewollt, aber es dann tun, hast Du nicht gekonnt. Wegen technischer Verhinderung am Arbeiten gehindert..Oder so ähnlich. Wer kennt das nicht?

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    1. Papier im Büro ist eben doch nicht so verkehrt.

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  2. hehehehehe....
    das erinnert mich daran, wie mich immer alle ausgelacht haben, weil ich einen Tischkalender zum HINEINSCHREIBEN hatte.
    Ich habe da auch wöchentlich alle meine Termin notiert, am Anfang eines jeden Jahres, die wiederkehrenden hineingeschrieben u.s.w.
    Was waren die alle scharf auf meinen Kalender als das Outlook sich im Nirwana verirrt hatte.

    Ja, Papier im Büro hat was.

    Die Rollen werden in 95% der Fälle von den Angestellten mitgenommen.
    Glaub mir... da kann das Klopapier noch so hart sein.

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    1. Den Kalender benutze ich auch noch für die wirklich wichtigen Sachen, die mir keinesfalls durchgehen dürfen. Und die blöden Blicke dafür kenne ich auch. Aber das System funktioniert wenigstens. :-)

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