Sonntag, 31. Mai 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 4 - Zu Besuch beim Kaiser)

Ähm nein, tat sie nicht. Stattdessen erfolgte nur der allgemeine Hinweis, daß meine Angetraute das Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik, schließlich auch aus dem Internet bestellen könnte.

Also verließen meine Angetraute und ich unbeschadeter Dinge die für jedermann außer mir uns ganz offensichtlich kleinste Filiale der Bastelladenkette. Wir hatten schließlich noch ein weiteres Eisen im Feuer. Dummerweise befand sich unser letzter Joker nicht gerade in Neustadt, sondern eher in Guttersdorf. Und zwar in einem Geschäft, welches just an diesem Tag erst im fortgeschritteneren Verlauf des Nachmittages die Pforten für die Kundschaft öffnen würde.

Also beschlossen wir, zunächst auf gut Glück und mit gebremsten Optimismus die üblichen Verdächtigen unter den für uns noch fußläufig erreichbaren Geschäften heimzusuchen, als da wären die örtlichen Filialen von Knallstadt und Knuffhof sowie dem altehrwürdigen Spielzeug Kaiser, einem Spielzeugladen, welcher auch Bastelsachen führt.

In den beiden Kaufhäusern wurden wir, dies sei schnell bemerkt, nicht fündig. Zügig ging es weiter zu meinem Geschäft der letzten Hoffnung. Als seit über hundert Jahren inhabergeführter Familienbetrieb an sich schon aus Prinzip die erste Wahl unter den drei Optionen, die wir innerstädtisch noch hatten, aber rein vom Streckenverlauf lagen die Kaufhäuser erst mal günstiger.

Im Knuffhof-Gebäudes musste ich feststellen, daß im Gegensatz zu meinen Kindertagen, als sich in jedem größeren Kaufhaus noch ein Softeisstand befand, an dem ich nach einem anstrengenden Einkaufstag mit meinen Eltern in der großen Stadt, was eben wegen der großen Stadt immer etwas Besonderes für mich war, regelmäßig ein solches Eis zum Gegenwert von DM 1,00 spendiert bekam. Aber bitte das Eis im Becher, ein Freund der Eistüten, damals einer Mischung aus Presspappe und Zement, war ich noch nie. Das war die Zeit, als eben dieses Eis mit dem bei uns in der Gegend neuartigen Schokoladenfettüberzug noch Eisneger genannt werden durfte. Man stelle sich vor: Eisneger. EISNEGER. Damals hat man wirklich noch Eis statt Ice geschrieben, wenn man Eis meinte.

Unfassbar.

Nach der Feststellung der Erfolglosigkeit bummelten wir weiter und standen schließlich im Spielzeug Kaiser. Die einzelnen Etagen hatten eine übersichtlich Größe, zum Ausgleich erstreckte sich das Geschäft über mehrere Etagen nach oben. Und wo war die Bastelabteilung zu finden? Richtig, genau da, wo sich auch die Modellbahnabteilung befindet: ganz weit oben. Höher ging es nicht mehr. Aber immerhin - und ich möchte es nochmal erwähnen - in der Nähe der Modellbahnabteilung. Da gab es wenigstens auch endlich mal für mich etwas zu gucken.

Vor die Wahl gestellt, die Wendeltreppe oder den Aufzug zu nehmen, entschieden wir uns einvernehmlich für die Wendeltreppe.

In jenen seltenen Momenten, in denen ich mich mal mit anderen Menschen in derartigen Geschäften aufhalte, stelle ich immer wieder fest, daß ich stolz auf mich sein kann. Wirklich stolz. Den trotz meines gewissen Hangs zu einem dezenten Übergewicht lege ich sowohl beim einfachen Laufen auf ebener Fläche, aber auch beim Treppensteigen, eine deutlich größere Dynamik an den Tag als so mancher sehr viel jüngerer, dafür aber mit Idealgewicht gesegneter Mensch. Und ihr könnt mir glauben, ich bin wahrlich kein Freund des Laufsportes, geschweige denn des Treppensteigens.

Außerdem ist es mir möglich, beim ebenerdigen Gehen eine gerade Linie einzuhalten. Eine hohe Kunst, die scheinbar ebenfalls zu den aussterbenden Begabungen zählt, wie wir während unseres Zuges durch die Kaufhäuser immer wieder feststellen mussten.

Die nichtsdestotrotz weiterhin anhaltenden Bemühungen meiner Angetrauten um den käuflichen Erwerb des eines Applikationsglitzerdingheißklebegerätes, jetzt auch mit Vakuumtechnik, blieben allerdings ebenso unerschütterlich wie ergebnislos.


(wird fortgesetzt)





Kommentare:

  1. Moooooment mal... ungeachtet meines vorigen Kommentars:
    Da empfiehlt der Einzelhandel, der sonst immer so "Das Internetz macht uns Händler kaputt!!!!!!!!" jammert plötzlich, man möge doch im eben jeden Internet die gewünschten Waren zu kaufen anstatt Service zu bieten und das gewünschte Kleindingens zu besorgen?
    ...
    Sollen die mal jammern - die amchen sich ja selbst kaputt. ó.ò

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  2. Dreimal Eisneger - Respekt!
    Heute wäre das vielleicht ein Coloured People Ice?
    Black Man Ice?
    Ice like an afroamericanman?

    1 Mark für ein Eis.... War es wirklich schon so teuer in den 70ern?
    Ich weiß es leider nicht mehr....

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    1. Ich weiß es noch, weil ich ja immer den Becher haben wollte. Und den gab es ab 1,00 DM. Hörnchen waren immer billiger.

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