Dienstag, 5. Mai 2015

Einfach laufen lassen

Berlin (West), 1987.

Noch herrscht der kalte Krieg. Hier, in der auch aber nicht nur von der Frontstadtmentalität geprägten Insel in diesem Vorposten des Reichs des Bösen, ist er gegenwärtiger als unweit der deutsch-holländischen Grenze, wo ich mich zu Hause fühle.

Für 2,00 DM kann man per Bus und Bahn durch das ganze, riesige westliche Stadtgebiet fahren. Im Rest der Republik ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Vergleichbares erhalten zu wollen. Die Subventionen unterliegen anderen Prioritäten.

Die dritte Etage des Nebenstaßenhotels war komplett unser. Hier habe ich zum ersten Mal gesehen, daß ein Furz brennen kann. Dinge, die man fürs Leben braucht. Und unvergesslich.

Wir gehen mal nicht ins Klo, dieser Kneipe in der Nähe des Hotels, in der Sargdeckel als Sitzbank dienen und auch Toilettenschüsseln ihre eigene Verwendung finden.

Unser Ziel ist irgendein kleines Kino in einer Seitenstraße rechts ab vom Kudamm.

Ich werde von den anderen mit reingeschleppt.




(Hier befand sich einst ein Trailer von Top Gun)

Grandiose Bilder. Passende Musik. Richtig etwas für so schlichte Gemüter wie ich eines habe.

Trotz des Hauptdarstellers. Ich mag ihn nicht.

Egal, den kann man ausblenden. Er ist nur Staffage.

Es geht allein um die Flugzeuge.

Die Geschichte für die weibliche Begleitung der eigentlich männlichen Zielgruppe hätte man ruhig schneiden können. Aber wer geht schon für die dann noch verbleibenden vielleicht 45 Minuten Restfilm ins Kino?

Handlung? Der Film hat nur mit dieser Randgeschichte eine richtige Handlung?

Niemals! Der hatte niemals so etwas.

Männliche Urinstinkte funktionieren auch ohne Handlung.

Aber die süßen, eineiigen Zwitschlinge Zwillinge rechts und links neben mir bekommen so wenigstens auch etwas cineastische Unterhaltung.

Sie werden mich für die nächsten Jahre meines Lebens begleiten. Ich gehöre fast zur Familie, bin der erklärte aber als solcher unvollendet gebliebene Wunschschwiegersohn des Stiefvaters und bei allen wichtigen Ereignissen dabei.

Zehn oder elf Jahre nach dem Kinobesuch werden wir uns aus den Augen verlieren.

Für immer.



Kommentare:

  1. Der Ausgang der Geschichte ist etwas melancholisch angehaucht - sehr wirkungsvoll, meine Augen füllen sich mit Tränen...ich hab da was im Auge, das sich wie ein Flugzeug anfühlt! ;-)

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    1. Aber die Flugzeuge hat man doch im Bauch.

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