Sonntag, 3. Mai 2015

Auch eine Form von Training

Gestern habe ich mich wieder in der Küche ausgetobt. Ein ordentliches Stück totes Tier harrte darauf, sich nach einer gelungenen Metamorphose als Braten auf dem Teller wiederzufinden.

Der Ofen zeigte das Erreichen der voreingestellten Kerntemperatur an. Also war es an der Zeit, den Bräter aus seiner Minisauna rauszuholen, den nicht vegetarischen Bestandteil zu entnehmen und auf einem zu diesem Zweck bereitliegenden Fleischbrett abzulegen, damit er nach all dem Hitzestress ein wenig Ruhe finden möge, bevor seinem Dasein letztendlich ein würdiges Finale bereitet werde.

Wie das so ist, wenn ein Braten zur Ruhe kommt, verliert er Flüssigkeit. Fleischsaft! Und damit sich dieser nicht sinnlos auf der Arbeitsplatte der Küche wiederfindet, verfügt ein Fleischbrett genialer Weise über eine umlaufende Rinne, welche dazu gedacht ist, eine Grenze zu ziehen, welche der gute Fleischsaft nicht zu überschreiten hat.

Sämtliche Fluchtversuche werden dabei von mir regelmäßig im Keim erstickt. Da kenne ich nichts. Denn wozu gibt es Strohhalme? Einmal ansetzen und ordentlich absaugen, schon hat der Fleischsaft eine wirklich sinnvolle Verwendung gefunden. Als Nebeneffekt wurde auch gleich die Arbeitsplatte vor dem Einsauen bewahrt. Ein, wie ich finde, sehr durchdachtes System.

Dieses Mal jedoch wurde ich zu unbotmäßiger Hektik gezwungen. Der Braten verlor etwas mehr Saft als üblich, welche auch noch an zwei Stellen gleichzeitig drohte, das Fleischbrett durch gezieltes Überfüllen der Saftrinne zu verlassen. Es galt, das kostbare Gut in kurzer Zeit immer wieder abzusaugen, dann auszuatmen, erneut abzusaugen und wieder auszuatmen.

Um den sich sammelnden Saft an einer Stelle zu konzentrieren, versetzte meine Angetraute das Brett in eine leichte Schräglage, was natürlich dazu führte, daß sich fortan in noch weniger Zeit größere Flüssigkeitsansammlungen bildeten, welche es zu bekämpfen galt.

Natürlich wähnte ich in dieser anhaltenden Tätigkeit ein nahezu hervorragendes Bauchmuskeltraining und teilte dies auch leichtsinniger Weise der zweitbesten Ehefrau von allen während des einen Momentes mit, in dem ich die Überhand über die ausnehmend köstlichen Fluten erhalten hatte und zu sprechen in der Lage war.

Wie immer ein schwerer Fehler.

Doch anstatt endlich direkt zuzugeben, daß die theoretisch mögliche Existenz von Bauchmuskeln nur eine Erfindung der Fitnesstrainer-Mafia sei, wie es schon seinerzeit auch von den anderen Teilnehmern des einst von mir besuchten Pilates-Kurses regelmäßig gemutmaßt wurde, erzählte meine Angetraute etwas von Zwerchfelltaining.

Zwerchfelltraining!

Wie uncool ist das denn?

Ich bin ja der festen Überzeugung, daß das Einzige, wozu das Zwerchfell gut ist, in der Erzeugung eines Schluckaufs liegt. Und den kann ich schon.

In diesem Sinne.

*hicks*



Kommentare:

  1. Zwerchfell? Die armen Zwerche... Nein, das kann ich nicht unterstützen.
    Aber danke für die fast operative Methode des Saftabsaugens. Muss ich nachher gleich einmal ausprobieren.

    AntwortenLöschen