Samstag, 23. Mai 2015

Alles muß raus

Feierabendzeit. Mangels anderer zur Verfügung stehender und von mir als sinnvoll erachteter Alternativen stehe ich mir wieder am Neustädter Hauptbahnhof die Füße platt und warte auf den Zug, der mich nach seinem Eintreffen zügig (ha ha, Wortspiel) ins Neustädter Ländchen bringen soll.

Fast zur vorgesehenen Zeit fährt der Triebwagen, gut beladen mit Passagieren, in den Bahnhof ein. Da hier die Endstation der Strecke ist und der Zug in wenigen Minuten den ganzen Weg wieder zurückfahren wird, bedeutet dies, daß sich Unmengen an Passagiere gleich unter Nutzung der verschiedenen zu diesem Zweck konstruierten Türöffnungen auf den Bahnsteig ergießen werden.

Außen, auf dem Bahnsteig, steht eine vergleichbare Horde Reisewilliger vor den Türöffnungen Spalier, um den Aussteigenden den friedlichen und ehrenhaften Abzug aus dem Gefährt zu ermöglichen.

Die Türen öffnen sich, das eingeübte Prozedere nimmt seinen Lauf, die Masse Mensch gerät in Bewegung. Plötzlich ertönt ein genervter Ruf.

„Ey, ihr Hirnis, erst aussteigen lassen, dann einsteigen.“

Mit diesem einen, immer wieder an den verschiedensten Haltestellen und nur in der Anredeweise der Adressaten dieser Aussage differenziert vernehmbaren Satz kann ich durchaus sympathisieren. Mir wäre auch durchaus häufiger danach, bestimmten Idioten den Sinngehalt dieser Wortzusammenstellung mal nachdrücklich klar zu machen.

Doch wenn dieser Satz von jemanden in den Raum geworfen wird, der, halbversunken in der Beschäftigung mit seinem Smartphone, dem bislang als solchen wahrgenommenen letzten Aussteigenden mit mehreren Metern Abstand langsam und von außen nicht sichtbar hinterherschlurft, so daß Einsteigewillige den Weg frei wähnten, driftet alles doch ein wenig ins Groteske ab.

Darf man solche Menschen in die Realität zurückholen oder würde dies zu einem irreversiblen Schockzustand führen?



Kommentare:

  1. Sehr gut beobachtet.Solche schlurfenden Zeitgenossen begegnen mir des Öfteren nämlich auch.
    Wochenendgruß vonner Grete

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    1. Man kommt an ihnen irgendwie nicht mehr vorbei.

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  2. Oh.. ich glaube, das war einer meiner Söhne..... Nicht zurückholen bitte, die verfallen in einen irreversiblen Schockzustand.
    ...
    Muss aber gestehen, dass ich auch zu den Smartphone-Schlurfis gehöre, mich kann m ich jedoch gefahrlos in die Realität holen.

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  3. Einfach schlagen, treten und töten. Bringt Befriedigung. :D

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