Sonntag, 31. Mai 2015

Aktion Keller-Keller 2015

Wir unterbrechen die laufende Erzählung mit einem aktuellen Zwischenbericht.

Die Entrümpelung unseres Keller-Kellers hat ihren Höhepunkt erreicht. Der Raum zeigt sich mit Ausnahme einiger Regale vollkommen geleert. Sogar entfusselt, entstaubt und sonstwie entdreckt wurde er. Ein Operationssaal ist nichts dagegen. Hier würde ich mir glatt und auf der Stelle meinen Appendix rausoperieren lassen.

Die bislang im Keller-Keller eingelagerten Dinge belegten zum Leidwesen der Katzenbande zunächst sämtliche zum Abstellen von Kartons, Plastikboxen und Tüten geeigneten freien Flächen des Gartenzimmers. Da konnten mussten die lieben Kleinen mal wieder zeigen, wie gut, weit und hoch sie springen können, um den Kratzbaum zu erreichen. Außerdem sind sämtliche Veränderungen des Umfeldes ja ohnehin höchst verdächtig. Und wenn der Katzenpapa dann auch noch wie zufällig drei Katzentransportboxen bereitstellt, dann verschwindet man besser. Sie werden nie erfahren, daß ich das nur gemacht habe, weil die Dinger woanders gerade im Weg herumstanden.

Den Nachmittag verbrachten meine Angetraute und ich dann damit, die diversen eingelagerten Behältnisse vorsichtig – man weiß ja nie, was man darin vorfindet - zu öffnen, zu sichten und den vorgefundenen Müll auszusortieren.

Die gesammelten Werkzeuge bedürfen ebenfalls einer Neuverteilung. Jetzt muß die zweitbeste Ehefrau von allen mir erst mal verständlich machen, was das alles für seltsame Sachen sind und welche davon unbedingt gemeinsam gelagert werden sollten. Und ich bin in Erklärungsnot, warum ich einst die von meiner Schwiegermutter dringlich angeforderte Körnermühle unserer Küchenmaschine zusammen mit einer Heißluftpistole in einem Werkzeugkoffer gelagert hatte, auf daß sie niemand mehr finden möge. He, ich dachte, die gehören irgendwie zusammen. Oder zur Bohrmaschine. Wäre ja auch möglich. Denn wie eine Körnermühle, so wie ich sie mir vorstelle, sieht das Ding echt nicht aus. Das muß als Begründung einfach mal reichen. Lebt damit.

Wenn ihr in ein paar Jahren mal von einem Typen hört, der die Frage nach dem Beginn seines weltweiten Schraubenhandelsimperiums damit beantwortet, daß er einst seinen Keller entrümpelt hat, dann bin ich das.

Da ich einige Dinge aus Gründen der Zweckmäßigkeit aus dem Keller in den Keller-Keller und umgekehrt verlagern will, muß ich erst mal sichten, was an Kram sonst noch vorhanden ist und wo er nach einer eventuellen Neuverpackung am ehesten Regalplatz verbrauchen darf. Das geht mir besser von der Hand, wenn ich alleine bin. Also werde ich dies in den nächsten Tagen in aller Ruhe angehen.

Es ist wirklich unglaublich, wie viele Dinge, die man vielleicht nochmal gebrauchen könnte, sich wieder angehäuft hatten. Alleine die gesammelten Holzplattenreste, von denen ich noch nicht mal mehr immer nachvollziehen konnte, wozu die ursprünglich mal gedient haben, reichen für eine Ladung Sperrmüll. Dazu fanden sich die üblichen Farbreste, Elektroschrott und sonstiges inzwischen durch Zeitablauf eindeutig wegwerfenswert gewordenes Gerümpel.

Alles wurde erst mal in Flur und Wohnzimmer zwischengelagert, da es sich von hier aus einfacher in Richtung Auto schleppen lässt als über die Terrasse. Und das muß ja nicht unbedingt am Sonntagabend erledigt werden. Dazu habe ich die Sachen die halbe Treppe nach oben geschleppt und dann der zweitbesten Ehefrau von allen zur Annahme entgegengehalten. Natürlich musste ich mir unbedingt bestätigen lassen, daß dies auch einen sportlich sinnvollen Effekt hat. Sie verglich das alles irgendwie mit einem Crosstrainer.

Ich hasse Crosstrainer. Die sehen mich sonst nur vorbeihuschen.

Bei einem kurzen Gang zum Briefkasten zwecks Abholens des Sonntagswerbeblättchens bemerkte ich an der dort hängenden Pinnwand einen seit ungewisser Zeit angehefteten gelben Zettel. Ein Blick darauf sorgte dafür, daß mich fast der Schlag traf: Der Schornsteinfeger kommt am Montagmorgen. Und benötigt Zugang zu unserer Wohnung.

Ausgerechnet jetzt.

Hier sieht es gerade aus wie in einer Messiewohnhöhle.

Waaaahhh!

Und nun geht es weiter im laufenden Programm.




Paterfelis geht in die Stadt (Teil 4 - Zu Besuch beim Kaiser)

Ähm nein, tat sie nicht. Stattdessen erfolgte nur der allgemeine Hinweis, daß meine Angetraute das Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik, schließlich auch aus dem Internet bestellen könnte.

Also verließen meine Angetraute und ich unbeschadeter Dinge die für jedermann außer mir uns ganz offensichtlich kleinste Filiale der Bastelladenkette. Wir hatten schließlich noch ein weiteres Eisen im Feuer. Dummerweise befand sich unser letzter Joker nicht gerade in Neustadt, sondern eher in Guttersdorf. Und zwar in einem Geschäft, welches just an diesem Tag erst im fortgeschritteneren Verlauf des Nachmittages die Pforten für die Kundschaft öffnen würde.

Also beschlossen wir, zunächst auf gut Glück und mit gebremsten Optimismus die üblichen Verdächtigen unter den für uns noch fußläufig erreichbaren Geschäften heimzusuchen, als da wären die örtlichen Filialen von Knallstadt und Knuffhof sowie dem altehrwürdigen Spielzeug Kaiser, einem Spielzeugladen, welcher auch Bastelsachen führt.

In den beiden Kaufhäusern wurden wir, dies sei schnell bemerkt, nicht fündig. Zügig ging es weiter zu meinem Geschäft der letzten Hoffnung. Als seit über hundert Jahren inhabergeführter Familienbetrieb an sich schon aus Prinzip die erste Wahl unter den drei Optionen, die wir innerstädtisch noch hatten, aber rein vom Streckenverlauf lagen die Kaufhäuser erst mal günstiger.

Im Knuffhof-Gebäudes musste ich feststellen, daß im Gegensatz zu meinen Kindertagen, als sich in jedem größeren Kaufhaus noch ein Softeisstand befand, an dem ich nach einem anstrengenden Einkaufstag mit meinen Eltern in der großen Stadt, was eben wegen der großen Stadt immer etwas Besonderes für mich war, regelmäßig ein solches Eis zum Gegenwert von DM 1,00 spendiert bekam. Aber bitte das Eis im Becher, ein Freund der Eistüten, damals einer Mischung aus Presspappe und Zement, war ich noch nie. Das war die Zeit, als eben dieses Eis mit dem bei uns in der Gegend neuartigen Schokoladenfettüberzug noch Eisneger genannt werden durfte. Man stelle sich vor: Eisneger. EISNEGER. Damals hat man wirklich noch Eis statt Ice geschrieben, wenn man Eis meinte.

Unfassbar.

Nach der Feststellung der Erfolglosigkeit bummelten wir weiter und standen schließlich im Spielzeug Kaiser. Die einzelnen Etagen hatten eine übersichtlich Größe, zum Ausgleich erstreckte sich das Geschäft über mehrere Etagen nach oben. Und wo war die Bastelabteilung zu finden? Richtig, genau da, wo sich auch die Modellbahnabteilung befindet: ganz weit oben. Höher ging es nicht mehr. Aber immerhin - und ich möchte es nochmal erwähnen - in der Nähe der Modellbahnabteilung. Da gab es wenigstens auch endlich mal für mich etwas zu gucken.

Vor die Wahl gestellt, die Wendeltreppe oder den Aufzug zu nehmen, entschieden wir uns einvernehmlich für die Wendeltreppe.

In jenen seltenen Momenten, in denen ich mich mal mit anderen Menschen in derartigen Geschäften aufhalte, stelle ich immer wieder fest, daß ich stolz auf mich sein kann. Wirklich stolz. Den trotz meines gewissen Hangs zu einem dezenten Übergewicht lege ich sowohl beim einfachen Laufen auf ebener Fläche, aber auch beim Treppensteigen, eine deutlich größere Dynamik an den Tag als so mancher sehr viel jüngerer, dafür aber mit Idealgewicht gesegneter Mensch. Und ihr könnt mir glauben, ich bin wahrlich kein Freund des Laufsportes, geschweige denn des Treppensteigens.

Außerdem ist es mir möglich, beim ebenerdigen Gehen eine gerade Linie einzuhalten. Eine hohe Kunst, die scheinbar ebenfalls zu den aussterbenden Begabungen zählt, wie wir während unseres Zuges durch die Kaufhäuser immer wieder feststellen mussten.

Die nichtsdestotrotz weiterhin anhaltenden Bemühungen meiner Angetrauten um den käuflichen Erwerb des eines Applikationsglitzerdingheißklebegerätes, jetzt auch mit Vakuumtechnik, blieben allerdings ebenso unerschütterlich wie ergebnislos.


(wird fortgesetzt)





Samstag, 30. Mai 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 3 - Der Bastelladen)

Zum Bastelladen waren es nur von meiner Angetrauten geschätzte 20 Meter. Der letzte Fruchtsaft lag mir dann wohl doch etwas im Magen, so daß sich diese 20 Meter-Strecke mehr wie eine Halbmarathon-Distanz anfühlte. Zum Glück gab es keine unrealistischen zeitlichen Vorgaben, in denen der Halbmarathon bewältigt sein musste, so daß wir schließlich unser Ziel entspannt erreichten.

Ich zeigte mich durchaus von der Existenz dieses Bastelladens überrascht. Nicht von der Tatsache, daß es ihn überhaupt gab, sondern vielmehr davon, daß es ihn nochgab. Denn der Bastelladen verdankte seine Existenzberechtigung meiner Vermutung nach alleine dem Umstand, daß verschiedene Kolleginnen unserer LASA-Außenstelle ihm einst regelmäßig ein gehöriges, existenzsicherndes Umsatzplus beschert hatten. Dummerweise hatten diese Kolleginnen in der Zwischenzeit den Status als ehemalige bzw. inaktive Mitarbeiterinnen eingenommen, so daß, um meinen Gedankengang konsequent zu Ende zu führen, der Bastelladen zumindest kurz vor der Pleite stehen sollte

Stand er aber nicht.

Im Ladeninneren trafen wir auf anderthalb Etagen Bastelzeug. Anderthalb, für meine bescheidenen Begriffe großflächige Etagen! Wer braucht das alles? Unsere offenkundige Irritation wahrnehmend näherte sich ein Mitarbeiter. Der freundliche Verkäufer mit der irren Frisur fragte nach unserem Begehr, worauf meine Angetraute zu verstehen gab, daß sie an dem käuflichen Erwerb eines Applikationsglitzerdingheißklebegerätes, jetzt auch mit Vakuumtechnik, interessiert sei. Es war mehr als offensichtlich, daß der durchaus sympathische Verkäufer mit der irren Frisur nicht die allermindeste Ahnung hatte, wovon die zweitbeste Ehefrau von allen überhaupt sprach. Zum Zwecke des Schließens seiner diesbezüglichen Bildungslücke und dem gleichzeitig verfolgten Plan, dem Begehr meiner Angetrauten zu entsprechen, wandten sich die beiden an eine weitere Verkäuferin, während ich mich vollkommen deplatziert fühlend selbst irgendwo parkte.

„Das Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik, führen wir leider nicht mehr.“

Oh.

„Schauen Sie sich doch um!“

In der Verkäuferinnenstimme schwang ein gewisser Vorwurf mit.

„Wie Sie sehen, sind wir die kleinste Filiale unserer Kette…“

Ähm, nein, sehe ich mangels Vergleichsmöglichkeit nicht. Meine Angetraute auch nicht. Außerdem fiel es mir als an dieser Materie ausnehmend uninteressiertem Laien schwer zu glauben, daß es tatsächlich noch größere Bastelladenfilialen geben soll. Frauen haben mit dieser Annahme vermutlich eher keine Schwierigkeiten, sondern verfallen in wahre Glückseligkeit ob es Gedankens, daß es das Paradies nun doch schon auf Erden geben soll.

„…und mussten verschiedene Warengruppen an andere Filialen abgeben. Darunter auch das Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik.“ fuhr die Verkäuferin mit ihren Erläuterungen hinsichtlich der schwierigen Gesamtlage fort.


Natürlich würde sie als freundliche kompetentesachkundige verkaufsorientierte Mitarbeiterin nach diesem Moment des Luftholens als nächstes den selbstverständlichen Hinweis geben, daß sie zur Befriedigung des Bedürfnisses der erlauchten Kundschaft das gewünschte Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik, aus einer jener anderen, offensichtlich sehr viel größeren Filialen, beschaffen würde.

Die Leistungskraft des Einzelhandels vor Ort ist nach wie vor ungeschlagen.


(wird fortgesetzt)




Freitag, 29. Mai 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 2 - Leichtes Frühstück)

Es liegt eine gewisse Magie in der Luft, wenn ich in die Stadt gehe. Eine böse Magie. Zumindest dann, wenn ich ein solches Unterfangen während meiner Mittagspause angehe. Das kommt zum Glück für Mensch und Tier in meiner Umgebung nicht sehr häufig vor. Denn wenn man in relativ kurzer Zeit, nur mit ein paar Tagen Abstand, drei Mal mittags die LASA-Außenstelle verlässt, und an allen drei Tagen in der Nähe ein Unfall passiert, dann kommen doch Gedanken an eine böse Aura auf, die man wohl verbreitet. Zumindest ist dies meine Theorie – und damit eine willkommene Ausrede für mich, die Pause nicht in der für mich vollkommen langweiligen Neustädter Innenstadt verbringen zu müssen.

Meine Theorie umfasst allerdings nur den Zeitraum während meiner Mittagspause. Jetzt war es schließlich auch Mittag, aber ich befand mich ja nicht in meiner Pause und darüber hinaus auch noch auf dem Weg ins Restaurant Zum Kleinen Chinamann. Also würde sich der Effekt meiner bösen Aura nicht bemerkbar machen. Vielleicht ist die chinesische Magie hier stärker als unsere abendländische. Wer weiß das schon?

Es wurde keine Buffet-Orgie. Zu dieser Uhrzeit kann ich noch nicht richtig essen. Selbst ein einzelner morgendlicher Toast macht sich in meinem Magen schwer bemerkbar und lässt mich noch Stunden nach seinem Verzehr unkonzentriert  und vor allen Dingen auch träge werden. Also gab es, da immerhin schon mittags, nur ein leichtes Frühmittagessenstück mit etwas Suppe, Geflügel, Fisch und Gemüse sowie einer Reisnudelbeilage.

Beim Chinamann trinke ich überwiegend Tee. Heute war mir nach Pfefferminztee. Hierzu wird immer ein verpackter Keks gereicht, welchen ich im Falle der Heimsuchung des Mittagsbuffets mit meinen LASA-Mitsklaven stets meiner Kollegin und treuen Blogleserin Marijke überlasse. Den hätte ich ihr heute ja glatt auch noch ins Büro gebracht, man hat ja so seine moralischen Verpflichtungen. Da Marijke sich jedoch gerade im Mutterschutz befand, schien mir dieses Unterfangen von vorne herein mit einer gewissen Aussichtslosigkeit behaftet zu sein, so daß sich die zweitbeste Ehefrau von allen an dem Kleingebäck erfreuen durfte.


Marijke, der Inhalt hätte dir gehören können... ;-)

Nach Ende der Mahlzeit gab es noch den beim Kleinen Chinamann typischen Absacker, dieses Mal in Form eines sehr ansprechend in mehreren, farblich getrennten Schichten angerichteten Fruchtsaftgetränkes. Da es auch Kiwisaft enthielt, auf den die zweitbeste Ehefrau von allen höchst allergisch reagiert, war ich leider gezwungen, beide Gläser zu leeren. Man will ja nicht unhöflich sein und diese Gabe unseres Gastgebers zurückweisen. Ich muß ja nicht auch noch für interkulturelle Verwicklungen sorgen.

Für den Rest des Tages sattsam gestärkt ging es in Richtung Bastelladen.


(wird fortgesetzt)




Donnerstag, 28. Mai 2015

Paterfelis geht in die Stadt (Teil 1 - Der Plan)

Was macht man, wenn man mitten in der Nacht plötzlich wach im Bett liegt? Man steht auf und schreibt die Erlebnisse des Vortages als siebenteilige Geschichte auf. Anschießend nimmt man beruhigt den Matratzenhorchdienst wieder auf. Bis viertel nach Elf. Tagesplan ruiniert.

Dieses Mal keine Cliffhanger. Soweit ich mich erinnere. 

Versprochen.


***


„Hast du heute schon etwas vor?“

Mit diesen Worten begrüßte mich die zweitbeste Ehefrau von allen, kaum daß sie am späteren Vormittag zu nicht mehr ganz morgendlicher Stunde das Bett verlassen hatte. Die Spuren, die ich auf dem Wohnzimmertisch schon Stunden zuvor bemerkt hatte, ließen drauf schließen, daß sie die Nacht wieder mit den Arbeiten an einem neuen Auftrittskleid zugebracht hatte. Im Herbst veranstalten Alexandra, die Baronin von und zu Weinstein sowie meine Angetraute und natürlich weitere Teilnehmer ihre neue abendfüllende Bühnenshow. Bis dahin muß es fertig sein. Und man hat ja nebenbei noch anderes zu tun.

Ihr kennt solche Kleider ja. Sie neigen mitunter dazu, über und über mit Glitzerdingern dekoriert zu sein. Und diese Glitzerdinger kommen nicht von alleine auf das Kleid. Das ist Handarbeit. Kann man von fleißigen indischen oder ägyptischen Waisenkinderhänden machen lassen. Oder man macht es selber. Oft gibt es ganze Bilder, die zusammenhängend als größeres Stück aufgetragen werden, viele Glitzerdinger sind aber auch Kleinstteile, bei dem jedes mit einem speziellen Applikationsglitzerdingheißklebegerät – im weitesten Sinne ähnlich einer Heißklebepistole eines Lötkolbens, einzeln angebracht werden muß.

Warum?“ kam ich auf die noch im Raum stehende Fragestellung zurück.

„Das Applikationsglitzerdingheißklebegerät…“ - der Leser möge an dieser Stelle und und auch im weiteren Verlauf der Geschichte gedanklich den Fachbegriff einsetzen, soweit bekannt – „… arbeitet nicht mehr richtig. Das erzeugt kaum noch Wärme. Ich brauche ein neues.“

Das neue Applikationsglitzerdingheißklebegerät, jetzt auch mit Vakuumtechnik, sollte in Neustadt käuflich zu erwerben sein. Meine Angetraute wollte es nicht online beschaffen, sondern in einem richtigen Geschäft und mit richtigen Verkäufern. Die Preise taten sich nicht viel, und der Kundendienst eines Einzelhändlers vor Ort war ihr wichtig. Auf der Herstellerseite hatte sie zuvor nach Vertragspartnern gesucht und war hier auch fündig geworden. Praktischer Weise fand sich einer von jenen Vertragspartnern ganz in der Nähe unserer LASA-Außenstelle, die ich in meinem Urlaub an sich nicht wiederzusehen gedachte - und ich wusste meinte mich auch zu erinnern, daß mein dortiger, von mir ansonsten untervergebener Parkplatz an eben jenem Tag vermutlich frei sein sollte. Also würde ich mitfahren, um meiner Angetrauten und Balduin den Weg zu eben jenem Parkplatz zu öffnen.

Ein Blick zur Uhr ließ mich in einem Anfall von Wahnsinn etwas erkennen.

Wir könnten in der Stadt ja vorher noch frühstücken. In einer viertel Stunde wird das Mittagschinabuffet eröffnet.“

So leichtsinnig, wie ich es daher gesagt hatte, wurde die Idee direkt aufgegriffen. Der Plan stand fest.

Paterfelis würde mal wieder in die reale Welt eintauchen und die große Stadt heimsuchen.


(wird fortgesetzt)



Mittwoch, 27. Mai 2015

Ich sehe Gelb

Umständehalber arbeitete ich mal wieder alleine und deswegen umso friedlicher im Büro vor mich hin, als ich außerhalb meines Sichtbereiches ein raschelndes Geräusch vernahm. Zum Zwecke der unmittelbaren und offenbar dringlich erforderlichen Sachaufklärung sah ich mich gezwungen, mich von meiner Akte loszureißen und vor die Bürotür zu treten. Eine persönliche Inaugenscheinnahme besonderer Umstände ist niemals verkehrt, um an unverfälschte Informationen zu gelangen.

Ich trat einen Schritt weit in den Gang, als ich auch schon… AUTSCH!

Da stand ein stattliches, knallgelb leuchtendes Etwas, welches meinen Sehnerv in höchst unangenehmer Weise malträtierte. Mit zusammengekniffenen Augen riskierte ich einen zweiten Blick und erkannte als großes, gelbes MichelinMännchen – den Ökoklaus. Mit Radlerhose, Sporttrikot und einer gelben, das Licht reflektierenden und bei jeder Bewegung Geräusche erzeugenden Jacke.

„Wie bist du denn drauf?“

„Ich fahre jetzt den Teil der Strecke von zu Hause bis zum Bahnhof immer mit dem Fahrrad.“

Nee?“

„Doch. Auf dem Hinweg sind das acht Kilometer den Berg runter. Sehr angenehm.“

„Ja, und zurück sind es acht Kilometer den Berg rauf.“

„Ähm, schon. Aber das ist ja der Trick. Da muß ich dann durch.“

„Nun denn. Wenn es Spaß macht.“

„Ja. Und weil es bei uns so dunkel auf der Landstraße ist und die Knallköppe da fahren wie die Blöden, habe ich mir diese Baustellenjacke gegönnt. Extra stark reflektierend.“

„Hört sich vernünftig an. Außerdem hinterlässt du damit endlich mal einen blendenden Eindruck.“

Vor allen Dingen auf meiner Netzhaut.

Aua.


Dienstag, 26. Mai 2015

Druck aus dem Kessel

Es sind Kleinigkeiten, die dafür Sorge tragen, daß der Überdruck zu viel wird. Es ist der Tropfen, welcher das Fass zum Überlaufen bringt. Die Basis dazu wurde mit anderen Dingen gelegt, das ist klar.

Im Büro sieht es weiterhin übel aus. In diesen Tagen bekommen wir eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Auszubildenden, Bachelors, Praktikanten und Nachwuchskräften ins Haus gespült. An sich eine positive Sache. Aber es ist tatsächlich fast niemand mehr da, der sich um die Leute kümmern kann. Es ist ja nicht so, daß die einfach bei dir sitzen und sich beschäftigen. Du mußt dich vielmehr ganz nebenbei mit ihnen beschäftigen, Fördergespräche führen, Unterweisungen geben und nach einiger Zeit qualifizierte Beurteilungen schreiben. Schließlich bereitest du auch noch einen Teil ihrer mündlichen Prüfung vor und bist dabei später Beisitzer. Zu diesem Zweck musst du alles im Auge haben, was sie machen. Das kostet Zeit. Viel Zeit. Zeit, die so nicht in der Arbeitsbemessung vorgesehen ist.

Doch alles willst mußt du neben den Dauervertretungen, überraschenden Zusatzaufgaben und elend langen Besprechungen erledigen, ohne daß die für das Benchmarking – und nur dafür – so wichtigen Statistiken darunter leiden.

Dein Urlaub steht an. Der volle Jahresurlaub aus dem Vorjahr ist noch zu nehmen. Du willst ihn jetzt eigentlich nicht haben, weil der Zeitpunkt gerade ungünstig ist. Aber er ist immer ungünstig. Und noch bist du nicht soweit, Urlaubstage zu verschenken. Überstunden schon, auch wenn du dich jetzt damit zurückhälst. Aus Gründen. Aber keine Urlaubstage. Also musst du den Urlaub nehmen.

Einige Entwicklungen für die Zukunft beginnen sich abzuzeichnen. Neustrukturierungen. Es wird nicht besser werden. Deine bisherige Berufserfahrung, große Teile deines Fachwissens, kannst du dir künftig in den Arsch schieben, dafür aber wieder mit anderen Dingen fast bei Null anfangen. Wenn du keine 20 mehr bist, wird das eine echte Herausforderung.

Du bist schon lange keine 20 mehr. Und auch keine zwei mal 20.

Jeden Morgen, nachdem dein Büro-Rechner seine Dienstbereitschaft signalisiert hat, fällt der erste Blick in die aktuellen Statistiken. In über 30 Arbeitsjahren bist du da drauf programmiert worden. Und auch wenn du weißt, daß diese Zahlen mit der Realität so rein gar nichts mehr zu tun haben, weil sie hochoffiziell durch und durch manipuliert und gefälscht wurden und keine echten Aussagen mehr zulassen, kommst du nicht von ihnen los. Du denkst an den Irrsinn, den du veranstalten musst, um diese gewünschten Manipulationen zu bewerkstelligen. Einem Außenstehenden kannst du das nicht mehr erklären.

Deine Kundschaft gehört zu den Außenstehenden.

Es gibt Vorgaben, welche du zu erreichen hast. Egal wie. Aber alles innerhalb deiner acht Stunden täglichen Arbeitszeit. Mehr ist indiskutabel. Alles wurde genau berechnet, damals, vor 15 Jahren, bei der letzten großen Neuorganisation. Daß die Arbeitsinhalte und –abläufe heute nicht mehr dem entsprechen, was vor 15 Jahren Grundlage der Berechnungen waren, interessiert niemanden.

Der Herr Geschäftsführer findet es nach eigener Aussage spannend zu sehen, wie die einzelnen Bereiche und Außenstellen des Hauses um die Platzierungen kämpfen, nachdem neue Kennzahlen auf den Weg gebracht wurden.


Auf das Aut nonwartetest du vergeblich.

Soviel dazu.

Ein neues Wochenende droht. An sich bist du mal guter Dinge. Die zweitbeste Ehefrau von allen erzählt dir, daß Rajiv sich gerade wieder konkret damit beschäftigt, ein eigenes Studio aufzubauen. In einer unserer Nachbarstädte.

Dies ist der für dich der vollkommen belanglose Punkt. Der Kesseldruck erreicht seinen Grenzwert.

Dieses Studio wird für dich ohne Auto nicht erreichbar sein. Der ÖPNV ist keine realistische Alternative. Du beginnst dich zu fragen, was du eigentlich von der Plackerei und deinem Leben hast. Deine Stimmung wird schlecht.

Du gehst nach unten, kümmerst dich um die Wäsche. Im Kellerregal siehst du die stummen Zeugen dessen, was früher einmal Freizeit war. Die Spielesammlung. Die Tabletop-Miniaturen. Die Regelwerke. Du  wühlst etwas in dem Fundus herum, schaust dir an, was da so herumsteht, denkst an das ganze Herzblut, welches darinnen steckt, erinnerst dich an den Stolz, endlich eine neue vollständig und vor allen Dingen selbst bemalte und dabei sogar den eigenen Ansprüchen gerecht werdende Truppe auf die Platte stellen zu können.

Du gehst zurück nach oben und verbreitest schlechte Laune.

Mach doch einfach mal etwas, woran du Spaß hast!

Dieser Satz lässt dich fast zusammenbrechen.

Wann? Wie? Wo? Und vor allen Dingen: mit wem?

Püppies bemalen und endlich mal wieder spielen würde dir Spaß machen, doch fehlen dir gerade seit ein paar Jahren die organisatorischen Rahmenbedingungen, dieses auch anzugehen. Und du kannst diese Bedingungen auch nicht schaffen.   

Such dir einfach Leute, mit denen du spielen kannst!

Nichts wäre einfacher, als via Internet Kontakte zur Neustädter Szene aufzubauen. Theoretisch. Die Praxis ist eine ganz andere Sache. Du kannst deine Blockaden nicht überwinden. Und selbst wenn, dann würde das die entscheidenden Teile an den besagten Rahmenbedingungen immer noch nicht ändern.

Zur Zeit beginnen zwei zarte Pflänzchen an anderen Stellen zu wachsen, aber selbst wenn das funktionieren sollte, wird sich die praktische Ausgestaltung eher schwierig gestalten. Von den Details wird hier später mal berichtet werden, Andeutungen sind ja schon mal gemacht worden. Dein Optimismus jedenfalls hält sich in engen Grenzen. Trotzdem verfolgst du die Sache weiter. Immerhin.

Du gehst zum Sport, setzt Gewichte und Zeiten rauf, bis du nicht mehr kannst. Du hast dich für den Moment abreagiert.

Und der Blog?

Hier schließt sich der Kreis. Immer, wenn du online gehst, und du meinst wirklich immer, egal zum wievielten Mal am Tag, fällt dein erster Blick auf die interne Blogstatistik. Zahlen halten, verbessern, möglichst an jedem Tag ein Beitrag, bevor die Zahl der durchschnittlichen Seitenaufrufe sinkt. So, wie dies immer in den Ferien und an einer Kette von Feiertagen der Fall ist. Was dich wahnsinnig macht, obwohl du diese Wellen kennst. Die Monatsauswertung muß gerettet werden. Wie im Büro. Es ist an dieser Stelle so dermaßen unsinnig und vor allen Dingen unentspannend. Du weißt es selbst. Du kommst aber nicht dagegen an.

Ließe sich die Statistik-Funktion abschalten, würdest du es tun. Sie ist aber nicht abzuschalten.

Du bist unzufrieden mit der inhaltlichen Entwicklung des Blogs und mit der Qualität der eigenen Texte. Alle anderen machen es besser. Ok, du revidierst diese Meinung. Nicht alle anderen. Aber fast alle. Es steht so viel Material zur Verfügung, du hast neue Ideen, aber du setzt sie nicht so um, wie du es gerne möchtest. Aus welchen Gründen auch immer. Du mußt einfach von deinem Anspruchsdenken weg. In der jüngeren Vergangenheit hast du dich förmlich dazu genötigt, mal nicht jeden Tag einen Beitrag zu veröffentlichen. Und es hat dir nicht wehgetan. Aber dennoch fühlt es sich für dich einfach nicht richtigan.

So viele Texte sind schon wieder gedanklich durchformuliert und müssten nur noch getippt werden. Doch es will einfach nicht. Du  musst in der passenden Stimmung sein, um entsprechende Einträge zu formulieren, ja selbst um sie zu veröffentlichen, falls sie schon bereitstehen. Außerdem ist der Blog auch in deinem Umfeld ohne dein aktives Zutun bekannter als es dir lieb sein kann, denn es schränkt dich in dem ein, was und wie du schreibst.

Aber alles wieder auf Anfang setzen? Komplett neu beginnen? Das Erreichte wegwerfen?

Nein, dazu kannst und willst du dich nicht durchringen.

Und dann wiederum liegst du morgens um drei Uhr irgendwas wach im Bett. Wie immer. Es ist Wochenende. Du grübelst ausnahmsweise nur beiläufig darüber nach, wie die Dinge im Büro in den Griff zu bekommen sind, was alles ansteht, was zwingend erledigt werden muß und was liegen bleiben kann. Der Schwerpunkt deiner Gedanken fällt auf das Wochenende. Du hast vor, einen Kuchen zu backen, Socken zu sortieren, die Hütte mal wieder zu saugen, ein einzelnes Foto zu machen und auch etwas Unkraut zu jäten.

Alles Dinge, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Dinge, die ganz ohne Zweifel nebenbei erledigt werden können. Auch das weißt du.

Und du gehst kaputt daran, weil du keine Ahnung hast, wie du das bewältigen sollst. Weil die Energie einfach fehlt. Du bist ausgelaugt vom ewigen Kampf gegen die Windmühlen.  

Du stehst auf, räumst die Spülmaschine ein und zwingst dich selbst, diesen Eintrag zu schreiben.

Irgendwie geht es dann weiter.

Weil es immer irgendwie weiter ging.




Montag, 25. Mai 2015

Don't panic

Na, habt ihr dieses Jahr daran gedacht?

Nicht?

Keine Panik!

Für alle, welche sich meinen letztjährigen Blogeintrag zum Thema nicht intensiv genug verinnerlicht haben, hier nochmal die Kurzfassung:


„Ein Handtuch ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Einmal ist es von großem praktischem Wert – man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet; man kann unter den so rot glühenden Sternen in den Wüsten von Kakrafoon darunter schlafen; man kann es als Segel an einem Minifloß verwenden, wenn man den trägen, bedächtig strömenden Moth-Fluss hinuntersegelt, und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen – bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig); bei Gefahr kann man sein Handtuch als Notsignal schwenken und sich natürlich damit abtrocknen, wenn es dann noch sauber genug ist.“

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis


Und zur Feier des Tages habe ich in diesem Jahr mal ein anderes Handtuch rausgeholt.

Es ist zwar nicht so schön gelb und hat auch keinen Smiley, dafür ist es aber wesentlich größer und passt besser sowohl zu meinen großen Pranken Händen als auch dem Rest der dazugehörigen Erscheinung.

Lilly, verschwinde da.


Marty, du auch.


He, man riecht nicht an anderer Leute Hintern.


Hallo? Nimmt mich jemand wahr?


Mach dich weg!


Endlich geschafft.


Außerdem wissen Außerirdische sowieso nicht, wie ein irdisches Handtuch üblicherweise aussieht und vor allen Dingen wie groß es ist. Somit wird es seinen Zweck zweifelsfrei erfüllen.

Und daß mir keiner sagt, es hätte an mir gelegen, wenn die Vogonen kommen und ihr nicht vorbereitet gewesen seid.

Ich wünsche euch einen schönen Handtuchtag 2015.




42


PS: Nächstes Jahr nehme ich wieder das Smiley-Tuch. Das ist hübscher.




Samstag, 23. Mai 2015

Alles muß raus

Feierabendzeit. Mangels anderer zur Verfügung stehender und von mir als sinnvoll erachteter Alternativen stehe ich mir wieder am Neustädter Hauptbahnhof die Füße platt und warte auf den Zug, der mich nach seinem Eintreffen zügig (ha ha, Wortspiel) ins Neustädter Ländchen bringen soll.

Fast zur vorgesehenen Zeit fährt der Triebwagen, gut beladen mit Passagieren, in den Bahnhof ein. Da hier die Endstation der Strecke ist und der Zug in wenigen Minuten den ganzen Weg wieder zurückfahren wird, bedeutet dies, daß sich Unmengen an Passagiere gleich unter Nutzung der verschiedenen zu diesem Zweck konstruierten Türöffnungen auf den Bahnsteig ergießen werden.

Außen, auf dem Bahnsteig, steht eine vergleichbare Horde Reisewilliger vor den Türöffnungen Spalier, um den Aussteigenden den friedlichen und ehrenhaften Abzug aus dem Gefährt zu ermöglichen.

Die Türen öffnen sich, das eingeübte Prozedere nimmt seinen Lauf, die Masse Mensch gerät in Bewegung. Plötzlich ertönt ein genervter Ruf.

„Ey, ihr Hirnis, erst aussteigen lassen, dann einsteigen.“

Mit diesem einen, immer wieder an den verschiedensten Haltestellen und nur in der Anredeweise der Adressaten dieser Aussage differenziert vernehmbaren Satz kann ich durchaus sympathisieren. Mir wäre auch durchaus häufiger danach, bestimmten Idioten den Sinngehalt dieser Wortzusammenstellung mal nachdrücklich klar zu machen.

Doch wenn dieser Satz von jemanden in den Raum geworfen wird, der, halbversunken in der Beschäftigung mit seinem Smartphone, dem bislang als solchen wahrgenommenen letzten Aussteigenden mit mehreren Metern Abstand langsam und von außen nicht sichtbar hinterherschlurft, so daß Einsteigewillige den Weg frei wähnten, driftet alles doch ein wenig ins Groteske ab.

Darf man solche Menschen in die Realität zurückholen oder würde dies zu einem irreversiblen Schockzustand führen?



Freitag, 22. Mai 2015

...und was kommt jetzt?

Soeben beginnt der allererste Teil meines 2014er-Urlaubes.

Besonders freuen dürfen sich:

a) die Festplatte - weil ich sie wieder mit Blog-Texten vollzumüllen beabsichtige,

b) der Keller-Keller - weil ich dieses Mal ihn zu entmüllen gedenke,

c) meine Kollegen - weil sie sich mit meinem Aktenmüll beschäftigen dürfen,

d) der Sporttempel - weil ich trotz hoffentlich vermehrt Anwesenheit meiner selbst die dortigen Gerätschaften ebenso hoffentlich nicht zu schrotten müllen plane.

In diesem Sinne: *HACHZ*



Sonntag, 17. Mai 2015

Sendepause

Ich muß mal etwas Druck aus dem Kessel lassen. 

Von daher gilt vorübergehend:







Freitag, 15. Mai 2015

Warten bringt weiter - manchmal

Der Ökoklaus und ich standen im LASA-Erdgeschoss vor dem Aufzugsschacht. Die Tür öffnete sich.

„Oh, bitte nach dir, mein lieber Ökoklaus.“

„Nein, nach dir. Alter vor Schönheit.“

„Ich bin jünger als du.“

„Aber nur knapp. Also nach dir.

„Nein, nach dir.“

„Hmmm, so kommen wir nicht weiter.“

„Wohl nicht.“

„Was können wir tun?“

„Wir warten einfach ab, bis jemand vorbeikommt, den wir vorlassen können.“

„Gute Idee.“

Und wenn sie nicht gestorben sind…




Mittwoch, 13. Mai 2015

Ein richtiger Dessertteller

Nach einem Besuch im Restaurant Zum Kleinen Chinamann bemerke ich immer so ein pelziges Gefühl im Mund. Das kommt zweifelsohne von den Zähnen, welche nach Abarbeitung der diversen Gänge einen gewissen Belag aufweisen. Doch nun habe ich einen Weg gefunden, dem abzuhelfen.

Wer schreit hier „Putz dir die Zähne!“? Das kommt doch erst zu Hause dran. Hier geht es eher um Sofortmaßnahmen.

Nein, die Sache ist ganz simpel. Nach dem ganzen frittierten und sonstigem herzhaften Zeug, gefolgt von verschiedenen, mitunter - da aus der Konserve stammend - in Zuckerwasser eingelegten Obststücken, Eiskugeln und weiterem üblichen Nachtischkram sollte man sich einfach noch einen angemessenen, finalen Dessertteller gönnen. Einen Männerdessertteller. Aber so richtig.

Auf meinem fanden sich fünf kleine (!) Stücke Rindersteak, drei kleine (!) Stücke Känguruhsteak sowie drei kleine (!) Stücke Schweinesteak, alle grob gepfeffert, kurz mit einem Berg von roten Zwiebeln gebraten und in einer BBQ-Sauce – je nach Vorhaben am nächsten Tag mit oder ohne Knoblauch – serviert. Das ist jetzt zwar noch weniger chinesisch als das sonstige europäisierte Chinaessen, erfüllt aber seinen Zweck und bildet einen wahrhaft krönenden Abschluß der Völlerei. Mit reduziertem Zahnpelz.

Daß ich den Rest der köstlichen, unchinesischen BBQ-Knoblauch-Sauce so ganz unpseudoasiatisch mit Pommes aufgetunkt habe, behalte ich wohl besser für mich. Ist echt peinlich.

Danach ist Zeit, sich die ganzen seltsamen Gestalten in Ruhe zu betrachten, die sonst noch so in dem Laden herumlaufen. Ein Milieustudium sozusagen.

Es ist einfach nur schrecklich anzusehen, mit wem man die letzten Stunden unter einem Dach verbracht hat. Da könnte man Bücher drüber schreiben.

Oder eventuell mal bloggen…


Dienstag, 12. Mai 2015

Vorfreude

Es war später Morgen, während wir in unserem kleinen, gemütlichen Büro friedlich vor uns hinwerkelten. Das hinter mir befindliche Fenster hatte ich einen Spalt weit geöffnet. Ruhig war es draußen, sehr ruhig. Bis plötzlich von dem benachbarten Teich aus ein markantes Geräusch zu hören war.

„Quaaaaack! Quack! Quack! Quack...!“

Die drei dort wohnenden Enten wurden wieder aktiv, was auch dem Ökoklaus nicht entgangen war.

„Paterfelis?“

„Japp, ich habe es gehört. Das Essen ruft uns.“




Und ich dachte, es wäre nur Science fiction. War wohl ein Irrtum. Wir sind auf dem Weg.




Montag, 11. Mai 2015

Meine Frage an die Welt

Eine Vertretung endet heute. Macht euch keine Sorge, es wird einen fließenden Übergang in die nächste Doppelvertretung geben. Mindestens.

Ich frage mich nur noch eines: Wer vertritt eigentlich gerade mein Leben?

Ach, scheiß drauf, interessiert sowieso keine Sau...



Sonntag, 10. Mai 2015

Nur der Zaun kann sie halten

Nachdem ich mal wieder in der Wohnung herumgekramt hatte begann ich, Stimmen zu hören. Es war die verlockend süßliche Stimme unseres Monsters, welche mir immer und immer wieder einflößte, nun baldmöglichst den freien Sitzplatz einzunehmen. Den mit dem besten Blick auf den Fernseher. Kann man solchen Verlockungen widerstehen? Keinesfalls, denn so ein Monster ist ja auch sensibel. Selbst dann, wenn es nur aus Holz, Stoff und Schrauben besteht.

Also platzierte ich meine Allerwertesten auf die mir dargebotene  Stelle, nahm eine der bereitliegenden Fernbedienungen zur Hand und begann zu sondieren, was das von uns genutzte Video-on-demand-Portal denn so an unterhaltsamen Dingen für mich bereitgestellt hat. Es war noch ausreichend Zeit für einen Film, bevor die zweitbeste Ehefrau von allen wieder auf der Bildfläche erscheinen und damit das Ansehen männerfreundlicher Kulturfilme vereiteln würde.

Mir war nach Trash, und natürlich wurde ich fündig. Filme, welche von The Asylum produziert wurden, erfüllten meine in diesem Moment an sie gerichteten Erwartungen. Man konnte sie mit abgeschaltetem Gehirn konsumieren, dabei im Internet surfen und alle paar Minuten wieder die Aufmerksamkeit auf sie richten, ohne den Eindruck zu gewinnen, auch nur irgendetwas der zumeist strunzdummen Handlung verpasst zu haben.

Nach fünf abgelaufenen Minuten, es gab auch schon den ersten von einem Roboterangriff verursachten Todesfall, machte sich das Telefon bemerkbar. Eine Reihe von raffinierten elektronischen Bauteilen und eine hochkomplexe Software identifizierten den Anrufer als die zweitbeste Ehefrau von allen. Ich stellte also die Verbindung durch Drücken die Annahmebereitschaft signalisierenden Taste des Apparates her. Die zweitbeste Ehefrau von allen kündigte eine alsbaldige und somit unerwartet frühe Rückkehr von der Trainerschule an, in der sie zur Zeit daran arbeitet, als letzte Stufen der Trainerausbildung die Qualifikation eines Personal Trainers sowie nachfolgend eines Medical Fitness Coaches zu erreichen. Und wie so oft vermeldete sie, mit ausgeprägten Hungergefühlen zu Hause aufzuschlagen.

Also fand der Low-IntelligenceBudget Film vorzeitig sein verdientes Ende. Ich vermutete, daß die Guten wohl 85 Minuten später gewonnen haben würden, konnte mir dessen aber natürlich nicht sicher sein. Die Zeit wird erweisen, ob ich später die Kraft aufbringe, mir das nochmal anzutun.

Während ich in der Küche werkelte und in einer Zwischenphase darauf wartete, daß die Kombination von Pfanne und stromversorgten Induktionsfeld ihrer Bestimmung dahingehend nachging, einem Stück toten Tier auf natürliche Weise veredelter Pflanzenrohkost (einfach dran glauben, auch wenn man es besser weiß) Röstaromen zu verpassen, hörte ich von draußen Kinderstimmen. Familie Lewandowski hatte nämlich Besuch empfangen und diesen großzügig auf ihrer Terrasse sowie im Garten geparkt. Dank ihres eigenen Sprösslings sowie dem von den Besuchern mitgebrachten Nachwuchs tummelte sich auf dem Nachbargrundstück nunmehr eine riesige Kindermeute.

Ein Blick durch das Küchenfenster belehrte mich darüber, daß sich alle beiden Kinder sowie die jeweiligen Elternteile an dem die Grenzlinie zwischen ihrem und unserem Grundstück bildenden Jägerzaun aufgebaut hatten. Insbesondere bei den zwei Kindern machte sich Aufregung breit, jedoch vermochte ich nicht zu erkennen, was der auslösende Faktor war. Ich vermutete, daß man beim Spielen mal wieder einen Ball zu uns befördert hatte, den man sich nun nicht zu holen wagte.

Es ist ein weiter Weg, die offizielle Strecke von ihrem in unseren Garten zu bezwingen, während der lewandowskische Jägerzaun es vermutlich nicht verzeihen würde, wenn ihn jemand überstieg und dabei hängen blieb. Das Teil hatte schon bessere Tage gesehen und neigte zwischenzeitlich zu einer gewissen Instabilität.

Ich verließ die Küche, um kurz von unserem Esszimmer aus einen Blick in einem günstigeren Winkel nach draußen zu werfen, als ich auch schon erkannte, was der Auslöser des Menschenauflaufes war. Es waren derer sogar zwei.

Lilly!

Und Marty!

Beide hatten es sich und friedlicher Koexistenz auf der Fensterbank gemütlich gemacht, um ihren Bestimmungen nachzugehen und nach draußen zu glotzen. Katzenfernsehen halt. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn Smilla selbiges von einer der anderen noch freien Fensterbänke aus in die gleiche Blickrichtung getan hätte. Die Kindermeute hatte sie gesehen und war fortan kaum noch zu halten.

Aber eines sage ich euch gleich: Streichelzoo ist bei uns nicht drin.




Samstag, 9. Mai 2015

Höchst dramatische Veränderungen

Der aufmerksame Blogleser wird sich daran zu erinnern vermögen, daß im Hause Paterfelis drei große Kratzbäume aufgebaut sind. Es waren derer sogar mal vier, aber die kurze Geschichte des vierten Kratzbaums ist ja schon erzählt. Wie dem auch sei, heutzutage erfreuen sich die verbliebenen Kratzbäume im Schlafzimmer, im Gartenzimmer und im Wohnzimmer einer regen Nutzung.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich bei den Angehörigen der Katzenbande verschiedene Haltungen zu der Fragestellung, wer welchen Kratzbaum zu welcher Zeit und zu welchen Zwecken in Anspruch nehmen darf. Höchst beliebt zeigte sich schon bei der vorherigen Generation der Katzenbande der Kratzbaum im Gartenzimmer. Dieser steht in einer Ecke, welche an beiden Seiten über einen Fensterausblick verfügt.

Nach dem Tod von Miss Daisy und Sally wurden die Rollen hinsichtlich der Kratzbaumnutzung neu verteilt. Hauskater Marty weiß sehr genau, wann er wo zu ruhen oder aus dem Fenster zu glotzen wünscht. Und wenn es denn an der Zeit ist, begibt er sich genau zu eben diesen Orten.

Wie wir nun wissen, hat sich Marty als ausnehmend friedvolles und soziales Katzgetier herausgestellt. Er toleriert es wirklich wunderbar, wenn jemand anderes seinen Platz in Anspruch genommen hat und gesellt sich bekanntlich einfach dazu - zumeist sehr zum Leidwesen von Lilly, die dann zwar beginnt, auf den armen Kater einzuprügeln, was dieser aber mit einer geradezu stoischen Ruhe so lange höchst geflissentlich ignoriert, bis Lilly aufgibt und verschwindet.

Nun ist es ja so, daß mehr oder weniger direkt von Menschenhand geschaffene Dinge dazu neigen, im Laufe der Zeit ihre Funktionalität zu einem gewissen Grad bis hin zur Unbenutzbarkeit einzubüßen. Und das war bei dem im Gartenzimmer aufgestellten Kratzbaum ganz eindeutig der Fall. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich zeigten schon ein gewisses Maß an Überraschung aufgrund der Tatsache, wie lange er dem Ansturm der Katzenkrallen widerstanden hat. Wir wohnen nun seit sieben Jahren in dieser Wohnung und hatten den Kratzbaum schon in der alten Wohnung über längere Zeit im Einsatz. Aber jetzt war die Zeit gekommen, zu der er ausgewechselt werden musste.

Wer mit Katzen unter einem Dach lebt weiß, daß diese ausgeprägte Gewohnheitstiere sind und jeglichen Veränderungen im heimischen Umfeld höchst kritisch gegenüberstehen. Dies gilt selbstverständlich nicht für Kartons, Matten, Zeitungen und Decken. Diese werden sofort besetzt, sobald sie irgendwo herumliegen. Und bei nachlassendem Interesse sorgt schon eine leichte Ortsveränderung dafür, daß diese direkt mit neu erwachender Begeisterung begutachtet und wieder besetzt werden. Doch wenn von den nachhaltigeren Veränderungen beliebtes Katzenmobiliar betroffen ist… Drama, Baby, Drama.

Der neue Kratzbaum verfügt genau wie der alte über zwei Schlafmulden. Die linke war dabei stets Marty vorbehalten, nachdem es ihm gelang, Lilly entnervt zu veranlassen, künftig nur noch die rechte zu nutzen, an welche er keinerlei Interesse zeigte. Sofern er sich nicht gerade kurz im Wohnzimmer auf der Heizung aufgehalten hat, war Marty tagsüber zumeist in seiner Mulde zu finden und kam erst abends für längere Zeit zu uns.

Allerdings tat sich Marty stets besonders schwer mit Veränderungen. Die Plattformen des neuen Kratzbaums hat er für sich immerhin schon akzeptiert, aber die Mulden sind ihm nicht ganz geheuer. Was dazu führt, daß er nun den Balkon, also das an unserem Monster angebaute Katzennest, nahezu ganztägig nutzt. Sehr zu Lillys Leidwesen, die nun gar keine Gelegenheit mehr sieht, sich hier mal auszubreiten.

Ich bin sicher, hier gibt es eine Fortsetzung.



Donnerstag, 7. Mai 2015

Glänzende Zukunftsaussichten

Heute in Kursivschrift: Mandy!


„Sag mal, Sven, kann es sein, daß du in den letzten Wochen noch mehr Haare verloren hast?“

„Möglich. Ihr ärgert mich ja immer wegen meiner roten Haare.“

„Es sind kaum noch welche da. Dann können wir das nicht mehr.“

„Und?“

„Da kommen in Zukunft glänzende Aussichten auf uns zu, wenn du ordentlich polierst.“



Dienstag, 5. Mai 2015

Einfach laufen lassen

Berlin (West), 1987.

Noch herrscht der kalte Krieg. Hier, in der auch aber nicht nur von der Frontstadtmentalität geprägten Insel in diesem Vorposten des Reichs des Bösen, ist er gegenwärtiger als unweit der deutsch-holländischen Grenze, wo ich mich zu Hause fühle.

Für 2,00 DM kann man per Bus und Bahn durch das ganze, riesige westliche Stadtgebiet fahren. Im Rest der Republik ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Vergleichbares erhalten zu wollen. Die Subventionen unterliegen anderen Prioritäten.

Die dritte Etage des Nebenstaßenhotels war komplett unser. Hier habe ich zum ersten Mal gesehen, daß ein Furz brennen kann. Dinge, die man fürs Leben braucht. Und unvergesslich.

Wir gehen mal nicht ins Klo, dieser Kneipe in der Nähe des Hotels, in der Sargdeckel als Sitzbank dienen und auch Toilettenschüsseln ihre eigene Verwendung finden.

Unser Ziel ist irgendein kleines Kino in einer Seitenstraße rechts ab vom Kudamm.

Ich werde von den anderen mit reingeschleppt.




(Hier befand sich einst ein Trailer von Top Gun)

Grandiose Bilder. Passende Musik. Richtig etwas für so schlichte Gemüter wie ich eines habe.

Trotz des Hauptdarstellers. Ich mag ihn nicht.

Egal, den kann man ausblenden. Er ist nur Staffage.

Es geht allein um die Flugzeuge.

Die Geschichte für die weibliche Begleitung der eigentlich männlichen Zielgruppe hätte man ruhig schneiden können. Aber wer geht schon für die dann noch verbleibenden vielleicht 45 Minuten Restfilm ins Kino?

Handlung? Der Film hat nur mit dieser Randgeschichte eine richtige Handlung?

Niemals! Der hatte niemals so etwas.

Männliche Urinstinkte funktionieren auch ohne Handlung.

Aber die süßen, eineiigen Zwitschlinge Zwillinge rechts und links neben mir bekommen so wenigstens auch etwas cineastische Unterhaltung.

Sie werden mich für die nächsten Jahre meines Lebens begleiten. Ich gehöre fast zur Familie, bin der erklärte aber als solcher unvollendet gebliebene Wunschschwiegersohn des Stiefvaters und bei allen wichtigen Ereignissen dabei.

Zehn oder elf Jahre nach dem Kinobesuch werden wir uns aus den Augen verlieren.

Für immer.



Montag, 4. Mai 2015

Momente

„Macht euren Scheiß doch einfach alleine!“

Danach aufstehen und gehen. Einfach so. Ohne einen Blick zurückzuwerfen. Für immer.

Man wird ja noch träumen dürfen, oder?!



Sonntag, 3. Mai 2015

Auch eine Form von Training

Gestern habe ich mich wieder in der Küche ausgetobt. Ein ordentliches Stück totes Tier harrte darauf, sich nach einer gelungenen Metamorphose als Braten auf dem Teller wiederzufinden.

Der Ofen zeigte das Erreichen der voreingestellten Kerntemperatur an. Also war es an der Zeit, den Bräter aus seiner Minisauna rauszuholen, den nicht vegetarischen Bestandteil zu entnehmen und auf einem zu diesem Zweck bereitliegenden Fleischbrett abzulegen, damit er nach all dem Hitzestress ein wenig Ruhe finden möge, bevor seinem Dasein letztendlich ein würdiges Finale bereitet werde.

Wie das so ist, wenn ein Braten zur Ruhe kommt, verliert er Flüssigkeit. Fleischsaft! Und damit sich dieser nicht sinnlos auf der Arbeitsplatte der Küche wiederfindet, verfügt ein Fleischbrett genialer Weise über eine umlaufende Rinne, welche dazu gedacht ist, eine Grenze zu ziehen, welche der gute Fleischsaft nicht zu überschreiten hat.

Sämtliche Fluchtversuche werden dabei von mir regelmäßig im Keim erstickt. Da kenne ich nichts. Denn wozu gibt es Strohhalme? Einmal ansetzen und ordentlich absaugen, schon hat der Fleischsaft eine wirklich sinnvolle Verwendung gefunden. Als Nebeneffekt wurde auch gleich die Arbeitsplatte vor dem Einsauen bewahrt. Ein, wie ich finde, sehr durchdachtes System.

Dieses Mal jedoch wurde ich zu unbotmäßiger Hektik gezwungen. Der Braten verlor etwas mehr Saft als üblich, welche auch noch an zwei Stellen gleichzeitig drohte, das Fleischbrett durch gezieltes Überfüllen der Saftrinne zu verlassen. Es galt, das kostbare Gut in kurzer Zeit immer wieder abzusaugen, dann auszuatmen, erneut abzusaugen und wieder auszuatmen.

Um den sich sammelnden Saft an einer Stelle zu konzentrieren, versetzte meine Angetraute das Brett in eine leichte Schräglage, was natürlich dazu führte, daß sich fortan in noch weniger Zeit größere Flüssigkeitsansammlungen bildeten, welche es zu bekämpfen galt.

Natürlich wähnte ich in dieser anhaltenden Tätigkeit ein nahezu hervorragendes Bauchmuskeltraining und teilte dies auch leichtsinniger Weise der zweitbesten Ehefrau von allen während des einen Momentes mit, in dem ich die Überhand über die ausnehmend köstlichen Fluten erhalten hatte und zu sprechen in der Lage war.

Wie immer ein schwerer Fehler.

Doch anstatt endlich direkt zuzugeben, daß die theoretisch mögliche Existenz von Bauchmuskeln nur eine Erfindung der Fitnesstrainer-Mafia sei, wie es schon seinerzeit auch von den anderen Teilnehmern des einst von mir besuchten Pilates-Kurses regelmäßig gemutmaßt wurde, erzählte meine Angetraute etwas von Zwerchfelltaining.

Zwerchfelltraining!

Wie uncool ist das denn?

Ich bin ja der festen Überzeugung, daß das Einzige, wozu das Zwerchfell gut ist, in der Erzeugung eines Schluckaufs liegt. Und den kann ich schon.

In diesem Sinne.

*hicks*



Samstag, 2. Mai 2015

Germanys next Supersize-Model

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich die Zeit am ersten Mai zu vertreiben. Man könnte demonstrieren gehen für Frieden und Arbeitnehmerrechte. Ebenso könnte man den Tag - in diesem Zusammenhang allerdings recht sinnfrei - im Bett verbringen, weil man sich nach dem Aufstellen eines Maibaums den Rücken verrenkt hat. Als Alternativbegründung für den anhaltenden Matratzenhorchdienst ließe sich aus das Ausschlafen eines Rausches nach dem Tanz in den Mai oder die Verarbeitung von Nachwehen der Feiern zur Walpurgisnacht aufführen.

Natürlich war bei mir wieder alles anders. Es zeichnete sich schon vor Tagen ab, als im Hause Paterfelis folgender kleiner Dialog zu vernehmen war:

„Schatz, am ersten Mai bin ich nachmittags weg. Rajiv will für die Homepage der Trainerschule neue Bilder anfertigen lassen. Portraits von den Referenten und einige Situationen während der Ausbildung im Kursraum und in den Studios. Und für mein Sportprogramm soll da auch was gemacht werden. Er hat extra eine professionelle Fotografin engagiert.“

„Ok. Und ich bin dann als Vertreter des gewöhnlichen Menschen aus dem Volke dabei.“

Dieser von mir so leicht ausgesprochene und selbstverständlich keinesfalls ernst gemeinte Satz, das werdet ihr ahnen, hatte Folgen.

Tage später.

„Ich habe Rajiv gesagt, daß du als Model mitkommen wirst.“

An dieser Stelle möge der kundige Leser das leise Geräusch einer bei mir unmittelbar einsetzenden Schnappatmung gewahr werden.

„Ich brauche da unbedingt jemanden mit Übergewicht und kenne niemanden, der das sonst machen würde.“

Wie heißt es so schön? Wer sich in Gefahr begibt, also in diesem Falle ich, kommt darin um.

Am ersten Mai zogen wir also von dannen Richtung des als Zentrum des Geschehens bezeichneten Ortes sportlicher Ertüchtigung. Es war keines jener Studios, in denen ich mich wohl fühlen könnte. Dafür sorgte schon das hier anzufindende Publikum an den Geräten, die Ausstattung und die dröhnende, hochgetaktete Musik. Aber es ging um die Voraussetzungen, die zu erfüllen waren, um die Fotos machen zu können.

Nachdem die für mich als Soziophobiker schreckliche Phase überwunden wurde, in der noch vereinzelt Menschen auftauchten und sich zu einer gleichfalls übersichtlichen Gruppe gesellten, ging es irgendwann Schlag auf Schlag zur Sache, so daß ich mich weitgehend abseits halten konnte. 

Horden von Menschen sammelten sich schließlich, um auch verschiedene Kurssituationen darzustellen. Einige kannte ich immerhin und verschiedentlich wusste man sich auch an mich noch von meiner Vortragstätigkeit her oder aus dem Sporttempel zu erinnern. Hier kam ich emotional zurecht. Wir, die wir gerade nicht benötigt wurden, warteten vor dem Kursraum und beobachteten das Geschehen durch die große Glaswand. Natürlich sparten wir nicht mit intelligenten, sachkundigen, konstruktiven Kommentaren, insbesondere bei einem tanzbasierten Kursprogramm.

„Was machen die da?“

„Weiß ich nicht, ich habe schon Sekunden nach dem Anfang aufgehört, da mitkommen zu wollen.“

„Oh, diese Bewegung war jetzt der klassische Hip.“

„Und das?“

„Das nennt man das klassische Wedeln.“

„Oh, das jetzt kenne ich. Ein Kick. Ganz klassisch. Und noch einer.“

„Ob die knatschig werden, wenn wir jetzt alle TOR brüllen?“

In bester Statler-und-Waldorf-Manier ließ sich auf einem bequemen und passender Weise gegenüber der Glaswand aufgebauten Sofa sitzend durchaus die Zeit vertreiben.

Rajiv kam vorbei und warf von außen einen Blick auf das Geschehen in dem weitgehend schalldichten Kursraum. Nur wenige Musikfetzen drangen nach draußen, doch wurden diese sofort von der im Rest des Studios dröhnenden Musik überlagert.

„Hey, die sind ja gar nicht im Takt zur Musik. Doch, jetzt sind sie es. Ups, auch schon wieder vorbei.“

„Da, jetzt ist Trikot-Wechsel.“ 

Die im Kursraum befindlichen Mädels bildeten eine lockere Mauer, um die Sicht auf jene zu verdecken, welche kurz das textile Oberteil austauschten.

„Ob die wissen, daß die Wand hinter ihnen ein von hier gut sichtbarer Spiegel ist?“

Es wurde hektisch im Kursraum.

„Ah ja, jetzt haben sie es gemerkt.“

Tja, zu spät ist zu spät.

Sehr zu ihrem  Leidwesen und natürlich ohne Vorankündigung von Rajiv musste die zweitbeste Ehefrau von allen sich auch als neue Referentin der Trainerschule präsentieren. Mein ewiger Vorschlag, ihn endlich mal zu hauen, wurde natürlich und vollkommen erwartungsgemäß wieder abgelehnt.

Nach Stunden kam auch ich an die Reihe. Großer Auftritt Paterfelis, während sich die meisten der zuvor noch anwesenden Menschenmassen bereits verabschiedet hatten. Ich wurde von einer der Trainerinnen in Fortbildung auf einem Sportgerät eingewiesen. Später ging es dann in die nächste Runde. Meine Angetraute absolvierte mit mir als ihrem Kunden eine Übung.

So verging die Zeit.

Immerhin kann ich jetzt mit Fug und Recht behaupten, wirklich mal den ganzen Nachmittag im Sportstudio verbracht zu haben.




Freitag, 1. Mai 2015

Tage wie diese braucht kein Mensch

Im Rahmen der nicht vorhandenen Rubrik Aus dem Archiv gekramt präsentiere ich dieses Fundstück, welches ich schon vor ein paar Monaten geschrieben habe. Dennoch hat der Text in seinen Einzelkomponenten eine gewisse Zeitlosigkeit mit Wiedererkennenswert, während das geballte Zusammentreffen des Beschriebenen schon einzigartig war.


Es gibt so Tage, an denen ich zwischen Verzweiflung und Amoklauf stehe. Kommt in unserer Außenstelle ja durchaus regelmäßig vor. Die Welt hat sich verschworen.

Unmittelbar nach dem Aufschlagen auf unserer Büroetage stelle ich schlagartig fest, daß wir mal wieder eine neue Putzfrau haben. Die fünfte innerhalb von zwölf Wochen! Unlängst wurde wieder jemand herumgeführt, um die Örtlichkeiten kennen zu lernen. Nun zeigen sich morgens zahlreiche Bürotüren als abgeschlossen. In Umlauf befindliche Schlüssel zu diesen Türen gibt es nur in übersichtlicher Zahl, nämlich bei Dr. Strebsinger, Frl. Hasenclever, unserem Hausmeister und der Putzfrau. Das niedere Volk, also jene Menschen, welche in den Büros arbeiten, benötigt derlei unnütze Dinge nicht und scheiden als Verursacher aus. Die drei erstgenannten Schlüsselbewahrer hingegen kämen nicht auf so einen Unfug. Bleibt also objektiv nur die Putzfrau.

Mein Büroraum verfügt über zwei Türen, von denen sich in halbherziger Konsequenz der Angelegenheit nur eine als verschlossen erweist. Immerhin kann ich meinen Arbeitsplatz erreichen. Andere Kollegen müssen zu diesem Zweck auf das Eintreffen zumindest eines der in Frage kommenden Schlüsselbeauftragten warten, was sich aufgrund gleitender Arbeitszeit durchaus hinziehen kann. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Übrigens möchte ich darauf hinweisen, daß der weibliche Teil der auf unserer Etage arbeitenden Belegschaft wieder das Nachfüllen der Papierhandtücher vermisst. Toilettenpapier ist auch knapp. Eine Sichtung der Vorräte auf den Herrenklos bestätigt die Annahme, daß es dort ähnlich aussieht. Scheinbar werden unsere Putzfrauen stets nach vergleichbaren Kriterien ausgesucht. Hierzu verweise ich auf die obige Verlinkung meiner früheren Anmerkungen zu dieser Sache. Es hat sich nichts geändert. Absolut nicht. Und nein, niemand von uns wäre so verrückt, außer in absoluten Notfällen, deren Möglichkeit ich nicht per se ausschließen möchte, eine Rolle unseres Edelpapieres zum eigenen Bedarf mitzunehmen. Und schon gar nicht größere Mengen davon.

Nach dem Lesen meiner E-Mails, welche unter anderem eine unsere Arbeitsorganisation betreffende Ideen der Führungsebene enthält, deren praktischer Nutzen sich mir weiterhin zur Gänze entzieht, gelingt es mir, die von zwei Tagen umständehalber liegengebliebene Arbeit kurz zu sichten und die eingegangene Post den verschiedenen Vorgängen zuzuordnen. Nun folgt der GAU: Die Datenverbindung nach Bad Husten bricht in unserer gesamten Außenstelle zusammen. Da wir auf den Festplatten unserer Rechner so rein gar nichts an Material haben, sind wir komplett ohne EDV-Unterstützung. Kommt immer wieder mal vor und ist meistens nach ein oder zwei Stündchen bereinigt.

Dieses Mal nicht.

Da wir auf Gedeih und Verderb die EDV benötigen, können wir nicht arbeiten. Rein gar nicht. Und das zu einer Zeit, in der ich aufgrund der vorherigen programmtechnischen Pannen nur noch bis Freitag Zeit habe, verschiedene Dinge zu erledigen, deren Nichterledigung mich mit einer Flut von bösen Anrufen, garstigen Schreiben und manueller Korrekturarbeiten zuschmeißen würde. Das bedeutet schon im Normalfall Überstunden bis zum Abwinken.

Gegen 13 Uhr ruft uns Dr. Strebsinger zusammen. Er schildert nochmal die Situation und bietet uns an, daß wir nach Hause gehen können. Hört sich erstmal nicht verkehrt an. Der Haken ist, daß wir dies zu unseren Lasten, also unter Abzug der nicht geleisteten Arbeitszeit tun sollen.

Aus bekannten Gründen hat niemand wirklich Lust, unserem Arbeitgeber dahingehend auch nur einen Zentimeter entgegenzukommen. So stellen wir also weiterhin unsere Arbeitskraft zur Verfügung. Was können wir dafür, wenn die Strukturen so gestaltet sind, daß ohne EDV keine sinnvolle Arbeit mehr möglich ist?

Trotz wiederholter warmer Worte Dr. Strebsingers hält sich der Trend hartnäckig, sein Angebot nicht nutzen zu wollen, was den armen Kerl mal wieder sichtlich verstimmt.

Nicht mein Problem. Ich habe Dank beim gelangweilten Kramen in den Schubladen zufällig gefundener Brillenputztücher endlich wieder eine saubere Tastatur und eine saubere Maus. Ehrlich: Wenn ich nicht gewusst hätte, daß das alles mein Dreck ist, hätte ich die schon seit Monaten nicht mehr angefasst. Zusätzlich gewinne ich die Erkenntnis, daß es nicht möglich ist, den PC per Hypnose durch Daueranstarren des Monitors durch kanzlerbewährtes Aussitzen mit sämtlichen mir bekannten Methoden dazu zu bewegen, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Ich werde noch wahnsinnig.