Montag, 6. April 2015

Pirol

Geht es euch auch so? Es ist ein Feier- oder ähnlicher mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbundener Tag. Man erledigt zumeist mit einem gewissen Missmut all jene Dinge, welche an solch einem Tag erwartet werden. Die Nation befindet sich im Aufbruch und besucht irgendwelche, zumeist aber verwandte, verschwägerte oder sonst wie familiär verbundene angehängte Menschen, die man sonst nicht übertrieben oft sieht. Und, weil es anders ja ziemlich blödsinnig weil unpraktisch wäre, verbleibt ein gewisser Teil nicht Aufgebrochener daheim und harrt dem Erscheinen der Aufgebrochenen. Irgend jemand muß ja auch die Tür aufmachen und den Besuch empfangen.

Spätestens am Folgetag, zumeist aber schon auf der Heimreise, kommen die Überlebenden des kollektiven aber doch - so rein global gesehen - getrennten Herdenzuges schließlich nicht umhin, über das in diesem Zusammenhang Wahrgenommene nachzudenken. Mal mehr und mal weniger intensiv, je nach persönlichem Gusto und intellektuellem Vermögen, aber doch irgendwie so.

Schlussendlich wird der Punkt erreicht, an dem sich zumindest bei mir ein Gefühl aufbaut. Dieses Gefühl ist das Resultat der in Jahrmillionen der Evolution entwickelten Fähigkeit des menschlichen Gehirns, in verzweifelten Versuchen unerklärlichen Dingen eine Erklärung zu geben.

Dieses so entstandene Gefühl sagt eindeutig aus, daß die höchsteigene Person die vergangenen Stunden ganz bestimmt als Nebendarsteller in einem Film von Loriot verbracht hätte. Zumindest ich bin häufiger dieser Überzeugung. Gut, das Wort häufigerist in meinem Fall zu relativieren, den so oft tummle ich mich ja nicht woanders herum. Aber nicht immer lässt es sich umgehen.

Später, im Auto auf dem Heimweg von einem solchen, eingangs näher beschriebenen Besuch befindlich, habe ich gegenüber der zweitbesten Ehefrau von allen mehrere Feststellungen getroffen:

  • Wenn wir später mal gewisse ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen sollten, wie sie uns gerade vorgelebt wurden, schlafe ich ab dem Moment der Erkenntnis desselben unter einer Brücke.

  • Sie möge darüber freundlicher Weise nicht lachen, denn die Alternative wäre, daß sie dann unter einer Brücke schlafen müsse.

  • Die nächsten 48 Stunden wünsche ich die Wörter Bewegungsmelder sowie Müsli nicht mehr zu hören oder anderweitig wahrnehmen zu müssen. Aus Gründen.


Warum ist eigentlich nicht jeder so normal wie ich? Die Welt könnte so schön sein.




Kommentare:

  1. Ein Pirol, ein Pirol!
    Mutter, ich danke wohl.

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  2. Ach, nöl doch ein bisschen rum. Sie sind alt. Man muss sie lieben.

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