Donnerstag, 2. April 2015

Kurz vor Ostern ein fettes Ei

Frl. Hasenclever verteilte zur Mittagszeit Schokoladenhasen. Und zwar welche aus leckererSchokolade und nicht diese grässlichen Dinger, wie man sie uns früher in Form von dezembertauglichen Figuren hat zukommen lassen. Sehr aufmerksam, wirklich. Und auch nötig.

„Herr Paterfelis, Sie haben sich ja immer noch nicht beruhigt.“

Ich unterbrach meine Arbeiten am Aktenschrank.

„Bekomme ich endlich den zweiten Schrank? Dieser ist jetzt endgültig voll.“

„Nein, es gibt keine mehr, das wissen Sie doch. Außerdem wäre hier ohnehin kein Platz dafür.“

Was zweifellos zutreffend war.

„Gerade in der Dienstbesprechung, als Dr. Strebsinger seine neue Idee verkündet hat, habe ich extra versucht, mit Ihnen Blickkontakt aufzunehmen. Sie haben aber immer nur starr geradeaus geguckt.“

„Ja, das nennt man echte Selbstbeherrschung. War besser für alle Beteiligten.“

Zwei Stunden früher. Wir wenden uns an dieser Stelle zunächst gewissen Grundsätzen zu. Solche, wie sie Mutter Natur uns allen aufbürdet. Was geschieht zum Beispiel, wenn der akademisch geschulte Verstand eines Herrn Dr. Strebsinger auf den gesunden Menschenverstand der schuftenden Klasse, also der Praktiker im LASA, trifft? Beinahe das Gleiche, was auch stets geschieht, wenn Materie auf Antimaterie trifft: ein Unglück.

In unserer Dienstbesprechung verkündete Dr. Strebsinger seinen neuesten Plan. Er wünschte, daß einige organisatorische Dinge, die ich hier jetzt nicht ausbreiten werde, um den Rahmen nicht zu sprengen, in unseren verschiedenen Fachbereichen angeglichen werden. Aus grundsätzlichen Erwägungen. Es soll aber auch die Arbeit in bestimmten Situationen erleichtern. Immerhin.

Das Problem dabei ist, daß die Strukturen und Arbeitsabläufe in meinem Fachbereich nun doch stellenweise etwas anders sind, als die jenes Bereiches, welcher Auslöser für die Änderungen war. Was dem einen Bereich eventuell hilft, schadet uns eher. Dr. Strebsinger hat einfach keine Ahnung von unserer Arbeit, wie er wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Aber egal, Hauptsache einheitlich. Ohne das vorher mit Leuten zu besprechen, die sich damit auskennen.

Ich habe dann heute drei Stunden damit zugebracht, die praktischen Grundlagen für die Umorganisation zu schaffen. Diese Zeit hätte ich sinnvoller verbringen können. Und auch die Zeit, die ich künftig mehr benötige, um das alles beizubehalten. Ohne einen Gewinn davon zu haben.

Aber wo Schatten ist, muß auch Licht sein. Dieses Licht habe ich dann auch gefunden. Ich konnte nämlich den Beweis erbringen, daß die frostige Stimmung einiger Kollegen und auch von mir die Einheitengrenzmarke von Null unterschreiten kann.

Kelvin, wohlgemerkt.



Kommentare:

  1. Hööööööy! Großartig zeitfressende und unlogische Umstrukturierung versus Schoki-Osterhase, Mensch, da muss man auch mal abwäääägen!
    ... Kann es sein, dass da ein kleiner Herr "Mir kann man es nie recht machen" spricht? :-P

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    1. Nein, so lässt sich die Situation nicht reduzieren. Das gilt für beide Seiten.

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  2. Na, wir hatten mal n Chef, der kam aus der Eingriffs- und Ordnungsverwaltung. Von da brachte er eine unausrottbare Vorliebe für Schnelltrenn-Vordrucksätze (die mit dem ekligen Papier in mehreren Farben, einmal schreiben, sieben Durchschläge) mit, und hat den Rest der 20 Jahre, die ihm bei uns noch blieben, damit verbracht, die Bereiche, die wir bearbeiteten (Daseinsvorsorge, sprich Jugendamt), auf Schnelltrennvordrucksatzanwendbarkeit zu prüfen. Da war er wenigstens beschäftigt.

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    1. Es geht doch nichts über eine sinnvolle und abwechslungsreiche Beschäftigung.

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