Dienstag, 28. April 2015

Perspektivisch gedacht

Werte Mitblogger, kennt ihr das auch? Ihr befindet euch irgendwo in der Pampa, weitab von jeglicher Zivilisation, also zum Beispiel auf der Arbeit, und beginnt, euch seelisch-moralisch und auch tatsächlich auf den Feierabend einzustellen. Plötzlich kommt euch irgendetwas völlig ohne einen erkennbaren Anlass in den Sinn, woraus ihr unbedingt einen Blogeintrag machen wollt. Natürlich habt ihr kein zu diesem Zweck nutzbares elektronisches Schreibmedium zur Verfügung, aber da ihr ja ohnehin auf dem Weg nach Hause, also quasi in diese Zentrale wirklichen elektronischen Lebens befindet, stört euch das nicht weiter. Und selbst wenn, dann hättet ihr keine Chance, das zu ändern.

Während des gesamten Heimwegs formuliert ihr diesen wunderbaren, endlich mal nicht von Albernheiten durchzogenen Blogeintrag durch. Jede Menge hochintelligenter und dennoch auch die Allgemeinheit ansprechende Formulierungen blitzen durch euer Gehirn. Und als ihr schließlich auf der Zielgeraden vor der Haustür seid, ist dieser preisverdächtige, eure mit Bestimmtheit die Blogbesucherzahlen nur so in die Höhe treibender Eintrag so gut wie vollendet. Er müsste nur noch in einen lesbaren Zustand gebracht werden, denn sonst hätte niemand etwas von euren geistigen Ergüssen.

Also schmeißt ihr euch ohne viele Umwege direkt an den nächsten erreichbaren Rechner, lasst euch nicht von liebebedürftigen Haustieren ablenken und wartet darauf, daß die Maschine endlich die Bereitschaft signalisiert, von euch so hemmungslos benutzt zu werden, wie nur ihr es zu tun pflegt.

Und dann?

Ende und aus. Ihr wollt in eurem gewohnten Neunfinger-Blindschreibsystem alles auf das elektronische Papier zaubern, was ihr euch in der letzten Stunde so ausgedacht habt, und es läuft nicht. All die schönen Formulierungen sind euch noch gegenwärtig, doch es will einfach nicht fließen. Statt dessen schreibt ihr irgendeinen Müll, so wie zum Beispiel diesen hier. Aber jeglicher Versuch, die fast schon genialen Gedanken zumindest im Ansatz in einer Stichwortdatei zu sichern, schlagen fehl.

Na ja, zumindest war der Text rein perspektivisch gesehen seitens der kreativen Seite fertig. Mal sehen, was davon noch hängen geblieben ist, wenn er später aus den dann noch vorhandenen Gedankenfragmenten rekonstruiert wird.

Wenn ihr hier mal in naher oder ferner Zukunft von einem Herrn Schwiensberg lest, dann denkt an den heutigen Tag und was daraus hätte werden können. Nämlich eine Sternstunde des guten Geschmacks.

Ihr hattet beinahe die Chance, dabei gewesen zu sein.

Aber irgendetwas geht ja immer schief, nicht wahr?!




Montag, 27. April 2015

Einen Versuch war es wert

Ich arbeitete in unserem kleinen, gemütlichen Büro… Nein, falscher Anfang. Da muß zwar nicht wirstehen, weil ich im Moment ganz alleine in unserem Viererraum schuften muß, aber dennoch ist es nicht ganz korrekt. Es fängt alles früher an. Viel früher.

Zweieinhalb Jahre bin ich jetzt auf Entzug. Zwei Jahre! Und ein halbes noch dazu! So lange habe ich nicht mehr gespielt. Schrecklich. Und ihr wisst ja, daß ich immer noch sehr aufmerksam verfolge, was in der Welt der Spiele, insbesondere natürlich der Tabletops bzw. Miniaturenspiele, so vor sich geht.

Schwerer Fehler!

Da gibt es so viele Sachen, die mich immer wieder anfixen können.

Also bin ich heute Mittag rüber zu Sven gelatscht.

„Sven, es ist dringend.“

„Was denn?“

„Stell dir ein Spielfeld vor, 120 x 180 cm.“

„Jau.“

„Mit einer schwarzen Matte darauf.“

„Ja, habe ich vor Augen.“

„Mit vielen kleinen weißen Punkten als Sternenhimmel.“

„Romantisch.“

„Idiot.“

„Manchmal.“

„Es nähert sich eine Flotte des Galaktischen Imperiums. Sternenzerstörer der Victory-Klasse, der Imperium-Klasse, Geleitschiffe. Und du näherst dich mit einer Rebellenflotte. Mon Calamari-Kreuzer und einiges andere.“

„Mhmm.“

„Deine X-Flügler schwirren rund um die Sternenzerstörer, während diese ganze Schwadronen von Tie-Jägern ausschleusen und…“

„Vergiss es. Aber den neuen Sternenzerstörer habe ich letztens als Modell gesehen und meinen Jungs gezeigt. Die fanden, daß der irgendwie seltsam aussieht.“

„Die sind eben nicht mit den Klassikern aufgewachsen.“

„Wird wohl.“

Nicht wird wohl. Ist so. Und die kennen als Modelle nur die Teile von Lego und sammeln die wie verrückt.

„Außerdem muß ich mir übernächste Woche den neuen Codex Eldar kaufen."

Dreck! Falsches Spielsystem. Da mache ich mit meiner Uralttruppe nicht mehr weiter. Es ist mir zu teuer, die auf Höhe der Zeit zu bringen.

Da hättest du ja schon die Kohle für den Sternenzerstörer zusammen."

„Und zwei Modelle fehlen mir auch noch."

Damit wärst du schon beim Preis der Grundbox."

„Nein, erst mal meine Eldar."

Scheinbar bin ich jetzt schon mal nicht so richtig weitergekommen. Blöd. Da bemerkte ich einen aufmerksamen Zuhörer.

„Du, Ökoklaus?!“

„Ja?“

Guck mal, wie er grinst.

„Stell dir ein Spielbrett vor, 120 x 180 cm. Und von hinten nähert sich ein imperialer Sternenzerst…“

„LASA Außenstelle Südsüd-West, Sie sprechen mit Herrn Ökoklaus, schönen guten Tag.“

Mist verdammte Hacke, warum musste dieses blöde Telefon ausgerechnet jetzt klingeln? Meine mühsam aufgebaute Zocker-Atmosphäre ist dadurch kaputt gegangen.

So bekomme ich nie eine Ausrede, warum ich das Zeug unbedingt haben muß.








Sonntag, 26. April 2015

Eins Komma Drei Drei Drei statt Zwo Komma Fünf Null Null

Soeben habe ich schon bemerkt, daß die nächste Woche Abwechslung in mein besch... Leben bringen wird.

Anstatt elende fünf Tage lang zu warten, daß es endlich Wochenende wird, um dann zwei Tage die Zeit sinnlos absitzen zu müssen, bis es ebenso endlich vorbei ist, müssen dieses Mal nur vier grauenhafte Tage an mir vorüberziehen, bis es nach drei weiteren Tagen hirnamputierten Wartens wieder soweit ist, ein Wochenende überstanden zu haben.

Ein verhältnismäßig guter Wert.

Da soll mir mal keiner sagen, das Leben sei nicht bunt.

Und jetzt entlasse ich euch mit diesem kleinen Liedgut von seltenem Tiefgang und dabei doch echter zur Schau gestellter Lebensfreude in die neue Woche.








Samstag, 25. April 2015

Ein zeitloser Schatz

Es war Weihnachten vor über vierzig Jahren, vermutlich um 1972, genauer kann ich das nicht mehr eingrenzen, als ich mein erstes, eigenes Buch geschenkt bekam. Auf jeden Fall war ich so jung, daß ich noch nicht lesen konnte. Es handelte sich um ein Märchenbuch, wie es sich für Kinder in dem Alter wohl gehört.

Bis ich selber lesen konnte, wurde mir aus dem Buch vorgelesen. Selbst erinnern kann ich mich nicht mehr daran, aber meine Mutter erzählt, daß sie die Märchen früher beim Vorlesen mit Absicht schon mal etwas verändert hatte, was stets mit einem Protest meinerseits quittiert wurde. Die Märchen sollten gefälligst richtigerzählt werden, so wie sie einst in grauer Vorzeit niedergeschrieben wurden. Später habe ich dann selbst immer wieder in dem Buch gelesen.


Das erste von hunderten Büchern

Das letzte Märchen in dem Buch heißt Die Nixe im Teich. In diesem Märchen wird der Sohn eines Müllers von einer Nixe in ihren Teich gezogen und dort behalten, bis seine Verlobte ihn schließlich retten kann und die beiden nach vielen Jahren wieder zueinander finden. Und wenn sie nicht gestorben sind… Märchen eben.

Nachdem ich dieses Märchen zum ersten Mal gelesen hatte, träumte ich in der Nacht davon. Das weiß ich noch bis heute. In meinem Traum wurde mein Vater von der Nixe geholt. Erzählt habe ich dies meinen Eltern nie. Dieses eine Märchen habe ich danach nicht mehr gelesen, ja noch nicht mal die Seite aufgeschlagen, auf der sich eine Illustration von der Nixe befand. Das Bild selbst habe ich bis heute noch vor Augen und die Geschichte rund um den Traum und das Buch auch nie vergessen. Sie ist mir sehr präsent geblieben.


Die Nixe und der Müller

Der genaue Inhalt des Märchens selbst ist im Laufe der Jahre allerdings verblasst. Es scheint auch eines jener Märchen zu sein, welches sich nicht ganz so großer Popularität erfreuen wie Hänsel und Gretel, denn ich wüsste auch nicht von einer Verfilmung oder einem entsprechenden Theaterstück.

Nun habe ich das Buch wieder aus dem Bücherregal geholt.  Der Einband wurde schon häufiger geflickt; man bemerkt das Alter und die lange Lagerung auf einem Speicher. Ich habe niemanden, dem ich Märchen vorlesen könnte, aber dennoch konnte ich dieses Buch vor ein paar Jahren, als ich mein altes Spielzeug und viele Kinder- und Jugendbücher verschenkt habe, nicht abgeben. Dieses nicht, und einige andere der alten Bücher auch nicht. Ich hänge einfach zu sehr daran.

Ja, tapfer wie ich bin, habe ich die entsprechende Buchseite aufgeschlagen. Ich las mir das letzte Märchen des Buches nochmal durch. Vielleicht werde ich dies auch noch mit den anderen machen, mal sehen. Es ist ein schönes Märchen. Typisch, ohne Besonderheiten. Ich weiß nicht, warum ausgerechnet dieses Märchen mich so verängstigte. Mit den anderen hatte ich derartige Erlebnisse nie.

Und ich hoffe, heute Nacht gut schlafen zu können. Ohne Träume von bösen Teichnixen.

Ich bin ja schon groß.



Freitag, 24. April 2015

Ähm, ja

Wenn eine feierliche Veranstaltung im Büro rein vorsorglich mit Anwesenheitspflicht versehen wird, es also niemandem freigestellt ist, der Sache fernzubleiben und weiterzuarbeiten, dann erscheint es doch vollkommen sinnbefreit zu Planungszwecken abzufragen, wer alles gedenkt zu erscheinen.

Einfach die Summe des Gesamtpersonals zu ermitteln und um die Zahl der am Tag X in Urlaub befindlichen zu vermindern sollte zum gleichen Ergebnis führen. Einfache Arithmetik.

Aber was weiß ich schon davon?



Mittwoch, 22. April 2015

Runde Sache

Aus irgendwelchen, für mich nicht mehr erinnerbaren und damit natürlichen vollkommen unbedeutenden Gründen hatten Frl. Hasenclever und Trudi wieder die Männerwelt zwischen. Und nicht genug damit, wurde die grundsätzliche und überaus unsachliche Lästerei noch um ein aktuelles Beispiel ergänzt.

„Männer! Pffft! Mein Freund sitzt in einem Großraumbüro. Eine der Kolleginnen dort hat sich jetzt verlobt und ihren Verlobungsring präsentiert.“ versorgte uns Frl. Hasenclever mit den neuesten und ungemein wichtigen Informationen zum Thema.

„Und, wie sieht der aus?“ erkundigen sich Trudi. Vermutlich meinte sie den Ring und nicht Frl. Hasenclevers Freund.

„Das ist es ja. Natürlich habe ich meinen Freund auch sofort danach gefragt. Und was glauben Sie, was er sagte?“

„Na?“

Rund.

So beendeten Frl. Hasenclever und ich wie aus einem Mund sämtliche Zweifel an der grundsätzlichen Beschaffenheit des in Rede stehenden Kleinods. Während Frl. Hasenclevers Stimmlage eine gewisse unbegründete Empörung verhießt, hatte ich meine sachlich fundierte Meinung nur mit mäßigem Interesse aber dennoch zur Schau gestellten Kennermiene in den Raum geworfen.

„Stimmt genau! Auf so etwas können auch nur Männer kommen. Dabei hat sie ihm den Ring wohl genau unter die Nase gehalten. Hat mein Freund wenigstens behauptet. Ich habe noch gefragt, ob da ein Stein eingearbeitet ist und aus welchem Material der Ring besteht. Aber das weiß der Kerl nicht mehr.“

„Natürlich nicht.“

Muß man hier denn alles Offenkundige erst erklären?

„Warum nicht?“

Ja, man(n) muß wohl.

„Na, weil Männer sich eben auf das Wesentliche beschränken.“

„Nein, hat er ja nicht. Die ganzen wesentlichen Details fehlen.“

„Doch, er hat sich sehr wohl darauf beschränkt.“

„Auf den runden Ring?!“

„Nein, das war nur die aus purer Logik geborene Dreingabe.“

„Und was war jetzt das Wesentliche?“

„Kollegin, jung, vermutlich gutaussehend, verlobt = erst mal weg vom Markt. Ganz einfach.“

„Die sieht wirklich gut aus. Dann habe ich wohl noch Glück gehabt.“

Ja. War das denn jetzt so schwierig zu verstehen?



Dienstag, 21. April 2015

Beobachtungen

Wir arbeiteten in unserem gemütlichen Büro vor uns hin, als Frl. Hasenclever das Zimmer betrat.

„Oh, Frau Trudi, Sie haben ja eine neue Frisur. Die sieht richtig gut aus.“

Zur nachhaltigen Bekämpfung etwa auftretender Fälle von akuter Langeweile hatte Frl. Hasenclever einige der bei uns so extrem beliebten Lesemappen bei mir abgeladen und ist bei dieser Gelegenheit auch Trudi ansichtig geworden.

„Na ja, so komplett neu ist die Frisur jetzt nicht, aber doch das eine oder andere Detail…“ schnatterte Trudi los.

„Und, Herr Paterfelis, haben Sie das auch schon bemerkt?“

Als ob ich taub auf den Augen wäre.

„Natürlich, Frl. Hasenclever. Ich habe die Tatsache zur Kenntnis genommen.“

„Und, was haben Sie zu der neuen Frisur gesagt?“

Jetzt wäre wohl eine Einlassung angebracht, in der ich klugscheißerisch äußere, mich nicht mit Frisuren zu unterhalten, aber das mache ich dann doch lieber ein anderes Mal.

„Das Gleiche, was ich zu solchen Gelegenheiten zu Hause auch gesagt hätte.“

„Na was denn?“

„Nichts hat er gesagt! Gar nichts!“ ließ Trudi sich empört vernehmen.

Eben! Wie zu Hause auch. Denn Schweigen ist als Zustimmung interpretierbar. Und wenn die Frisur misslungen ist, sollte man(n) ohnehin besser die Klappe halten.

Auch im Büro.



Samstag, 18. April 2015

Partykeller

Damals war es. Damals, das sind die frühen bis mittleren 1980er Jahre. Die Zeit der Kindergeburtstage war vorbei.

Rücksturz in die Vergangenheit.

Wir sind keine Popper und auch keine Punker. Wir sind Angehörige der unauffälligen breiten Masse an Teenagern.

Die Eltern zweier meiner Kumpels haben Partykeller – oder zumindest einen Raum im Keller, den man entsprechend nutzen kann. Relikte aus den 1970ern. Wir beginnen, diese für uns zu nutzen. An Geburtstagen. Zu Silvester. Vier Jungs, vier Mädels. Der harte Kern. Mal ein paar mehr auf Seite der Jungs, mal ein paar weniger auf der Seite der Mädels.  

Mittags den Raum vorbereiten, Musik, Getränke und Knabberzeug anschleppen.

Anlage kaputt? Kann jemand seine von zu Hause ankarren lassen?

Jau, ich. Radio, Kassettendeck und Plattenspieler, alles in einem Stück. Keine Einzelkomponenten. Gebraucht für 200 DM von meinem Cousin gekauft. CDs waren noch kein Thema.




Oh, die hat ja Anschlüsse für vier Boxen. Wusste ich gar nicht, ich habe ja nur zwei. Testen wir mal aus was geht und hängen noch zwei weitere dran.

Hört sich gut an.

Bumm.

Danach Stille.

Leistungsgrenzen überschritten, Sicherung von dem Teil im Arsch. Auf was man alles achten muß.

Bringt eben jemand anderes einen Ghettoblaster mit. Oder das, was man dafür hält. Hauptsache, das Ding erzeugt brauchbare Töne. Wenn auch nur von Kassetten.

Erste Tanzversuche. Klammerblues mit der vergebens Angehimmelten.

Herumalbern.

Unter uns Jungs reden wir uns nicht mit dem Vornamen an, sondern mit dem Nachnamen. He, Müller, machst du mir eine Cola? Wo ist der Schmidt? Boah, Lehmann, nicht so lahm. Ist nur eine Phase, die legt sich wieder.




Die Luft lässt sich in fingerdicke Scheiben schneiden. Dazu benötigt es keinen anwesenden Raucher. Gibt es bei uns auch nicht. Den Geruch dieser Luft werde ich auch in Zukunft nicht vergessen. Immer, wenn ich diese Musik höre, auch noch in 30 Jahren, wird er mir wieder in die Nase kommen. Ich weiß es jetzt, Mitte der 1980er Jahre, nur noch nicht.

Zumindest etwas, was nie endet.

Nahrungsmittelversorgung aus der Küche der eine Etage höher anwesenden Eltern. Uncool, aber praktisch. Später werden uns die EZBs, wie wir sie unter uns nennen, auch mal ganz alleine feiern lassen und sich woanders in Sicherheit bringen.

Es gibt Gulaschsuppe oder auch mal Schweinebraten mit Äpfeln aus dem Römertopf. Baguettes und selbst gemachte Kräuterbutter. Gegessen wird in der Küche.

Im Keller stehen Chips bereit. Die guten aus der grün-roten Tüte.

Getränke? Kein Korn, Bier, Schnaps und Wein. Wir feiern ohne Alkohol. Nicht, weil wir nicht gedurft hätten. Ok, hätten wir wahrscheinlich auch nicht. Aber es hat auch niemand das Bedürfnis danach.

Cola, Fanta, Apfelsaft. Gerne alles zusammen gemischt in einem Glas. Idealerweise mit Zitronenscheiben und Eiswürfeln. Ich bin einer von den ganz Harten, verzichte auf die Fanta und trinke Cola-Apfelsaft unverdünnt.




Dann mit dem alten Rennrad zu einem der Kumpel nach Hause, um dort zu übernachten. In späteren Jahren mit dem Mofa über Land die 10.000 Meter nach Hause fahren. Mit dem einzigen unfrisierten Mofa im Umkreis von 20 Kilometern. Mindestens.

Auswärts schlafen finde ich blöd. Wieder etwas, was sich nie ändern wird. Auch nicht als älterer, grauhaariger Herr.

Am nächsten Tag ist gemeinsames aufräumen angesetzt. Es wird auch eine kleine Party für sich. Reste am nächsten Tag durch Entsorgung im eigenen Magen vernichten hat auch etwas Zeitloses. Alle sind dabei, niemand ist ausgefallen.

Alles hat irgendwie einen Sinn.

Damals, bei uns, in den 1980ern.

Damals. Damals. Damals.

Rücksprung in die Gegenwart.

2015.

Alles ist anders.

Ich bin dann mal weg, um meine Krise auszuleben.





Donnerstag, 16. April 2015

Geregelter Verkehr

Ich befand mich gerade aktenschleppend – weil temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden - auf dem Rückweg von Indien (ihr wisst schon: der anderen Seite des Ganges im LASA) und bewegte mich leicht beschleunigten Schrittes an Dr. Strebsingers Büro vorbei, als aus dem schräg gegenüberliegenden Zimmer Maria herausschoss.

Durch meine blitzschnelle, geistesgegenwärtige Reaktion konnte ich ein Anbumsen Marias meinerseits verhindern und so dafür Sorge tragen, daß es zu keinem anstößigen Ereignis kam. Wäre ja auch schlecht, wenn man die Hände schon voll hat.

„He, Paterfelis! Rechts vor links.“

„Nix, hier ist Hauptstraße, und die hat Vorfahrt.“

„Du meinst also, ich bin die Gasse und muß warten?!“

„Ich hatte eher eine verkehrsberuhigte Zone im Sinn.“

„Ach so…“

So ging ich etwas langsamer meines Weges weiter, als ich von einer grinsenden Maria überholt wurde.

„Und überhaupt: So verkehrsberuhigt ist meine Zone gar nicht! Im Gegenteil.“

Nun denn. So genau wollte ich es nicht wissen. Ehrlich.




Mittwoch, 15. April 2015

Träume sind Schäume

*Plopp*


Mit etwas Phantasie habt ihr das Geräusch einer platzenden Seifenblase vernommen.


(Anm. d. Red: Dieser wertvolle Beitrag steht in keinem Zusammenhang mit den gestrigen Ergüssen. Danke fürs Lesen.)



Dienstag, 14. April 2015

Grübelei

Mut zum Risiko?

Ja?

Nein?

Vielleicht?

Die Chancen auf negativen Stress sind hoch. Aber es wäre eine positive Veränderung, wenn es denn mal klappt. Mehr als das Gesicht gibt es nicht zu verlieren.

Scheiße, verdammte.



Montag, 13. April 2015

Sorgen über Sorgen

Am Mülltag ist es in unserem Landkreis die Aufgabe der Hausbewohner, die Müllbehälter selbst vor die Tür zu bringen. Das spart dem Landkreis Kosten und der Müllabfuhr Zeit. Vor die Tür bringen bedeutet hier soviel wie, die Tonnen aus ihren Mülleimergaragen zu holen, denn niemand parkt hier die großen Behälter in irgendwelchen Kellerräumen. Im Regelfall teilen sich drei Parteien eine Mülltonne, beim gelben Müll fallen dann auch mal gerne zwei Tonnen an. Sonst gibt es keine losen Tüten, nichts weiter. Alles ist sauber und übersichtlich; hier stehen nur einige Drei- bzw. Sechsparteienhäuser.

Die komplette Nachbarschaft in unserer kleinen Stichstraße wird von einen Hausmeisterservice betreut. Dieser kommt pünktlich am Nachmittag vor dem Abfuhrtermin, holt die zur Leerung vorgesehenen Mülleimer einiger Häuer und stellt diese zentral an einer für den Müllwagen gut erreichbaren und ansonsten auch niemanden störenden Stelle in der Nähe unseres Carports in Reih und Glied auf.  Stramm stehen sie da, ausgerichtet wie die Zinnsoldaten. Je nachdem, was gerade ansteht, auch sortiert nach Inhalt, denn es gibt Tage, an denen zwei unterschiedliche Müllsorten geholt werden. Kurz nach der Leerung sind die Tonnen dann auch wieder nahezu unsichtbar verschwunden.

Nicht jedem Auswärtigen scheint es so zu gefallen. Und schon gar nicht Frau Kleinhüppgenreuthers jüngerer zweitgradigen Großcousine väterlicherseits.

Durch das Fenster mitgehört:

“Was stehen denn da für Mülltonnen? Das sind ja Unmengen! Nein, also wirklich. Das sieht ja furchtbar aus! Warum werden die denn alle an eine Stelle gestellt? Warum nicht so wie früher?
Jeder stellt seine Tonne vor sein Haus. Das ist doch viel hübscher!“

Na gut. Jeder so, wie er mag. Aber wirklich hübsch fände ich das dann auch nicht.




Donnerstag, 9. April 2015

Vermisste

„Du, Paterfelis, der Ökoklaus und ich gehen jetzt raus.“

„Gut, daß du Bescheid sagst. Den Ökoklaus hätte man bestimmt vermisst.“

„Mich nicht?“

„Sven, pass mal auf, es gibt da eine einfache Formel: Ökoklaus gleich groß und stattlich gleich Abwesenheit fällt auf. Sven gleich klein und schmächtig... Na, merkst du was?“

„Natürlich wird man mich vermissen.“

„Wie kommst du darauf.“

Sven zeigte auf seine Haare. „Hier. Signalfarbe Rot. Ich bin hier quasi der örtliche Leuchtturm.“

So sprach der Turm, während er einem aufrecht stehenden Sandwich gleich zwischen dem jeweils einen Kopf höheren Ökoklaus und mir stand.




Dienstag, 7. April 2015

97

Während seiner Mittagspause untersuchte mein geschätzter Kollege Ökoklaus sein Portemonnaie.

„Ha!“

„Sag bloß, du hast Geld gefunden.“

„Nein, aber etwas, was dir feuchte Augen machen wird.“

Na dann. Hoffentlich geht es jetzt nicht um unanständige Fotos von Frau Ökoklaus. Ich will ja nicht alles wissen. Wirklich nicht.

Während der Ökoklaus so sprach, fingerte er ein längeres Stück Papier, nicht unähnlich einem Kassenbon, aus den Untiefen seines transportablen Kleingeldspeichers und hielt es mir schließlich unter die Nase.

Es war tatsächlich ein Kassenbon.

„Hier!“

Mein Blick folgte dem Finger, bis selbiger an einer bestimmten Zeile verharrte.

Fleischtheke, 97 Euro.

„Wir haben über Ostern mit ein paar Freunden angegrillt.“

Danke; das wäre es dann, was mich für den Rest des Tages um meine Motivation bringen wird.



Montag, 6. April 2015

Pirol

Geht es euch auch so? Es ist ein Feier- oder ähnlicher mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbundener Tag. Man erledigt zumeist mit einem gewissen Missmut all jene Dinge, welche an solch einem Tag erwartet werden. Die Nation befindet sich im Aufbruch und besucht irgendwelche, zumeist aber verwandte, verschwägerte oder sonst wie familiär verbundene angehängte Menschen, die man sonst nicht übertrieben oft sieht. Und, weil es anders ja ziemlich blödsinnig weil unpraktisch wäre, verbleibt ein gewisser Teil nicht Aufgebrochener daheim und harrt dem Erscheinen der Aufgebrochenen. Irgend jemand muß ja auch die Tür aufmachen und den Besuch empfangen.

Spätestens am Folgetag, zumeist aber schon auf der Heimreise, kommen die Überlebenden des kollektiven aber doch - so rein global gesehen - getrennten Herdenzuges schließlich nicht umhin, über das in diesem Zusammenhang Wahrgenommene nachzudenken. Mal mehr und mal weniger intensiv, je nach persönlichem Gusto und intellektuellem Vermögen, aber doch irgendwie so.

Schlussendlich wird der Punkt erreicht, an dem sich zumindest bei mir ein Gefühl aufbaut. Dieses Gefühl ist das Resultat der in Jahrmillionen der Evolution entwickelten Fähigkeit des menschlichen Gehirns, in verzweifelten Versuchen unerklärlichen Dingen eine Erklärung zu geben.

Dieses so entstandene Gefühl sagt eindeutig aus, daß die höchsteigene Person die vergangenen Stunden ganz bestimmt als Nebendarsteller in einem Film von Loriot verbracht hätte. Zumindest ich bin häufiger dieser Überzeugung. Gut, das Wort häufigerist in meinem Fall zu relativieren, den so oft tummle ich mich ja nicht woanders herum. Aber nicht immer lässt es sich umgehen.

Später, im Auto auf dem Heimweg von einem solchen, eingangs näher beschriebenen Besuch befindlich, habe ich gegenüber der zweitbesten Ehefrau von allen mehrere Feststellungen getroffen:

  • Wenn wir später mal gewisse ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen sollten, wie sie uns gerade vorgelebt wurden, schlafe ich ab dem Moment der Erkenntnis desselben unter einer Brücke.

  • Sie möge darüber freundlicher Weise nicht lachen, denn die Alternative wäre, daß sie dann unter einer Brücke schlafen müsse.

  • Die nächsten 48 Stunden wünsche ich die Wörter Bewegungsmelder sowie Müsli nicht mehr zu hören oder anderweitig wahrnehmen zu müssen. Aus Gründen.


Warum ist eigentlich nicht jeder so normal wie ich? Die Welt könnte so schön sein.




Samstag, 4. April 2015

Wünsch mir was

Der eine oder andere Blogleser wird vielleicht mal ganz am Rande mitbekommen haben, daß ich mir ob der manigfaltigen Unbill, welche mir regelmäßig widerfährt, eine benzinbetriebene Kettensäge mit extra langem Blatt wünsche. Und eine Eishockeymaske. Und das alles, damit ich ganz spontan und ungeplant gemeinsam mit dem Ökoklaus und seiner Heidesense einen Amoklauf starten kann.

Lassen wir den Unfug.

Hinfort mit der Kettensäge.

Die Heidesense ist auch nur unpraktisch, wenn man mit ihr im Bus fährt.

Ich will das hier:


Spendenkonto auf Anfrage.









Donnerstag, 2. April 2015

Kurz vor Ostern ein fettes Ei

Frl. Hasenclever verteilte zur Mittagszeit Schokoladenhasen. Und zwar welche aus leckererSchokolade und nicht diese grässlichen Dinger, wie man sie uns früher in Form von dezembertauglichen Figuren hat zukommen lassen. Sehr aufmerksam, wirklich. Und auch nötig.

„Herr Paterfelis, Sie haben sich ja immer noch nicht beruhigt.“

Ich unterbrach meine Arbeiten am Aktenschrank.

„Bekomme ich endlich den zweiten Schrank? Dieser ist jetzt endgültig voll.“

„Nein, es gibt keine mehr, das wissen Sie doch. Außerdem wäre hier ohnehin kein Platz dafür.“

Was zweifellos zutreffend war.

„Gerade in der Dienstbesprechung, als Dr. Strebsinger seine neue Idee verkündet hat, habe ich extra versucht, mit Ihnen Blickkontakt aufzunehmen. Sie haben aber immer nur starr geradeaus geguckt.“

„Ja, das nennt man echte Selbstbeherrschung. War besser für alle Beteiligten.“

Zwei Stunden früher. Wir wenden uns an dieser Stelle zunächst gewissen Grundsätzen zu. Solche, wie sie Mutter Natur uns allen aufbürdet. Was geschieht zum Beispiel, wenn der akademisch geschulte Verstand eines Herrn Dr. Strebsinger auf den gesunden Menschenverstand der schuftenden Klasse, also der Praktiker im LASA, trifft? Beinahe das Gleiche, was auch stets geschieht, wenn Materie auf Antimaterie trifft: ein Unglück.

In unserer Dienstbesprechung verkündete Dr. Strebsinger seinen neuesten Plan. Er wünschte, daß einige organisatorische Dinge, die ich hier jetzt nicht ausbreiten werde, um den Rahmen nicht zu sprengen, in unseren verschiedenen Fachbereichen angeglichen werden. Aus grundsätzlichen Erwägungen. Es soll aber auch die Arbeit in bestimmten Situationen erleichtern. Immerhin.

Das Problem dabei ist, daß die Strukturen und Arbeitsabläufe in meinem Fachbereich nun doch stellenweise etwas anders sind, als die jenes Bereiches, welcher Auslöser für die Änderungen war. Was dem einen Bereich eventuell hilft, schadet uns eher. Dr. Strebsinger hat einfach keine Ahnung von unserer Arbeit, wie er wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Aber egal, Hauptsache einheitlich. Ohne das vorher mit Leuten zu besprechen, die sich damit auskennen.

Ich habe dann heute drei Stunden damit zugebracht, die praktischen Grundlagen für die Umorganisation zu schaffen. Diese Zeit hätte ich sinnvoller verbringen können. Und auch die Zeit, die ich künftig mehr benötige, um das alles beizubehalten. Ohne einen Gewinn davon zu haben.

Aber wo Schatten ist, muß auch Licht sein. Dieses Licht habe ich dann auch gefunden. Ich konnte nämlich den Beweis erbringen, daß die frostige Stimmung einiger Kollegen und auch von mir die Einheitengrenzmarke von Null unterschreiten kann.

Kelvin, wohlgemerkt.



Mittwoch, 1. April 2015

Mimimi

Prüfungstag in der Trainerschule. Die zweitbeste Ehefrau von allen weilte dem Ereignis als Aerobic-Kursteilnehmerin der Prüfungsstunden sowie als Einzelprobandin für die eher individuelleren Trainings der Prüflinge teil. Mehrfach. Über mehrere Stunden verteilt. Quasi den ganzen Tag über. Daß sie nach ihrer Heimkehr so etwas wie eine multiple Persönlichkeit hatte lag vermutlich nicht nur daran, daß sie als Probandin unterschiedliche Typen darstellen sollte.

Natürlich war der zu erwartende Muskelkater pünktlich am nächsten Morgen da. Auch nach einer vor mir vorgenommen Lymphdrainage wurden die Nachwehen des vorherigen Tages weiterhin sehr nachdrücklich intoniert.

„Mimimimi.“

„Hmmmm.“

„MIMIMIMIMI.“

„Der vergeht auch wieder.

„Na toll, aber wenn du mal wieder einen Schnupfen hast...“

„He, das kann man gar nicht vergleichen. Oder kennst du jemanden, der schon mal an Muskelkater gestorben ist?“

„Ja!“

Glaube ich nicht.