Montag, 30. März 2015

Offenen Auges und ganz direkt

Die große Dienstbesprechung stand an. Etwas weniger zeitig als sonst, aber immer noch überaus pünktlich, betrat ich den Raum. Vor mir wuselte so ein kleines Etwas aus der Assistentenebene, Tarnname Wuschelpuschel, herum und wollte sich setzen.

„Nein, das geht nicht, da sitzt doch immer Kollege Laumann.“

„Dann eben hier.“

„He, das ist mein Platz.“

Zack, vorbei. Besetzt.

„Pech!“

Von der Seite hörte ich nur ein „Setz‘ dich einfach drauf.“

Gut, einen kurzen Moment überlegte ich, sympathisierte dann mit dem Gedanken, nur um schließlich auf das eigentliche Problem an der Sache zu stoßen.

„Sven?“

„Ja?“

„Willst du wieder Vertretungtemporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden machen?“

„Auf keinen Fall!“

Thema erledigt. Ich bin eben doch ein mitfühlender Mensch. So setzte ich mich an das Kopfende, direkt gegenüber von Dr. Strebsinger. Oder war es unter diesen Umständen die Fußseite? Egal, ich würde jetzt während der Besprechung genügend Zeit haben, darüber innerlich zu  reflektieren. Wobei das Ergebnis schon vorher feststand: zu Dr. Strebsingers Füßen würde ichnicht sitzen.

„Oh, Herr Paterfelis, wir sitzen heute mal Auge in Auge gegenüber.“ hörte ich Dr. Strebsingers Stimme. „Da können wir uns ja mal direkt ins edle Antlitz sehen und nicht immer nur so seitlich.“

Ich grinste nur dümmlich schweigend zurück.

„Ich sagte: Direkt! Ins! Edle! Antlitz! Sehen!“

„Keine Sorge, Herr Dr. Strebsinger, das halte ich aus. Ich bin hart im Nehmen.“

…und so ganz nebenbei der ungekrönte König der Niederstarrer. Da wollte ich nur mal drauf hingewiesen haben.



Kommentare:

  1. Na toll. Jetzt hab ich Angst vor dir...

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    1. Aber nicht doch. Nicht. Doch. Oder so.

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    2. Ich würde das ja mit meinen Katzen üben. Aber wer weiß, vielleicht verschaffen sie sich dann Zutritt zu meinem Schlafzimmer und schnurren mich zu Tode. Oder begraben mich unter einer Halde von Katzenhaaren...

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    3. Insbesondere jetzt - zum Fellwechsel. *seufz*

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