Sonntag, 15. März 2015

Gruß aus der Küche - Apfel-Quark-Auflauf

Der Tag war bislang zum Wegschmeißen. Ich hatte nur wenig und mit zahlreichen Unterbrechungen geschlafen, dafür aber umso wilder und vor allen Dingen nachhaltiger geträumt. Mein Rücken tat weh, die Schulter schmerzte und zumindest mein Fuß, der sich in den letzten Tagen wieder verhalten gemeldet hatte, zeigte starke Tendenzen, sich wieder zu beruhigen. Alles klare Anzeichen dafür, daß man noch lebt, wenn man der alten Weisheit trauen darf.

Ich erinnerte mich, daß Sonntag war. An sich Sporttag, aber wenn ich aus irgendwelchen Gründen körperlich oder mental angegriffen bin, wäre es ein vollkommen sinnloses Unterfangen, den Sporttempel besuchen zu wollen. In diesen Momenten steht bei mir wieder alles auf drohende Panikattacke, also bleibe ich mal besser zu Hause.

In der kommenden Woche wird es erstmals seit Jahren wieder soweit sein, daß ein Gast unsere Wohnung betritt. Mal abgesehen von zwei Herrschaften eines örtlichen Sozialkaufhauses, welche uns einen hier nicht mehr benötigten Schrank abgenommen hatten. Aber das war nur ein kurzes Reinraus. Dieses Mal sollte die Wohnhöhle etwas präsentabler aussehen. Die zweitbeste Ehefrau von allen will eine Studentin der Trainerschule noch an mehreren abendlichen Terminen auf ihre Prüfung vorbereiten.

Meine Anwesenheit war da nicht erforderlich. Ich hätte zur geplanten Lernzeit der beiden Nachteulen auch nichts Sinnvolles beitragen können. Alles soweit kein Problem. Aber etwas aufräumen kann nicht schaden, was ich in Rahmen meines Tagewerkes schon mal auf den Weg gebracht habe. Dazu das Übliche: Katzenscheiße schaufeln, Spülmaschine aus- und wieder einräumen – oder auch  mal umgekehrt – und verschiedene Dinge mit der Schmutzwäsche anstellen, die man halt so anstellt, damit diese wieder zur Frischwäsche wird. Und zwölf Pakete Katzenstreu die Etage wechseln zu lassen hatte auch was von Rückentraining. Es wirkte hier schmerzbefreiend, nur der Schulterbereich… ach, lassen wir das einfach.

Aber nach so einer verdatterten Nacht erwies sich mein Tun als ausnehmend unfallträchtig. Stoßen, stechen, fallen lassen, insbesondere Letzteres in steter Wiederholung. Keine gute Voraussetzung, sich in der Küche in ernährungstechnischer Hinsicht produktiv zu betätigen. Dennoch bin ich es in nahezu heldenhafter Manier angegangen.

Im Kühlschrank lagen noch zwei Pakete Magerquark, welche so langsam mal verwendet werden mussten. Abgelaufen September 2014, verkostet im März 2015 und für ausnehmend gut befunden.  

Also ran.




Man nehme:

1 kg Äpfel
Butter
6 Eier
80 g Zucker
500 g Quark
20 Löffelbiskuits

Zunächst die Äpfel schälen, ohne sich dabei ernsthafter zu verletzen. Dank unseres Sparschälers kann ich hierzu einen Erfolg vermelden. Danach die Äpfel entkernen und in Würfel schneiden. Alles in einen Topf geben und mit der Butter andünsten. Den Topf zur Seite stellen und abkühlen lassen.

Abwarten, daß die Angetraute Anstalten macht, das Bett zu verlassen, um nach Absolvierung der weiteren Arbeitsschritte ein frisch zubereitetes Endprodukt auf den Tisch stellen zu können.

Nach dem Öffnen der Tür des Mädchenzimmers von innen her von außen feststellen, daß es an der Zeit ist, weiterzumachen.

Eigelb und Eiweiß trennen. Einmal Pech dabei haben und das mit Eigelb kontaminierte Eiweiß mit dem Eigelb später weiterverwenden ist in Ordnung; das kann ich so bestätigen.

Die Eigelbe und das kontaminierte Eiweiß eines einzelnen Eis mit dem Zucker verrühren. Nun den Quark nochmal probieren, ob er sechs Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums wirklich noch gut ist. Feststellen, daß keine sensorischen und optischen Mängel vorliegen, welche einer weiteren Verarbeitung im Weg stehen. Den Quark mit den Zuckereiern dem Eierzucker verrühren.

Der nächste Arbeitsschritt erfordert Sicherungsmaßnahmen. Vor dem Öffnen des Schranks, in dem die Löffelbiskuits lagern, erscheint es angebracht sich dahingehend zu vergewissern, daß die zweitbeste Ehefrau von allen – gleich mit welchen Methoden – nicht auf das Vorhandensein einer geöffneten Packung des beschriebenen Backwerks aufmerksam wird. Die gesicherten Löffelbiskuits zerbrechen und mit den Äpfeln unter das Quark-Zucker-Ei-Gemisch heben. Eine gewisse Freude darüber, daß die gewählte Schüssel zumindest gerade so die erforderliche Mindestgröße zur Umsetzung des erforderlichen Tuns erreicht hatte, ist an dieser Stelle durchaus zulässig.

Nun das Eiweiß steif schlagen und den Über-Kopf-Test bestehen lassen. Jawoll, hält. Gut so. Pechsträhne vorbei. Das Eiweiß folgerichtig unter die anderen Zutaten heben, in eine Auflaufform geben und bei 180 Grad für 45 Minuten im Ofen backen.

Beim groben Ausspülen der Schüsseln darauf achten, daß der Besteckkorb, welcher nicht mehr in die Spülmaschine passte, im Spülbecken zwischengelagert wurde. So ein schwungvoller Stich mit einer dort abgestellten Gabel zwischen die Finger erinnert schnell daran, daß die Serie gewisser Ungeschicklichkeiten entgegen anderslautender Annahmen weiterhin nicht abgeschlossen ist.

Abschließend den Auflauf von der inzwischen hungerleidenden zweitbesten Ehefrau von allen aus dem Ofen nehmen und warm servieren lassen, während man die Wäsche aus der Waschmaschine holt, welche natürlich zum unpassendsten Moment fertig geworden ist.








Kommentare:

  1. "Über-Kopf-Test"? Du bist aber mutig! Quark der 6 Monate nach MDH noch geniessbar ist? Aus welchem Labor kommt der? ;-)
    Ansonsten bleibt mir nur noch einen schönen restlichen Sonntag, gute Besserung und guten Appetit zu wünschen ;-)

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    1. Viele Dinge sind lange über MHD noch haltbar. Einfach probieren - und dann erst wegwerfen. Und was den Test angeht: Entweder man weiß, was man tut, oder man weiß es nicht. Ist Eiweiß nicht gut für die Haare?

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    2. Nachtrag: Vier Stunden nach dem ersten Verzehr des Quarks lebe ich noch.

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    3. Solange die Verpackung intakt ist, kann man viele Speisen auch lange nach dem Haltbarkeitsdatum noch essen. Hab ich selbst schon ausprobiert und wie man sieht überlebt :-) .

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    4. Wenn sie das nicht wären, könnte hier niemand irgendwas lesen... Wir sind beide Verfechter der praktischen Lösungen. Sieht es normal aus, riecht es normal und schmeckt es normal? Dann kann es nicht schlecht sein.

      Was haben wir schon an Geld gespart, weil wir "Beute" aus den Märkten mitnehmen...
      Bei uns ist es üblich, dass Lebensmittel kurz vor dem Ablauf um mindestens 30% im Preis reduziert werden. Diese Lebensmittel nennen wir "Beute" und freuen uns, wenn wir sie erhaschen. :-)
      Dadurch haben wir außerdem schon so manches probiert, was wir sonst nie gekauft hätten. Allerdings auch gelernt, dass nicht alles was teuer ist, auch tatsächlich seinen Preis wert ist...

      Oft werden wir von anderen Kunden schräg angeschaut, nach dem Motto "das können die doch nie bis morgen/übermorgen aufessen". Tja - die heutige Wegschmeißgesellschaft lässt grüßen.

      Eine Kollegin vom Göttergatten (die hier mitliest - *wink*) würde - glaube ich - niemals irgendetwas bei uns essen. Sie ist eine Verfechterin der "um Mitternacht ist es Müll weil schlecht"-Fraktion.

      Nur eine Ausnahme von unserer Regel haben wir bisher gemacht: eine Tomate.
      Die lag Monate (ECHT! Keine Übertreibung!) im Kühlschrank und hatte sich kein bisschen verändert. Nach ein paar Wochen wollten wir eigentlich nur noch wissen, ob sie irgendwann damit anfängt, aber letztendlich haben wir sie dann dem Kompost übergeben ohne ein Ergebnis zu erzielen. Und nein, sie war nicht aus Plastik! *schauder*

      Ach so: von unserer Regel sind ein paar wenige Lebensmittel ausgenommen. Hackfleisch zum Beispiel. Das ist mir einfach zu gefährlich und nach einer vor vielen, vielen (VIELEN! OMG ich werden alt!) Jahren erlebten Lebensmittelvergiftung möchte ich dieses Risiko nicht unbedingt nochmal eingehen...

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    5. Hallo :)
      Danke für die ausführliche Erklärung zum MHD - ich hab auch nicht gedacht, dass die Sachen jetzt gleich ab Ablaufdatum schlecht sind, aber dass ein Quark solange noch haltbar ist, wusste ich wirklich nicht. Gut zu wissen! Das mit der Tomate ist erschreckend, die hat hoffentlich nicht den Kompost vergiftet :-)))

      @Paterfelis: Wie schön, dass Du noch unter uns weilst! :-)

      Liebe Grüsse :)

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  2. @zweitbeste Ehefrau von allen
    Tomaten sind tükisch: Die können - solange die Haut nicht verletzt ist - normal aussehen wie nicht was. Den Unterschied merkt man, wenn man dann versucht, reinzuschneiden: Dann raucht`s nämlich! Also so richtig mit einem leisen (und spürbaren) *PUFF*.
    Allerdings ohne Selbstentzündung oder so.
    Ist gruselig.

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    1. Uääähhh!!!
      Molly!!!
      Jetzt ist mir aber echt übel...
      Wie gut, dass wir diesen letzten Beweis nicht eingefordert haben...
      Danke für die Warnung!
      *wurgs*

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  3. *lach* Also so es sich nicht um Hackfleisch oder Fisch handelt, schaue ich ja auch 1-2 Tage nach dem MHD, ob die Sachen noch gut sind. Aber der Quark? Respekt. Das ist echter Alltagsnervenkitzel, dagegen ist Rambo ein Weichei. ;D Wunderbar sind hier die Diskussionen mit Herrn A., der am liebsten alles drei Tage vor Ablauf des MHDs wegwerfen möchte. *g*

    Das mit den Tomaten habe ich ja noch nie gehört. Klingt gruselig. So gruselig, dass ich mal eine Tomate zur Seite lege, um das auszuprobieren. ;)

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