Donnerstag, 19. März 2015

Buchstabenwirrwarr - Eine Einführung

Die hohe Kunst nicht nur des öffentlichen Verwaltungshandelns ist es, den ganzen Papierkram, gleich ob echten oder nur noch virtuellen, zu sortieren und einzuordnen. Zu eben diesem Zweck hat die Natur den Bürokraten mit Aktenzeichen gesegnet. So ein Aktenzeichen heißt zwar nicht immer und überall Aktenzeichen, weil kreative Köpfe meinten, daß sich Aktenzeichen nun doch irgendwie doof anhört und Kundennummer vielleicht viel cooler wäre, aber letztendlich bleibt es dabei, gleich wie man es nennt. Das Aktenzeichen ist der Name der Akte und damit Basis eines jeglichen Verwaltungshandelns. Ohne Aktenzeichen keine Akte. So einfach ist das.

(Es mag Verwaltungstheoretiker geben, welche den Antrag als Basis jeglichen Verwaltungshandelns sehen, aber das ist unbewiesener Unfug. Zuerst kommt das Aktenzeichen und dann machen wir uns Gedanken, was wir damit anstellen.)

Im LASA verwenden wir ebenfalls solche als Kundennummer titulierten Aktenzeichen, um unsere Kundschaft auch als Kunden identifizieren zu können. Ohne Kundennummer keine Kunden. Das Prinzip setzt sich also fort. Das Drollige dabei ist, daß unsere Kundennummern nicht nur aus Nummern, also einer Ziffernfolge, bestehen, sondern auch aus Buchstaben, welche ich klassischerweise nicht als Nummer, erst Recht nicht als Ziffer und schon gar nicht als Zahl identifizieren kann. Damit fällt für die Puristen unter uns schon ein bedeutungsschwangerer Schatten auf die Begrifflichkeit Kundennummer.

Wobei ich durchaus an dieser Stelle ohne tiefere Not oder auch nur dem Ansatz eines solchen Erfordernisses einräume, daß es bei der Abgrenzung zwischen O wie Otto und 0 wie Nulpe Null durchaus schon mal Probleme entstehen könnten. Wenn ich denn nicht genau wüsste, daß an eben dieser Stelle, an der ich dieses kreis- bis zuweilen ovalförmige handschriftliche Gekrakel meiner Kollegen Symbol vorgefunden habe, grundsätzlich ein Buchstabe zu stehen hat. Oder eben eine Ziffer. Aber es besteht niemals und auf gar keinen Fall die Chance auf ein entweder-oder. Das ist fester geschrieben als ein Naturgesetz. Das ist eine Verwaltungsdurchführungsverordnung. Also im Prinzip eine ganz einfache, schon beinahe simple Sache.

Wie jedermann weiß, der schon mal mit Behörden zu tun hatte, ist des öffentlich Bediensteten ebenso wie des öffentlich Arbeitnehmenden – ja, man muß es unterscheiden, denn Beamte sind nun mal keine Arbeitnehmer im engeren Sinne – schönste Freude, Arbeit auf andere abzuwälzen. Was im Übrigen auch stets das erste ist, was man in seiner Ausbildung zur Befähigung der Ausübung einer einfachen über einer qualifizierten bis hin zu einer hochqualifizierten Verwaltungstätigkeit lernt.

Zu diesem Zwecke hat die Natur unmittelbar nach Erfindung des Aktenzeichens auch gleich die Zuständigkeit mit hervorgebracht. Zur weiteren Durchführung der dauerhaften Verteilung wie auch der temporären oder der dauertemporären  Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden hatten es die Altvorderen für sinnvoll erachtet, den Sachbearbeitern eine solche Zuständigkeit angedeihen zu lassen. Und in Folge dessen nun mal auch eine Unzuständigkeit, womit wir wieder am Anfang des aktuellen Gedankenganges angekommen wären. Diese Feinsortierung zwischen Zuständigkeit und Unzuständigkeit erfolgt im LASA nach den bereits erwähnten Buchstaben.

(Es gibt ja diese blöde Weisheit, nach der schlechte Dinge mit Un- anfangen sollen. Wir haben hier aber eindeutig den Beweis, daß dies nicht stimmt. Denn Unzuständigkeit fängt auch mit Un- an. Und daran erkenne ich nichts schlechtes, soweit es mich betrifft.)

Warum ich das alles erzähle? Weil ich es kann so will. Und natürlich, um einen Einstieg in die Geschichte zu haben, die letztendlich wesentlich weniger umfangreich sein wird als ihr Vorwort. Ja, ich bin schon manchmal ein schräger Vogel.

Und da nun schon eine Textseite von, mit und über Buchstaben belegt wurde, greift die hier von mir selbst erstellte Bloggereidurchführungsverordnung, welche besagt, daß ein Text nur in Ausnahmesituationen mehr als eine Seite zu umfassen hat und er ansonsten auf mehrere Teile aufzusplitten ist.

In diesem Sinne: → wird fortgesetzt



Kommentare:

  1. Hervorragend formuliert, Herr Paterfelis! So und nicht anders isses. Man könnte höchstens noch hinzufügen, dass das Stapeln von Akten zur Vortäuschung von Arbeitsüberlastung auch eine der ersten Regeln ist, die man in der Ausbildung lernt. ;-) Schönes Wochenende und lieben Gruß - H.

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    1. Aber keineswegs. Da ich mich ja hier ständig über meine Aktenstapel, Aktentürme und Aktenmauern auslasse, könnte das sonst den Eindruck erwecken, meine Arbeitsüberlastung sei auch nur vorgetäuscht. Und eine solche Verdächtigung könnte ich nur mit massivem Nachdruck von mir weisen.

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  2. Ich empfehle dir, aus Gründen, die offenbar grandios gelungene mehrteilige Buchveröffentlichung "Das Büro", im niederländischen Original "Het Bureau", Leider sind erst zwei von 7(?) Bänden übersetzt, aber ich lauere, ich lauere. War ein Riesenhit in Holland, mit 550.000 verkauften Exemplaren, und "spielt" in einem Institut für Völkerkunde.
    Unzuständigkeit ist auch für mich ein Zauberwort... sachlich, örtlich und instantiell.

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    1. Ist vorgemerkt. Und jetzt erst mal einen Klassiker einschalten: Büro-Büro.

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    2. Die Amzonen behaupten übrigens, daß es mittlerweile drei Übersetzungen gibt. Du weißt, was du jetzt zu tun hast. :-D

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