Montag, 30. März 2015

Offenen Auges und ganz direkt

Die große Dienstbesprechung stand an. Etwas weniger zeitig als sonst, aber immer noch überaus pünktlich, betrat ich den Raum. Vor mir wuselte so ein kleines Etwas aus der Assistentenebene, Tarnname Wuschelpuschel, herum und wollte sich setzen.

„Nein, das geht nicht, da sitzt doch immer Kollege Laumann.“

„Dann eben hier.“

„He, das ist mein Platz.“

Zack, vorbei. Besetzt.

„Pech!“

Von der Seite hörte ich nur ein „Setz‘ dich einfach drauf.“

Gut, einen kurzen Moment überlegte ich, sympathisierte dann mit dem Gedanken, nur um schließlich auf das eigentliche Problem an der Sache zu stoßen.

„Sven?“

„Ja?“

„Willst du wieder Vertretungtemporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden machen?“

„Auf keinen Fall!“

Thema erledigt. Ich bin eben doch ein mitfühlender Mensch. So setzte ich mich an das Kopfende, direkt gegenüber von Dr. Strebsinger. Oder war es unter diesen Umständen die Fußseite? Egal, ich würde jetzt während der Besprechung genügend Zeit haben, darüber innerlich zu  reflektieren. Wobei das Ergebnis schon vorher feststand: zu Dr. Strebsingers Füßen würde ichnicht sitzen.

„Oh, Herr Paterfelis, wir sitzen heute mal Auge in Auge gegenüber.“ hörte ich Dr. Strebsingers Stimme. „Da können wir uns ja mal direkt ins edle Antlitz sehen und nicht immer nur so seitlich.“

Ich grinste nur dümmlich schweigend zurück.

„Ich sagte: Direkt! Ins! Edle! Antlitz! Sehen!“

„Keine Sorge, Herr Dr. Strebsinger, das halte ich aus. Ich bin hart im Nehmen.“

…und so ganz nebenbei der ungekrönte König der Niederstarrer. Da wollte ich nur mal drauf hingewiesen haben.



Samstag, 28. März 2015

Saisoneröffnungen und kein Ende

So langsam müsste ich mich wirklich mal um den Garten kümmern. Eine grobe Sichtung aus dem Esszimmerfenster führt mir die Wahrheit vor Augen. Das Unkraut ist da. Da kann im Winter eine Eiszeit und im Sommer eine Höllenhitze, gepaart mit einer Trockenheit, wie sie im Tal des Todes typisch ist, drüberfegen - das Unkraut hält stand, während alles andere elendig verreckt.

Ach ja, die leere Bierflasche, die ein Unbekannter irgendwann im Dezember in unserem Garten abgestellt hat, steht auch noch da rum. Hat auch was Positives, denn das beweist, daß hier nicht geklaut wird. Zumindest keine leeren Bierflaschen.

Wie der kundige Blogleser weiß, zählt Gartenarbeit zu den für mich schwierigen Dingen. Dabei geht es mir nicht um die körperliche Arbeit als solche. Die halte ich zwar auch nicht für ein Unterhaltungsprogramm mit Wellnesseffekt, sortiere sie aber eher unter die Kategorie Lästig ein denn unter Schwerstarbeit.

Mein bekanntes Problem liegt eher darin begründet, daß der Garten insgesamt fast schon naturgemäß draußen angelegt ist, außerhalb meiner eigenen vier Wände. Drei Seiten des Hauses sind von diesem Garten umgeben. Von allen Seiten kann die Nachbarschaft mein Tun beobachten.

Ich hasse das. Selbst dann, wenn sie mich nicht anquatschen. Und irgendein Anquatscher ist immer dabei.

Um diese Gefahr zu minimieren, kann ich nur versuchen, die Dinge früh am Morgen  zu regeln. Nicht zu früh, um nicht in die Nachtruhe zu fallen, aber auch nicht zu spät, wenn das Leben um mich herum losgeht. Bevorzugt sonntags, aber danach habe ich wahrscheinlich keine Lust mehr, zum Sport zu fahren. Samstags ist eher unglücklich, weil dann die halbe Nachbarschaft schon in aller Frühe loszieht, um Brötchen zu kaufen.

Meine letzte Hoffnung auf mir dienliche äußere Umstände wurde gerade zerschlagen. Ich habe mir die Wettervorhersage angesehen, welche eindeutig Regen prognostiziert. Aber erst am Nachmittag. Also keine Rettung in Sicht.

Blöd.

Die Regenwahrscheinlichkeit für die mir genehme Zeit zwischen 7.00 und 8.00 Uhr tendiert gegen Null.

Saublöd.

Aber was sehe ich da? Die Temperaturen sollen nicht über 5 Grad rausgehen. Eindeutig zu kalt für Gartenarbeit, oder? Seht ihr bestimmt genauso.

Nicht?

Mist!

Ich gehe dann mal duschen und schau, was das Schicksal für mich bereithält. Sofern ihr gleich einen Irren mit einer leeren Bierflasche beobachtet, der Unkraut jätet noch bevor die Sonne voll am Himmel steht, dann…

…bin das wohl ich.



Freitag, 27. März 2015

Ekel

Werte Medienvertreter und Rampensäue,

ihr kotzt mich an. Wieder einmal. Wie so oft.

Und wenn ihr die Gründe dafür noch nicht mal selbst erkennt, dann tut ihr mir Leid.

Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.



Donnerstag, 26. März 2015

Recht so

Die Neustädter Öffentlicher Personennahverkehrsgesellschaft hatte mich in die Nähe der heimischen Gestade gebracht. Wie immer war es an mir, die letzten steilen Meter bergauf, welche sich  wie elendige Kilometer anfühlen, zu Fuß zu bewältigen.

Auf halbem Weg stand Frau Lewandowski, unsere Nachbarin von nebenan, mit ihrem Sprössling auf dem Bürgersteig. Letzterer widmete sich hingebungsvoll seinem Dreirad, bis er mich bemerkte und mit großen Augen ansah. Während ich Mutter und Kind passierte, grüßten wir uns kurz aber freundlich.

Nach wenigen weiteren Schritten hörte ich von hinten noch Frau Lewandowskis Stimme.

„Ja, das ist der Papa von der Katze.“

Jau, stimmt irgendwie. Sie hätte ja auch sagen können, daß ich der Typ mit dem Garten bin, der mal wieder Unkraut jäten sollte.

Aber so ist es wohl besser.



Mittwoch, 25. März 2015

Noch eine Saisoneröffnung

Die zweitbeste Ehefrau von allen tummelte sich in einem jener wohlbekannten Großmärkte, zu denen man nur mit Besucherausweis Zugang erhält, den anscheinend aber jeder Hinz und Kunz - aus welchen Gründen auch immer - zu besitzen scheint. Dieses Mal war es das Ansinnen meiner Angetrauten, einen Laserdrucker käuflich zu erwerben, denn wir hatten zwischenzeitlich festgestellt, daß die üblichen Tintenstrahldrucker aus verschiedenen Gründen für Selbständige eher suboptimal geeignet zu sein scheinen. Was selbstverständlich auch für denjenigen gilt, den wir bereits unser Eigen nennen. Wie denn wohl auch anders? Natürlich.

Da ihr Rückweg ohnehin in der Nähe des hier im Blog allseits bekannten kleinen gemütlichen Büros vorbeiführte, sich die Feierabendzeit näherte und der Paterfelis-Mitbewohnerinnen-Wohnungsschlüssel überdies sicher verwahrt an der Innenseite der zu eben dieser Wohnung gehörenden Wohnungstür hing, unterbrach meine Angetraute ihre Fahrt in Neustadt, um meinen Haustürschlüssel und mich dort aufzulesen.

In Balduins Inneren ließ sich schon erahnen, daß mehr als nur der Drucker gekauft wurde. Die Atmosphäre war irgendwie erfüllt von…


Endlich war wieder Saison. Wenn wir denn schon aus Gründen des Schutzes unseres Umfeldes schweren Herzens und viel zu oft auf die Verwendung von Knoblauch verzichten, dann muß wenigstens der Bärlauch herangekarrt werden, wann immer es ihn gibt. Und er würde gleich am Abend zu Pesto verarbeitet werden, was bei konsequenter Umsetzung wieder meinen heiligen, genau aufeinander abgestimmten Wochenspeiseplan in gewisse Bedrängnisse brächte.  

Nachdem wir Balduin im Carport abgestellt hatten, wurde mir auch direkt der riesige Karton in die Hand gedrückt, welcher den neuen Drucker beherbergte, während meine Angetraute sich die Tasche mit dem Bärlauch und einigen anderen Beutestücken nahm.

Auf dem Weg zum Haus begegneten wir den frisch verwitwerten Herrn Knutsen. Er strahlte Normalität aus, beschäftigte sich mit den in seinem Carport unter der Decke hängenden Fahrrädern. Meine Angetraute plauderte mit ihm, während meiner druckerkartonundinhaltbelasteten Arme immer länger wurden, und fragte, ob er auch etwas von unserem Bärlauchpesto haben wolle, da bei uns eine kurzfristige Überproduktion zu erwarten sei. Er lehnte höflich und dankend ab; sein Gesicht sprach Bände. Bärlauch schien nicht auf seiner persönlichen Hitliste schmackhafter Dinge oben angesiedelt zu sein. Macht nichts, dann bleibt eben mehr für uns.

Und jetzt wird es Zeit, die ganzen anderen Bärlauchrezepte wieder auszugraben.

Es muß ja nicht immer Pesto sein.



Dienstag, 24. März 2015

Vorsaisonale Kreativlosigkeit

Ja, bald ist Ostern. Interessiert mich aber nur am Rande. Die Tatsache, also die mit Ostern, nicht das Desinteresse daran, habe ich eindeutig feststellen können. Bei Feinkost Albrecht gibt es jetzt nämlich dicke bunte Eier (Text wegen inhaltlicher Mängel in der Aussage gestrichen; die bunten Eier gibt es ja ganzjährig und sind damit kein allgemeingültiges Indiz auf anstehende Osterfestivitäten) Baumstämme. Osterbaumstämme. Osterschokoladenbaumstämme, um halbwegs genau zu sein.

Kennt ihr nicht?

Kannte ich bislang auch nicht. Zumindest ist mir in den letzten Jahren nicht bewusst aufgefallen, daß es die gibt, was aber einen meinen nachfolgenden Ausführungen auch nichts ändern würde.

Ihr wisst immer noch nicht, was ich meine?

Na, das hier:




Der kundige Blogleser wird sich bei entsprechender Gedächtnisleistung daran zu erinnern vermögen, daß es zu meinen wenigen aber umso langjährigeren Weihnachtstraditionen gehört, mir alljährlich einen bis zwei dieser Schokoladen-Nougat-Marzipan-Baumstammblöcke vom Feinkosthändler zu beschaffen und verteilt über mehrere Monate zu verdrücken.




Nun habe ich bei einem unserer letzten Einkaufszüge eben einen derartigen Stamm gefunden. Einen Osterschokoladenbaumstamm namens Osterzauber, welcher eine frappierende Ähnlichkeit mit einem Weihnachtsschokoladenbaumstamm namens Weihnachtstraum aufweist.




Von einer gewissen leichtfertigen Neugier getrieben ließ ich einen solchen Osterschokoladenbaumstamm über das Kassenlaufband wandern, um ihn zu Hause einer näheren Begutachtung zu unterziehen.

Das nicht unerwartet enttäuschende Ergebnis lautet: Die Dinger sind identisch. Ab-so-lut identisch. Fast schon genetische Zwillinge. Nur in anderer Kleidung Verpackung und mit anderem Namen versehen. Soll bei Zwillingen ja mal vorkommen und vereinfacht auf gewisse Weise auch eine Unterscheidung.

Aber das hier? Näääähh, das ist einfach nur kreativlos. Einschmelzen und neu gießen, so wie bei den alten Schokoladenweihnachtsmännern, denen man ja nach uraltem Volksglauben ein zweites Leben als Schokoladenosterhase beschert, hätte man als umworbener Verbraucher ja schon erwarten können.

Geschmeckt hat der Osterschokoladenbaumstamm trotzdem. Genau wie der etwas lebensältere Weihnachtschokoladenbaumstamm auch. Und was lernen wir daraus? Ein Wintertraum kann auch zu Ostern verzaubern. Kauft die Reste der Weihnachtsschokolade nach dem Fest billiger ein und esst sie zu sechs Wochen nach Karneval.

Was mich daran erinnert, hier im Schrank immer noch einen der von meinen Schwiegereltern letztes Ostern an uns verschenkten Schokoladenosterhasen herumstehen zu haben. Na ja, vielleicht schaffen wir den ja dann mal zu Weihnachten. Wir können ihm ja ein rotes Mützchen aufsetzen und einen Rauschebart umbinden...




PS: Bei diesem Test wurden übrigens etwa fünfzillionen Kilokalorien für die kommende Winterweihnachtssaison nachhaltig in eine wärmespendende biologisch-ökologisch-umweltneutrale sowie feinstaubfreie ergänzende Körperschutzschicht umgewandelt.





Sonntag, 22. März 2015

Das alte Schema

Wie ich bereits erwähnt hatte, stand hier eines jener selten gewordenen Ereignisse an. Das letzte derartige Ereignis ist über zwei Jahre her. Besuch wurde erwartet. Kein Besuch für mich, sondern für die zweitbeste Ehefrau von allen. Ich wäre an der Sache weitgehend unbeteiligt und plante, mich zeitig zurückzuziehen. Das hatte ich hier ja bereits erwähnt. Und damit sollte die Sache für mich ausgestanden sein. Besuch zu empfangen war schon in der Vergangenheit nichts, dem ich gelassen entgegensehen konnte. Aber immer noch besser, als irgendwo anders selbst der Besucher zu sein. Immerhin habe ich hier den Heimvorteil in Form einer vertrauten Umgebung.

Wie gesagt, bin ich davon ausgegangen, dieses Mal etwas entspannter damit umgehen zu können als in den Jahren zuvor. Die Besucherin selbst war mir auch nicht gänzlich unbekannt; ich habe sie schon mal im Rahmen einer meiner Vortragstage in Rajivs Trainerschule kennen gelernt. Ein weiterer Punkt auf der Bonusseite.

Aber natürlich aktivierte sich das alte Schema wieder.

Wie so üblich bringt man die Wohnhöhle auf Vordermann, bevor Gäste empfangen werden. Einen Teil davon hatte ich ja schon erledigt. Andere Schwerpunkte hingegen lagen darin, Dinge wegzuräumen, welche in den Verantwortungs- und Nutzbereich meiner Angetrauten fallen. Diesen Teil übernehme ich aus verschiedenen Gründen nicht oder nur eingeschränkt – und ich sollte es auch auf ausdrückliche Weisung der zweitbesten Ehefrau von allen nicht tun.

Jetzt bin ich eher der Typ, der alles Erforderliche und Mögliche schon mit geraumem Zeitvorlauf erledigt haben will. Ich hasse es, auf dem letzten Drücker fertig zu werden. Allerdings lassen sich bestimmte Dinge aber erst erledigen, wenn andere Arbeiten bereits ausgeführt sind. Wer schon mal einen Ablauforganisationsplan erstellt hat, wird das kennen. Und ich bin in Bezug auf verschiedene Situationen ein wandelnder Ablauforganisationsplan. Um es anschaulich darzustellen: Will ich den Boden feucht wischen, wäre es zweckmäßig, die darauf befindlichen Stühle und andere Dinge eventuell auf einem Tisch abzustellen. Dazu sollte dieser Tisch aber zuvor abgeräumt worden sein. Ist doch soweit in sich schlüssig, oder?! So lange dies noch nicht geschehen ist, wird das Wischen des Bodens hingegen nur eingeschränkt möglich sein.

Die Erledigung der durch meine Angetraute zu leistende Vorarbeit verzögerte sich umständehalber, da sie kurzfristig einige unaufschiebbare berufliche Termine reinbekommen hat. Blöde Sache, aber so ist das nun mal. Bringt ja auch Geld, da will das niemand so eng sehen. Jeder ist käuflich; ich auch.

In den letzten zwei Tagen vor dem Tag X wurde ich dann zunehmend gereizter. Ein für mich im Zusammenhang mit der Erwartung von Gästen durchaus normaler Ausdruck steigender Nervosität. Am Tag X selber verschwand meine Angetraute dann planmäßig abends, um zu ihren Kursen zu gehen. Ihr Besuch würde bei uns aufschlagen, sobald sie auch wieder zurück sei. Natürlich barg dies dennoch das Risiko, daß ich die Tür aufmachen und den vorübergehenden Pausenclown spielen müsste, falls sich da einige zeitliche Verschiebungen ergäben. Kann ja immer mal sein. Also wieder ein Grund zur Anspannung, auch wenn ich erst mal dachte, daß ich aktuell ruhiger damit umgehen könnte.

Jedenfalls begann ich meine abschließenden Vorbereitungen zum Aufhübschen der Wohnhöhle – Entstauben, Wischen und andere derlei seltsame Dinge mehr – sobald meine Angetraute verschwunden war und ich allseits freie Bahn hatte. Ich hasse es, solche Dinge tun zu müssen, wenn jemand anderes zu Hause ist. Vom Zeitansatz her würde ich es rational gesehen locker hinbekommen, mein Vorhaben umzusetzen. Daran hatte ich keinerlei Zweifel. Aber es ist eben nicht immer das Rationale, was einen Menschen leitet. Ich habe keine spitzen Ohren.

Als ich soweit durch war und die Fliesen wieder einen trockenen und somit begehbaren Zustand erreicht hatten, klingelte das Telefon. Der Tag und die Uhrzeit ließen nur zwei Vermutungen zu: Entweder wünschte Herr Graumann mich zu sprechen, oder meine Angetraute, die etwas vermisste und sich bestätigen lassen wollte, daß es noch zu Hause herumliegt und nicht etwa in den Untiefen ihrer Tasche oder Balduins Kofferraum verschwunden sei. Nun, es handelte sich dann doch um den Erstgenannten.

Also nahm ich den Hörer ab.

„Paterfelis, alte Socke. (…) Wie lange ist es jetzt eigentlich her, daß ich zuletzt angerufen habe?“

Oh, das weiß ich ziemlich genau.

Das war vorletztes Jahr kurz vor Weihnachten.

Wer jetzt beim Lesen einen latenten Vorwurf in meiner imaginären Stimme wahrzunehmen gedenkt, liegt fehl. Ja, ich betrachte meine gelegentlichen Kontakte zu Herrn Graumann durchaus positiv. Aber auch diese empfinde ich als anstrengend, so daß sich längere Pausen eher als nutzbringend erweisen. Ihn selbst anrufen würde ich nie. Das weiß er. Ruft er nicht mehr an, ist es vorbei. Wird die Anruffolge zu dicht, also etwa über einen längeren Zeitraum in einem Monatsrhythmus, fange ich an, innerlich abzublocken. Und so etwas birgt immer ein nachhaltiges Katastrophenrisiko, genannt Rückzugstendenzen ohne Aussicht auf Wiederkehr. 

„Hatte ich denn schon erzählt, das letzte Jahr bei uns Weihnachten ausgefallen ist, weil meine Frau sich das Bein gebrochen hatte und meine Mutter…“

„Ähm, olles Graumännchen, ich sagte VORletztes Jahr kurz vor Weihnachten.“

„Ups.“

Wenn denn schon einer der wenigen Menschen anruft, mit denen ich mal ganz gerne am Telefon spreche, bleibe ich auch dran. Aber als routinierter Hausmann kann ich auch schwere Dinge durch die Gegend tragen, Putzeimer leeren sowie Stühle von den Tischen runter wuchten und wieder auf ihren Platz stellen, wenn ich dabei in einer Hand ein Telefon halte.

Das Gespräch zog sich erwartungsgemäß länger hin. Es ging um die üblichen altersentsprechenden Männerthemen: Alter, Krankheit, Tod, Ehefrauen, Bürogedöns, Tabletop-Spiele und Modelleisenbahnen. Kurz vor Erreichen der möglichen Aufschlagzeit sowohl des Besuches als auch meiner Angetrauten war das Gespräch vorbei. Es war ganz gut, daß ich entgegen der ursprünglichen Planung kein Essen vorbereiten sollte, denn das wäre dann wirklich etwas knapp geworden. Aber auch das hätte ich im Zweifel während des Telefonierens hinbekommen.

Einen Vorteil hatte der Anruf zweifellos: Ich wurde abgelenkt. Denn schon im Ansatz zeigte sich ja, daß die Wartezeit bis zum Eintritt des Fortgangs der Ereignisse und die während dessen entstehenden Grübeleien mich wieder in den Wahnsinn getrieben hätten. Vermutlich nicht bis zu einer Panikattacke, aber doch immerhin getrieben von einer (Achtung, es folgt eine maßlose Untertreibung) massiven Unruhe.

Normal.

Sagt mal: Wie ist es eigentlich, entspannt einen formlosen Besuch zu erwarten? Und sich darauf auch noch freuen zu können?



Samstag, 21. März 2015

Buchstabenwirrwarr - Eine Ausführung

Setzen wir die Geschichte fort.

(Ich hoffe, daß meine vorherigen einführenden Erläuterungen noch bei euch präsent sind. Ansonsten empfehle ich, diese nochmals zu lesen, um sich in die Materie sachgerecht einzuarbeiten. Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich gerne, nur nicht telefonisch, zur Verfügung.)

Wir saßen also mal wieder in unserem gemütlichen Büro und arbeiteten vor uns hin. Es war noch früh am Vormittag. Mandy und ich sichteten all die schönen Dinge, die wir des Morgens in unseren Postfächern vorgefunden hatten und die dazu geeignet sein sollten, uns den Tag mit Arbeit zu versauen.

Es war weitgehend ruhig. Relativ. Irgendwo klingelte ein Telefon – wie eigentlich immer irgendwo ein Telefon klingelt. Leise summte der Kopierer das Multifunktionsgerät. Ein Drucker begann aufzuheulen. Papier raschelte. Übliche Arbeitsgeräusche eben. Bis Mandy begann, ihren Unmut über ein falsch verteiltes Poststück zu verkünden.

„F? Wieso F? Sehe ich aus, als ob ich F hätte?“

Ein von ihr wohl bekannter und stets wiederholter Satz. Nur der verwendete Einzelbuchstabe wechselt da schon mal.

Ich schaute sie kritisch abschätzend an und fixierte meinen Blick.

„Hmmm, F ist das nicht. Eher ein großes C, vielleicht auch kleines D. Aber F – nein, das wohl nicht, da fehlt noch was.“

„PATERFELIS!“

Na was denn? Sie hat doch gefragt.


(Ende)





Donnerstag, 19. März 2015

Buchstabenwirrwarr - Eine Einführung

Die hohe Kunst nicht nur des öffentlichen Verwaltungshandelns ist es, den ganzen Papierkram, gleich ob echten oder nur noch virtuellen, zu sortieren und einzuordnen. Zu eben diesem Zweck hat die Natur den Bürokraten mit Aktenzeichen gesegnet. So ein Aktenzeichen heißt zwar nicht immer und überall Aktenzeichen, weil kreative Köpfe meinten, daß sich Aktenzeichen nun doch irgendwie doof anhört und Kundennummer vielleicht viel cooler wäre, aber letztendlich bleibt es dabei, gleich wie man es nennt. Das Aktenzeichen ist der Name der Akte und damit Basis eines jeglichen Verwaltungshandelns. Ohne Aktenzeichen keine Akte. So einfach ist das.

(Es mag Verwaltungstheoretiker geben, welche den Antrag als Basis jeglichen Verwaltungshandelns sehen, aber das ist unbewiesener Unfug. Zuerst kommt das Aktenzeichen und dann machen wir uns Gedanken, was wir damit anstellen.)

Im LASA verwenden wir ebenfalls solche als Kundennummer titulierten Aktenzeichen, um unsere Kundschaft auch als Kunden identifizieren zu können. Ohne Kundennummer keine Kunden. Das Prinzip setzt sich also fort. Das Drollige dabei ist, daß unsere Kundennummern nicht nur aus Nummern, also einer Ziffernfolge, bestehen, sondern auch aus Buchstaben, welche ich klassischerweise nicht als Nummer, erst Recht nicht als Ziffer und schon gar nicht als Zahl identifizieren kann. Damit fällt für die Puristen unter uns schon ein bedeutungsschwangerer Schatten auf die Begrifflichkeit Kundennummer.

Wobei ich durchaus an dieser Stelle ohne tiefere Not oder auch nur dem Ansatz eines solchen Erfordernisses einräume, daß es bei der Abgrenzung zwischen O wie Otto und 0 wie Nulpe Null durchaus schon mal Probleme entstehen könnten. Wenn ich denn nicht genau wüsste, daß an eben dieser Stelle, an der ich dieses kreis- bis zuweilen ovalförmige handschriftliche Gekrakel meiner Kollegen Symbol vorgefunden habe, grundsätzlich ein Buchstabe zu stehen hat. Oder eben eine Ziffer. Aber es besteht niemals und auf gar keinen Fall die Chance auf ein entweder-oder. Das ist fester geschrieben als ein Naturgesetz. Das ist eine Verwaltungsdurchführungsverordnung. Also im Prinzip eine ganz einfache, schon beinahe simple Sache.

Wie jedermann weiß, der schon mal mit Behörden zu tun hatte, ist des öffentlich Bediensteten ebenso wie des öffentlich Arbeitnehmenden – ja, man muß es unterscheiden, denn Beamte sind nun mal keine Arbeitnehmer im engeren Sinne – schönste Freude, Arbeit auf andere abzuwälzen. Was im Übrigen auch stets das erste ist, was man in seiner Ausbildung zur Befähigung der Ausübung einer einfachen über einer qualifizierten bis hin zu einer hochqualifizierten Verwaltungstätigkeit lernt.

Zu diesem Zwecke hat die Natur unmittelbar nach Erfindung des Aktenzeichens auch gleich die Zuständigkeit mit hervorgebracht. Zur weiteren Durchführung der dauerhaften Verteilung wie auch der temporären oder der dauertemporären  Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden hatten es die Altvorderen für sinnvoll erachtet, den Sachbearbeitern eine solche Zuständigkeit angedeihen zu lassen. Und in Folge dessen nun mal auch eine Unzuständigkeit, womit wir wieder am Anfang des aktuellen Gedankenganges angekommen wären. Diese Feinsortierung zwischen Zuständigkeit und Unzuständigkeit erfolgt im LASA nach den bereits erwähnten Buchstaben.

(Es gibt ja diese blöde Weisheit, nach der schlechte Dinge mit Un- anfangen sollen. Wir haben hier aber eindeutig den Beweis, daß dies nicht stimmt. Denn Unzuständigkeit fängt auch mit Un- an. Und daran erkenne ich nichts schlechtes, soweit es mich betrifft.)

Warum ich das alles erzähle? Weil ich es kann so will. Und natürlich, um einen Einstieg in die Geschichte zu haben, die letztendlich wesentlich weniger umfangreich sein wird als ihr Vorwort. Ja, ich bin schon manchmal ein schräger Vogel.

Und da nun schon eine Textseite von, mit und über Buchstaben belegt wurde, greift die hier von mir selbst erstellte Bloggereidurchführungsverordnung, welche besagt, daß ein Text nur in Ausnahmesituationen mehr als eine Seite zu umfassen hat und er ansonsten auf mehrere Teile aufzusplitten ist.

In diesem Sinne: → wird fortgesetzt



Mittwoch, 18. März 2015

Schönes

Sven dümpelte in der Mittagspause bei uns herum.

„Hach, Sven, erzähle doch mal von was Schönem.“

„Ich sehe hier nichts Schönes, von dem ich erzählen könnte.“

„Also, wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich durchaus was Schönes.“

„Paterfelis, du solltest dir die Sache mit der neuen Brille vielleicht doch nochmal überlegen.“

Drecksack.



Montag, 16. März 2015

Dosendinge

Es gibt durchaus Dinge, welche wohl eher unbeabsichtigt von Normaldingen zu Killerdingen mutieren können. Ein solches Killerding ist der Schlüsselbund der zweibesten Ehefrau von allen. Ehrlich, wenn man sieht was an dem Schlüsselring so alles hängt – da kann man jemanden Dinge mit kaputtschlagen. Gut, hätte ich früher auch gerne gehabt, aber das hatte ganz andere Gründe und ist auch eine ganz andere Geschichte aus meiner wilden Schulzeit. Erzähle ich ein anderes Mal.

Jedenfalls hatte meine Angetraute nunmehr einen Behälter käuflich erworben, in welchem sie Tabletten mitzuführen gedachte, die man unterwegs mal gebrauchen könnte. Die in der Verkaufsofferte angegebenen Maße müssen unklar gewesen sein oder aus anderen Gründen für eine gewisse Verwirrung gesorgt haben, denn der nun vor ihr liegende Hohlkörper schien mir durchaus von einem Format zu sein, in dem sich mehr als nur eine oder zwei Tabletten transportieren ließen. Bei dem Schlüsselbund meiner Angetrauten wird dies aber auch nichts mehr ausmachen; die Einstufung als gefährliche Waffe bleibt unausweichlich.

Doch da war noch etwas anderes, war Grund zur Spekulation gab.

Bei der Betrachtung des Neuerwerbes drängte sich nämlich nicht nur mir eine ganz bestimmte Überlegung auf.

Es würde mich wirklich interessieren, wann jemand meine Angetraute erstmals darauf anspricht, ob das Dosendingens denn auch vibrieren könne…




PS: Hat nur ein paar Tage gedauert. Also habe nicht nur ich solche Gedanken gehabt.




Sonntag, 15. März 2015

Gruß aus der Küche - Apfel-Quark-Auflauf

Der Tag war bislang zum Wegschmeißen. Ich hatte nur wenig und mit zahlreichen Unterbrechungen geschlafen, dafür aber umso wilder und vor allen Dingen nachhaltiger geträumt. Mein Rücken tat weh, die Schulter schmerzte und zumindest mein Fuß, der sich in den letzten Tagen wieder verhalten gemeldet hatte, zeigte starke Tendenzen, sich wieder zu beruhigen. Alles klare Anzeichen dafür, daß man noch lebt, wenn man der alten Weisheit trauen darf.

Ich erinnerte mich, daß Sonntag war. An sich Sporttag, aber wenn ich aus irgendwelchen Gründen körperlich oder mental angegriffen bin, wäre es ein vollkommen sinnloses Unterfangen, den Sporttempel besuchen zu wollen. In diesen Momenten steht bei mir wieder alles auf drohende Panikattacke, also bleibe ich mal besser zu Hause.

In der kommenden Woche wird es erstmals seit Jahren wieder soweit sein, daß ein Gast unsere Wohnung betritt. Mal abgesehen von zwei Herrschaften eines örtlichen Sozialkaufhauses, welche uns einen hier nicht mehr benötigten Schrank abgenommen hatten. Aber das war nur ein kurzes Reinraus. Dieses Mal sollte die Wohnhöhle etwas präsentabler aussehen. Die zweitbeste Ehefrau von allen will eine Studentin der Trainerschule noch an mehreren abendlichen Terminen auf ihre Prüfung vorbereiten.

Meine Anwesenheit war da nicht erforderlich. Ich hätte zur geplanten Lernzeit der beiden Nachteulen auch nichts Sinnvolles beitragen können. Alles soweit kein Problem. Aber etwas aufräumen kann nicht schaden, was ich in Rahmen meines Tagewerkes schon mal auf den Weg gebracht habe. Dazu das Übliche: Katzenscheiße schaufeln, Spülmaschine aus- und wieder einräumen – oder auch  mal umgekehrt – und verschiedene Dinge mit der Schmutzwäsche anstellen, die man halt so anstellt, damit diese wieder zur Frischwäsche wird. Und zwölf Pakete Katzenstreu die Etage wechseln zu lassen hatte auch was von Rückentraining. Es wirkte hier schmerzbefreiend, nur der Schulterbereich… ach, lassen wir das einfach.

Aber nach so einer verdatterten Nacht erwies sich mein Tun als ausnehmend unfallträchtig. Stoßen, stechen, fallen lassen, insbesondere Letzteres in steter Wiederholung. Keine gute Voraussetzung, sich in der Küche in ernährungstechnischer Hinsicht produktiv zu betätigen. Dennoch bin ich es in nahezu heldenhafter Manier angegangen.

Im Kühlschrank lagen noch zwei Pakete Magerquark, welche so langsam mal verwendet werden mussten. Abgelaufen September 2014, verkostet im März 2015 und für ausnehmend gut befunden.  

Also ran.




Man nehme:

1 kg Äpfel
Butter
6 Eier
80 g Zucker
500 g Quark
20 Löffelbiskuits

Zunächst die Äpfel schälen, ohne sich dabei ernsthafter zu verletzen. Dank unseres Sparschälers kann ich hierzu einen Erfolg vermelden. Danach die Äpfel entkernen und in Würfel schneiden. Alles in einen Topf geben und mit der Butter andünsten. Den Topf zur Seite stellen und abkühlen lassen.

Abwarten, daß die Angetraute Anstalten macht, das Bett zu verlassen, um nach Absolvierung der weiteren Arbeitsschritte ein frisch zubereitetes Endprodukt auf den Tisch stellen zu können.

Nach dem Öffnen der Tür des Mädchenzimmers von innen her von außen feststellen, daß es an der Zeit ist, weiterzumachen.

Eigelb und Eiweiß trennen. Einmal Pech dabei haben und das mit Eigelb kontaminierte Eiweiß mit dem Eigelb später weiterverwenden ist in Ordnung; das kann ich so bestätigen.

Die Eigelbe und das kontaminierte Eiweiß eines einzelnen Eis mit dem Zucker verrühren. Nun den Quark nochmal probieren, ob er sechs Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums wirklich noch gut ist. Feststellen, daß keine sensorischen und optischen Mängel vorliegen, welche einer weiteren Verarbeitung im Weg stehen. Den Quark mit den Zuckereiern dem Eierzucker verrühren.

Der nächste Arbeitsschritt erfordert Sicherungsmaßnahmen. Vor dem Öffnen des Schranks, in dem die Löffelbiskuits lagern, erscheint es angebracht sich dahingehend zu vergewissern, daß die zweitbeste Ehefrau von allen – gleich mit welchen Methoden – nicht auf das Vorhandensein einer geöffneten Packung des beschriebenen Backwerks aufmerksam wird. Die gesicherten Löffelbiskuits zerbrechen und mit den Äpfeln unter das Quark-Zucker-Ei-Gemisch heben. Eine gewisse Freude darüber, daß die gewählte Schüssel zumindest gerade so die erforderliche Mindestgröße zur Umsetzung des erforderlichen Tuns erreicht hatte, ist an dieser Stelle durchaus zulässig.

Nun das Eiweiß steif schlagen und den Über-Kopf-Test bestehen lassen. Jawoll, hält. Gut so. Pechsträhne vorbei. Das Eiweiß folgerichtig unter die anderen Zutaten heben, in eine Auflaufform geben und bei 180 Grad für 45 Minuten im Ofen backen.

Beim groben Ausspülen der Schüsseln darauf achten, daß der Besteckkorb, welcher nicht mehr in die Spülmaschine passte, im Spülbecken zwischengelagert wurde. So ein schwungvoller Stich mit einer dort abgestellten Gabel zwischen die Finger erinnert schnell daran, daß die Serie gewisser Ungeschicklichkeiten entgegen anderslautender Annahmen weiterhin nicht abgeschlossen ist.

Abschließend den Auflauf von der inzwischen hungerleidenden zweitbesten Ehefrau von allen aus dem Ofen nehmen und warm servieren lassen, während man die Wäsche aus der Waschmaschine holt, welche natürlich zum unpassendsten Moment fertig geworden ist.








Samstag, 14. März 2015

Interpretationen

„Paterfelis, mir geht das auf den Sack. Ich sorge jetzt mal dafür, daß hier endlich Ruhe einkehrt!“

„Oh, machst du etwa schon Feierabend?“



Donnerstag, 12. März 2015

Tropfen, Fässer und so

Wir hatten die Mittagspause mal wieder im Restaurant Zum Kleinen Chinamann verbracht. Während unsere uns dorthin begleitenden bezaubernden Kolleginnen meinten, den Rückweg zu Fuß zurücklegen zu wollen, bevorzugten es der Ökoklaus und ich, die Straßenbahn zu benutzen. Es muß ja nicht sein, daß man sich das gute Essen, welches wir gerade erst verinnerlicht und platzoptimiert aufbereitet eingelagert hatten, direkt wieder abtrainiert. Das wäre ja durchaus verfehlt.

An sich waren wir ja sogar zu dritt, denn der Ökoklaus, so wie ich ihn hier im Blog schildere, hat quasi eine gespaltene Persönlichkeit. Dieses Mal waren zwei Teile dieser Persönlichkeit anwesend. Und beide Teile zeichnen sich ebenso wie ich dadurch aus, nicht gerade klein und zierlich gewachsen zu sein, sondern schon eher groß und stattlich daher zu kommen.

Nun mussten wir die letzten Meter von der Haltestelle zum LASA doch tatsächlich per pedes überwinden, was uns auch gelang. Mir drängte sich irgendwie und aus nicht nachvollziehbaren Gründen der Refrain eines alten Seemannsliedes in den Sinn.


Mit letzter Kraft schleppten sich drei beeindruckende Gestalten in Richtung des Aufzuges. Dieses Aufzuges. Mehrfach wurde er zwischenzeitlich repariert, aber ganz eindeutig hatte sich seine Geschwindigkeit im Gegensatz zu früheren Zeiten deutlich verringert. Macht nichts, wir sind im Büro und nicht auf der Flucht.

So rollten traten stolperten wir mit dem letzten Rest der uns verbleibenden Würde in die bereitstehende Kabine. Von draußen stürmte noch Helga auf uns zu. Sie hatte die Pause anderweitig verbracht und wollte mitgenommen werden. Warum auch nicht, Platz ist in der kleinsten Hütte und Helga war eher der zerbrechlich wirkende Typ mit nur dem Nötigsten auf den Rippen.

Die Türen der Kabine schlossen sich. Der Richtungspfeil der Anzeigetafel wies nach oben, aber nichts geschah. Helga, ein wahrer Hänfling unter uns drei Giganten, zückte ihren Dienstausweis und hielt ihn gegen den Kartenleser, um die Sicherheitssperre zu deaktivieren, welche Unbefugte daran hindern sollte, auf unsere Büroetagen zu fahren. Nicht, daß wir das nicht im Vorfeld schon erledigt hätten.

Nun setzte sich der Aufzug in Bewegung. Langsam, wirklich gaaaaanz langsam, noch langsamer als sonst, fuhr die Kabine. Nach unten! Wir schauten uns an. Als zulässiges Maximalgewicht zur Wahrung des ordnungsgemäßen Betriebs des Aufzuges waren 620 kg angegeben. Eine grobe Schätzung seitens eines der beiden Ökokläuse ergab, daß wir drei stattlichen Mannsbilder trotz aktueller chinesischer Innenraum-Zusatzbeladung und leichtester äußerlicher Geradenochso-Winterkleidung keineswegs gemeinsam auch nur die von uns willkürlich gesetzte Grenze von 500 kg überschreiten würden. Das war ja mal so sicher die das berühmte Amen in der Kirche.

Was uns zu dem Schluss gelangen ließ, daß Helga über beachtlich schwere Knochen verfügen musste. Ganz zweifelsfrei.

Der Aufzug war übrigens für die nächsten zwei Tage mal wieder außer Betrieb.

Danke, Helga. Beim nächsten Mal läufst du gefälligst.





Mittwoch, 11. März 2015

Der Schlüssel

Rajivs Trainerschule verfügt nicht über eigene Räumlichkeiten und ist somit darauf angewiesen, je nach Erfordernis in den örtlichen Fitness-Studios und anderen geeigneten Institutionen entsprechende Kapazitäten in Anspruch zu nehmen.

Zu diesen sonstigen Institutionen gehört das hier in der Gegend befindliche, in einschlägigen Kreisen sehr bekannte Physikalische Lehr- und Forschungsinstitut Sommerschön, welches auch über eigene Sporteinrichtungen für das Personal verfügt. Mens sana in corpore sano, wie wir Asterix-Lateiner zu sagen pflegen.

Die zweitbeste Ehefrau von allen hatte gerade eine kleine Tour in die Außenwelt unternommen, um in Rajivs Auftrag zum Zwecke der vereinbarten Nutzung eben dieser eingangs genannten Sporteinrichtungen einen Generalschlüssel in Empfang zu nehmen.

Natürlich hatte ich direkt die entsprechenden perfiden Gedanken, als ich auch nur den Begriff Generalschlüsselvernahm.

„Sag mal, in dem Institut gibt es bestimmt viele Dinge, die ich auch gebrauchen könnte?!“

„Ja, das wird so sein.“

„Natürlich nur leihweise."

„Natürlich."

„Die haben doch bestimmt fette 3D-Drucker?“

„Ähm, nein.“

„Transportable Hochenergielaser?!

„Nein.“

„Kettensäg…“

„NEIN!“

„Hmmm, aber was dann?“

„Redondo Bälle, Hanteln, Steps…“

„Jetzt werde mal langsam wieder ernst, für die Albernheiten haben wir keine Zeit.“

„Das ist mein voller Ernst.“

Grmpf. Den Kram können die behalten.



Dienstag, 10. März 2015

Der andere und der ich

Es gehört ja schon fast zum guten Ton, die Suchbegriffe zu veröffentlichen, unter denen der eigene Blog gefunden wurde. Das habe ich bislang nicht gemacht, weil so gut wie nie irgendetwas Bemerkenswertes dabei war.

Nun bin ich allerdings über etwas gestolpert:

rain zaubermann blog

Leute, ich fühle mich ja durchaus geschmeichelt, aber da muß eine Verwechselung vorliegen. Hupen und lecker Essen finde ich zwar auch gut, aber trotzdem...

...der Zaubermann ist doch der andere. 







Montag, 9. März 2015

Hexenwerk

Wenn ich die Hexe erwische, die auf mich geschossen hat, werde ich ihr zeigen, wie man einen schönen Scheiterhaufen baut. Soviel ist ja mal klar.

Schonungszeit gibt es gerade nicht. Ich muß Frl. Hasenclever weiter vertreten, die Unterlagen für die von mir am Wochenende als Freizeitspaß schon vorbereitete und unaufschiebbare Schulungsmaßnahme final zusammenstellen und vervielfältigen (Maria ist auch nicht da, also darf ich da auch selber ran) und gleichzeitig dringend Überstunden abbauen, weil die Keine-Minute-mehr-und-du-bekommst-Ärger-Grenze sich bedrohlich genähert hat.

Und wenn alles vorbei ist, fange ich wieder mit meinen eigenen Akten an, die ich seit einer Woche nicht mehr angefasst habe.

Hier ist alles also völlig normal.

Was bleibt? Chemiecocktail einwerfen und weitermachen. 



Samstag, 7. März 2015

Verdienste

Rebecca hatte sich gerade einen umfangreichen anwaltlichen Schriftsatz durchgelesen. Diese sorgen bei uns zumeist für eine gewisse Erheiterung, sind doch nur sehr wenige Anwälte auf unser Rechtsgebiet spezialisiert und versuchen deswegen, eher durch künstlich aufgeblähtes Geschreibsel als durch sachkundige Argumentation Eindruck zu erwecken. Was bei ihren Mandanten durchaus funktionieren mag, würde bei uns jedoch eher als nervend bewertet werden - wenn es nicht zuweilen lustig wäre.

Dieses Mal war Rebecca jedoch nicht in Kampfstimmung.

„Womit habe ich das nur verdient?“

Sven war da knallhart.

„Hier bekommt jeder das, was er verdient.“

Was meine Gedanken veranlasste, sich nochmal mit meiner letzten, im Ergebnis selbstverständlich viel zu dürftigen Gehaltszahlung zu beschäftigen.

„Nein, Sven. Ich nicht.“

„Paterfelis, du auch.“

„Wie kommst du da drauf?“

„Du hast mich am Hals und wirst mich nicht los.“

„…“



Freitag, 6. März 2015

Im Rausch

Den ganzen Tag über zu brennen, dabei nahezu ekelhaft gute Laune zu verspüren und schließlich nur durch Zeitablauf aus dem Rausch gerissen zu werden, kann abends trotz aller Voraussetzungen für andere Annahmen durchaus zu einer drastischen emotionalen Kehrtwende führen.

*Katerstimmung*

Diesen Rausch brauche ich heute nochmal.

Scheiß Junkie.



Donnerstag, 5. März 2015

Hurz

Mein Laptop befindet sich hier eigentlich nahezu ganztätig in Betrieb. Wird er gerade nicht von mir in Anspruch genommen, stelle ich ihn auf dem Monster ab. Meistens winkle ich die Klappe etwas an, aber jetzt bin ich mit gewisser Dringlichkeit woanders hin berufen worden, so daß ich es wohl vergessen hatte.

Die Gelegenheit nutzend meinte Hauskater Marty, sich an dem Gerät versuchen zu müssen, indem er entgegen sonstiger Gewohnheit nicht einfach darüber wegsprang, sondern einfach über die Tastatur marschierte, während ich noch ein WORD-Dokument geöffnet hatte.

Das Ergebnis scheint mir derartig kraftvoll und ausdrucksstark zu sein, zeugend von ungestümer, animalischer Wildheit aber dennoch auch Ausdruck tiefer Sensibilität, für die wir unseren Kater kennen. Ich möchte es hier nicht vorenthalten.

Marty schrieb:


klllllllllllllllllllllllllllllliolpöööööööö


Ergreifend. Einfach nur ergreifend.



Mittwoch, 4. März 2015

Gedankenspiele

Sehr geehrte Teilnehmer des Hassenichgesehenkurses des Sporttempels,

wenn sich eure Trainerin, nachdem ihr 20 Minuten auf den Beginn des Kurses gewartet habt, telefonisch meldet und erklärt, sie sei mit dem Wagen irgendwo in der Pampa nach einem Unfall liegen geblieben, dann sollte sich die Frage erübrigen, ob sie noch für die restlichen 40 Minuten kommt.

Nein, fragt mich jetzt bitte nicht nach dem Warum.






So freundliche es geht
Euer Paterfelis

PS: Nein, die zweitbeste Ehefrau von allen war nicht die besagte Trainerin.




Dienstag, 3. März 2015

Muß wirklich nicht sein

Einer meiner Schützlinge stand zur Beurteilung an. Ich saß mit Frl. Hasenclever in unserem Besprechungsraum zusammen, um den weiteren Zeitplan zu erörtern.

„Tja, Frl. Hasenclever, ich fürchte, das wird dieses Mal nichts.“

„Wieso das denn?“

„Ich habe den Fernseher noch nicht bekommen.“

Frl. Hasenclever stöhnte kurz auf.

„Haben Sie etwa einem brauchbaren neuen Kollegen schon wieder versprochen, nur dann eine gute Beurteilung zu schreiben, wenn Sie dafür einen Fernseher bekommen?“

„Was heißt hier schon wieder? Ich nehme auch Laptops, DVD-Player, amerikanische Kühlschränke und andere Dinge. Das wissen Sie doch.“

„Was machen Sie denn eigentlich mit dem ganzen Zeug?“

„Welches Zeug? Hat doch noch nie geklappt. Die merken alle sehr schnell, daß ich ein grundgütiger Mensch bin.“

„Ja, die kennen Sie ja auch noch nicht so gut.“

„Was?“

„Egal. Zu Hause haben wir übrigens einen Fernseher, der so groß ist wie zwei von diesen Tischplatten hier.“

Ich sah mir die beiden quadratischen Platten der in Frage kommenden Tische an.

„Da sieht man, wo Geld steckt… Für so ein Teil müsste ich zu Hause glatt umbauen, um den an die Wand hängen zu können.“

„Na und?“

„Haben Sie schon mal Katzen erlebt, die mitbekommen, wir ihr Kratzbaum demontiert wird? Dieses Elend will kein Mensch erleben.“

Wirklich nicht.




Montag, 2. März 2015

Der verlorene Sohn

Wir arbeiteten ausnahmsweise mal nicht ruhig und friedlich in unserem gemütlichen Büro vor uns hin. Nein, ich musste meinen Schreibtisch kurz verlassen, um anderen Ortes etwas zu erledigen. So etwas kommt häufiger vor, als man denken mag, wenn man einen Bürojob sein eigen nennt. Dies wird einem spätestens dann gnadenlos ins Bewusstsein hämmern, wenn man ein medizinisches, durchaus mit Schmerzen verbundenes Problem in einem Fuß hat und diesen eigentlich hoch legen soll.

Wie dem auch sei, verließ ich gerade unser Zimmer, als ich auf Sven traf, der gerade mit Ludwig sprach, welcher sich wiederum in Indien (für alle, die jetzt zu faul sind, dem Link zu folgen und dort zu suchen: Indien liegt auf der anderen Seite des Ganges)aufhielt.

„Guck mal, Paterfelis, da ist unser Mädchen.“

„Watt?“

„Wir haben uns mittags wieder was von der Supersonderspezialpommesbude geholt.“

„Und?“

„Ludwig hatte als Vorspeise einen 180 g-Burger.“

„Als Appetitanreger. Ist ok.“

„Ja, und danach einen 360 g-Burger.“

„Da sehe ich auch kein Problem.“

„Das kam auch erst danach.“

„So so.“

„Er hat sich einen Salat geholt.“

Meine Gesichtsfarbe wurde etwas blasser. Ich konnte es förmlich spüren.

„Ich hoffe, es war ein anständiger Salat? Kartoffelsalat, Nudelsalat oder etwas in der Art. Vielleicht ein Wurstsalat?“


Ich erahnte bereits den heraufziehenden Schwächeanfall. Da werden doch wohl nicht…

„Und Croutons!“

Also doch. Meine Beine begannen nachzugeben. 

„Parmesan auch noch.“

Parme… Auf grünem Sal… Ich musste Luft holen. Ein Mädchensalat! Unser Ludwig isst einen Mädchensalat. Fieberhaft begann ich nach einem Stuhl Ausschau zu halten, der meinen anstehenden körperlichen Zusammenbruch auffangen könnte.

„War doch nur der Nachtisch.“ war es zaghaft aus Indien zu vernehmen.

„Mädchen, keine Ausreden mehr. Es ist vorbei. Du bist an die Frauenwelt verloren.“

Ich konnte es nur noch japsen und hoffen, daß meine Stimme die Worte bis Indien getragen hatte.

„Paterfelis, es gibt Hoffnung.“ meldete sich der Rothaarige wieder zu Wort.

„Welche?“

„Seine Brotbeilage hat er an Trudi abgegeben.“

Vielleicht ist da noch was zu retten. Es wird Zeit, wieder zum Chinamann zu gehen. Schocktherapie, gemeinsam mit dem Ökoklaus und mir. Der verlorene Sohn muß nicht verloren bleiben.

Da bin ich ganz selbstlos.