Donnerstag, 12. Februar 2015

Es liegt was in der Luft

Die Sonne strahlt vom Himmel; die Luft ist irgendwie klar. Eine trockene aber doch schneidende Kälte macht sich breit. Den jungen und auch den älteren Damen, denen ich heute auf den Straßen begegne, scheint dies gerade nichts auszumachen. Man trägt Minirock. Auch gerne bauchfrei. Und zeigt die mehr oder weniger üppige Oberweite. Erstaunlich - bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Es liegt was in der Luft.

Auf dem Weg zu Bahnhof sehe ich, wie mein Zug bereitgestellt wird. Früh heute. Hoffentlich ist er noch nicht überfüllt, wenn ich den Bahnsteig erreiche. Ein paar Minuten brauche ich noch, die Treppe runter durch das Labyrinth der U-Bahn, wieder eine der Treppen rauf zum Fußgängertunnel unter den Gleisen der Eisenbahn. Und schließlich die letzte Treppe hinauf zum Bahnsteig. Die ewig kaputten Rolltreppen stören mich schon fast nicht mehr. Fast.

Es liegt was in der Luft.

Der Zug steht erwartungsgemäß am Bahnsteig. Die kleinen Klappfenster sind geöffnet, obwohl der Wagen vollklimatisiert ist. Ungewöhnlich. Sonst schreit sofort jemand, daß es kalt ist und zieht, wenn man auch nur mit dem Gedanken spielt, Hand an das Fenster zu legen, um es zu öffnen. Auch im Sommer und noch am Bahnsteig stehend. Ich sehe von außen freie Sitzplätze. Mehr als genug. Die werden sich bis zur Abfahrt auch nicht mehr füllen, so meine Erfahrungswerte. Nicht zu dieser Uhrzeit. Sehr angenehm, kein erzwungener Kuschelkontakt mit Fremden.

Es liegt was in der Luft.

Der Knopf an der Wagentür leuchtet grün. Ich drücke ihn, ein Warnton ist hörbar, langsam beginnt sich das Türenpaar zu öffnen. Ich steige ein, finde meinen Platz, setzte mich hin. Gangseite natürlich, möglichst in der Nähe der Tür. Und ich beginne zu verstehen.

Es liegt was in der Luft.

Ja, es liegt was in der Luft. Jetzt kann ich es trotz meiner immer noch erkältungsgeplagten Nase zweifelsfrei wahrnehmen. Mein Kopf ist auch weiterhin nicht ganz klar, die Erkältung hat ihn im Griff. Dennoch ist im Oberstübchen etwas in der Lage, eine Analyse meiner Wahrnehmung vorzunehmen.

Es liegt was in der Luft.

Eine Aromamischung aus Gulaschsuppe, Döner, Alkohol und Erbrochenem umweht mich. Ich kann auf dem Wagenboden Reste von allem sehen, was diesen Geruch ausmacht. Gebraucht hätte ich es nicht.

Es - nein - er liegt in der Luft.

Er, das ist - der Geruch nach Karneval.

Mittwoch ist alles vorbei.



Kommentare:

  1. ach, das ist die dunkle Seite des Karnevals, Herr Paterfelis..schade eigentlich..

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    1. Wenn ich ein böser Mensch wäre, würde ich sagen: Reduktion auf das Wesentliche.

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  2. Ich sag nur: Damen jenseits der 40er mit keck-schräg auf den Kopf gestupftem Hütchen, frech-glitzernd in Rosa, und ebenfalls glitzernd - in dem Falle gefährlich! - die Augen. Gibt es etwas Gefährlicheres und Angriffslustigeres als Frauen eine gewissen Alters angeschickert im Faschingsschwank? *Grusel*
    Hüte Dich, Paterfelis, oh, hüte Dich!

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    1. Ich werde - außer am Samstag zum Einkaufen - das Haus vor Dienstag nicht mehr verlassen. Egal ob mit oder ohne Hut. Meine Aktenstapel habe ich schon im Büro als antikarnevalistischen Schutzwall eingesetzt.

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