Donnerstag, 26. Februar 2015

Der etwas andere Fokus (Kapitel 3)

Der Leser mag es ahnen, daß der Notfalleinsatz in der Wohnung von Familie Knutsen stattgefunden hat. Wir vermuteten, daß  Frau Knutsens sehr betagte Mutter, welche schon mal einige Wochen im Jahr bei ihrer Tochter und dem Schwiegersohn verbringt, Auslöser des Rettungseinsatzes war. Allerdings wussten wir nicht, ob sie aktuell überhaupt hier bei uns weilt. Normalerweise bekommen wir dies aus verschiedenen Gründen immer mit. Bis jetzt aber gab es keine entsprechenden Anzeichen.

Der Einsatz in der Wohnung über uns neigte sich dem Ende zu. Der Rettungswagen verließ unsere Gegend leer und ohne erkennbare Eile. Schließlich fuhr ein Bestattungswagen vor. Der Schnitter hatte also seine Sense geschwungen.

Nachdem getan worden war, was getan werden musste, wechselte der Bestatter vor der Wohnung noch ein paar Worte mit einem seiner Mitarbeiter.

„Wenn noch etwas ist, soll er sich bei uns melden.“

Das hörte sich nicht so an, als ob Frau Knutsens Mutter verstorben wäre und ein trauerndes Ehepaar in der Wohnung über uns weilt.

Nein, es hörte sich nach einem trauernden Ehemann an.

Und so war es auch.

Letzte Woche habe ich noch mit Frau Knutsen gesprochen, nachdem sie im Treppenhaus versehentlich anstatt des Lichtschalters unsere Türklingel erwischt hatte. Sie war gut gelaunt, erkundigte sich nach meinem Befinden und wünschte gute Besserung. Niemand hätte vermuten können, daß ich sie zum letzten Mal sehen sollte.

Verdammt, wie schnell es doch manchmal geschieht.


(wird fortgesetzt)



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