Mittwoch, 25. Februar 2015

Der etwas andere Fokus (Kapitel 2)

…steuerte ich Balduin in den heimischen Kirschgartenweg, als ich mitten auf unserer doch etwas schmal geratenen Stichstraße in Höhe unseres Einganges sowohl einen großen Rettungswagen als auch einen Notarztwagen stehen sah. Die blauen Lichter flackerten, doch weit und breit war niemand zu sehen.

Mit Balduin vermochte ich an den beiden Wagen nicht vorbeizukommen, so wie die da standen. Gut, ich würde auch nicht unbedingt erwarten, daß man im Notfalleinsatz besondere Rücksicht auf derartige Belange nimmt, setzte ein Stück zurück und fuhr von der anderen Seite an unser Grundstück heran. Hier konnte ich den Wagen zwar nicht lange stehen lassen, da aus guten Gründen ein Parkverbot vorlag, aber für den Moment würde es in Ordnung sein. Nachdem ich den Motor abgestellt hatte, warf ich einen kurzen Blick auf mein Handy. Nein, keine Nachricht von der zweitbesten Ehefrau von allen und auch kein Anrufversuch von jemand anderem. Daraus zog ich den Schluss, daß der Rettungseinsatz nicht mit meiner Angetrauten in Verbindung zu bringen war.

Meinem doch eher pragmatischen Naturell entsprechend wollte ich gerade aussteigen und meine Fracht auf unserer Terrasse deponieren, als ich eine Bewegung an dem Rettungswagen wahrnahm. Einer der Sanitäter war aus unserem Haus gekommen und wurde auch direkt von Frau Kleinhüppgenreuther angesprochen, daß er unbedingt die Straße freimachen müsse, da eine Nachbarin mit ihrem Wagen wegfahren wolle. Ähm, ja. Man hat ja so seine Prioritäten.

Da die Anwesenheit des Sanitäters vor Ort gerade nicht dringlich zu sein schien und auch sonst keine Umstände dagegen sprachen, fuhr er den Wagen tatsächlich an die Seite. Kaum war der Weg frei, verließ auch schon ein ziviles Fahrzeug unsere Straße, während von der anderen Seite ein Streifenwagen der Polizei vorfuhr. Diese stellte ihren Wagen auf den soeben frei gewordenen Parkplatz. Doch hatte man nicht mit Frau Kleinhüppgenreuther gerechnet, die sich sofort im Dienste der Nachbarschaft ins Zeug warf und den Polizisten unverhohlen erklärte, daß diese ihren Wagen da unmöglich abstellen könnten, handle es sich doch um einen privaten Parkplatz, welcher in Bälde wieder von seiner Besitzerin in Anspruch genommen werden wolle. Seitens der Polizisten murmelte man nur ein genervtes Wir sind ja gleich wieder weg und ignorierte Frau Kleinhüppgenreuther im Weiteren.

So nutze ich die Gelegenheit, stellte Balduin in unserem Carport ab, schnappte mir meine Tasche sowie den Milchkarton und begab mich in Richtung Wohnung. Meine Angetraute hatte die Dinge, die sich vor unserer Tür abspielten, ebenfalls mitbekommen und stellte sich die Frage aller Fragen: Welchen Fokus ihre Umwelt wahrzunehmen hat eigentlich Frau Kleinhüppgenreuther? Jedenfalls nicht den unseren.

Wir werden diese Frau nie verstehen. Denn wir wissen eines: Sobald wir sie verstehen, sind wir auch nicht besser dran.


(wird fortgesetzt)



Kommentare:

  1. Was macht die Frau, wenn sie selbst mal den Rettungsdienst braucht? Muss der dann auch erst einen Parkplatz suchen? Tzzzz.....

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    1. Als ob daran ernsthafte Zweifel bestehen würden. Und wehe, die Sanis putzen sich nicht die Schuhe ab, wenn sie die Wohnung betreten.

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    2. Wie Schuhe abputzen??? Ja bist du denn völlig übergeschnappt???
      AUSZIEHEN müssen sie die!

      Bei dem Theater, was Herr Kleinhüppgenreuther tagtäglich mit seinen Waldschuhen veranstaltet ist DAS ja wohl das MINDESTE!!!

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    3. Jau. Und wenn da jemand Schweißfüße hat, spart der Notarzt auch direkt die "Hallo-und-wech-Pillen".

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    4. Autsch, da hilft dann wohl nur noch der Einsatz einer Sanitätsdrohne, die frei durch den Raum schwebt und nix dreckig macht. Damit wäre dann die Parkplatzknappheit auch kein Thema mehr.

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  2. Unfassbar. Echt, bei solchen Leuten fällt mir nicht mehr viel ein.
    Oh, außer natürlich das hier: Das sind dann nämlich vorzugsweise diejenigen, wegen denen ich dann mit den Kindern 10 km vom Auto bis zum Einkaufsgeschäft latschen darf, weil die sich als fußgesunde Personen gerne auf die Mutter-Kind-Parkplätze stellen. Oder gerne auch mal auf die Behindertenparkplätze, was ich dann bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einem fröhlichen: "Ach, Sie sind behindert? Mensch, das tut mir aber leid für Sie!" quittieren.
    Wie diese Leute ticken, kann ich Dir dagegen ganz genau sagen: Das sind diejenigen, die denken, sie selbst wären immer die große Ausnahme, die sich einerseits alles erlauben dürften und die sich aber andererseits vom Rest der Welt nichts bieten lassen und das ist jawohl auch nicht verkehrt, oder wollen Sie etwa sagen, das wäre nicht mein gutes Recht???? Ahrg.
    Umgangsmethoden mir derlei Gestalten?
    Bestmöglich ignorieren, sich gar nciht erst drüber aufregen, weil`s ehnichts bringt und hoffen, dass die sich nicht vermehren. ;-)

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