Samstag, 28. Februar 2015

Ein Gastbeitrag

Zu Mollys Kommentar vom 25.02.2015 – siehe hier -  fühlte die zweitbeste Ehefrau von allen sich berufen, etwas zu schreiben. Da es als kommentierender Kommentar doch etwas umfangreich wurde, habe ich den Text als Gastbeitrag eingestellt. Um den Fortlauf der Geschichte vom etwas anderen Fokus nicht zu unterbrechen, erfolgte die Veröffentlichung erst heute.


***


*kicher*
Gut erfasst...

Eine Geschichte aus dem Jahr 2012 – oder: Die eine Seite.

Ich hatte in den Sommerferien für meine Trainerin die Leitung des Tanzensembles übernommen, welchem ich selber angehöre, und hatte entsprechend Musikanlage, Klamotten und Zubehör zu transportieren. Weil es meinem Rücken zu der Zeit wirklich nicht besonders gut ging, und auf Trainingshallenseite eine größere Wegstrecke zurückzulegen war, habe ich das alles in einen Einkaufstrolley ("Hackenporsche") gestopft, um es nicht tragen zu müssen.
Dieser Trolley ist einer der "modernen" Teile, die mit Rollen ausgestattet sind, wie sie auch unter Inline-Skates zu finden sind. Also kleine, feste Gummiräder.

Aufgrund der Bauweise ergibt sich so natürlich ein gewisses Abrollgeräusch, welches ich bei meiner Rückkehr (nach 22:00 Uhr) durch langsameres ziehen zu vermindern versuchte. Wirklich laut war es in meinen Ohren nicht und es handelt sich lediglich um etwa 15 Meter zurückzulegende Strecke.

Schon nach der zweiten Trainingseinheit fing mich Frau Kleinhüppgenreuther vor unserem Haus ab und beschwerte sich über die unzumutbaren Transportgeräusche meines Trolleys "zu nachtschlafender Zeit" und war sehr daran interessiert den Grund für meine späte Heimkunft zu erfahren.

Ich erklärte ihr, dass es sich um eine eng begrenzte Zeit handelt, in der diese Geräusche entstehen würden, ich im Moment verletzungsbedingt nicht in der Lage sei den Trolley zu tragen, und dass es sich um meinen Job handelt, der diese Vorgehensweise erfordert. (In meinen Augen geht es sie absolut nichts an, was ich wann warum wo mache, daher die äußerst knapp gehaltene Antwort...)

Nein - also diese Geräusche könne sie so nicht hinnehmen. Es handele sich ja schließlich schon um die Zeit der Nachtruhe. Da müsse ich was dran ändern!

Okay... Da ich bereits mehrfach mit ihr "aneinandergeraten" war indem ich ihr meine Meinung "unverblümt" ins Gesicht gesagt hatte und absolut keine Lust auf weiteren Stress hatte (nachher ruft sie noch das Ordnungsamt an!),  habe ich mich kurzerhand im Internet nach einem Trolley mit Luftbereifung umgesehen, der diese Geräusche dann nicht mehr fabriziert.

Dieser Trolley ist noch heute - damals war noch nicht wirklich absehbar, dass ich mal Trainerin sein werde - mein treuer Begleiter, rollt geräuschlos die paar Meter zwischen Carport und Haustür neben mir her und trägt je nach Kurspensum Musikanlage und bis zu drei Trainingstaschen. Für diesen Weg würde ich ihn eigentlich nicht benötigen, aber die Hallen und Studios in denen ich arbeite weisen überwiegend längere Wege zwischen Parkplatz und Eingang auf, sodass ich heute froh bin ihn mein Eigen nennen zu können. :-)

Die andere Seite:
Herr Kleinhüppgenreuther ist ja bekanntermaßen Jäger und entsprechend mehrmals wöchentlich, manchmal sogar täglich morgens im Wald unterwegs.
Ebenfalls bekanntermaßen ist Frau Kleinhüppgenreuther pedantisch reinlich.

Das sind ja nun aber zwei Dinge, die nicht unter einen Hut zu bekommen sind…
Schuhe, denen Schmutz aus dem Wald anhaftet, gehen ja mal gar nicht!!! Und schon überhaupt nicht in die Wohnung! Wo kommen wir denn da hin!

Also reinigt Herr Kleinhüppgenreuther morgens (je nach Sonnenaufgang mal extrem früh (ca. 5:00 Uhr), mal später) seine Schuhe, bevor er das Haus und die Wohnung betritt.
Zu diesem Zweck hat er einen dieser längeren Eiskratzer,welche zusätzlich über einen Besen verfügen (um Schnee vom Auto fegen zu können), im Einsatz.

Mit diesem Plastikteil klopft, schrubbt und kratzt er jedes Mal pedantisch jedes auch noch so kleine Fitzelchen Erde, Dreck und was weiß ich noch von seinen Schuhen. Teilweise 20 Minuten lang!
Die dabei entstehenden Geräusche wecken selbst mich sturen Tiefschläfer jedes Mal auf. Insbesondere, weil sich meine Schlafzimmerfenster exakt gegenüber der Eingangstür der Kleinhüppgenreuthers befinden.

Nun bin ich wirklich ein friedliebender Mensch, aber ich HASSE es, wenn ich unnötiger Weise geweckt werde! Trotzdem und um des lieben Friedens willen, den vor allem mein liebster Göttergatte benötigt, sage ich dazu ebenso wenig, wie zu den seinem offensichtlich nicht intensiv erzogenen Hundes nachgebrüllten Kommandos, die ebenfalls morgens durch die Straße hallen. Dann allerdings schon zu Zeiten, zu denen er das Haus verlässt!

Wer einmal zwischen halb vier und vier Uhr morgens von einem gebrüllten: „BELLO!!! KOMMST DU HIER HIN!!!“ geweckt wurde, wohnt bestimmt in unserer Nachbarschaft…





Freitag, 27. Februar 2015

Der etwas andere Fokus (Epilog)

Von den Vorbereitungen für die große Feier und der Veranstaltung selber etwas angeschlagen aber dennoch guter Dinge begab sich Frau Knutsen nach der Verabschiedung ihrer Gäste ins Bett. Sie hatte nur den Wunsch, am nächsten Tag mal so richtig auszuschlafen und daher das Gästezimmer für sich in Anspruch genommen, damit der Herr Gemahl, wohl ein Frühaufsteher wie ich auch, sie nicht stört.

Um zehn Uhr ging das Telefon. Herr Knutsen nahm das Gespräch entgegen. Ein Besucher der Feier wollte sich für den schönen Abend bedanken und zu dieser Gelegenheit auch nochmal ein paar Worte mit Frau Knutsen selbst wechseln.

Diese wurde an dem Tag zwar noch nicht gesehen, jedoch vermutete Herr Knutsen, daß seine Frau wegen des Klingelns nun auch wach sei und ging ins Gästezimmer, um das Telefon weiterzureichen. Er fand seine leblose Frau vor, versuchte die Reanimierung, alarmierte den Rettungsdienst.

Als er sie vorgefunden hat, erweckte sie einen friedlich schlafenden Eindruck.

Herr Knutsen fuhr noch am gleichen Tag los, um seine Schwiegermutter zu informieren und sie mit ins Neustädter Ländchen zu nehmen, da sie an ihrem Wohnort ansonsten ganz alleine sei.

Frau Knutsen wurde 63 Jahre alt.

Wir werden sie in guter Erinnerung behalten.


(Ende)



Donnerstag, 26. Februar 2015

Der etwas andere Fokus (Kapitel 3)

Der Leser mag es ahnen, daß der Notfalleinsatz in der Wohnung von Familie Knutsen stattgefunden hat. Wir vermuteten, daß  Frau Knutsens sehr betagte Mutter, welche schon mal einige Wochen im Jahr bei ihrer Tochter und dem Schwiegersohn verbringt, Auslöser des Rettungseinsatzes war. Allerdings wussten wir nicht, ob sie aktuell überhaupt hier bei uns weilt. Normalerweise bekommen wir dies aus verschiedenen Gründen immer mit. Bis jetzt aber gab es keine entsprechenden Anzeichen.

Der Einsatz in der Wohnung über uns neigte sich dem Ende zu. Der Rettungswagen verließ unsere Gegend leer und ohne erkennbare Eile. Schließlich fuhr ein Bestattungswagen vor. Der Schnitter hatte also seine Sense geschwungen.

Nachdem getan worden war, was getan werden musste, wechselte der Bestatter vor der Wohnung noch ein paar Worte mit einem seiner Mitarbeiter.

„Wenn noch etwas ist, soll er sich bei uns melden.“

Das hörte sich nicht so an, als ob Frau Knutsens Mutter verstorben wäre und ein trauerndes Ehepaar in der Wohnung über uns weilt.

Nein, es hörte sich nach einem trauernden Ehemann an.

Und so war es auch.

Letzte Woche habe ich noch mit Frau Knutsen gesprochen, nachdem sie im Treppenhaus versehentlich anstatt des Lichtschalters unsere Türklingel erwischt hatte. Sie war gut gelaunt, erkundigte sich nach meinem Befinden und wünschte gute Besserung. Niemand hätte vermuten können, daß ich sie zum letzten Mal sehen sollte.

Verdammt, wie schnell es doch manchmal geschieht.


(wird fortgesetzt)



Mittwoch, 25. Februar 2015

Der etwas andere Fokus (Kapitel 2)

…steuerte ich Balduin in den heimischen Kirschgartenweg, als ich mitten auf unserer doch etwas schmal geratenen Stichstraße in Höhe unseres Einganges sowohl einen großen Rettungswagen als auch einen Notarztwagen stehen sah. Die blauen Lichter flackerten, doch weit und breit war niemand zu sehen.

Mit Balduin vermochte ich an den beiden Wagen nicht vorbeizukommen, so wie die da standen. Gut, ich würde auch nicht unbedingt erwarten, daß man im Notfalleinsatz besondere Rücksicht auf derartige Belange nimmt, setzte ein Stück zurück und fuhr von der anderen Seite an unser Grundstück heran. Hier konnte ich den Wagen zwar nicht lange stehen lassen, da aus guten Gründen ein Parkverbot vorlag, aber für den Moment würde es in Ordnung sein. Nachdem ich den Motor abgestellt hatte, warf ich einen kurzen Blick auf mein Handy. Nein, keine Nachricht von der zweitbesten Ehefrau von allen und auch kein Anrufversuch von jemand anderem. Daraus zog ich den Schluss, daß der Rettungseinsatz nicht mit meiner Angetrauten in Verbindung zu bringen war.

Meinem doch eher pragmatischen Naturell entsprechend wollte ich gerade aussteigen und meine Fracht auf unserer Terrasse deponieren, als ich eine Bewegung an dem Rettungswagen wahrnahm. Einer der Sanitäter war aus unserem Haus gekommen und wurde auch direkt von Frau Kleinhüppgenreuther angesprochen, daß er unbedingt die Straße freimachen müsse, da eine Nachbarin mit ihrem Wagen wegfahren wolle. Ähm, ja. Man hat ja so seine Prioritäten.

Da die Anwesenheit des Sanitäters vor Ort gerade nicht dringlich zu sein schien und auch sonst keine Umstände dagegen sprachen, fuhr er den Wagen tatsächlich an die Seite. Kaum war der Weg frei, verließ auch schon ein ziviles Fahrzeug unsere Straße, während von der anderen Seite ein Streifenwagen der Polizei vorfuhr. Diese stellte ihren Wagen auf den soeben frei gewordenen Parkplatz. Doch hatte man nicht mit Frau Kleinhüppgenreuther gerechnet, die sich sofort im Dienste der Nachbarschaft ins Zeug warf und den Polizisten unverhohlen erklärte, daß diese ihren Wagen da unmöglich abstellen könnten, handle es sich doch um einen privaten Parkplatz, welcher in Bälde wieder von seiner Besitzerin in Anspruch genommen werden wolle. Seitens der Polizisten murmelte man nur ein genervtes Wir sind ja gleich wieder weg und ignorierte Frau Kleinhüppgenreuther im Weiteren.

So nutze ich die Gelegenheit, stellte Balduin in unserem Carport ab, schnappte mir meine Tasche sowie den Milchkarton und begab mich in Richtung Wohnung. Meine Angetraute hatte die Dinge, die sich vor unserer Tür abspielten, ebenfalls mitbekommen und stellte sich die Frage aller Fragen: Welchen Fokus ihre Umwelt wahrzunehmen hat eigentlich Frau Kleinhüppgenreuther? Jedenfalls nicht den unseren.

Wir werden diese Frau nie verstehen. Denn wir wissen eines: Sobald wir sie verstehen, sind wir auch nicht besser dran.


(wird fortgesetzt)



Dienstag, 24. Februar 2015

Der etwas andere Fokus (Kapitel 1)

Es war Sonntagmorgen. Nachdem ich meine Erkältung zwischenzeitlich weitgehend auskuriert hatte und sich nur der trockene Husten noch etwas länger hielt, was bei mir durchaus normal ist, packte ich meine Tasche, um endlich mal wieder den Sporttempel mit meiner dort sicherlich hochgeschätzten Anwesenheit zu beehren. Und da ich inzwischen eine neue, etwas größere Sporttasche mein Eigen nennen darf, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, darin neben meinen Sportklamotten auch direkt die Saunasachen zu verstauen.

Der Besuch der Familie Knutsen hatte zwischenzeitlich augenscheinlich das Weite gesucht; die Zeit des kreativen Parkens einiger auswärtiger Fahrzeuge war vorbei. Die Carports erwiesen sich als frei zugänglich.

Das Autothermometer zeigte um 8.45 Uhr satte 2 Grad an, aber es war eine andere Kühle als sonst. Eine warmeKühle. Kreislaufwetter, wie die zweitbeste Ehefrau von allen später sagen wird. Ich habe es gespürt, denn weder beim Sport noch anschließend in der Sauna lief es so, wie ich es hätte erwarten dürfen. Immer noch vollkommen ermattet schleppte ich mich nach einer ansonsten durchaus angemessenen Regenerationsphase und nur einem einzelnen Saunagang wieder in Richtung Auto, stieg ein und fuhr nach Hause.

Im Kofferraum wusste ich neben meiner Sporttasche noch einen Karton mit 10 Packungen Milch sowie ein Sixpack, bestehend aus 1,5-Liter-Flaschen eines koffeinhaltigen, zuckerfreien Erfrischungsgetränkes, welches dem Vernehmen nach anscheinend nur von mir getrunken wird. Genauso, wie die Blöd-Zeitung an sich über keinen einzigen Leser verfügt und RTL in der guten alten Zeit auch die Kultursendung Tutti Frutti nur für die allseits bekundeten nicht vorhandene Zuschauer gesendet hat.

Während ich also darüber nachdachte, welches der Ladegüter gleich von mir mit ins Haus genommen werden würde, denn alles inklusive meiner Tasche wäre jetzt doch etwas viel geworden und ich wollte nicht extra vor dem Haus parken und den Wagen leerräumen, steuerte ich Balduin in den heimischen Kirschgartenweg, als…


(wird fortgesetzt)



Montag, 23. Februar 2015

Der etwas andere Fokus (Prolog)

Die Eheleute Knutsen hatten eingeladen. Nichts ins Auto und auch nicht uns, sondern die bundesweit verstreut lebende Familie, wie wir an den charakteristischen Kennzeichen der ab Samstagnachmittag hier herumstehenden ortsfremden Autos erkennen konnten. Da unsere Gegend allgemein nicht gerade mit Parkplätzen gesegnet ist, insbesondere aber nicht mit freien, war kreatives Parken angesagt. In gegenseitigem Einvernehmen ist da einiges möglich, sofern man gutwillige, hilfsbereite Nachbarn hat. Und die hat man hier überwiegend. Auf jeden Fall aber bei uns im Haus.

Über unseren Köpfen herrschte gute Stimmung. Nicht, daß wir von anhaltender lauter Musik gestört worden wären, so etwas ist nicht Knutsens Stil. Aber gelegentliches Gelächter aus mehr als zwei Kehlen und auch das eine oder andere Gerumpel ließ uns doch wissen, daß man sich in der oberen Etage gut zu amüsieren wusste. Es störte uns nicht weiter. Herr Knutsen feierte seinen Geburtstag. Es sei ihm gegönnt.


(wird fortgesetzt)



Samstag, 21. Februar 2015

Stuhlkreise und weitere Wirrungen des Lebens

Das harte Arbeitsleben hatte unseren Fachbereich einst in ein Seminar gespült. Den gesamten Fachbereich zur gleichen Zeit. Die Arbeit konnte tatsächlich für drei Tage liegen bleiben. Teambildung nannte man so etwas. Wir bezeichneten es sehr zur Verärgerung Dr. Strebsingers stets als Schmusekurs.

Zu lernen gab es nichts, was man nicht auch mit gesundem Menschenverstand herausfinden konnte. Überhaupt erschien mir der gesamte Seminaraufbau etwas seltsam. Rajiv, mit dem ich mich später darüber unterhalten habe, meinte als in der Thematik sachkundiger Mensch, daß ein Teambildungsseminar in der uns angebotenen Form nicht funktionieren könne. Aber so ist das, wenn man seitens des LASA alles haben aber nichts bezahlen will.

Grundsätzlich halte ich Seminare nicht für uninteressant. Allerdings gibt es zwei Aspekte, die sich immer wiederholen und die mir und meiner Phobie überhaupt nicht entgegenkommen. Da hätten wir zunächst die Teile, in denen Gruppenarbeit angesetzt ist. Ich bin kein Typ für Gruppenarbeit. War ich nie und werde ich auch nie sein. Ich arbeite alleine. Fertig. Gegen Menschen, die mir dabei assistieren, habe ich zumeist nichts einzuwenden. Ideen würde ich auch aufgreifen. Aber jeden Mist mit allen besprechen? Nein, vielen Dank. Ja, ich weiß, das soll angeblich ineffektiv sein und entspricht mit Sicherheit nicht dem Zeitgeist. Ist mir egal, ich bin ein phobischer Dinosaurier. Das bedeutet nicht, daß ich mich nicht in ein Team integrieren kann. Aber ergebnisorientierte Arbeit ist was mich betrifft in einer Gruppe nicht möglich.

Dann kommen noch die elendigen Stuhlkreise. Ich hasse Stuhlkreise. Man sitzt auf im Regelfall viel zu kleinen Stühlen, zumeist ohne Armlehne und daher unbequem, mit den anderen in einem Kreis. Jeder kann jeden sehen. Mehr oder weniger. Es gibt keinen Tisch, auf dem man etwas – einschließlich verschiedener eigener Körperteile, wie zum Beispiel Unterarme – ablegen könnte. Das Ganze soll aus psychologischer Betrachtung wohl dazu dienen, Offenheit zu erzeugen und Verstecken sowie Abwehr verhindern. Einen solchen Effekt habe ich nie bemerkt. Eher das Gefühl, schutzlos den anderen ausgeliefert zu sein. Was ausgeprägtes Unwohlsein zur Folge hat. Das kann sich steigern bis hin zur mühsam unterdrückten Aggressivität. Und nachfolgend Kreuzschmerzen. Wegen der unbequemen Stühle.

Auf unserem Schmusekurs bildeten wir natürlich ebenfalls verschiedentlich Stuhlkreise. Ich habe sie mit Würde ertragen. So auch am letzten Tag zur Abschlussbesprechung. Aus dem Kollegenkreis wünschte man sich, vermutlich beseelt vom neu erwachten Drang nach Gemeinsamkeit in unserem Team, wir mögen noch näher zusammenrücken als wir ohnehin schon saßen, das fände man ganz toll.

Gut, das Empfinden war durchaus zulässig. Toll fand das allerdings keineswegs.

Als instinktive Abwehrreaktion hätte ich um mich schlagen können, nachdem die Bitte geäußert wurde.

Durfte ich aber nicht. Weil man so etwas nicht macht.

Der Seminarleiter zeigte sich nahezu begeistert von der Idee. Also des Zusammenrückens, nicht des Schlagens. Widerstand zwecklos. So saß ich da, den Sitznachbarn auf die Pelle gerückt, von beiden Seiten bedrängt bis in den persönlichen Schutzbereich. Meine Hölle auf Erden. Mehr Adrenalin als Blut im Körper ohne eine Möglichkeit, es wieder abzubauen. Mit der Pflicht, ruhig und gelassen zu bleiben.

Ich mag keinen Körperkontakt zu Fremden. Ich mag es schon gar nicht, von Menschen, dir mir nicht oder nur bedingt nahe stehen, umarmt zu werden. Ich will auch nicht sonstwie geherzt werden. Das Drücken und Knutschen zur Begrüßung und zum Abschied mag ich nicht mal im Familienkreis. Selbst Händeschütteln ist mir zuwider, kann ich aber als Umstand eines zivilisierten gesellschaftlichen Miteinanders gerade noch akzeptieren und als anerkannte Geste der Höflichkeit auch praktizieren. Wenn dann bloß nicht so ein fischiger Händedruck zurückkommt. Das ist ja schlimmer als ein fester Handschlag.

Die Herzerei war dankenswerterweise das erste, was meine Angetraute meinen Schwiegereltern mir gegenüber abgewöhnt hat, als sie einst mit Schrecken meine aus gegebenem Anlass höchst bedrohlich angeschwollene Halsschlagader bemerken musste. Wenn ich mich recht erinnere, erfolgte das schon bei meinem Antrittsbesuch. Oder zumindest kurz danach.

Und ich hasse Stuhlkreise.

Besonders die engen.

Aber wer fragt schon danach?



Freitag, 20. Februar 2015

Schwarz - rot - blau

Es ist ja keineswegs so, daß wir in der Sachbearbeitung mit freier Farbwahl schreiben dürfen. Die Farben sind unseren Funktionen zugeordnet, was aber tatsächlich auch einen gewissen Sinn ergibt. Natürlich hat dies den Nachteil, daß der gewiefte hilfsbereite Sachbearbeiter nun auch Kugelschreiber in verschiedenen Farben, und das auch noch in unterschiedlichen Farbnuancen vorrätig haben muß, um zweifelhafte Entscheidungen der Vorgesetztenebene sachgerecht korrigieren einem zufällig im Raum befindlichen Vorgesetzten damit bei Bedarf jederzeit aushelfen zu können.

Und natürlich kommt es wie in anderen Berufen auch vor, daß sich der Bürokrat als solches schon mal mit seinen Arbeitsmitteln, hier speziell also Tinte in den diversen Verbreitungsformen, einsaut.

(Wer jetzt mit dem alten Witz von dem schwarzen Fleck auf der Stirn daher kommt, welcher nur deswegen dort wäre, weil man mal wieder während des Büroschlafs mit der Stirn auf das Stempelkissen gefallen sei, muß hier mit HausBlogverbot rechnen.)

Soviel zur Einleitung.

Ludwig und Sven stürmten unser Büro und überfielen Mandy mit einer Frageakte. Schnell war man in der Sache vertieft. Natürlich wurde der allzeit in der Hand gehaltene, einsatzbereite Kugelschreiber (So einen halte ich tatsächlich fast ständig in meiner Hand, egal was ich an meinem Schreibtisch sonst so mache. Sogar dann, wenn ich gerade auf der Tastatur herumhacke oder die Maus quäle.) in seinem Nebenverwendungszweck von Mandy als Zeigestock eingesetzt. Mit den üblichen Folgen.

„Ups, jetzt habe ich dich bemalt.“

Sven sah das ganz entspannt.

„Macht nichts, wenn es blau ist, fällt es nicht auf.“

Ludwig starrte unverhohlen auf Svens Haare.

„Rot aber auch nicht.“

Wie gut, daß das auch mal jemand anderes sagt.



Donnerstag, 19. Februar 2015

Familienplanung

Man unterhielt sich im LASA über Kinder. Konkret über Kinderwünsche. Man bestand unter anderem aus der noch halbwegs frisch verheirateten Rebecca, Nadja, Karla und Mandy. Wobei letztere sich eher auf das Zuhören beschränkte.

Karla hatte schon eine durchdachte, sehr pragmatische Vorstellung von ihrer späteren Familienplanung.

„Also, ich hätte gerne ein Kind. Oder besser zwei, falls mit einem mal was ist.“

Nun denn…




Mittwoch, 18. Februar 2015

Der Postmann und die zweitbeste Ehefrau von allen

Tari tara, die Post ist da. Und natürlich hat unser amtlich bestimmter offizieller Vertretungspostbote die Gelegenheit genutzt, seinen Wagen bei uns um ein Postversandstück zu erleichtern. Die zweitbeste Ehefrau von allen trottete virenverseucht schniefend zur Tür und öffnete. Da stand er nun und sagte das Sprüchlein auf, für das sein Berufsstand in der ganzen Welt berühmt ist.

Tach, Post.

Es handelte sich um etwa Quittungsbedürftiges. Meiner Angetrauten wurde das hochelektronische Dokumentationsdingensgerät und der Plastikdokumentationsdingensunterschreibestab hingehalten.

„Ist das normales Plastik oder benötigen Sie für das Gerät einen besonderes Stift?“

„Öhm, das ist normales Plastik.“

„Moment.“

Meine Angetraute schnappte sich einen der hier überall – doch nur selten da, wo man sie wirklich benötigt – herumliegenden Billig-Kugelschreiber mit Plastikspitze, ließ die Mine zurückklacken und unterschrieb damit auf dem ihr hingehaltenen Display, ohne höchst virulent den postoffiziellen Plastikstift zu berühren.

Auch dem Postmann schien es gefallen zu haben.

„Ach, dafür könnte ich Sie knutschen.“

Ich glaube, spätestens damit wäre der Sinn der Aktion nun doch irgendwie als verfehlt einzustufen gewesen.



Montag, 16. Februar 2015

Singe wem Gesang gegeben

„Wuahahaaaa!“

Es ist Rosenmontag. Mein mentaler antikarnevalistischer Schutzwall steht!

Aus den Tiefen der heimischen Wohnung war die Stimme der zweitbesten Ehefrau von allen zu vernehmen. Ich verfiel in kurze Überlegungen, was denn wohl die Ursache des Ausrufs gewesen sein könnte. Das plötzliche Auftauchen einer Winterspinne wäre wohl auszuschließen, dazu war die Stimmlage nicht hysterisch genug. Und auch seitens des gerade nicht in meinem Blick befindlichen Katers war zu dieser Uhrzeit kein Unfug zu erwarten. Er würde im Souterrain auf seinem nur noch von Katzenhaaren und Spucke zusammengehaltenen Kratzbaum sein zweites Vormittagsschläfchen halten. Von Smilla wusste ich, daß sie gerade ebenfalls dösend in ihrem Topf lag, während Lilly sich auf der Rückenlehne des Monsters befand und durchaus vernehmlich ihre Morgenhygiene betrieb.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als zur gewünschten Klärung des Rätsels so etwas wie Initiative zu ergreifen. Schreckliche Vorstellung.

„Was ist los?“

(Genug der Initiative, der Ball ist wieder auf der anderen Seite im Spiel.)

„Hörst du es nicht?“

(Ist ja wie beim Tennis. Ball Paterfelis – oder so ähnlich.)

„Nö, was denn?“

(Jetzt aber!)

„Herr Knutsen singt. Ich höre es bis hier unten.“

(Aha!)

„Aha!“

(Und?)

„Das Lied vom Trömmelchen.“

Nie gehört. Kenne ich nicht. Muß ein altes Seemanslied sein, wenn unser hauseigener Marineoffizier a. D. das schmettern kann. Aber Trommeln? Auf einem Schiff? Wieso fallen mir dazu jetzt nur Galeerensklaven ein?

Es gibt durchaus Momente, in denen ich wohl froh sein kann, wenn mein linkes Ohr von Lillys schmatzenden Putzgeräuschen in Anspruch genommen ist und das rechte gleichzeitig durch das Rauschen unseres elektrischen Luftbefeuchters blockiert wird.

Und dies könnte so ein Moment gewesen sein.

Zieht an!








Samstag, 14. Februar 2015

Unterwegs mit Stan und ohne Ollie

Es ließ sich nicht umgehen, auch am Karnevalswochenende einkaufen zu gehen. Da sowohl meine Angetraute als auch ich immer noch an unseren Erkältungen herumkurieren, ich jedoch nur noch mit den Nachwehen zu kämpfen habe und die Trainerschule keinen Unterricht angesagt hatte, würde ich dies erstmals nach langer Zeit wieder am Samstag das Auto zur Verfügung haben und selbst losziehen, um im örtlichen Einzelhandel meine Beute zu machen.

Schon am Donnerstag, als die zweitbeste Ehefrau von allen und ich uns dahingehend abgesprochen hatten, wurde ich ihrerseits darauf aufmerksam gemacht, daß ich auf dieser Samstagsrunde Stan mitnehmen sollte. Stan ist ein alter Bekannter, dem wir einst in Rajivs eigenem Studio begegnet sind und der seitdem immer wieder unsere Wege kreuzt.

Gut, das würde für mich in Ordnung gehen. Stan ist nicht übertrieben geschwätzig und erwartet auch kein großartiges Unterhaltungsprogramm. Ein vollkommen unproblematischer Typ. Ich käme damit also zurecht.

Stan wartete schon, so daß wir pünktlich aufbrechen konnten. Nach den üblichen Wegen zur Post, Spaßkasse und Tankstelle hielt ich auf dem Parkplatz des Feinkosthändlers. Stan hatte in dem Laden nichts zu tun und bevorzugte es, alleine im Auto sitzen zu bleiben.

Als ich mit meinem gefüllten Einkaufswagen wieder zurück zum Auto kam, wurde ich von einem weiteren Kunden angesprochen, der gerade die Ergebnisse seines eigenen Beutezuges auf dem Nachbarparkplatz einlud.

„Sagen Sie mal, Ihr Mitfahrer sieht aber nicht besonders gut aus.“

Ja, stimmt. Stan ist eher ein blasser Typ mit stark eingefallenen Wangen. Da kann man schon mal auf Gedanken kommen.

„Ja, stimmt. Er hat Altweiber wohl nicht so gut überstanden.“

Der Herr warf noch mal einen Blick auf den Stan.

„Na ja, irgendwann muß mal den Opa doch mal loswerden, oder?!“

Was fraglos außer Frage stand.

Werte Leser, ich darf vorstellen:

Stan
  
Ein wenig tiefliegende Augen hat er ja schon...



Freitag, 13. Februar 2015

Interpretationsfähige Meinungsäußerung

Unlängst habe ich zu einem Menschen vielleicht etwas vorschnell gesagt, daß ich ihn nicht für blöd halte (was man aus Gründen der Motivation eben schon mal so faselt).

Aber jemanden nicht für blöd zu halten schließt doch jetzt keineswegs direkt aus, daß er vielleicht saublöd sein könnte, oder?!



Donnerstag, 12. Februar 2015

Es liegt was in der Luft

Die Sonne strahlt vom Himmel; die Luft ist irgendwie klar. Eine trockene aber doch schneidende Kälte macht sich breit. Den jungen und auch den älteren Damen, denen ich heute auf den Straßen begegne, scheint dies gerade nichts auszumachen. Man trägt Minirock. Auch gerne bauchfrei. Und zeigt die mehr oder weniger üppige Oberweite. Erstaunlich - bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Es liegt was in der Luft.

Auf dem Weg zu Bahnhof sehe ich, wie mein Zug bereitgestellt wird. Früh heute. Hoffentlich ist er noch nicht überfüllt, wenn ich den Bahnsteig erreiche. Ein paar Minuten brauche ich noch, die Treppe runter durch das Labyrinth der U-Bahn, wieder eine der Treppen rauf zum Fußgängertunnel unter den Gleisen der Eisenbahn. Und schließlich die letzte Treppe hinauf zum Bahnsteig. Die ewig kaputten Rolltreppen stören mich schon fast nicht mehr. Fast.

Es liegt was in der Luft.

Der Zug steht erwartungsgemäß am Bahnsteig. Die kleinen Klappfenster sind geöffnet, obwohl der Wagen vollklimatisiert ist. Ungewöhnlich. Sonst schreit sofort jemand, daß es kalt ist und zieht, wenn man auch nur mit dem Gedanken spielt, Hand an das Fenster zu legen, um es zu öffnen. Auch im Sommer und noch am Bahnsteig stehend. Ich sehe von außen freie Sitzplätze. Mehr als genug. Die werden sich bis zur Abfahrt auch nicht mehr füllen, so meine Erfahrungswerte. Nicht zu dieser Uhrzeit. Sehr angenehm, kein erzwungener Kuschelkontakt mit Fremden.

Es liegt was in der Luft.

Der Knopf an der Wagentür leuchtet grün. Ich drücke ihn, ein Warnton ist hörbar, langsam beginnt sich das Türenpaar zu öffnen. Ich steige ein, finde meinen Platz, setzte mich hin. Gangseite natürlich, möglichst in der Nähe der Tür. Und ich beginne zu verstehen.

Es liegt was in der Luft.

Ja, es liegt was in der Luft. Jetzt kann ich es trotz meiner immer noch erkältungsgeplagten Nase zweifelsfrei wahrnehmen. Mein Kopf ist auch weiterhin nicht ganz klar, die Erkältung hat ihn im Griff. Dennoch ist im Oberstübchen etwas in der Lage, eine Analyse meiner Wahrnehmung vorzunehmen.

Es liegt was in der Luft.

Eine Aromamischung aus Gulaschsuppe, Döner, Alkohol und Erbrochenem umweht mich. Ich kann auf dem Wagenboden Reste von allem sehen, was diesen Geruch ausmacht. Gebraucht hätte ich es nicht.

Es - nein - er liegt in der Luft.

Er, das ist - der Geruch nach Karneval.

Mittwoch ist alles vorbei.



Dienstag, 10. Februar 2015

Tierisch durcheinander

Mittagszeit im LASA. Es ist zwar selten, kommt aber dennoch vor, daß ich mein erstes Frühstück schon zu dieser frühen Stunde einnehme. Kaum hatte ich meinen Happen – ja, mehr war es wirklich nicht – verdrückt, kam Sven rein.

„Oh, hier riecht es aber gut. Hattest du Gulasch?“

Bevor ich antworten konnte, drängelte sich der Ökoklaus dazwischen.

„Gulasch? Hier? Das riecht doch wohl nach Schweinebraten.“

So langsam mache ich mir um die Qualität meiner Tütenchinanudeln von Feinkost Albrecht durchaus Sorgen.

Auf der Packung stand eindeutig Huhn.



Montag, 9. Februar 2015

Wieder im Rennen

36,5 Grad.

Ich bin wieder im Rennen.

Das Wochenende hat mir zwar viele Ruhephasen gebracht, an erholsamem Schlaf hat es jedoch gemangelt. Also auf ins Büro, irgendwo muß ich den ja nachholen.



Sonntag, 8. Februar 2015

Noch ein Zwischenbericht

Gestern Abend, während sie an meinem Krankenlager weilte, meinte die zweitbeste Ehefrau von allen zu mir, ich sei ein heißer Typ. Irgendwie so in der Art jedenfalls. Noch bevor ich ihr kundtun konnte, daß ich für weitergehende Avancen gerade nicht in der Stimmung sei, zückte sie auch schon das Fieberthermometer und versenkte es sachgerecht unter meiner Zunge.

39,2 Grad.

Das Fieber ist jetzt runter 38,irgendwas. Ich scheine zu überleben. Zumindest ist ein Trend dazu vorhanden. Es sei denn, das heimtückische Virenimperium will mich nur in Sicherheit wiegen, um dann erneut zuzuschlagen.

Nahezu einen ganzen Tag im Bett zu verbringen ist nichts für mich – und schon gar nicht für meinen Rücken. Wenn ich das heute nochmal mache, komme ich morgen überhaupt nicht mehr raus.

Also muß ich etwas tun. Bewegung tut Not. Nicht viel, aber zumindest etwas.

Was bietet sich da besseres an als Katzenscheiße zu schaufeln? Eben, da gibt es nichts anderes. Und auch die Tierchen werden es mir danken.

Vielleicht räume ich auch die Spülmaschine aus und wieder ein. Sehr gewagt von mir. Aber Gefahr ist mein zweiter Vorname.

Ausgesprochen nervtötend ist übrigens, daß bei jeden Niesen oder Husten Tränen auf meine Brille tropfen und ich sie dann wieder putzen muß. Aber das nur am Rande, damit ihr die volle Härte meine aktuellen Daseins mitbekommt. 

Wie schaffen es eigentlich Brille tragende Bäcker, in ihrem Beruf zu überleben? Der Mehlstaub auf den Gläsern würde mich in den Wahnsinn treiben.

In diesem Sinne - noch ist es nicht soweit.





Samstag, 7. Februar 2015

Zwischenbericht

Wie ihr wisst, bereite ich mich auf mein baldiges Ablebenvor. Männerschnupfen und so ist ja ein bekanntes Problem. Schreckliche Sache, wirklich ganz schrecklich.

Meine Hände sind eiskalt, obwohl ich bis zum Hals unter der Wolldecke stecke.  Leichen haben auch eiskalte Hände. Vielleicht bin ich schon zum Zombie mutiert? Und ich habe es nicht mitbekommen.

Schnell mal das Film- und Serienarchiv aktivieren. Die vierte Staffel von The Walking Dead wartet auf mich.

In meiner jetzigen Lage ist das ja schon fast Bildungsfernsehen.

Besser wieder ins Bett.



Freitag, 6. Februar 2015

Geh doch

Geh doch zum Arzt, heißt es. Der macht dich gesund, heißt es. Und er sorgt dafür, daß du gesund bleibst, heißt es.

Von wegen.

Ich vertrat ja schon immer gegenteilige Ansichten. Und mit was? Mit recht! Das wurde mir erneut eindrucksvoll bestätigt.

Dienstag war ich dann also mal wieder beim Arzt. Nur Laborwerte besprechen, keine Akuterkrankung. Vollkommen harmlos. Eine Stunde über Termin im natürlich vollkommen überhitzten, von Schniefnasen besetzten Wartezimmer auszuharren verpuffte nicht ohne Wirkung. Pünktlich nach Ablauf der dreitägigen Inkubationszeit zeigte er sich dann auch bei mir.

Der von der Frauenwelt stets verharmloste Männerschnupfen!

Wir danken dem edlen Spender.

Es läuft nicht nur, es geht auch was. Und zwar zu Ende. Mit mir. Ganz eindeutig.

Von dannen gehen werde ich übrigens auch einsam und verlassen. Die zweitbeste Ehefrau von allen hat am Wochenende aushäusige Termine wahrzunehmen.  Meine Überreste werden später einsam zwischen einem Haufen Katzen liegend aufgefunden werden. So etwas liest man ja auch immer wieder in der Zeitung. 

Es war schön, euch alle mal kennengelernt zu haben.

*rotz*

*röchel*

*keuch*



Donnerstag, 5. Februar 2015

Vielfalt

Hiermit stelle ich den Antrag, den Tag zwischen Mittwoch und Freitag zum regelmäßigen bundesweiten Döners-Tag zu erklären. Freidöner für mich. Das wäre schließlich auch eine mal eine Aussage zur kulturellen Vielfalt in Deutschland.

Ich habe schon jemanden gefunden, der mich dahingehend unterstützt und zumindest mir die Dinger besorgt. Nur bezahlen will er nicht.

Sven, du sabotierst eine politische Aktion.




Ausgezwitschert

Das Twitter-Gadget habe ich wieder gelöscht. Ist nicht so meine Welt.



Mittwoch, 4. Februar 2015

Das große Geheimnis

Es geschehen Dinge, die ich früher, damals vor den Knüppelkriegen, als ich noch jung war, nie erlebt habe. Im LASA nicht und auch anderen Ortes nicht. Dinge, die jetzt zunehmend auftreten. Im LASA. In unserer Außenstelle. Und auch ich bin davon unmittelbar betroffen.

Es geht um zerbrochene Brillen.

Nein, nicht um meine Brille. Die habe ich früher schon das eine oder andere Mal kaputt gemacht. Schulhofprügeleien und Sportunterricht haben dafür Sorge getragen, aber aus dem Alter, in dem mir so etwas widerfährt, bin ich raus. Dies gilt sowohl für Schulhofprügeleien als auch Sportunterricht.

Wir reden hier vielmehr von zerbrochenen Toilettenbrillen.

In den Jahren, in denen ich in unserer Außenstelle arbeite, ist es jetzt zum wiederholten Mal vorgekommen, auf eine wirklich und wahrhaftig zerbrochene Toilettenbrille zu stoßen. Wie kann das sein? Knallt die jemand immer wieder auf die Schüssel, nachdem er stehenderweise verrichtet hat? So mit voller Wucht? Würde man ja hören, kann also nicht sein.

Überlastung?

Der Verdacht drängt sich ja auf, zumal neben mir noch einige andere Schwergewichte auf unserer Etage arbeiten. Dem wäre aber entgegenzuhalten, daß unsere heimischen Toilettenbrillen seit Urzeiten ihren Dienst beschädigungsfrei ausüben. Das sind auch noch die billigen aus dem Angebot vom Discounter. Mit Absenkautomatik. Und das ich hier zu Hause weniger wiege als im Büro dürfte kaum anzunehmen sein.

Somit wäre die Theorie der Überlastung wohl auch auszuschließen.

Es sei denn, es fände eine zeitgleiche, unsachgemäße Mehrpersonennutzung statt.

Ich glaube, es sollten Erkundigungen eingezogen werden, ob es trotz strengem Verbandelungsverbot mit dem Ziel der Verhinderung dolosen Handelns – wir stehen hier als Mitarbeiter tatsächlich schon im Vorfeld einer solchen Tat von Amts wegen unter Generalverdacht - irgendwelche heimliche Pärchenbildungen bei uns gibt.

Aber ob da Bürostühle und Schreibtische nicht gemütl…



Montag, 2. Februar 2015

Blau

Meine von mir hochgeschätzte Teemaschine zickt in letzter Zeit herum. Irgendwelche Mechaniken wollen nicht so, wie sie sollen. Sie lassen das Wasser von der Aufbrühkanne in die eigentliche Teekanne laufen, bevor es auch nur eine Chance hatte, zu Tee zu werden. Oder das Wasser wird in der Aufbrühkanne festgehalten, ohne daß es eine Chance bekommt, auf dem dafür vorgesehenen Weg von selbiger in die Teekanne zu wechseln. Meine stille Hoffnung ist es ja, daß eine Grundreinigung der Maschine Abhilfe schaffen wird. Das sollte ich demnächst mal in Angriff nehmen. Natürlich zu Hause, denn ich hege doch leise Zweifel daran, daß sich seitens meines Arbeitgebers oder meiner Kollegen Verständnis für meine Teenotlage entwickelt. Zumindest dahingehend, daß man mir zubilligen würde, dies während der Dienstzeit zu erledigen.

Der Not gehorchend bin ich nun übergangsweise wieder mit Teebeuteln zugange. Und da mir das heiße Wasser neben meinem Schreibtisch nunmehr fehlt, komme ich  nicht daran vorbei, mir solches zwischendurch immer wieder mal aus unserer Teeküche zu besorgen. Sven jedenfalls weigert sich aus vollkommen unverständlichen Gründen, dies für mich zu erledigen.

So latschte ich also den Gang in Richtung Teeküche, als Frl. Hasenclever unvermutet neben mir auftauchte.

„Oh, Herr Paterfelis, das Blau Ihrer Tasse passt aber gut zu Ihrem Hemd.“

Ich nahm eine kurze Musterung an mir vor. Tatsächlich und für mich wenig überraschend, hatte ich ein blaues Hemd an. Da waren so dermaßen viele Blautöne in einander übergehenden Quadraten drauf, daß einer zwingend passen musste. Meine Jeans zeigte natürlich auch das gewohnte Blau, ebenso wie meine Turnschuhe. Die Socken waren eher verwaschen schwarz, lugten allerdings nirgends hervor, und welche Farbe meine Unterhose hatte, geht euch gar nichts an. Wobei ich einen Blauton auch nicht auszuschließen vermag.

„Tja, Frl. Hasenclever, so bin ich halt. Blau zeugt eindeutig von stilvoller Eleganz.“

Frl. Hasenclever zeigte mir den nach oben gerichteten Daumen.

„Blau ist super.“

Ich weiß jetzt auch nicht, was die gerade so geritten hat, aber grundsätzlich schließe ich mich der Aussage vorbehaltlos an.

Soweit es um Farben geht.



Sonntag, 1. Februar 2015

Es will nicht

Die Nacht war unauffällig. Wie üblich wurde ich früh wach. Katze Lilly drängte sich in voller Länge an meine Seite. Ich blieb ruhig liegen und grübelte vor mich hin. Das Radio ließ ich ausgeschaltet. Meine wohlbekannte innere Unruhe war wieder spürbar. Die Zustände im Büro tragen im Moment auch wieder das Ihrige dazu bei.

Nach zwei Stunden stand ich auf, duschte, begrüßte den danach wie üblich vor dem Badezimmer auf mich wartenden Hauskater Marty. In meinen Bademantel gehüllt sichtete ich die Schmutzwäsche. Da wartete 30 dunkel auf mich. Eine Sporthose und ein Oberteil würden noch dazu passen, damit es langte. Also suchte ich mir aus meinem Fundus entsprechend dunkle Kleidung raus, nahm sie mit ins Wohnzimmer und legte sie über den Sessel. Es war noch viel zu früh, um in Richtung Sporttempel aufzubrechen. Der Gedanke daran… es stand wieder auf der Kippe. Schon jetzt bemerkte ich es. Manche Tage beginnen einfach so. Noch aber war alles möglich.

Ich ging in die Küche, leerte die Spülmaschine, räumte ein paar Kleinigkeiten hin und her. Fertig. Nicht richtig fertig, aber fertig genug. Für den Moment sollte es reichen.

Sieben Uhr. Noch fast zwei Stunden.

Zur Überbrückung der Zeit schaltete ich den Laptop ein, rief eine Datei mit einem Text auf, den ich gestern geschrieben hatte und den ich heute veröffentlichen wollte. Nein, er gefiel mir überhaupt nicht. Ich versuchte, ihn etwas zu überarbeiten, aber es sollte nicht werden. Würde ich ihn mit Interesse lesen wollen? Nein. Langweilig. Nicht unterhaltsam. Es fehlte an allem.

Ich ließ das Video aus meinem Eintrag von gestern laufen. Ich mag dieses Lied. Doch wenn ich mich schlecht fühle, zieht es mich weiter runter. Wie so viel von der Musik aus den Achtzigern. Und von anderen erinnerungsbehafteten Dingen, welche mir heute schon untergekommen sind.

Es wurde Zeit, mich anzuziehen. Die Tasche war gepackt.

Das Gedankenkreisen nahm zu. Im Sporttempel würde es voll sein. So wie letzten Sonntag. So wie immer zum Jahresanfang. Kaum mir vertraute Gesichter. Viele Neulinge. Zu viele. Ich würde es wieder einmal nicht schaffen, da hineinzugehen. Ich wusste es. Keine Chance.

Ich ging ins Schlafzimmer und zog meine Hauskleidung an.

Vorbei. Alea iacta est, wie wir Asterix-Leser zu sagen pflegen.

Jetzt bin ich wieder auf dem Sofa. Smilla und Marty haben sich wie üblich zu dieser Zeit zurückgezogen. Lilly hat sich, wie sie es auch vormittags gerne macht, wenn ich zu Hause auf dem Sofa bin, wieder an mich gepresst. Ich lege meine Hand auf sie, mehr will sie jetzt nicht. Normal. Sie brummt zufrieden vor sich hin und schläft dann ein. Meine Hand bleibt auf ihr liegen; ich schreibe wieder einhändig.

Mal sehen, wie es heute noch wird.

Verdammt.