Samstag, 24. Januar 2015

Verlorenes Paradies

Wenn ich Geld ausgebe, dann lieber für Dinge, von denen ich längerfristig etwas habe. Miete zahlen gehört somit nicht zu den Tätigkeiten, mit denen ich mich auch nur ansatzweise anfreunden könnte, solange es sich vermeiden lässt.

Dies führte zwangsläufig dazu, daß ich mir irgendwann eine Wohnung suchte, die ich auch käuflich erwerben konnte. Ob das jetzt wirtschaftlich sinnvoll ist, lassen wir mal außerhalb der Betrachtung. So etwas wird man zweifelsfrei immer erst im Nachhinein bestimmen können.

Meine erste Eigentumswohnung hatte etwas mehr als 60 m2mit Balkon und Garage, Neubau, Sechsparteienhaus. Zum Zeitpunkt des Kaufes war gerade das Fundament des Hauses gegossen. Gleich, ob man selbst Bauherr ist oder nur so am Rande irgendwie einflussnehmend mitläuft, stellt sich die Bauphase doch als Abenteuer dar, welches man aus der Nachschau betrachtet zwar nicht unbedingt erlebt haben muß, aber doch für eine spannende Zeit sorgte.


Die besten Spielplätze: Baustellen


Es ist faszinierend zu sehen, wie schnell so ein Gebäude wächst. Der Zeitpunkt des Einzugs näherte sich rasend schnell.

Noch während der Rohbauphase hatte ich mitbekommen, daß auch eine Kollegin, welche im LASA im gleichen Bereich arbeitete wie ich, im selben Haus einzuziehen gedachte. Die Welt ist klein und der Zufall lauert eben allen Ortes auf uns.

Ja, in meiner Wohnung fühlte ich mich wohl. In der ersten Zeit meines nunmehrigen Daseins als Wohneigentümer dudelte im Radio ständig dieses Lied:




Es nervte. Es nervt immer noch. Das ist einfach nicht meine Musik. Und trotzdem ließ es sich nicht vermeiden, daß ich die ersten Monate, welche ich in dieser Wohnung damals noch mit Sally und Lucy, später dann auch mit der zweitbesten Freundin von allen verbracht habe, immer mit diesem Lied in Verbindung bringe. Sehe ich Bilder der Wohnung, habe ich dieses Lied im Kopf. Höre ich das Lied, sehe ich die Wohnung vor mir.


Costa Balconia


Nach einigen Jahren ließ ich mich nach Neustadt versetzen. Hier schienen die beruflichen Perspektiven meiner zu der Zeit Immer-noch-nicht-Angetrauten günstiger zu sein als an unserem alten Wohnort. Für mich war es nur eine Standortveränderung meines Arbeitsplatzes. So ein LASA oder zumindest eine Außenstelle befindet nahezu überall in erreichbarer Entfernung. Na ja, nahezu überall, ich will nicht übertreiben. Es hat mir fast das Herz gebrochen, die Wohnung zu verkaufen. Meine Mutter sagt von sich immer, daß sie nicht an Steinen hängt. Diese Einstellung hat sich wohl nicht auf mich übertragen.

Den letzten Gang durch die leere Wohnung habe ich bis heute nicht vergessen. Den letzten Griff an die Wände, den Boden, die Türklinke. Und das letzte Schließen der Tür.

Ökonomisch kam ich mit plus minus Null da raus, wenn ich die Miete gegenrechne, welche ich für eine gleichwertige Wohnung hätte aufbringen müssen. Ein kleiner Trost.

Vor einigen Monaten habe ich aus Langeweile einfach mal geguckt, ob ich im Internet Bilder über die Gegend finde, in der ich damals gewohnt habe. Dabei fand ich Fotos von dieser Wohnung. Außen- und Innenansichten. Sie stand wieder zum Verkauf. Als Kaufpreis wollte der jetzige Eigentümer das haben, was er seinerzeit mir bezahlt hatte. Keine Chance, der Wohnungsmarkt in der Gegend ist tot. Inzwischen ist die Wohnung vermietet, steht aber weiterhin zum Verkauf. Man hat die preislichen Erwartungen etwas zurückgefahren, aber immer noch keinen Käufer gefunden.

Ich würde die Wohnung jederzeit wieder nehmen wollen. Aber nicht für ein Wohnen zu zweit. Sie verfügte über zu wenig Staufläche für unseren heutigen, gemeinsamen Bedarf. Dachgeschoss eben, da wird es mit den Schränken schon mal schwierig.


Zur Linken: mein Butler


Es tat weh, die Bilder der Räume zu sehen, mit den Fliesen, die mein Vater noch selbst verlegt hatte. Die Bilder aus dem Gemeinschaftskeller, bei dessen Aufarbeitung und Einrichtung ich selbst mit Hand anlegte. Handlangerarbeiten nur, Wischen beim Verfugen der Bodenfliesen, aber eben zumindest das. In meinen ehemaligen Wohnräumen hängen immer noch die Lampen, die ich einst mit montierte und beim Auszug dort ließ. Kein Wunder, sie sind fest in die Decke eingebaut.

Aber es gab auch Veränderungen. Neue Farbe an den Wänden (schrecklich), ein Einbauschrank im Schlafzimmer (prima), ein neuer Schrank im Badezimmer. Und eine neue Einbauküche. Das von mir einst ausgesuchte Design in Vogelaugenahorngrau hat wohl nicht zugesagt.


Küche in Vogelaugenahorngrau - muß man einfach haben


Verlorenes Paradies? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Gangsta‘s Paradise?

Nö.




Kommentare:

  1. Auch wenn die Wohnungen bzw. Häuser, die wir im Laufe der Zeit bewohnt haben, nicht uns gehörten, hingen und hängt noch immer unser Herz an ihnen. Es gibt so viele Erinnerungen, und es war jedesmal ein zu Hause. Jetzt endlich gehört dem Chef und mir die 100m²-Welt, in der wir jetzt leben, aber wir müssen auch nicht mehr umziehen. Und wir planen eine Reise, wir wollen irgendwann einmal alle Orte aufsuchen, in denen wir gelebt und gewohnt haben. Ich bin gespannt.

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    1. Ui, so wie ich das mitbekommen habe, ist das bei euch ja schon eine Zwergmammutaufgabe. Viel Spaß dabei.

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  2. Ja, viel Leben hat da stattgefunden, und ist manchmal auch dort geblieben. "Meine" Wohnungen könnte ich an einem Nachmittag zu Fuß besuchen- laaangweilig, aber auch nie so ein richtiger Abschluss.

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    1. Bis zum Umzug nach Neustadt hätte das bei mir auch alles zu Fuß funktioniert. Inklusive der Wohnungen, die meine Eltern mit mir als Kind bewohnt haben.

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