Dienstag, 27. Januar 2015

Softwareprobleme

Es gibt ja Dinge, von denen man bereits im Vorfeld weiß, daß es ein Fehler sein wird, sie auszuführen. Sollte mir jemand erklären können, warum wir derartige Dinge dennoch machen, wäre ungefähr jetzt der Moment, mit dieser Weisheit rauszurücken.

Eines dieser wahnwitzigen Dinge ist es, in einem Anflug von Leichtsinn nachmittags nach Ende der Du-musst-jetzt-noch-ans-Telefon-gehen-Zeit doch tatsächlich den Hörer abzunehmen.

„Guten Tag, hier ist das Landesamt für sozialen Ausgleich, Außenstelle Süd-Südwest, Sie sprechen mit Herrn Paterfelis, was kann ich für Sie tun?“ säuselte ich pflichtgemäß den Text ins Rohr.

„Hier Ringelmann. Ich warte auf meinen Bescheid. Das ist dringend.“

Nein, von Herrn Ringelmann musste ich das Aktenzeichen nicht erfragen. Manche Vorgänge kennt man einfach in- und auswendig.

„Ja, Herr Ringelmann, der Bescheid ist auch schon so gut wie fertig. Er wird über Nacht in unserer Hauptverwaltung gedruckt und kommt dann nochmal zu mir, weil ich da einen Text streichen muß.“

„Ist das nötig?“

„Ähm, ja. Denn wenn ich diesen Text so stehen lasse würde dies bedeuten, daß Sie uns noch 150 Euro zahlen müssen. Das regeln wir aber anders.“

„Oh, das ist ja sehr schön. Aber wieso machen Sie das von Hand?“

„Da funktioniert technisch leider nicht anders, weil es sich um einen maschinellen Standardbescheid handelt, der aus gefühlten 50, tatsächlich aber sogar noch mehr feststehenden Textkonserven besteht, deren Zusammenstellung ich nicht mal ansatzweise so beeinflussen kann, wie es erforderlich wäre.“

„Dann kaufen sie sich mal ein anständiges Programm. Ich habe hier auf meinem Rechner ein Schreibprogramm, mit dem ich Texte auch wieder korrigieren und löschen kann. Soll ich Ihnen mal den Namen sagen?"

Nein, bitte nicht. Ich will es nicht...

"Das heißt WORD, das bekommen sie von Microsoft.“

Oh, das werde ich gleich mal unserer Geschäftsführung erzählen.

Welche Vorstellungen haben manche Menschen eigentlich von den technischen Arbeitsabläufen in einer öffentlichen Verwaltung? 

Aaaargh!



Kommentare:

  1. :-D :-D :-D
    So leid es mir tut, das sagen zu müssen, lieber Paterfelis, aber für manch normalsterblichen Menschen wie mich entbehrt Manches von Ämtern einfach jedweder Logik.
    So zb ein Bescheid, den ich im letzten Jahr erhielt: Nach einigem Hin- und Her wurde uns freundlichst mitgeteilt, dass wir für das Mittlere für einen Zeitraum von 6 Monaten ein Kindergartenelternbeitrag von 0 Euro festgelegt worden sei. Hätte man auch einfach schreiben können: "Sehr geehrte Familie Logan! Wir haben jetzt endlich eingesehen, dass Sie Ihr Kind noch gar nicht für den Kindergarten angemeldet haben, ergo müssen Sie auch nichts zahlen!"? Aber ich schätze, dafür gibt es auch keinen Textbaustein, gnihihi!

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    1. All zu oft sind es rechtliche Erfordernisse, welche das simple Verwaltungshandeln etwas irre aussehen lassen. Dafür können wir dann auch nichts. Aber es ist eben nicht immer so. Ich versuche es auch, wann immer es geht einfach zu halten. Was aber intern mitunter schon mal zu mehr Aufwand führt als das offizielle Vorgehen. Und dann überlege ich es mir doch zuweilen wieder.

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  2. Gnihihi, sowas kenn ich auch. Bin ebenfalls im öffentlichen Bereich und letztes wollte uns wer belehren, daß bestimmte Gebühren, die wir erheben, rechtswidrig wären! Also, zumindest die Höhe. Naja, daß das zitierte Gerichtsurteil nüscht mit unseren Gebühren zu tun hat und wir diese Gebühren auch gar nicht festgelegt haben, sondern ein uns übergeordnetes Ministerium.... Geschenkt ;-)

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    1. Ach, das sind doch alles nur Ausreden. ;-)

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  3. Bei integrierten Datenbankprogrammen mit Text/Bescheidfunktion und so kann man ihnen da vielleicht noch zu Verständnis verhelfen. Aber wer akzeptiert schon, dass er zu Hause mit Onlinebanking die Kohle auf magische Art beinahe von jetzt auf gleich aufs Empfängerkonto schaufeln kann- dass aber ein Behördenprogramm bis zu 14 Tage braucht? Dass jede Sch... Auszahlung zwei Leute zur Unterschrift benötigt und das einzige, was noch später eintrudelt als das Geld auf dem Konto der Aktenbeleg für die Zahlung ist? Und ich bin mir nie sicher, ob die Leute nicht Recht haben, wenn sie mir dann sagen, dass das schneller geht, wenn man es nur versuchen würde. Nur leider ist unsere Entscheider-Riege da ein bisschen weg vom wirklichen Leben. Die brauchen ja auch keine Sozialhilfe oder solche Dinge. Dann dürften wir die Kohle vermutlich zu Fuß bringen. In bar.

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    1. Ja, da müsste man tief in die Thematik der öffentlich rechtlichen Buchhaltung und Finanzierung eintauchen. Ich gestehe freimütig, daß ich diesen Aspekt schon in meiner Ausbildung für ausnehmend uninteressant befunden habe. Ganz schlimm war es, als wir mal ganz knapp bei Kasse waren und jede vierstellige unaufschiebbare einmalige Auszahlung auch noch zwei Wochen vorher anmelden mussten, bevor wir die Auszahlungsanordnung fertigen konnten. Das Geld war einfach nicht da und musste erst beschafft werden. Und das war nun wirklich niemandem verständlich zu machen, denn schließlich "hat der Staat doch immer Geld.".

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    2. Witzigerweise neigen auch Kollegen im ÖD, die nicht die Ausbildung "gehobener nichttechnischer Dienst" genossen haben, dazu, dieses Märchen vom Staat, der immer Geld hat (er muss es nur wollen, jawoll) zu glauben. Sozialarbeiter, zum Beispiel. Don't get me started.

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  4. Ich war kürzlich auf einer Behörde. Die haben dort noch HANDSCHRIFTLICHE Listen geführt, HANDSCHRIFTLICHE!

    Ich weiß Bescheid, ich sag nichts mehr.

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    1. Puh, dann können wir es nicht gewesen sein. Wir führen nur handschriftliche Strichlisten zu gewissen statistischen Sondererhebungen.

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  5. Da droben stand was von Logik. Logik in Behörden/Ämtern? Das gibts doch gar nicht, auch nicht bei R.OllER.

    Und Word, das kenn ich ja gar nicht. Aber wenn das von dieser Winzigweich-Fenster-Firma kommt, würd ich das nicht nehmen. Ich würde da eher zu LibreOffice raten ...

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    1. Du meinst, der Typ wollte mir Mist empfehlen? Wie gut, daß ich seinen Tipp nicht weitergegeben habe.

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  6. ich schmeiss mich grad mal bißchen weg beim lesen......

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