Freitag, 2. Januar 2015

Silvestereinkauf (Teil 1)

Am Abend vor Silvester fiel der zweitbesten Ehefrau von allen ein, daß sie vergessen habe, noch etwas für unser Weinfondue, mit dem wir uns die Warterei auf Mitternacht verkürzen wollten, zu besorgen. Da ich ja ohnehin vorhätte, am Silvestermorgen um 7.00 Uhr den Sporttempel heimzusuchen, könnte ich das ja durchaus auf dem Rückweg übernehmen.

Hmmm, mein Plan war zwar anders, aber ok.

Ok?

Nein, nicht so ganz. Ich wäre nicht ich, wenn diese harmlos vorgebrachte und durchaus nachvollziehbare Bitte für mich so ohne weiteres ok wäre. Aber sie war schlüssig, weswegen ich dem Ansinnen zugestimmt habe.

Nun wird man vermuten können, daß die Aussicht darauf, sich am Morgen des 31. Dezembers in ein überfülltes Geschäft stürzen zu müssen, nicht unbedingt dazu beitragen wird, Hochgefühle aufkommen zu lassen. Nein, das war nicht mein größtes Problem. Mein Einkauf würde übersichtlich sein. Zwei Dinge, mehr nicht. Ein Großeinkauf wäre problematischer geworden.

Das Problem war, daß ich die Sachen aus Qualitätsgründen in dem Laden kaufen sollte, der Lebensmittel liebt. Was den qualitativen Aspekt betrifft, bin ich da auch durchaus überzeugt. Meine Sorge allerdings betraf den Kassenbereich.

Wie man sich vielleicht erinnert, bin ich Soziophobiker. Hab ja lange nichts mehr dazu geschrieben. Aber dieses ist jetzt wieder so eine Situation, die man als Außenstehender durchaus verkennen kann. Die Kassen in dem Laden, der Lebensmittel liebt, sind nämlich anders als von mir gewohnt. Der Normalfall wäre ja, daß man sein Geld in die Hand des Menschen an der Kasse gibt und von diesem sein Wechselgeld in die Hand zurück erhält. Ist hier aber nicht so. Da gibt es Abgrenzungen zwischen Münzgeld und Papiergeld. Ich war erst zwei- oder dreimal in dem Laden drin. Und noch nie alleine, hatte also mit dem Bezahlvorgang nie selbst etwas zu tun.

Und schon beginnt wieder das Gedankenkreisen. Schon seit Wochen, wenn nicht gar Monaten, denke ich mit Schrecken daran, wie es ist, wenn ich zum ersten Mal alleine unsere Einkäufe in dem Laden, der Lebensmittel liebt, erledige. Eigentlich seit dem Zeitpunkt, zu dem wir diesen Laden für uns entdeckt haben.

Kaum eine Aussicht ist für mich erschreckender, als wie ein Idiot an der Kasse oder sonst wie in der Öffentlichkeit beobachtet zu stehen, Menschenmassen (also mehr als keine mir fremde Person) um mich herum, und nicht zu wissen, was Sache ist. Natürlich wird das in der Praxis weitgehend umstandsfrei laufen, denn der Kassenmensch würde schon den einen oder anderen hilfreichen Tipp geben, was zu tun ist. Eine Vermutung, die mich keineswegs beruhigen kann.

Aber ich hatte ja noch zwei Trümpfe im Ärmel.

Zunächst also nochmal bei der Angetrauten nachfragen, wie das dort an den Kassen funktioniert. Gut, hörte ich nachvollziehbar an, werde ich mir merken können. Trumpf Nr. 1 wäre damit ausgespielt. Trumpf Nr. 2: Vorheriger Besuch des Sporttempels wie geplant, eine Stunde intensiv auspowern und dadurch die Hormone der Glückseligkeit ins Blut schießen lassen.

Das hörte sich nach einem guten Plan an.



(wird fortgesetzt)



Kommentare:

  1. … ich warte immer noch auf meine Glücksdings.
    Trumpf No 2 wäre somit kein Joker bei mir. :-)
    Bin gespannt wie es weiter geht…

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    1. Vielleicht ist bei dir ja etwas kaputt?! Musst du reparieren lassen. :-D

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    2. Traue mich nicht in die Werkstatt, Diagnose lautet wahrscheinlich "ab in die Schrottpresse", da warte ich doch lieber auf die Glücksdings noch ein Weilchen… :-)

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    3. So lange noch TÜV drauf ist... :-D

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  2. Lieber Paterfelis!
    Einen 5m langen Kommentar hatte ich geschrieben, voller Witz, Spannung und "Ja, ich auch!"-Offenbarung.
    Wollte ich abschicken per WP-Profil, war da aber noch nicht eingeloggt und weg isser, der schöne Kommentar. Hmpf.
    Und da ich es 1. hasse, etwas nochmal zu schreiben und 2. das neue Tana French-Buch auf mich wartet, äh, bleibt es hierbei.
    Na ja.
    Dafür hast Du einen Kommentar in Form einer 1/4 Lebensgeschichte bei mir gut! :-)
    Frohes Neues!

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    1. Oh, ein weiteres Clubmitglied. Ja, es ist ein deprimierendes Gefühl, wenn der Kommentar im Nirwana verschwindet. Gibt es auf das Kommentar-Guthaben Zinsen? :-)

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    2. Äh - nicht wirklich. Aber vielleicht können wir uns da ja beide einen Schritt entgegenkommen und ich lese Dir dafür gleich das erste Kapitel aus dem Tana French-Buch telepathisch vor? ;-)

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    3. Krimis sind leider nicht so mein Ding. Oder schreibt die Dame auch Wirtschaftskrimis?

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    4. Äh... Nee. Ansonsten: Tana Frenchs Erstlingswerk ist das Beste, was ich seit Jahren (!) gelesen habe. Von der Atmosphäre her: Einfach unglaublich, diese Frau baut eine Stimmung auf, saugt Dich ins Buch herein, kurz: Ein Krimi, der den Namen "Literatur" mehr als verdient hat. Unfassbar.
      Aber nun genug geschwärmt, es stellen sich mir nur noch 2 Fragen:
      1. Kann mich mal bitte einer für die Schleichwerbung hier bezahlen?
      2. Habe ich "Atmosphäre" richtig geschrieben?
      ;-) :-D

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    5. zu 1: Sag Bescheid, wenn du jemanden gefunden hast.
      zu 2: Sowohl nach neuer als auch nach gelernter Rechtschreibung halte ich das für akzeptabel.

      :-)

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  3. Glücksdings gibts bei mir immer dann, wenn es wieder mal eine Nutella-Verpackung gibt, in die ich die Kelle senken kann.
    Oder die Semmel passt durch die Öffnung ;-)
    LG, Holger

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    1. Reicht dazu das 1 kg-Glas aus oder muß es noch größer sein? :-D

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