Dienstag, 13. Januar 2015

Schleicher

Ein Termin bei Dr. Strebsinger stand an. Auch Frl. Hasenclever sollte zugegeben sein, wir hatten anhand einiger Akten verschiedene grundsätzliche Fragen zu Verfahrensabläufen zu besprechen. Soweit nichts Ungewöhnliches.

Während ich den Flur zu Dr. Strebsingers Büro hinunterging, warf ich schon fast einen reflexartigen Blick in Marias Zimmer. Es war gerade verwaist, aber das Licht brannte. Sie war also nur vorübergehend nicht am Platz. Fast gegenüber befand sich das Zimmer von Dr. Strebsinger. Die Tür stand offen, wie immer, wenn er keine vertraulichen Gespräche zu führen hat. Dies soll Erreichbarkeit für die Kollegen signalisieren. Böse Zungen behaupten, er mache dies, um mehr von dem mitzubekommen, was um ihn herum so geschieht, aber das halte ich nun doch für übertrieben.

Frl. Hasenclever saß schon am Besprechungstisch. Ich klopfte leise am Türrahmen und trat ein.

„Oh, Herr Paterfelis, man hört sie gar nicht kommen. Setzen Sie sich.“ begrüßte mich Dr. Strebsinger gut gelaunt.

„Ja, nicht so wie Maria. Die hat so einen festen Tritt, daß man sie schon lange vorher hört, bevor sie auch nur die Nähe der Tür erreicht.“ ergänzte Frl. Hasenclever grinsend.

Dr. Strebsinger setzte jetzt ein doch eher gequältes Lächeln auf.

„Maria hört man immer, auch wenn sie gerade nicht läuft.“ Nur um dann ein hastiges „Das habe ich jetzt nicht gesagt.“ nachzulegen.

Da hätten wir ja schon beinahe eine Begründung, die Tür doch häufiger geschlossen zu halten.




Kommentare:

  1. Kennst Du das Schritt-Memorie? Wir spielen das im Büro, wenn uns langweilig ist und es geht so: Wir horchen auf die Schritte im Gang vor unserer Türe und raten, wer da gerade vorbei geht. Wer dreimal richtig geraten hat, bekommt eine Tasse Kaffee umsonst.

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    1. Eine überragende Idee. Ich werde versuchen, so etwas bei uns auch auf den Weg zu bringen.

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  2. In einem Bürogebäude sollte man seine Öhrchen fein trainieren- ich hatte mal ein Büro, aus dem man nicht direkt in den Flur schauen konnte. Wenn dann Kollegen ihr Büro verließen und die Tür nicht abschlossen, war es allerwichtigst, bereits an den Schritten zu erkennen, ob den Flur betretende Menschen Kollegen oder Kundschaft waren. Nicht, dass da jemand hochwichtige Akten klaut, die Mittagsfrikadelle oder den Kühlschrank mitgehen lässt. Oder, wie mir passiert, das Portemonnaie samt sämtlichen Papieren und verschmerzbaren 10 €.

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    1. Frikadellen klauen? FRIKADELLEN? Das ist wirklich abstoßend. Ich LIEBE Frikadellen. Und solche Menschen gibt es? Ich bin erschüttert.

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