Dienstag, 20. Januar 2015

Kindliche Träumereien

Das Abgeben einer Blutprobe bringt einige Umstände mit sich. Zumindest, wenn dies zu rein medizinischen Zwecken geschehen soll. Eine Probe zwecks Bestimmung des Blutgehaltes im Alkohol fällt mir für mich jetzt nicht unbedingt unter die Kategorie Medizin, sondern eher unter Strafverfolgung. Was aber nur die rein subjektive Ansicht meiner höchst eigenen Person ist. Und darüber hinaus ist dies auch gar nicht Gegenstand des heute hier zu formulierenden Gedankenganges.

Um jedenfalls dem innigen Wunsch meines Arztes nach Überlassung von Teilen dieser kostbaren Körperflüssigkeit zu erfüllen – die weniger kostbare hätte er auch gerne haben können, wollte er aber nicht – mußte ich zeitig in seiner Praxis vorstellig werden. Zeitig jedenfalls für seine Begriffe, für meine üblichen Arbeitszeiten hingegen ist dies schon spät. Zu spät jedenfalls, um noch rechtzeitig meinen Dienstort aufsuchen zu können. So erschien ich also angekündigter Weise erst nach dem letztmöglichen Zeitpunkt einer ordnungsgemäßen Arbeitsaufnahme im LASA.

Ich begab mich direkt nach Ankunft zu Frl. Hasenclever, um einerseits meine nunmehrige Anwesenheit kund zu tun, als auch zu ermitteln, mit welchem Grund ich meine vorherige Abwesenheit in dem Beleg zur Korrektur meiner Zeiterfassung vorzunehmen habe. Denn es macht schon einen Unterschied, ob da die 107 oder die 215 eingetragen wird.

In meinem Fall einen Unterschied von exakt 34 Minuten Arbeitszeit, welche mir bei Nutzung der 107 gutgeschrieben und bei der Nutzung der 215 abgezogen werden würde. Hier zeigt sich durchaus ein langjähriges Streitthema.

„Nehmen Sie die 107.“ meinte Frl. Hasenclever. „Dr. Strebsinger hat letztens noch erklärt, daß in diesen Fällen eine Zeitgutschrift erfolgen könne.“

Sehr schön. Auch wenn ich die Minuten mit Sicherheit nicht benötige, nehme ich sie dennoch entgegen. Es muß ja alles seine Ordnung haben.

Frl. Hasenclever schaute auf meinen Arm. Der von einem Pflaster gerade noch so an Ort und Stelle gehaltene Tampon stach weiß von ihm ab.

„Oder haben Sie das etwa selbst angebracht und waren gar nicht beim Arzt?“ grinste sie mich an.

„Oh, warten Sie, das kann ich Ihnen eben zeigen.“

Ich fummelte an dem Pflaster herum.

„Iiiihhhh, nein, nicht tun. Ich kann das nicht sehen.“ wurde ich angekreischt.

„Och, die MTA sticht sehr gut, es ist noch nicht mal blau.“

"Will ich nicht sehen. Bleiben Sie mir weg damit."

"Hier, gucken Sie mal. Oh, da ist ja doch schon etwas Blau sichtbar."

„Waaahh, weg. Bei mir macht mir das nicht aus, aber bei anderen wird mir schlecht, wenn ich auch nur die kleinste Verletzung oder Einstichstelle sehen muß.“

Hö hö hö, gut zu wissen. Ich weiß übrigens auch, daß Frl. Hasenclever nicht gegen die dünnen, metallenen Streifen an kann, welche sich in unseren Akten befinden und mithelfen sollen, das Papier in den Pappdeckeln zu halten. Wenn ich nicht will, daß sie anfängt, in meinen Akten herumzuheften, nehme ich immer solche Streifen und wechsle die vorhandenen aus Plastik aus. Wozu hat man denn Reserven?

„Also echt, Frl. Hasenclever, das ist doch total harmlos.“

„Egal. Kann ich nicht sehen. Sie würden mir nicht glauben, was ich früher als Kind mal werden wollte. Ärztin!“

Tja, spätestens jetzt wird dies zu glauben wohl wirklich etwas schwierig.



Kommentare:

  1. Da kann man nur sagen: Augen auf bei der Berufswahl! ;-)

    AntwortenLöschen
  2. *GRINS* Da hast Du aber ein todsicheres System entwickelt, um Fr. Hasenclever in Schach (und von Dir wichtigen Dingen fern-) zu halten :-)

    AntwortenLöschen
  3. Guten Morgen,
    ach du liebe Güte "Ärztin" na manchmal hat man das Gefühl,
    dass einige aus dieser Berufsgruppe auch fehlgeleitet wurden.
    Gut zu wissen, dass man noch Reserven hat, du bist ja wirklich
    mit allen Wassern gewaschen tzz.
    Schönen Tag für dich.
    Sadie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hach, da kribbelt es mir wohlig den Rücken runter. :-)

      Löschen
  4. "Wozu hat man denn Reserven?" - böse, ganz böse ;)

    AntwortenLöschen
  5. Eine Beschäftigte im ÖD, die Heftstreifen nicht erträgt? Das ist ja so gut wie eine Aktenstauballergie. Das sollte sie ausbauen. Vor ewigen Jahren schickte ein Amtsleiter mal eine Kollegin von mir in ihr Büro zurück, samt der von ihr vorgelegten Verfügung, mit dem Auftrag, doch bitte mal zu überlegen, was sie da falsch gemacht hätte. Sie rief die Büronachbarn, und gemeinsam starrte man eine halbe Stunde auf die Verfügung und in die Akte- bis die Abteilungsleiterin dann den Chef anrief und zu erfahren begehrte, was denn zum Kuckuck an dem Ding falsch war.
    Und siehe: Die Kollegin hatte die Metallstreifen nach außen geknickt. Der Chef wollte sie aber nach innen geknickt haben. Meine Hoffnung ist, dass für solche Leute ein eigener Höllenkreis geschaffen wurde, voller scharfer Papierkanten und ekligem Bürokaffee.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, es gibt diese Typen wirklich. Kann ich aus eigener Anschauung bestätigen. Übrigens bevorzuge ich es, wenn die Streifen nach außen geknickt sind.

      Löschen
    2. Ich auch. Mal sehen, wann hier der nächste Azubi eintrifft... *hämisches Gackern*

      Löschen