Sonntag, 18. Januar 2015

Die Zitruspresse: Preisübergabe

Es ist meinen Lesern hoffentlich immer noch erinnerlich, daß Abalone unlängst den wertvollen Preis, den sie aufgrund der richtigen Beantwortung eines Rätsels gewonnen hatte, dem nächsten von mir aus erreichbaren Kindergarten gestiftet hat. Wirklich, das ist Edelmut.

Natürlich folgte ich ihrem selbstlosen Wunsch. Und da ich ein wahrlich und wahrhaftig, ganz tief in meinem Herzen ein gütiger Mensch bin, kam ich nicht umhin, Abalones Gewinn in Form eines mit Schokocreme gefüllten Doppelkekses glatt zu verdoppeln. Ich bin ja nicht knauserig.




So begab ich mich, vollgepackt mit meinen Gaben, auf den Fußmarsch die Berge rauf zu dem bescheidenen Gebäude, in welchem der Kindergarten des Neustädter Ländchens untergebracht ist. Was war ich froh, daß der Winter in diesen Tagen eine Pause eingelegt hat, denn sonst hätte ich zusätzlich zu meinen Mitbringseln auch noch einen warmen Mantel anziehen müssen. Damit aber hätte ich die lieben Kleinen vermutlich vollständig verwirrt, denn wann immer ein großer, stattlicher, vollbärtiger Typ mit Wintermantel vorbeikommt, der auch noch Geschenke mitbringt, erinnert das wohl eher an den Weihnachtsmann. Doch für eine solche Verwirrung wollte ich nicht verantwortlich sein, konnte ich mich doch noch an meine eigene Kindergartenzeit erinnern, als ich peinlicherweise der Meinung war, daß man im Jahr häufiger Geburtstag haben kann als man Weihnachten feiert.

Frau Annemarie Hölzer, von den Kindern nur Tante Annemarie genannt, sowie die beiden Rabauken Holger und Berthold bildeten das Empfangskomitee. Die beiden Jungs hatten bereits selbst gebastelte Tragebehälter mitgebracht, um die Gaben in Empfang nehmen zu können. Wie man auf dem Bild erkennen kann, sind wir im Neustädter Ländchen sehr modebewusst und pflegen den hier aktuellen Retrostyle der 70er Jahre durch und durch.





Mit Unterstützung durch die üblichen LärmMusikinstrumente wurde mir aus fröhlichen Kinderkehlen ein ebenso fröhliches Ständchen gebracht. Immer wieder musste ich von der gutherzigen Abalone berichten, die so uneigennützig auf den wertvollen Preis verzichtet hatte, nur um ihnen was Gutes zu tun. Ja, und was soll ich da alles berichten? Daß man ihr besser keine Tomatenpflanzen in die Hand gibt? Nein, das wäre zu grausam für das Gemüt der unschuldigen Kinder gewesen. Aber ich wusste zu berichten, daß Abalone gerne Bücher liest. Ja, da wurden die Augen groß, denn Bücher – oh, das war etwas Geheimnisvolles. Man konnte darin Bilder ansehen und aus ihnen Geschichten vorlesen, ohne daß irgendwann der Strom zu Ende ging. Ja, diesen Zauber kannten die Kinder nicht mehr.

Schließlich hielt es meine junge Zuhörerschar nicht mehr aus, und wir gingen nach draußen auf den Spielplatz des Kindergartens. Ja, es war eine Freude zu sehen, wie die Kleinen auf den Geräten herumkraxelten, bis sie vom vielen Toben nur noch erschöpft waren.




So wurden wir nur wenig später von Tante Annemarie an den geschmackvoll gedeckten Tisch gerufen, um die beiden mit Schokoladencreme gefüllten Doppelkekse zu verputzen. Hach, da war die Freude groß. So verabschiedete ich mich schließlich, nicht ohne versprechen zu müssen, nochmal meinen Dank an die hier vielgeschätzte Abalone zu übermitteln, was ich hiermit gerne mache.

Und wenn dies nicht die Wahrheit war, dann war es gutmittelprächtig nur erfunden.




Kommentare:

  1. Der Junge hieß Holger? Guter Mann, der. Wirklich.

    AntwortenLöschen
  2. Ein wirklich zu herzen gehender Bericht (zumal keine 3. Turnschuhe drin vorkommen), der einem ein bißchen Pippi inne Augen treibt. Wenn man bedenkt, was Du auf Dich genommen hast, um meinen Herzenswunsch zu erfüllen... unglaublich :o)

    Dennoch sollten wir beide uns mal unbedingt über das Thema "ANONYM" und dessen tiefere Bedeutung unterhalten. Dringend!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Keine Panik, ich habe dich vor den Kindern "Gertrud" genannt. ;-)

      Löschen
  3. Also, ich hab Dir bis zum letzten Satz alles so geglaubt wie es da steht...;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Warum denn auch nicht? Mir würde nichts einfallen, was dagegen spricht.

      Löschen
  4. "ein großer, stattlicher, vollbärtiger Typ" - Aha.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach Mist, jetzt habe ich "extrem gutaussehender" noch vergessen. Macht nix, das ist ja auch keine besondere Eigenschaft des Weihnachtsmannes.

      Löschen