Samstag, 31. Januar 2015

Was weg ist, das ist weg

Wo ist eigentlich dieses Lebensgefühl nur geblieben?




Weg ist weg.



Gedanken denken

Wenn ich im Bett liege, denke ich immer nur an das Eine. Egal, ob kurz vorm Einschlafen, beim Zwischendurchwachsein oder dem Jetztaberrichtigwachseinundwartendaßderweckerklingelt. Kennt ihr doch bestimmt auch. Man kann machen was man will, die Gedanken nehmen immer wieder gleiche Richtung.

Es wirkt auf Dauer wenig erquicklich. Gibt es da draußen denn noch was anderes als die Arbeit?

Schön wäre es ja.




Donnerstag, 29. Januar 2015

Immer diese Hektiker

Mittwochs hält Dr. Strebsinger Hof. Jeden Mittwoch. Immer um 14 Uhr. Dann haben sich die Führungskräfte unserer Außenstelle bei ihm zu versammeln, um die wichtigen Dinge des Lebens im LASA zu besprechen. Frl. Hasenclever neigt dazu, sich regelmäßig um ein paar Minuten zu verspäten.

„Und wissen Sie, warum das so ist?“ jammerte sie uns vor einiger Zeit vor.

„Nein, Frl. Hasenclever.“

„Weil Frau Mandy jeden Montag um 13.45 Uhr mit einer komplizierten Akte bei mir erscheint. Das ist mir gerade aufgefallen.“

„Och, Frl. Hasenclever, das war doch nur die letzten drei Mittwoche so.  Und in dieser Woche war ich gar nicht in Ihrem Büro. Da stand doch der Paterfelis bei Ihnen herum.“

„Auch nicht besser.“

Ansichtssache, aber ist ja ein freies Land. Jeder hat das Recht auf seine Meinung.

Die Zeit verging, es wurde wieder Mittwoch. 13.56 Uhr. Weder Mandy noch ich hatten Frl. Hasenclever gestört. Und auch sonst niemand. Da huschte sie an unserer Zimmertür vorbei. Ich konnte beobachten, wie sie einen Stapel Akten ins Postzimmer brachte und dort auf die Fächer verteilte.

„Guck mal, Mandy. Sie ist wieder auf dem letzten Drücker.“

„Furchtbare Hektik hier.“

13.58 Uhr. Frl. Hasenclever rauschte aus dem Postzimmer raus und verschwand auf der Damentoilette.

„Ich glaube, es wird wieder knapp. Dabei waren wir doch ganz brav.“

„Weißt du Mandy, was richtig fies wäre?“

„Nö.“

„Wenn wir jetzt die Tür von außen zuhalten würden.“

Gut, ein wenig Infantilität würde schon dazugehören. Aber fies wäre es trotzdem.

Ach, was soll’s? Der Zweck heiligt die Mittel.

Nein, habe ich natürlich nicht gemacht. Ich gehe bei solchen Dingen schon subtiler vor.




Mittwoch, 28. Januar 2015

Strahlemänner unterwegs

Uff! Heute Mittag Spontanbesuch beim Chinabuffet. Die üblichen Verdächtigen hatten das gewisse Bedürfnis.

Leute, der Lack ist bei mir ab. So langsam muß ich auf Seniorenteller umstellen.

Ich verdaue jetzt erst mal ein Ründchen.

*örks*



Dienstag, 27. Januar 2015

Softwareprobleme

Es gibt ja Dinge, von denen man bereits im Vorfeld weiß, daß es ein Fehler sein wird, sie auszuführen. Sollte mir jemand erklären können, warum wir derartige Dinge dennoch machen, wäre ungefähr jetzt der Moment, mit dieser Weisheit rauszurücken.

Eines dieser wahnwitzigen Dinge ist es, in einem Anflug von Leichtsinn nachmittags nach Ende der Du-musst-jetzt-noch-ans-Telefon-gehen-Zeit doch tatsächlich den Hörer abzunehmen.

„Guten Tag, hier ist das Landesamt für sozialen Ausgleich, Außenstelle Süd-Südwest, Sie sprechen mit Herrn Paterfelis, was kann ich für Sie tun?“ säuselte ich pflichtgemäß den Text ins Rohr.

„Hier Ringelmann. Ich warte auf meinen Bescheid. Das ist dringend.“

Nein, von Herrn Ringelmann musste ich das Aktenzeichen nicht erfragen. Manche Vorgänge kennt man einfach in- und auswendig.

„Ja, Herr Ringelmann, der Bescheid ist auch schon so gut wie fertig. Er wird über Nacht in unserer Hauptverwaltung gedruckt und kommt dann nochmal zu mir, weil ich da einen Text streichen muß.“

„Ist das nötig?“

„Ähm, ja. Denn wenn ich diesen Text so stehen lasse würde dies bedeuten, daß Sie uns noch 150 Euro zahlen müssen. Das regeln wir aber anders.“

„Oh, das ist ja sehr schön. Aber wieso machen Sie das von Hand?“

„Da funktioniert technisch leider nicht anders, weil es sich um einen maschinellen Standardbescheid handelt, der aus gefühlten 50, tatsächlich aber sogar noch mehr feststehenden Textkonserven besteht, deren Zusammenstellung ich nicht mal ansatzweise so beeinflussen kann, wie es erforderlich wäre.“

„Dann kaufen sie sich mal ein anständiges Programm. Ich habe hier auf meinem Rechner ein Schreibprogramm, mit dem ich Texte auch wieder korrigieren und löschen kann. Soll ich Ihnen mal den Namen sagen?"

Nein, bitte nicht. Ich will es nicht...

"Das heißt WORD, das bekommen sie von Microsoft.“

Oh, das werde ich gleich mal unserer Geschäftsführung erzählen.

Welche Vorstellungen haben manche Menschen eigentlich von den technischen Arbeitsabläufen in einer öffentlichen Verwaltung? 

Aaaargh!



Montag, 26. Januar 2015

Die Sache mit dem...

Während der Mittagszeit stand ich im LASA vor meinem Aktenschrank, als Helga hereingestürmt kam.

„Hallo Paterfelis, ich muß mal eben an deinen Ständer.“

Sehr schmeichelhaft, wirklich. Obwohl ich sicher war, daß jetzt gerade im Moment… doch lassen wir das. Kann ja noch werden. Wie gut, daß weder Mandy noch sonst irgend jemand gerade im Büro war.

Mit fahrigen Bewegungen entledigte sich Helga zunächst ihres Schals, nestelte danach ungeduldig an ihrer Jacke herum und schaffte es gerade so, diese vollständig zu öffnen, ohne einen Knopf abzureißen oder den unter der Knopfleiste befindlichen Reißverschluß zu zerfetzen.

Schnell glitt die Jacke von ihren Schultern, wurde von ihren Händen aufgefangen, nur um dann endlich in einer schwungvollen Bewegung – auf meinen neben mir stehenden Kleiderständer befördert zu werden, bevor sie den Raum Richtung Toilette verließ.

Tja.



Samstag, 24. Januar 2015

Verlorenes Paradies

Wenn ich Geld ausgebe, dann lieber für Dinge, von denen ich längerfristig etwas habe. Miete zahlen gehört somit nicht zu den Tätigkeiten, mit denen ich mich auch nur ansatzweise anfreunden könnte, solange es sich vermeiden lässt.

Dies führte zwangsläufig dazu, daß ich mir irgendwann eine Wohnung suchte, die ich auch käuflich erwerben konnte. Ob das jetzt wirtschaftlich sinnvoll ist, lassen wir mal außerhalb der Betrachtung. So etwas wird man zweifelsfrei immer erst im Nachhinein bestimmen können.

Meine erste Eigentumswohnung hatte etwas mehr als 60 m2mit Balkon und Garage, Neubau, Sechsparteienhaus. Zum Zeitpunkt des Kaufes war gerade das Fundament des Hauses gegossen. Gleich, ob man selbst Bauherr ist oder nur so am Rande irgendwie einflussnehmend mitläuft, stellt sich die Bauphase doch als Abenteuer dar, welches man aus der Nachschau betrachtet zwar nicht unbedingt erlebt haben muß, aber doch für eine spannende Zeit sorgte.


Die besten Spielplätze: Baustellen


Es ist faszinierend zu sehen, wie schnell so ein Gebäude wächst. Der Zeitpunkt des Einzugs näherte sich rasend schnell.

Noch während der Rohbauphase hatte ich mitbekommen, daß auch eine Kollegin, welche im LASA im gleichen Bereich arbeitete wie ich, im selben Haus einzuziehen gedachte. Die Welt ist klein und der Zufall lauert eben allen Ortes auf uns.

Ja, in meiner Wohnung fühlte ich mich wohl. In der ersten Zeit meines nunmehrigen Daseins als Wohneigentümer dudelte im Radio ständig dieses Lied:




Es nervte. Es nervt immer noch. Das ist einfach nicht meine Musik. Und trotzdem ließ es sich nicht vermeiden, daß ich die ersten Monate, welche ich in dieser Wohnung damals noch mit Sally und Lucy, später dann auch mit der zweitbesten Freundin von allen verbracht habe, immer mit diesem Lied in Verbindung bringe. Sehe ich Bilder der Wohnung, habe ich dieses Lied im Kopf. Höre ich das Lied, sehe ich die Wohnung vor mir.


Costa Balconia


Nach einigen Jahren ließ ich mich nach Neustadt versetzen. Hier schienen die beruflichen Perspektiven meiner zu der Zeit Immer-noch-nicht-Angetrauten günstiger zu sein als an unserem alten Wohnort. Für mich war es nur eine Standortveränderung meines Arbeitsplatzes. So ein LASA oder zumindest eine Außenstelle befindet nahezu überall in erreichbarer Entfernung. Na ja, nahezu überall, ich will nicht übertreiben. Es hat mir fast das Herz gebrochen, die Wohnung zu verkaufen. Meine Mutter sagt von sich immer, daß sie nicht an Steinen hängt. Diese Einstellung hat sich wohl nicht auf mich übertragen.

Den letzten Gang durch die leere Wohnung habe ich bis heute nicht vergessen. Den letzten Griff an die Wände, den Boden, die Türklinke. Und das letzte Schließen der Tür.

Ökonomisch kam ich mit plus minus Null da raus, wenn ich die Miete gegenrechne, welche ich für eine gleichwertige Wohnung hätte aufbringen müssen. Ein kleiner Trost.

Vor einigen Monaten habe ich aus Langeweile einfach mal geguckt, ob ich im Internet Bilder über die Gegend finde, in der ich damals gewohnt habe. Dabei fand ich Fotos von dieser Wohnung. Außen- und Innenansichten. Sie stand wieder zum Verkauf. Als Kaufpreis wollte der jetzige Eigentümer das haben, was er seinerzeit mir bezahlt hatte. Keine Chance, der Wohnungsmarkt in der Gegend ist tot. Inzwischen ist die Wohnung vermietet, steht aber weiterhin zum Verkauf. Man hat die preislichen Erwartungen etwas zurückgefahren, aber immer noch keinen Käufer gefunden.

Ich würde die Wohnung jederzeit wieder nehmen wollen. Aber nicht für ein Wohnen zu zweit. Sie verfügte über zu wenig Staufläche für unseren heutigen, gemeinsamen Bedarf. Dachgeschoss eben, da wird es mit den Schränken schon mal schwierig.


Zur Linken: mein Butler


Es tat weh, die Bilder der Räume zu sehen, mit den Fliesen, die mein Vater noch selbst verlegt hatte. Die Bilder aus dem Gemeinschaftskeller, bei dessen Aufarbeitung und Einrichtung ich selbst mit Hand anlegte. Handlangerarbeiten nur, Wischen beim Verfugen der Bodenfliesen, aber eben zumindest das. In meinen ehemaligen Wohnräumen hängen immer noch die Lampen, die ich einst mit montierte und beim Auszug dort ließ. Kein Wunder, sie sind fest in die Decke eingebaut.

Aber es gab auch Veränderungen. Neue Farbe an den Wänden (schrecklich), ein Einbauschrank im Schlafzimmer (prima), ein neuer Schrank im Badezimmer. Und eine neue Einbauküche. Das von mir einst ausgesuchte Design in Vogelaugenahorngrau hat wohl nicht zugesagt.


Küche in Vogelaugenahorngrau - muß man einfach haben


Verlorenes Paradies? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Gangsta‘s Paradise?

Nö.




Freitag, 23. Januar 2015

Dreifach

Es gibt ja solche Wochen, die sind irgendwie – entlarvend?!

Wenn man unabhängig voneinander innerhalb einer Woche von drei Kollegen angesprochen wird, deren Aussage sich einvernehmlich mit den Worten

„Herr Paterfelis, Ihren Job möchte ich nicht machen.“

zusammenfassen lässt, dann gibt es schon zu denken.

Insbesondere aber dann, wenn man darauf nur mit einem

„Ich gerade auch nicht.“

antworten kann.




Donnerstag, 22. Januar 2015

Es geht aufwärts

Seit einiger Zeit habe ich eine Absprache mit Dr. Strebsinger. Ich darf mittwochs ohne vorher zu fragen erst nach Beginn der Jetzt-musst-du-aber-mit-der-Arbeit-begonnen-haben-Grenze im LASA auftauchen, damit ich morgens in Ruhe eine Runde Sport treiben kann. So ist bei mir der Zeitdruck raus und Dr. Stebsinger konnte den allgemeinen Wunsch nach gesundem Arbeiten auch in irgendeiner Weise erfüllen. Denn Sport ist ja gut gegen unerwünschte Stresssymptome, was auch der Stimmung im Büro zu Gute kommt.

Schaden wird es auch niemanden, da ich die Stunden natürlich nacharbeiten muß. Und wenn mich jemand von den Kollegen ärgern will, obwohl ich gerade an diesem Tag zumeist wegen der durch den Sport ausgeschütteten Glückshormonedingens (*freundlich in Richtung Gedankenhüpfer hinüberlächle*) besonders ausgeglichen bin, dann kann immer damit drohen, meine Tasche mit den benutzten Sportklamotten gänzlich zu öffnen und als Vorwarnung nach den benutzten Socken wühlen. So etwas nennt man dann Win-Win-Situation.

Zu solch einer Gelegenheit habe ich mein Programm mal wieder etwas intensiviert. Nachmittags zeigten sich die ersten Folgeerscheinungen: Muskelkater. An sich ist der bei mir auch immer erwünscht, aber an diesem Tag eher nicht. Ich hatte erst später mit dessen Eintreten gerechnet. Außerdem hatte ich vergessen, meine Sporttasche gegen eine neue auszutauschen. Bei meiner nun schon mehr als 20 Jahre alten Tasche ist der Tragegurt nicht mehr so ganz in Ordnung; das Schulterpolster hat sich verabschiedet. Bei meinen üblichen wochenendlichen Kurzstrecken zwischen Sporttempel und Auto kein Problem, jetzt aber eine schmerzvolle Herausforderung auf der Schulter. Und die Handgriffe sind auch nicht mehr das Wahre.

So schleppte ich mich zum Feierabend in Richtung Zug. Immerhin fand ich einen Sitzplatz. Am Ende des weiteren Nutzungsverlaufes des ÖPNV stand ich wieder vor der Herausforderung. Der ultimativen Herausforderung, das kann ich euch sagen.

Es ist nicht schön, mit Muskelkater, einer zusätzlich schmerzenden Schulter, einer ständig von eben dieser Schulter rutschenden schweren Tasche und dann auch noch einer trotz Gürtel rutschenden Hose am Leib den Weg durch unser Hochgebirge nach oben im Regen latschen zu müssen.

Gar nicht schön.

Blöder Regen.



Dienstag, 20. Januar 2015

Kindliche Träumereien

Das Abgeben einer Blutprobe bringt einige Umstände mit sich. Zumindest, wenn dies zu rein medizinischen Zwecken geschehen soll. Eine Probe zwecks Bestimmung des Blutgehaltes im Alkohol fällt mir für mich jetzt nicht unbedingt unter die Kategorie Medizin, sondern eher unter Strafverfolgung. Was aber nur die rein subjektive Ansicht meiner höchst eigenen Person ist. Und darüber hinaus ist dies auch gar nicht Gegenstand des heute hier zu formulierenden Gedankenganges.

Um jedenfalls dem innigen Wunsch meines Arztes nach Überlassung von Teilen dieser kostbaren Körperflüssigkeit zu erfüllen – die weniger kostbare hätte er auch gerne haben können, wollte er aber nicht – mußte ich zeitig in seiner Praxis vorstellig werden. Zeitig jedenfalls für seine Begriffe, für meine üblichen Arbeitszeiten hingegen ist dies schon spät. Zu spät jedenfalls, um noch rechtzeitig meinen Dienstort aufsuchen zu können. So erschien ich also angekündigter Weise erst nach dem letztmöglichen Zeitpunkt einer ordnungsgemäßen Arbeitsaufnahme im LASA.

Ich begab mich direkt nach Ankunft zu Frl. Hasenclever, um einerseits meine nunmehrige Anwesenheit kund zu tun, als auch zu ermitteln, mit welchem Grund ich meine vorherige Abwesenheit in dem Beleg zur Korrektur meiner Zeiterfassung vorzunehmen habe. Denn es macht schon einen Unterschied, ob da die 107 oder die 215 eingetragen wird.

In meinem Fall einen Unterschied von exakt 34 Minuten Arbeitszeit, welche mir bei Nutzung der 107 gutgeschrieben und bei der Nutzung der 215 abgezogen werden würde. Hier zeigt sich durchaus ein langjähriges Streitthema.

„Nehmen Sie die 107.“ meinte Frl. Hasenclever. „Dr. Strebsinger hat letztens noch erklärt, daß in diesen Fällen eine Zeitgutschrift erfolgen könne.“

Sehr schön. Auch wenn ich die Minuten mit Sicherheit nicht benötige, nehme ich sie dennoch entgegen. Es muß ja alles seine Ordnung haben.

Frl. Hasenclever schaute auf meinen Arm. Der von einem Pflaster gerade noch so an Ort und Stelle gehaltene Tampon stach weiß von ihm ab.

„Oder haben Sie das etwa selbst angebracht und waren gar nicht beim Arzt?“ grinste sie mich an.

„Oh, warten Sie, das kann ich Ihnen eben zeigen.“

Ich fummelte an dem Pflaster herum.

„Iiiihhhh, nein, nicht tun. Ich kann das nicht sehen.“ wurde ich angekreischt.

„Och, die MTA sticht sehr gut, es ist noch nicht mal blau.“

"Will ich nicht sehen. Bleiben Sie mir weg damit."

"Hier, gucken Sie mal. Oh, da ist ja doch schon etwas Blau sichtbar."

„Waaahh, weg. Bei mir macht mir das nicht aus, aber bei anderen wird mir schlecht, wenn ich auch nur die kleinste Verletzung oder Einstichstelle sehen muß.“

Hö hö hö, gut zu wissen. Ich weiß übrigens auch, daß Frl. Hasenclever nicht gegen die dünnen, metallenen Streifen an kann, welche sich in unseren Akten befinden und mithelfen sollen, das Papier in den Pappdeckeln zu halten. Wenn ich nicht will, daß sie anfängt, in meinen Akten herumzuheften, nehme ich immer solche Streifen und wechsle die vorhandenen aus Plastik aus. Wozu hat man denn Reserven?

„Also echt, Frl. Hasenclever, das ist doch total harmlos.“

„Egal. Kann ich nicht sehen. Sie würden mir nicht glauben, was ich früher als Kind mal werden wollte. Ärztin!“

Tja, spätestens jetzt wird dies zu glauben wohl wirklich etwas schwierig.



Montag, 19. Januar 2015

So ein Elend - Hatschi, die Zweite

„HATSCHI!“

Wir arbeiteten in unserem gemütlichen Büro still und leise vor uns hin. Zumindest so lange, bis dieses markerschütternde Geräusch die heilige Ruhe störte. Unsere Ermittlungen ergaben, daß eben jenes Geräusch unzweifelhaft aus Svens Büro stammen musste.

„Sven?“

„Ja?“

„Geht es dir gut?“

„Nein!“

„Gehst du kaputt?“

„Ja.“

„Dann mache endlich die Tür zu, wir wollen dein Elend nicht mit ansehen.“



Sonntag, 18. Januar 2015

Die Zitruspresse: Preisübergabe

Es ist meinen Lesern hoffentlich immer noch erinnerlich, daß Abalone unlängst den wertvollen Preis, den sie aufgrund der richtigen Beantwortung eines Rätsels gewonnen hatte, dem nächsten von mir aus erreichbaren Kindergarten gestiftet hat. Wirklich, das ist Edelmut.

Natürlich folgte ich ihrem selbstlosen Wunsch. Und da ich ein wahrlich und wahrhaftig, ganz tief in meinem Herzen ein gütiger Mensch bin, kam ich nicht umhin, Abalones Gewinn in Form eines mit Schokocreme gefüllten Doppelkekses glatt zu verdoppeln. Ich bin ja nicht knauserig.




So begab ich mich, vollgepackt mit meinen Gaben, auf den Fußmarsch die Berge rauf zu dem bescheidenen Gebäude, in welchem der Kindergarten des Neustädter Ländchens untergebracht ist. Was war ich froh, daß der Winter in diesen Tagen eine Pause eingelegt hat, denn sonst hätte ich zusätzlich zu meinen Mitbringseln auch noch einen warmen Mantel anziehen müssen. Damit aber hätte ich die lieben Kleinen vermutlich vollständig verwirrt, denn wann immer ein großer, stattlicher, vollbärtiger Typ mit Wintermantel vorbeikommt, der auch noch Geschenke mitbringt, erinnert das wohl eher an den Weihnachtsmann. Doch für eine solche Verwirrung wollte ich nicht verantwortlich sein, konnte ich mich doch noch an meine eigene Kindergartenzeit erinnern, als ich peinlicherweise der Meinung war, daß man im Jahr häufiger Geburtstag haben kann als man Weihnachten feiert.

Frau Annemarie Hölzer, von den Kindern nur Tante Annemarie genannt, sowie die beiden Rabauken Holger und Berthold bildeten das Empfangskomitee. Die beiden Jungs hatten bereits selbst gebastelte Tragebehälter mitgebracht, um die Gaben in Empfang nehmen zu können. Wie man auf dem Bild erkennen kann, sind wir im Neustädter Ländchen sehr modebewusst und pflegen den hier aktuellen Retrostyle der 70er Jahre durch und durch.





Mit Unterstützung durch die üblichen LärmMusikinstrumente wurde mir aus fröhlichen Kinderkehlen ein ebenso fröhliches Ständchen gebracht. Immer wieder musste ich von der gutherzigen Abalone berichten, die so uneigennützig auf den wertvollen Preis verzichtet hatte, nur um ihnen was Gutes zu tun. Ja, und was soll ich da alles berichten? Daß man ihr besser keine Tomatenpflanzen in die Hand gibt? Nein, das wäre zu grausam für das Gemüt der unschuldigen Kinder gewesen. Aber ich wusste zu berichten, daß Abalone gerne Bücher liest. Ja, da wurden die Augen groß, denn Bücher – oh, das war etwas Geheimnisvolles. Man konnte darin Bilder ansehen und aus ihnen Geschichten vorlesen, ohne daß irgendwann der Strom zu Ende ging. Ja, diesen Zauber kannten die Kinder nicht mehr.

Schließlich hielt es meine junge Zuhörerschar nicht mehr aus, und wir gingen nach draußen auf den Spielplatz des Kindergartens. Ja, es war eine Freude zu sehen, wie die Kleinen auf den Geräten herumkraxelten, bis sie vom vielen Toben nur noch erschöpft waren.




So wurden wir nur wenig später von Tante Annemarie an den geschmackvoll gedeckten Tisch gerufen, um die beiden mit Schokoladencreme gefüllten Doppelkekse zu verputzen. Hach, da war die Freude groß. So verabschiedete ich mich schließlich, nicht ohne versprechen zu müssen, nochmal meinen Dank an die hier vielgeschätzte Abalone zu übermitteln, was ich hiermit gerne mache.

Und wenn dies nicht die Wahrheit war, dann war es gutmittelprächtig nur erfunden.




Samstag, 17. Januar 2015

Fresspaket

Mir war so, als ob hier ein kleiner, braun-orangefarbener, fellbesetzter Außerirdischer zu Besuch war. Beim Abflug hat er aber offensichtlich sein Lunchpaket übersehen.




Glück gehabt.



Freitag, 16. Januar 2015

Was denn nun?

Im Büro: „Hach, Paterfelis, mit dir ist das immer so unkompliziert.“

Zu Hause: „Schatz, du machst es dir aber auch immer selbst so kompliziert.“

Na, was denn jetzt? Einigt euch.




Donnerstag, 15. Januar 2015

Nur ein Geltungsbedürfnis - Hatschi, die Erste

„HATSCHI!“

„Gesundheit, Paterfelis.“

„Ich bin nicht krank.“

Zeit vergeht.

„HATSCHI!“

„Vielleicht doch?“

„Nein, Mandy.“

„Was dann?“

„Aktenstauballergie.“

Der imaginäre Zeiger unserer Bürouhr bewegte sich weiter.

„HATSCHI!“

„Hoy, der war gut.“

„Ich! Bin! Nicht! Krank!“

Und wieder kehrte für einige Zeit Ruhe ein.

„Hatschi!“

„Mandy?“

„Ja?“

„Was war das denn gerade Niedliches?“

„Ich kann das genau so gut wie du.“

Pffft, Amateurin.



Dienstag, 13. Januar 2015

Schleicher

Ein Termin bei Dr. Strebsinger stand an. Auch Frl. Hasenclever sollte zugegeben sein, wir hatten anhand einiger Akten verschiedene grundsätzliche Fragen zu Verfahrensabläufen zu besprechen. Soweit nichts Ungewöhnliches.

Während ich den Flur zu Dr. Strebsingers Büro hinunterging, warf ich schon fast einen reflexartigen Blick in Marias Zimmer. Es war gerade verwaist, aber das Licht brannte. Sie war also nur vorübergehend nicht am Platz. Fast gegenüber befand sich das Zimmer von Dr. Strebsinger. Die Tür stand offen, wie immer, wenn er keine vertraulichen Gespräche zu führen hat. Dies soll Erreichbarkeit für die Kollegen signalisieren. Böse Zungen behaupten, er mache dies, um mehr von dem mitzubekommen, was um ihn herum so geschieht, aber das halte ich nun doch für übertrieben.

Frl. Hasenclever saß schon am Besprechungstisch. Ich klopfte leise am Türrahmen und trat ein.

„Oh, Herr Paterfelis, man hört sie gar nicht kommen. Setzen Sie sich.“ begrüßte mich Dr. Strebsinger gut gelaunt.

„Ja, nicht so wie Maria. Die hat so einen festen Tritt, daß man sie schon lange vorher hört, bevor sie auch nur die Nähe der Tür erreicht.“ ergänzte Frl. Hasenclever grinsend.

Dr. Strebsinger setzte jetzt ein doch eher gequältes Lächeln auf.

„Maria hört man immer, auch wenn sie gerade nicht läuft.“ Nur um dann ein hastiges „Das habe ich jetzt nicht gesagt.“ nachzulegen.

Da hätten wir ja schon beinahe eine Begründung, die Tür doch häufiger geschlossen zu halten.




Montag, 12. Januar 2015

100.000!

Yeah, es ist geschafft.

Heute geht es hier aber auch Schlag auf Schlag. Erst darf ich die glückliche Gewinnerin eines mit Erdbeer- oder Schokoladencreme gefüllten Doppelkekses bekannt geben, und nun auch noch das hier.

100.000 mal ist mein Blog aufgerufen worden. Ihr könnte euch gar nicht vorstellen, wie sehr mein Finger jetzt wehtut, bloß weil ich immer wieder auf die Aktualisierungstaste gedrückt habe, bis ich den Zähler endlich soweit…  (ähm, lassen wir das)

Nein, es sind natürlich eure Klicks.


100.000


Danke dafür!

Während hier im Hause jetzt die Jubiläumsparty steigt und sich wildfremde Menschen allen Ortes in den Armen liegen, kann ich euch noch verraten, daß ich anlässlich des freudigen Ereignisses ein neues Blogdesign geplant hatte.

Tja, und dann ist der zweitbesten Ehefrau von allen der Probelauf in meinem Testblog ansichtig geworden. Der starre Blick und eine gemurmelte Meinungsäußerung, welche vor allem durch die Farbbeschreibung


Durchfallorangekackbraun


bei mir haften geblieben ist, ließ mich meinen Plan verwerfen.

Ich fand ja, daß die Farbe etwas mehr Wärme ausgestrahlt hätte.

Doch jetzt zurück zur wilden Party.

Auf euch und die nächsten 100.000!




Euer Katzenpapa



Die Zitruspresse - schon wieder

Das Rätsel um die Zitruspresse soll nun seine Lösung finden. Die Kommentare habe ich absichtlich nicht gegenkommentiert, um nicht versehentlich einen Tipp von mir zu geben.

Antwort A scheidet aus. Ich bin doch nicht so behämmert und renne alle paar Tage in den Keller, nur um eine Zitruspresse wegzuräumen, die ich dann nach kurzer Zeit wieder bergen müsste. Kommentatorin Laura lag damit also leider falsch.

Und auch Antwort B ist nicht zutreffend. Unsere Zitruspresse hat ein schlichtes, zeitlos funktionelles Design, welches mir schon zusagt. Auch, wenn ich sie nicht als Staubfänger Dekorationsartikel in unserer Wohnung ansehen würde. 


Formschöne Eleganz in Halbobenansicht

Molly L. hatte noch eine weitere Antwortoption in den Raum geworfen. Ich bin geschmeichelterschüttert, welch genialer Gedankengang wie viel Niedertracht und Heimtücke mir zugetraut wird.  Aber leider ist auch Option D nicht zutreffend.

Die richtige Antwort ist Option C.

Die Namen aller Kommentatoren, welche auf die richtige Antwort gesetzt hatten, habe ich willkürlich mit einer Zahl zwischen 1 und 100 durchnumeriert…


Alle Namen auf einem Blatt

  …und danach unter Zuhilfenahme meines echten hundertseitigen Würfels so lange gewürfelt, bis…


Der Siegerwurf



...eine Gewinnerin für den wertvollen Preis feststand:




Herzlichen Glückwunsch.

Du darfst dir nun aus unserem Knabberschrankarchiv einen Doppelkeks (entweder mit Erdbeercremefüllung oder klassisch mit Schokoladencremefüllung) aussuchen, den ich hier sicher für dich aufbewahren werde.

Natürlich würde ich ihn dir auch zuschicken, wenn du mir die Lieferanschrift zukommen lässt.




Sonntag, 11. Januar 2015

Sehr erhellend

Die zweitbeste Ehefrau von allen hat sich eine neue Stehlampe gekauft. Dies soll eine unterstützende Maßnahme in ihrem hehren Kampf gegen das hiesige Imperium unverarbeiteter Wollknäule sein. Woll Vader schickt seine Truppen unermüdlich ins Feld, aber die helle Seite der Macht ist nun mit ihr.

Verschiedene Bestandteile der Lampe bedurften noch des Zusammenfügens durch den Endverbraucher. Also durch uns. Mir wurde, während ich mal wieder auf unserem hauseigenen Monster abhing, der Stehlampensockel in die Hand gedrückt, in welchen meine Angetraute gedachte, den zugehörigen Stehlampenständer hineinzudrehen. Schwierigkeiten taten sich auf.

„Kannst du da unten mal festhalten? Da dreht sich etwas mit.“

Ich bewegte weisungsgemäß die zweite mir zur Verfügung stehende Hand in Zielrichtung und hielt fest, was festzuhalten war, nämlich so ein eckiges Drehverhinderungsdingens, bis schließlich…

„AUA!“

„???“

„Jetzt geht es nur noch mit Werkzeug weiter.“

Man stelle sich diese meineWorte – da durch Drehverhinderungsdingens angeritzter schmerzender Daumen im Mund befindlich – etwas genuschelt vor.

„Ähm, so eines wie dieses hier? Lag im Karton.“

Man stelle sich diese ihreWorte mit zumindest einem Ansatz von Verlegenheit und Schuldbewusstsein vor.

Man(n) macht sich dann halt seine Gedanken und schweigt. Und erkennt, umständehalber mal wieder aufgeben zu müssen. Grmpf!



(Bevor hier Fragen aufkommen: Ja, ich als bekennender Handwerkslegastheniker hätte selbst bei einem dreiteiligen Bausatz erst mal den Arbeitsbereich freigeräumt, die Lage gepeilt, die Anweisung gelesen, die Lage nochmal gepeilt, mir geeignet erscheinende Werkzeuge  – AUCH IM VERPACKUNGSKARTON – gesucht und voraussichtlich gefunden, die Lage gepeilt, Verbandszeug bereitgelegt, mich nochmal entspannt, die Lage erneut gepeilt, Arbeitskleidung angezogen, die Anweisungen nochmal gelesen, die Katzen in Sicherheit gebracht, Arbeitshandschuhe geholt, die Bilder der Anweisung verinnerlicht, den Feuerlöscher gesucht, nochmal einen Blick auf die Anweisung geworfen, Sicherheitsschuhe angezogen, den Gefahrenbereich von Unbefugten geräumt, den Gefahrenbereich mit Absperrband vor der Rückkehr der Unbefugten gesichert und die Sache dann nach reiflicher Überlegung und vollständigem Durchdenken sämtlicher Unwägbarkeiten begonnen. Aber was weiß ich schon von solchen Dingen?)



Samstag, 10. Januar 2015

Schon wieder! - Schon wieder?

Sehr geehrte Leser,

ich bitte euch, an folgendem kleinen Dialog teilzuhaben, welcher sich vor einigen Tagen im Hause Paterfelis zugetragen hat.

„Was sind das denn hier für Orangen?“

„Die habe ich mitgebracht.“

„Ja, aber sind die eher zum Essen oder zum Auspressen?“

„Eher zum Essen, aber wenn du sie auspressen möchtest, sollte das auch funktionieren.“

„Dann werde ich wohl mal so langsam die Zitruspresse nach oben holen.“

„Ist die etwa SCHON WIEDER unten?“

Wie wir bemerken, kann sich dieser kleine, eher unauffällige Dialog mit etwas Phantasie und gutem Willen in jeder Familie oder sonstiger Wohn- und Lebensgemeinschaft abspielen.

Nun stellt sich die Frage, für was die an dieser Stelle vorgebrachten und zweifelsfrei im Zusammenhang stehenden Wörter schon und wieder stehen. Ich versuche, die mögliche Lösung der Angelegenheit mit Hilfe von Antwortoptionen darzustellen.


Option A:

„Du weißt doch, daß ich es nicht leiden kann, wenn hier alles im Weg herumsteht. Deswegen habe ich die Zitruspresse meiner zwanghaften Neigung folgend, wie übrigens nach jeder früheren Nutzung inklusive derjenigen aus der letzten und der vorletzten Woche, irgendwo unten im Keller verstaut.“


Option B

„Ich war der Meinung, daß das grottenhässlich gestaltete Teil so weit wie möglich aus meinem Blickfeld verschwunden sein sollte. Deswegen habe ich es, nachdem es zuletzt gestern gebraucht wurde, wie so oft in den letzten Wochen wieder in den Keller gebracht und hoffe, daß es dort verschimmelt und niemand mehr daran denkt.“


Option C

„Nachdem gegen Ende des Winters 2013 / 2014 auch die Apfelsinen- und Zitronenzeit in diesem Haushalt beendet war, habe ich die Zitruspresse, damit sie hier nicht unnötig auf der Arbeitsplatte der Küche oder in den ohnehin überfüllten Schränken Platz wegnimmt, vor etwa neun Monaten in unser Haushaltsgerätedepot im Vorratskeller griffbereit eingelagert.“


Eure Lösung postet ihr bitte bis Sonntag, den 11.01.2015, 23.59 Uhr in den Kommentaren. Unter allen richtigen Antworten wird ein wahlweise mit Schokoladen- oder Erdbeercreme gefüllter Doppelkeks (Rest aus einer originalen Prinzen Doppelkeksrolle, wir machen ja keine Werbung) verlost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Freitag, 9. Januar 2015

Freitagsdialog

Wir saßen in unserem gemütlichen Büro und arbeiteten friedlich vor uns hin. und erwarteten das Vorbeiziehen der Mittagspause, als Mandy die feierliche Ruhe störte.

„Na?“

„Na und?“

"Yipieh!"

"Was?"

„Es ist Freitag.“

„Ach?“

„Wir werden uns jetzt zwei Tage lang nicht sehen.“

„Wir müssen jetzt zwei Tage lang nicht arbeiten!“

„Stimmt auch.“

„Ja.“

"Und?"

„Da muß man eben Schlechtes und Gutes abwägen."

„Ja."

„Bist du fertig?“

„Ja.“

„Hast du ein Ergebnis?“

„Ja.“

„Welches?“

„Freitage sind doof.“



Donnerstag, 8. Januar 2015

Der Mobbingeffekt

Karla und Mandy sprachen über eine Akte. Es ging um einen Bescheid, den Karla vorbereitet hatte. Wie die meisten Bescheide, welche von unseren Assistenten erstellt werden, handelte es sich um eine Zusammenstellung von festen Textbausteinen, die schon mal um frei formulierte Zusätze und Hinweise zu ergänzen sind. So auch dieses Mal.

„Karla, da hast du aber einen tollen Zusatz formuliert.“ äußerte sich Mandy lobend.

„Der ist nicht von mir. Den schönen Zusatz hat Sven geschrieben und mir als Muster überlassen.“

Hallo? Leute, so nicht. Ich musste, wohl wissend, daß Sven im Türrahmen stand, eingreifen.

„Hör mal, Karla, es muß heißen, daß Sven einen schönen Zusatz von jemandem bekommen hat und an dich weitergab. Sonst ginge hier ja der Mobbingeffekt verloren.“

Natürlich begann Sven, das alte Weichei, wieder zu jammern.

„Och Mensch, immer auf die Kleinen. “

„Nein Sven, es hat nichts mit deiner Größe zu tun.“ begann ich.

„Sondern?“

Bevor ich weiter Luft holen konnte, sagte Mandy alles, was gesagt werden musste.

„Na, weil du rote Haare hast.“

Bei uns wird eben nichts sachlich unbegründet getan.



Bei der Erstellung dieses Beitrages und den ihm zu Grunde liegenden Ereignissen wurden keine Kollegen verletzt oder gequält. Sven sagt immer, er wüsste ja, wie wir es meinen. Behauptet er jedenfalls. Hartnäckig. Und das, obwohl wir ihm immer wieder sagen, daß wir ihn ernsthaft und aus tiefster Überzeugung mobben wollen. Er glaubt uns das einfach nicht. Das grenzt doch schon an Ignoranz, oder?!



Dienstag, 6. Januar 2015

Irritationen

Es gibt ja solche Tage, die möchte man doch eher ganz gerne sitzend auf einer Parkbank an der örtlichen Bundesstraße verbringen, nur um etwas Ruhe zu haben.  Solche Tage, wie zum Beispiel – heute.

Der Geräuschpegel im Büro war elend hoch. Nicht nur, daß die übliche Geräuschkulisse um mich herum unüberhörbar war, befand sich auch ständig jemand in meiner Nähe, der auf mich eingeredet hat. Oder auf den ich einreden musste. Manche Kollegen schaffen es ja sogar nicht mal, auch nur einen ihrer Handgriffe unkommentiert zu lassen.

Schreck. Lich.

12.24 Uhr. Etwas war anders als sonst. Zunächst war ich etwas verstört, schaute mich entsprechend dümmlich um. Ein Hintergrundrauschen war zu hören. Nur ein Hintergrundrauschen. Nicht dieses universelle Hintergrundrauschen, sondern ein ganz profanes Rauschen des Wassers in den Heizkörpern. Aber ansonsten herrschte Stille. Dank der Mittagszeit war niemand in Reichweite, der hätte sprechen können. Kein Auto auf der Hauptstraße hupte, kein Drucker ratterte und noch nicht mal ein Telefon klingelte.

12.25 Uhr.  Die Möbel im Büro begannen leicht zu wackeln, der Boden zitterte. Kein Grund zur Panik, es war nur der regelmäßige Schwerlastgüterzug, welcher an unserem Gebäude vorbei fuhr. Die akustische Warnmeldung der leicht angeschlagenen Türsicherung zum Treppenhaus aktivierte sich unüberhörbar, während irgendjemand versuchte, mich fernmündlich zu erreichen.

Die Normalität hatte mich wieder.



Montag, 5. Januar 2015

Alt aber zeitlos

Es gibt da einen alten Spruch. Der war, so glaube ich zumindest, schon alt, als ich selber noch in der Lehre war. Dieser eine Satz voller tiefgehender Weisheit und schlichter Eleganz lautet


Mit jedem Tag meines Lebens erhöht sich zwangsläufig die Zahl derer, 
die mich am Arsch lecken können.


Nie war er so zutreffend wie heute. Alptraumkundschaft, ein verwirrtes Arbeitsumfeld und ein Lokführer, der einen Clown gefrühstückt hatte, taten das ihrige dazu bei.

Ich muß mich jetzt erst abreagieren.

Bis später mal.




Sonntag, 4. Januar 2015

Schulbesuch

Stets zum Jahresanfang steht bei mir seit einiger Zeit ein Termin im Kalender. Das ist durchaus eine Auffälligkeit, denn wenn ich mir den familieneigenen, zweispaltigen Terminkalender so ansehe, findet sich auf meiner Hälfte mit Ausnahme vom obligatorischen Termin beim Zahnarzt  – so dieser da überhaupt eingetragen wird – sowie familiärer Verpflichtungen (mit anderen Worten: Besuche bei den Schwiegereltern oder auch mal den eigenen Eltern) höchst selten eine Notiz, während die Seite, welche die zweitbeste Ehefrau von allen für sich in Anspruch nimmt, nahezu vor Eintragungen platzt. Mit etwas gutem Willen könnte ich die Termine für die Müllabfuhr noch meiner Seite zuordnen lassen, damit es nicht ganz so leer aussieht. Würde auch Sinn machen, schließlich unterliegt der Müll hier meiner Zuständigkeit.

Bei diesem Jahresanfangsdauerwiederholungstermin handelt es sich um den Zeitpunkt, zu dem ich meinen vor Witz und Esprit nur so strotzenden Vortrag in Rajivs Schule für angehende und fortzubildende  Fitnesstrainer halte. Nur Rechtsgedöns, nichts Sportives. Und wie immer als unentgeltlicher Freundschaftsdienst. Ich bin da ja nicht so kleinlich.

Im Rahmen meines Vortrages erwähnte ich, daß ich durchaus auch zu den verpeilten Menschen zähle, welche sich die schlauen Worte hinsichtlich des korrekten Bedienens der Geräte sowie der Ausführung der Übungen nicht länger als zehn Minuten merken würden und danach erfolgreich aus dem organischen Zentralspeicher verdrängten.

Nachdem ich mit dem Vortrag durch war und eine kleine Nichtraucherpipipause eingelegt wurde, kam meine Angetraute auf mich zu.

„Sollte das gerade heißen, du würdest dir auch nur zehn Minuten lang merken, was ich dir sage?“

„Na ja, öhm, also zehn Minuten oder so werden es wohl schon sein.“

„Glaubst du doch selber nicht!“

„Ähm, worüber haben wir gerade geredet?“

Und jetzt zügig in Deckung gehen; in dem Raum befanden sich zahlreiche potentielle Wurfgeschosse, von denen ich die in einer Kiste deponierten  Tennisbälle – ganz im Gegensatz zu den diversen Hantelscheiben – noch als überaus harmlos einstufen konnte. He, meine Flucht ist als rein prophylaktisch anzusehen. In der Grundschule hatte ich es beim Völkerball mal geschafft, mindestens fünf Minuten lang als letzter auf dem Feld zu bleiben und mehreren zeitgleich nach mir mit dem Ziel mich zu treffen geworfenen Bällen auszuweichen, bis das Spiel dann endlich abgebrochen wurde! Ich war ein Held! In einer Sportart! Davon zehre ich noch heute, obwohl ich in meiner zutiefst bescheidenen Art natürlich kein großes Aufheben darum mache. Aber ich bin unbesiegt vom Platz gegangen! Un-be-siegt! Ich habe meine Gegner förmlich gedemütigt und… (Anm. d. Red: Schluß jetzt!)

Obwohl mein Anteil an der nunmehrigen Lehrveranstaltung beendet war, blieb ich noch bis zur Mittagszeit. Dann würde sich entscheiden, ob die zweitbeste Ehefrau von allen den Nachmittag ebenfalls noch als unterstützende Lehrkraft in der Trainerschule verbringen sollte ober ob wir zusammen nach Hause fahren konnten. Die Alternative wäre für mich eine FahrtWeltreise mit dem öffentlichen Personennahverkehr gewesen, worauf ich nicht übertrieben viel Lust hatte. Alleine der Fußweg zur nächsten Haltestelle hätte laut Online-Fahrplanauskunft unfassbare 235 Meter Latscherei, beladen mit Laptop, Kabeltrommel und anderem Zeug, bedeutet.

So hörte ich mir an, was Rajiv seinen Schützlingen noch zu vermitteln hatte. Unter anderem erzählte er von seinen ersten Trainererfahrungen, von dem blöden Gefühl, daß sich einstellte, als er einen Kurs vertretungsweise übernahm und einige Kursteilnehmer, kaum daß sie seiner ansichtig wurden, den Raum verließen, ohne daß man ihm nur eine Chance gegeben hatte. Darauf muß ein Nachwuchstrainer sich einstellen können. Auch wusste er im Gegenzug von Yoga-Kursen zu berichten, in welchen er schon alleine aufgrund seiner offenkundigen indischen Abstammung und dem Umstand, daß er mal in China war, als Trainer gewonnen hatte, bevor auch nur die erste Übung absolviert wurde. Eine Form von Placebo-Effekt, aber wenn es wirkt, sollte es in Ordnung sein.

Und schließlich kam er zu den Kursen, an denen auch gestandene Trainer durchaus verzweifeln. Nämlich jenen, bei denen die Teilnehmer nichts auf die Reihe bekommen. Auch nach Wochen oder Monaten der Teilnahme. Die noch nicht mal einen Step Touch hinbekommen hätten.

Während ich als bekennender Bewegungslegastheniker bemüht war, möglichst unbeteiligt zu wirken und keinerlei Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, warf mir meine Angetraute einen lange anhaltenden Blick zu. Ich konnte förmlich hinter ihrer Stirn lesen, was ihr durch den Kopf ging. In Worte gefasst sollte es sich etwa um diesen Gedanken gehandelt haben:

„Schatz, warst du etwa damals auch in diesem Kurs, ohne daß ich etwas davon weiß?“

Daran hätte ich mich zwar erinnert, aber egal. Tatsächlich war ich erst einmal in einem Kurs, den Rajiv geleitet hatte, aber das erfolgte damals seinerseits nur vertretungsweise. Und zwar Pilates. Da kann man einfach nicht von Wochen oder gar Monaten sprechen. Auf keinen Fall. Und einen Step Touch haben wir da bestimmt auch nicht gemacht. Oder gar mehrere. Ich war ja kurz davor, Rajiv darauf aufmerksam zu machen, daß ich mich durch eine seiner hier im Raum befindlichen Schutzbefohlenen gerade aktiv gemobbt fühle, ließ es dann doch aber sein.

Ich wollte ja nicht mit der Bahn nach Hause fahren müssen.



Samstag, 3. Januar 2015

Silvestereinkauf (Teil 2)

Auf dem Weg zum Sporttempel war ich gefühlt der Einzige auf den Straßen. Was die öffentliche Verkehrssteuerung nicht davon abhielt, mich an jeder, aber auch wirklich jeder einzelnen Ampel warten zu lassen. Der Umstand, alleine in der Pampa elend lange und wiederholt sinnlos darauf zu warten, daß ein grünes Licht zu leuchten beginnt, ließ mir schon den einen oder anderen Fluch entfahren. Die Ungewissheit über den Ausgang meines anstehenden Abenteuers verstärkte meine Nervosität. Diese hätte durchaus jederzeit in eine Panikattacke umschlagen können. Dann hätte auch der Besuch des Sporttempels nichts mehr retten können – denn den hätte ich dann ebenfalls nicht mehr zuwege gebracht. Doch so weit kam es nicht.

Im Sporttempel lief es wie geplant. Erwartungsgemäß war es ruhig. Zu Beginn waren wir zu Dritt, ein kleiner Teil der üblichen Verdächtigen aus der Montag-Mittwoch-Freitags-Runde. Langsam trudelten noch ein paar Versprengte ein. Ich hielt auch Ausschau nach Mandy, welche ihr Erscheinen ebenfalls angekündigt hatte, doch leider vergebens.

Im Zirkeltraining erhöhte ich an allen Geräten erst mal wieder das Gewicht. Das würde einen ordentlichen Muskelkater geben. Ist schon in Ordnung so, dann hätte es wenigstens was gebracht.

Als ich wieder den Umkleideraum betrat bemerkte ich, daß ein kleinerer, eher schmächtiger Typ, wohl deutlich älter als ich, den Spind neben meinem und auch die zugehörige Sitzbank in Anspruch nahm. Die Örtlichkeiten lassen es in so einem Fall nicht zu, sich selbst in Ruhe umzuziehen; es ist dann einfach zu eng. Da der Typ aber bereits in Unterwäsche war und nur noch seine Sportbekleidung überstreifen musste, würde es wohl nicht allzu lange dauern, bis er fertig wäre.

Ich setzte mich also auf eine andere Bank und begann, mich ein wenig von der vorherigen Aktivität zu regenerieren. Kurz nach mir kam jemand aus der üblichen Morgenrunde, um zügig unter der Dusche zu verschwinden. Aus dem Augenwinkel warf ich immer wieder mal einen Blick auf den Typen, der meinen Spind blockierte. Ich war versucht, in eine Tischkante zu beißen, wenn denn nur eine dagewesen wäre. Anstatt seine Sachen an die dafür vorgesehenen Haken in den Spind zu hängen, faltete er diese höchst akkurat zusammen. Sein Hemd, seine Hose und alles, was sich sonst falten ließ. Und das mit einer Gemütsruhe. Wie er auch ewige Zeiten benötigt hat, um seine Sportkleidung anzuziehen.

Um die Sache mal abzukürzen: Der andere Kerl, der nach mir in die Umkleide gekommen war, hatte in der gleichen Zeit zu Ende gedusc ht, sich umgezogen, die Haare ausgehtauglich zurecht gemacht und den Raum schon wieder verlassen, während ich immer noch darauf wartete, endlich an diesen blöden Spind herankommen zu können. Aber endlich war es soweit: Der Typ holte nur noch seinen Kann-vor-Kraft-kaum-laufen-Gürtel aus seiner Tasche und begab sich nach oben.

Als ich später der zweitbesten Ehefrau von allen davon erzählte, glitt der Hauch der Erkenntnis über ihr Gesicht. Sie kannte den Typen vom Sehen und wusste, was und womit er trainiert. Und sie meinte nur, daß er sich auch dabei ausnehmend umständlich anstellte.

Weiter ging es zum Laden, der Lebensmittel liebt. Es war nicht übertrieben voll. Ich besorgte meine Sachen, schaffte es sogar, immer noch (oder trotzdem noch) vollgepumpt mit Glückshormonen, ohne nennenswerte innere Probleme meine Angelegenheiten an der Bedienungstheke zu erledigen und begab mich in Richtung Kasse.

Scheiße!

Man hatte die Kassen neu gestaltet. Hier sah es anders aus als in meiner Erinnerung. Und auf diesen hatten meine Erkundigungen bei meiner Angetrauten zum Ablauf des Kassiervorganges gebaut. Ein gewisses Nervenflattern baute sich auf. Doch mit geschärften Sinnen beobachtete ich die Vorgänge und bekam auch noch Zeit geschenkt, um die Örtlichkeiten aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen, als der Kassenmensch mit einer Reklamation beschäftigt war. Immerhin war ich zu diesem Zeitpunkt der Übernächste an der Kasse.

Gut, alles hat danach problemlos geklappt. Beim nächsten Besuch des Ladens, der Lebensmittel liebt, werde ich von vornherein ruhiger sein.

Die Irre auf dem Parkplatz, die ihren Einkaufswagen locker anderthalb Meter von ihrem Auto entfernt verkehrsbehindernd auf der Fahrbahn abgestellt hat und zum Ent- und Beladen immer ein paar Schritte hin und her lief, lasse ich jetzt mal unerwähnt. Und auch den Umstand, daß sie mich später, als sie den leeren Einkaufswagen wegstellen wollte, damit nahezu aufs Korn nahm und mich nur die kleine Lücke zwischen zwei gegenüber parkenden Autos davor bewahrte, von ihr und ihrem Einkaufswagen überrollt zu werden, soll eine Randnotiz der Weltgeschichte bleiben.

Auf dem Rückweg musste ich nicht mehr an jeder Ampel halten. Nur an jeder zweiten.

Doch das kann zumindest was Entspannendes haben.


(Ende)




Freitag, 2. Januar 2015

Silvestereinkauf (Teil 1)

Am Abend vor Silvester fiel der zweitbesten Ehefrau von allen ein, daß sie vergessen habe, noch etwas für unser Weinfondue, mit dem wir uns die Warterei auf Mitternacht verkürzen wollten, zu besorgen. Da ich ja ohnehin vorhätte, am Silvestermorgen um 7.00 Uhr den Sporttempel heimzusuchen, könnte ich das ja durchaus auf dem Rückweg übernehmen.

Hmmm, mein Plan war zwar anders, aber ok.

Ok?

Nein, nicht so ganz. Ich wäre nicht ich, wenn diese harmlos vorgebrachte und durchaus nachvollziehbare Bitte für mich so ohne weiteres ok wäre. Aber sie war schlüssig, weswegen ich dem Ansinnen zugestimmt habe.

Nun wird man vermuten können, daß die Aussicht darauf, sich am Morgen des 31. Dezembers in ein überfülltes Geschäft stürzen zu müssen, nicht unbedingt dazu beitragen wird, Hochgefühle aufkommen zu lassen. Nein, das war nicht mein größtes Problem. Mein Einkauf würde übersichtlich sein. Zwei Dinge, mehr nicht. Ein Großeinkauf wäre problematischer geworden.

Das Problem war, daß ich die Sachen aus Qualitätsgründen in dem Laden kaufen sollte, der Lebensmittel liebt. Was den qualitativen Aspekt betrifft, bin ich da auch durchaus überzeugt. Meine Sorge allerdings betraf den Kassenbereich.

Wie man sich vielleicht erinnert, bin ich Soziophobiker. Hab ja lange nichts mehr dazu geschrieben. Aber dieses ist jetzt wieder so eine Situation, die man als Außenstehender durchaus verkennen kann. Die Kassen in dem Laden, der Lebensmittel liebt, sind nämlich anders als von mir gewohnt. Der Normalfall wäre ja, daß man sein Geld in die Hand des Menschen an der Kasse gibt und von diesem sein Wechselgeld in die Hand zurück erhält. Ist hier aber nicht so. Da gibt es Abgrenzungen zwischen Münzgeld und Papiergeld. Ich war erst zwei- oder dreimal in dem Laden drin. Und noch nie alleine, hatte also mit dem Bezahlvorgang nie selbst etwas zu tun.

Und schon beginnt wieder das Gedankenkreisen. Schon seit Wochen, wenn nicht gar Monaten, denke ich mit Schrecken daran, wie es ist, wenn ich zum ersten Mal alleine unsere Einkäufe in dem Laden, der Lebensmittel liebt, erledige. Eigentlich seit dem Zeitpunkt, zu dem wir diesen Laden für uns entdeckt haben.

Kaum eine Aussicht ist für mich erschreckender, als wie ein Idiot an der Kasse oder sonst wie in der Öffentlichkeit beobachtet zu stehen, Menschenmassen (also mehr als keine mir fremde Person) um mich herum, und nicht zu wissen, was Sache ist. Natürlich wird das in der Praxis weitgehend umstandsfrei laufen, denn der Kassenmensch würde schon den einen oder anderen hilfreichen Tipp geben, was zu tun ist. Eine Vermutung, die mich keineswegs beruhigen kann.

Aber ich hatte ja noch zwei Trümpfe im Ärmel.

Zunächst also nochmal bei der Angetrauten nachfragen, wie das dort an den Kassen funktioniert. Gut, hörte ich nachvollziehbar an, werde ich mir merken können. Trumpf Nr. 1 wäre damit ausgespielt. Trumpf Nr. 2: Vorheriger Besuch des Sporttempels wie geplant, eine Stunde intensiv auspowern und dadurch die Hormone der Glückseligkeit ins Blut schießen lassen.

Das hörte sich nach einem guten Plan an.



(wird fortgesetzt)



Donnerstag, 1. Januar 2015

So ein hundsverkackter Mistkerl

Der Erfinder des Teigschabers war ein ArschlochKnallbonbon. (Bleiben wir aus Gründen des Anstandes und der Atmosphäre doch einfach mal bei den aktuellen Begrifflichkeiten der Zeit.)

Warum? Das ist doch wohl dermaßen offensichtlich, daß es sich schon fast gar nicht mehr lohnt, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Ich mache es trotzdem, damit dieser unerhörte Skandal nicht in Vergessenheit gerät.

Die zweitbeste Ehefrau von allen hatte sich am Silvesternachmittag in unsere Küche verzogen. Es war ihr Ansinnen, mehrere Neujahrskränze zu backen, um diese sowohl der näheren Nachbarschaft, namentlich den über uns wohnenden Knutsens, sowie natürlich uns selbst  zukommen lassen zu können.

Während ich zur Ableistung gelegentlicher Hilfsdienste in die Küche abkommandiert wurde, musste ich mit zunehmendem Entsetzen feststellen, daß der Inhalt der Teigschüssel mit dem extra zu diesem Zweck erfundenen Schaber entfernt wurde. Bei der Verwendung dieser Erfindung des Teufels bleibt ja kaum ein itzefitzelwinzigkleiner Teigrest übrig, den man später ganz klassisch mittels Löffel- oder unmittelbarem Fingereinsatz von den Schüsselwänden zum Zwecke des Direktverzehrs kratzen könnte.

Da muß man ja förmlich darum betteln, daß etwas Essbares in der Schüssel verblieben möge, falls es einem nicht angeboten werden sollte.  (Mir wurde zwar das entsprechende Angebot unterbreitet, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Hier geht es um Teigschaber und um das Gefühl, mit vertretbarem Aufwand eine Herausforderung – nämlich das Reinigen der Schüssel mittels eines Löffels - bestanden und so wertvolle Lebensmittel vor dem Verderben im Spülwasser gerettet zu haben. Eine Domäne kleiner Jungs, größerer Jungs und der später sich daraus entwickelnden erwachsenen Jungs. Das problemlose, vollständige Herausholen eines gnadenhalber hinterlassenen Restes an Teig bringt nicht das gleiche wohlige Gefühl.)

Dabei weiß doch jeder, daß Rohkost so gesund sein soll.

Der Erfinder des Teigschabers schien darüber aber wohl nicht im Bilde gewesen zu sein.

Dämlicher Knallfrosch, dämlicher.