Dienstag, 23. Dezember 2014

Weihnachten anno dunnemals (Teil 3)

Bei meinen Eltern angekommen wurde zunächst in der Küche gegessen. Was das Essen zu Heilig Abend anbelangt, gibt es bei uns keine Traditionen. Zumeist wurde ein Dreigängemenü serviert, welches in seiner Zusammenstellung  jedes Jahr wechselte. Nie die einfachste Kost, aber auch nie etwas überkandideltes. Nicht als unsere Sache entpuppte sich mal ein Karpfen (viel zu fettig) und eine Pute (viel zu trocken). Ansonsten war es stets durchaus gelungen.

Danach verschwand mein Vater im Wohnzimmer. Vermutlich öffnete  er dem Weihnachtsmann die Balkontür, denn einen Kamin, welchen der Weihnachtsmann als Einlass hätte nutzen können, hatten wir nicht. Schließlich klingelte ein Glöckchen, was signalisierte, daß der Weihnachtsmann (oder das Christkind, ich bin mir über die genaue Aufgabenteilung bis heute nicht im Klaren, und auch elterlicherseits gab es keine einheitliche Erklärung, wer da nun gekommen war) seinen Besuch abgeschlossen hatte. Wir betraten das Wohnzimmer, doch nie, aber wirklich nie konnte ich einen Blick auf das Wesen erhaschen, welches all die schönen Pakete vorbeigebracht hatte. Meine Mutter behauptete zwar hartnäckig, noch an der Tür ein Flattern des Mantels gesehen zu haben, doch das muß mir entgangen sein. Auch wenn ich aus der Erfahrung früherer Jahre raus damit begonnen habe, den ersten Blick nach Öffnung der Wohnzimmertüre immer in Richtung Balkon zu werfen, bevor ich alles anderes in Augenschein genommen habe.


Weihnachten mit Omi und Oma

Das Wohnzimmer war festlich geschmückt. Und da stand er nun, der Weihnachtsbaum. Am Heiligen Abend wurde er von echten Kerzen erleuchtet, die erst zu fortgeschrittener Uhrzeit von den elektrischen Lichtern abgelöst wurden. Unter dem Baum lagen sie, die ersehnten Pakete. Bevor es daran ging, diese zu verteilen, holte Omma noch ihre Nussplätzchen raus. Dabei handelte es sich eher um einen flachen Nusskuchen, den sie mundgerecht in plätzchengroße, rautenförmige Stücke geschnitten hatte. Nusskuchenplätzchen also.

Ich liebte diesen Kuchen. Die Zubereitung erfolgte freilich tatsächlich nach Ommas Geheimrezept. Einmal hat sie es mir die Stelle in ihrem handgeschriebenen Kochbuch gezeigt, an der sie es notiert hatte. In Sütterlinschrift. Tja, Pech für mich, das war etwas, was mich noch überfordert hat. Sie hat das Geheimnis mit ins Grab genommen; das Buch selbst ist wohl später dem Entrümpeln des alten Hauses zum Opfer gefallen. Dennoch habe ich den Geschmack dieses Kuchens bis heute auf der Zunge. Und er ist für mich untrennbar mit Weihnachten verbunden. Und zwar mit der Zeit ab Heilig Abend – und keinen einzelnen Tag früher. Dafür hat Omma schon gesorgt.

Die Kuchenstücke wurden noch auf die süßen Teller verteilt, welche an verschiedenen Stellen bereitstanden. Jeder von uns hatte seinen eigenen. Auf meinem fand sich mehr Nougat, auf dem meines Vaters mehr Naschkram mit einer Alkoholfüllung, während meine Mutter mehr zur Melba- Knickebein-Füllungen neigte.  Es gab auch in späteren Jahren keine Veranlassung, diese Aufteilung zu ändern.

Trotz der Vorgeschichte mit dem Kirchenchor väterlicherseits und dem Schulchor meinerseits (ja, erzähle ich auch irgendwann mal; die Zeit war schrecklich) zeigte meine Familie nie besondere Sangesfreude. Auch nicht instrumentalmusikalisch. Und so musste auch niemand am Heiligen Abend so tun, als ob er singen könne geschweige denn ein Musikinstrument beherrschte. Oder dies auch nur wolle. Ebenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, jemals Gedichte aufgesagt zu haben. Dabei handelt sich keineswegs um Erfahrungen, die ich zwingend vermisse. Die alten Schallplatten mit Weihnachtsmusik haben es auch getan. Das war dann so etwas:





Dann ging es zur Bescherung. Nicht nur für mich gab es Spielzeug, sondern auch für meinen Vater. Als Modelleisenbahner gibt es immer etwas, was man braucht. Und nicht selten war auch was dabei, was man unbedingt noch am gleichen Tag auf seine Funktionstüchtigkeit hin ausprobieren musste. Was wir beide dann auch tatkräftig im Rahmen eines – ähm - kurzen Besuches der im Keller fest aufgebauten Modellbahnanlage getan haben.

So verbrachten wir den Heiligen Abend. Gegen 23 Uhr spätestens  war es für Omma an der Zeit, wieder nach Hause aufzubrechen. Sie würde am zweiten Weihnachtstag nochmal zu uns kommen. Denn dann waren Oma und Opa Paterfelis mütterlicherseits zu Besuch.

Irgendwann wurde ich zu alt, um noch bei Omma zu übernachten. Damit hatte sich auch der jährliche Kirchgang erledigt, denn meine Einstellung dazu wie zu religiösen Dingen überhaupt hatte sich zwischenzeitlich grundlegend geändert. Als ich dann meinen Führerschein hatte, holte ich Omma mit meinem eigenen Auto von zu Hause ab.

Aber das ist eine andere Weihnachtsgeschichte, die noch darauf wartet, später mal erzählt zu werden.

Ich wünsche allseits ein frohes Fest.


(Ende)



Kommentare:

  1. Lieber Paterfelis, dir auch ein paar ruhige festtage und einen Guten Rutsch.
    Vielen Dank für dieses Jahr, deine Kommentare haben mir viel Freude gemacht, see you… :-)

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  2. Das hört sich nach sehr schönen Weihnachtsfesten im Hause Paterfelis an! Danke, dass Du sie mit uns geteilt hast. Dir auch schöne Weihnachtstage :-)

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  3. Schöne Geschichte, aber was ist eine Melba-Füllung? Sebst bei google hab ich kein eindeutiges Ergebnis gefunden, in der Regel lande ich bei Pfirsich Melba, was ein Dessert ist und keine Füllung, zumindest nicht meines wissens nach ;)

    Gruß
    Eardy

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    1. Uaaah, ich jetzt wo ich es lese: Ich meinte Knickebein. Muß ich gleich korrigieren. Aber Melba gab oder gibt es auch. Irgendein mit Pfirsich aromatisiertes Zuckerzeug. Mag ich so gar nicht. Und Knickebein auch nicht.

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    2. Knickebein hör ich auch zum ersten mal, aber zumindest darüber find ich etwas bei Wiki.
      Dir ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
      Auf das du noch viele unterhaltsame Geschichten schreiben mögest.
      Gruß
      Eardy

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    3. Ich versuche es weiterhin; dir auch schöne Feiertage. :-)

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  4. Bei uns wurde vor der Bescherung auch ein Glöckchen geläutet und auch erst dann durften wir in die gute Stube.
    Als ich so elf zwölf war hab ich den Weihnachtsmann gegeben, mit dem Geschenkesack dann vor der Wohnungtür gestanden und laut geklopft ... hat Spaß gemacht ... mußten Alle ein Gedicht aufsagen oder singen ... ;D

    Danke für diese schöne Geschichte. Wünsche auch Dir und deinen Lieben frohe, erholsame und ertragreiche Feiertage.

    LG Schnute

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    1. Singen? Neinneinneinnein, das würde bei uns die Grenze zur Unmenschlichkeit überschreiten.

      Schöne Feiertage nochmals. :-)

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  5. Hallo Paterfelis,
    schöne Weihnachtserinnerungen aus Deiner Kindheit ... wünsche ein frohes Weihnachtsfest in die heutige Zeit hinein ...

    Gruß Dieter

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  6. Du hast mich an meine Tafel erinnert, die auch ich einmal vor langer, langer Zeit zu Weihnachten bekam und mit der ich eigentlich nicht so recht etwas anzufangen wußte. Gewünscht hatte ich sie mir jedenfalls nicht.
    Ich wünsche Dir schöne Feiertage mit Lichterglanz und Kekskrümeln in der Sofaecke und grüße Dich herzlich!

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    1. An die Tafel und die Magnetbuchstaben kann ich mich noch erinnern, aber ich weiß nicht mehr, ob ich etwas damit anfangen konnte oder ob sie nur in der Ecke stand. Davon ist nichts mehr haften geblieben.

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