Dienstag, 16. Dezember 2014

Nikolaus kam auch in unser Haus (Teil 2)

… nahmen einen Bissen, auf daß dieser uns den Tagesbeginn versüßen sollte.

Sollte.

So manch ein Gesicht verzog sich auf unangenehmste Weise. In etwa dergestalt, wie meines aussieht, wenn man mir Spinat aufzudrängen wagt. Aufmerksame Beobachter werden bemerkt haben, daß der eine oder andere Kollege direkt kapitulierend die papierene weiße Fahne zückte und dieses Kleinod unter den Süßwaren verstohlen wieder aus dem Mund zunächst in Richtung des Fähnleins und mit der gleichen gekonnten Bewegung ohne Umwege in die Rundablage beförderte. Natürlich auf eine sehr disziplinierte Art und Weise, so daß im Rahmen der vorgeschriebenen Mülltrennung auch kein Stück die Ablage P (wie Papiermüll) sondern die dafür vorgesehene Ablage R (wie Restmüll) belegte.

Der Nikolaus schien mit Frau Dr. Strebsinger gemeinsame Sache gemacht zu haben. Denn Frau Dr. Strebsinger war Anhängerin einer gesunden, ökologisch-dynamischen sowie politisch korrekten Ernährung. Als solche erwarb sie ihre Lebensmittel nur von Produzenten, welche ihr unter anderem die Haltung fröhlicher Frischluftkühe und ähnlich glücklicher Tier- und Pflanzenarten versprachen. Und dieser kleine Schokoladennikolaus kam aus solch einer fröhlich-fairen biologisch dynamischen Schokoladennikolausfabrik.

Seine Konsistenz war eher ungewohnt.

Der Geschmack war fürchterlich.

Selbst der Ökoklaus, wahrlich nicht unbedingt ein Kostverächter bei holländischen Keksen und pseudochinesischer Feinkost, sondern auch bei den schokoladig-süßen Dingen, schlug sich auf die Seite jener, welche dieser Süßware die Eigenschaft, auch nur einen kurzen wohligen Genuss bereiten zu können, rundweg absprachen.

Es ist unbegreiflich, wie unter Verwendung erlesener Zutaten so etwas Ungenießbares entstanden sein könnte. Vielleicht lag ein Produktionsfehler vor? Man weiß es nicht. Doch auch in den nächsten Jahren änderte sich nichts. Alljährlich prüften wir, ob ein Herstellerwechsel eingetreten war. Nein, war es zum allgemeinen Bedauern nicht. Die Schokolade genügte höchstens dazu, an unliebsame Nachbarskinder weiterverschenkt zu werden. Die fallen aber auch nur einmal darauf rein, und die Zahl vorhandener Nachbarskinder erweist sich auch bald als begrenzt.

Was tun?


(wird fortgesetzt)




1 Kommentar:

  1. Die scheiß Dinger gibt es bei uns auch. Ich hab ja nix gegen Öku und Glückshaltung von Nutzzeug - auch wenns mir persönlich zu teuer fürn Geldbeutel ist - aber Öko-Schokolade? Dann lieber ranzige Schokolade vom Vorvorvorjahr - ohne Öko!

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