Samstag, 22. November 2014

Niedergeknüppelt: offene Fragen und eine Berufung

An der siebten Stelle gibt es eine Lücke in Ednongs Fragenkatalog. Das Opfer des Knüppels muß sich hier auch noch selbst niederknüppeln. Nö, mache ich nicht. Zumindest nicht so heftig. Mir fällt gerade keine geistig ansprechende, Witz und Esprit verströmende Frage ein. Begeben wir uns auf ein etwas kindlicheres Niveau, nicht kleinkindlich, sondern vielleicht knapp vorpubertär.

Wie ist deine Lieblingsfarbe?

Blau. Aber wirklich nur als Farbe. Andere Erfahrungen habe ich damit nicht, blau zu sein. Gut, auch nicht mit persönlicher farblicher Bläue. Mich nerven entsprechend angefärbtetrunkene Personen, so sie sich in meinem Umfeld aufhalten. Habe ich oft genug während meiner Ausbildung erleben müssen. Brauche ich nicht, vielen Dank.

Als Kind mochte ich Himmelblau, später wechselte ich mal zu Türkis, heute mag ich eher ein kräftiges Blau. Nicht ganz Königsblau, aber schon in diese Richtung tendierend. Nur bei meinen Jeans sollte es eher blassblau sein. Auch wenn die meisten meiner Hosen aktuell das dunklere Jeansblau aufweisen. Aber die blassblauen gab es gerade nicht in meiner Größe, als ich zuletzt neue Hosen brauchte. Das Leben zeigte sich wieder von der härtesten Seite.

Als sehr angenehm empfinde ich es, daß ich auch auf der Arbeit Jeans tragen darf und mich nicht verkleiden muss. Womit wir zur achten Frage kommen, die da lautet: Würdest du deinen Beruf nochmal ergreifen?

Es klingt vielleicht überraschend, wenn man hier schon länger mitliest, aber die Antwort ist ein ganz klares ja. Ich liebe meinen Beruf. Ich liebe die meisten Inhalte meiner Arbeit. Ein paar nicht so sehr, aber den größten Teil schon. Das ist einfach klasse. Nur das Telefonklingeln macht mich aggressiv. Aber das ist ja auch eher eine Randerscheinung aus dem Gesamtpaket. Noch. Das Telefon wird immer mehr zum Allheilmittel der modernen Arbeitswelt verklärt. Natürlich wäre es mir lieber, überhaupt nicht mit dem Telefon als Mittel des Kundenkontakts zu tun zu haben, sondern mich nur mit den Akten und Schriftkram beschäftigen zu können. Nicht immer wieder aus den Gedanken herausgerissen zu werden oder unter dem damit verbundenen Zeitdruck Zusammenhänge gar aus einer Akte herauslesen zu müssen, die ich zuvor noch nie gesehen habe. Aber die Beschäftigung mit den Akten selbst ist toll. Das ist meine Welt.

Was die Begleiterscheinungen meines Berufes angeht, ist das eine ganz andere Sache. Das, was man heute Leistungsverdichtung nennt, hat uns voll im Griff. Mit immer weniger Personal immer mehr in weniger Zeit und und besserer Qualität leisten müssen. Der Druck wird stetig höher. Den lauen Bürojob, wie ihn sich die Stammtischstrategen gerne vorstellen, gibt es bei uns nicht mehr. Nein, nicht nur körperliche Arbeit macht kaputt. Da können diese Idioten Sesselpupser schreiben so viel sie wollen. Aber ich sehe es ihnen nach, denn sie wissen es nicht besser. Es gibt so manche, die es vorher auch nicht wahrhaben wollten, bis sie bei uns angefangen haben. Und dann sie Erkenntnis gewannen, daß es ja sogar so sei, nach Feierabend auch körperlich durch zu sein, nicht nur mental.

Es sind nur noch Zahlen zu liefern, was dahinter steckt ist egal. Kundenwünsche sind bewusst misszuinterpretieren, damit das vorgeschriebene Zahlenbild nicht aus den festgesetzten Fugen gerät. Statistiken sind zu erfüllen. Um anderes geht es nicht mehr. Unwillkommene Argumente werden als Ausreden abgeschmettert; man will sie nicht hören. Wirklich tiefgehendes Fachwissen ist als Ballast über Bord zu werfen. Jeder muß von allem etwas wissen, aber nichts von allem richtig. Nur schnell Masse erledigen, das zählt. Rechtfertigungszwang für alles, was man nicht gemacht hat, denn das wäre in der Nachbetrachtung natürlich das Eiligere gewesen. Die Dinge, die man gemacht hat, sind mindestens selbstverständlich, alles andere macht man doch wohl nebenbei. Das könne man erwarten.

Unsere Arbeitswelt bedeutet Pech für die Altvorderen wie mich, die noch echtes Spezialistenwissen auf ihrem einst etwas enger gezurrten Fachgebiet haben und sich heute neuen Realitäten stellen müssen.

Wir sind Auslaufmodelle.

Wenn wir weg sind, kann es für die Jüngeren schwierig werden. Denn dann ist die Zapfsäule für nicht in den modernen Medien erfasstes Wissen auch weg.

Doch die Welt hat auch das Verschwinden der Dinosaurier überlebt.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen