Samstag, 8. November 2014

Manchmal muß es einfach sein

Ihr kennt ja alle diese Spaghetti in Tomatensauce aus der Kartonverpackung, oder?! Packung, nicht Dose. Das ist jetzt wichtig. Das Dosengematsche würdige ich keiner weiteren Beachtung. Vor Jahrzehnten habe ich mir aus purer Neugier den Spaß gemacht, das wirklich mal zu probieren. Hat gereicht für den Rest meines Lebens.

Diejenigen unter euch, welche die letzten Jahrzehnte irgendwo in einem indischen Urwald zugebracht haben, können sich zur Einstimmung ja nochmal diesen kulturhistorisch wertvollen Beitrag ansehen:




Das wirklich Schlimme an der Sache ist, daß der zweitbesten Ehefrau von allen und mir das Zeug tatsächlich schmeckt. Zumindest die klassische Variante Spaghetti in Tomatensauce vom Markenhersteller. Hin und wieder brauchen wir das einfach. Auch, wenn ich die Länge der Spaghetti wirklich niedlich finde. Aber das ist wohl eher kein Geschmacksproblem. Allerdings hat Geschmack ja nicht immer was mit schmecken zu tun,  doch das führt uns vom Thema weg. Ich will mich nicht schon wieder verzetteln, dazu ist die Sache hier zu wichtig.

Natürlich könnte man sich, wenn man nur ein wenig Affinität zur Küche und eben jenen Dingen, die man in ihr anstellen kann, hat, Spaghetti in echter Tomatensauce auch schnell selbst und ohne Fertigpackung zubereiten. Nein, liebe mitlesenden Jugendliche, Studenten und Küchenasketen, Tomatenketchup gilt hier nicht als Tomatensauce im engeren Sinne und kann diese auch nicht ersetzen. Keinesfalls. Das ist in etwa so, als würde man Ketchup aufwärmen, über eine Bratwurst kippen und dann behaupten, daß sei eine Currywurst. Vergesst es. Das würde vielleicht in Berlin funktionieren, scheitert aber schon an dem Umstand, daß man dort keine feine Bratwurst, sondern eine Brühwurst als Basis der Currywurst verwendet. Unglaublich. Nein, nein und nochmals nein, auch da gibt es keine Diskussionen! Ich zitiere in diesem Zusammenhang gerne Altkanzler Helmut Schröder: Basta!

Es ist die vielbeworbene original Würzmischung des Markenherstellers, die es bei der Tomatensauce ausmacht. Ich will nicht wissen, was da drin ist. Aber sie hat einfach etwas. Leider. Nun haben die zweitbeste Ehefrau von allen und ich es immer wieder versucht, eigene Tomatensaucen herzustellen, die auch durchaus lecker waren. Doch an diesen Geschmack kamen wir nicht ran. Ist einfach so. Manchmal muß es dann doch das Original die industrielle Kopie sein. Auch wenn die Zubereitungsanleitung im Hinblick auf die Kochzeit der Nudeln durchaus ignoriert werden sollte. Ich will doch kein Nudelpüree essen.

Mein Problem ist, daß ich das Zeug für ziemlich teuer halte. Viel zu teuer für den Inhalt. Ein paar Nudeln, etwas Tomatenmark und die Würzmischung. Über den Hauch von geriebenem Hartkäse brauchen wir gar nicht erst reden. Tun wir aber trotzdem noch. Die Zahl der Personen, für die eine Packung laut Aufdruck reichen soll, ist ja so was von lebensfern. Und das wirklich Witzige ist ja der bereits erwähnte Hartkäse. Ich glaube, in dem Tütchen befindet sich nur ein Esslöffel voll, der ja nicht mal bescheidenen dekorativen Ansprüchen genügt, wenn man dieses Häufchen gleichmäßig auf alle entsprechend der Portionsangabe bereitgestellten Anzahl Teller verteilt. Dem Anschein nach ist in den größeren Komplettpackungen, die theoretisch sogar für die vollständige Familie Walton – oder etwas zeitgemäßer gerne auch Familie Wollny - reichen sollen, die gleiche Tüte enthalten wie in den Normalpackungen.

Da wir uns im Zeitalter von preislich günstigeren Nachahmerprodukten unter dem Zeichen der Handelsmarke befinden, unterziehen die zweitbeste Ehefrau von allen und ich seit Jahren immer wieder entsprechende Alternativen einem harten Test. Bestanden hat den noch keine. Echt nicht. Egal von welchem Anbieter auch immer, an die originale Würzmischung kam noch keiner ran. Gänzlich andere Sorten haben teilweise sogar total versagt und wurden als ungenießbar eingestuft. Nicht mal durch Nachwürzen war an den Saucen was zu retten. Immerhin hatten wir dann noch die Nudeln.

In unserem letzten Test habe ich den Hartkäse aus der winzig kleinen Zwei- bis Dreipersonentüte mal wieder einer gesonderten Verkostung unterzogen. Mein entsprechendes Prädikatsurteil veranlasste die zweitbeste Ehefrau von allen beinahe zum Hyperventilieren. Und mit was? Mit Recht!

„Schmeckt wie eine Mischung aus Sägespänen und Salz.“

Was es vermutlich wohl auch gewesen ist.

Einfach nur traurig.




Kommentare:

  1. Stimmt einfach alles, lieber Pater, bis auf die Bemerkung zum Geschmack von den Sägespähnen in dem Tütchen: Es handelt sich immer nur um die Rinde, niemals um den richtigen Käse.
    Als ganz junger Mann musste ich einmal eine ganze Woche mit einer Dose Ravioli auskommen, aber es hat mich nicht umgehauen.
    Umgehauen haben mich damals die wunderschönen jungen Frauen, die jeden Abend in meinem Bett landeten...

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  2. Meine Variante, wenn ich nicht selber würzen will: Vollkorn- oder Dinkelspaghetti von Alnatura und dazu die Tomatensoße "Kräuter" oder "Basilikum" oder auch mal "Vegetarische Bolognese" oder "Arrabiata" vom selben Hersteller. Gibt's hier alles beim DeÄm. Dazu dann Grana Padano frisch gerieben. Guter Reibekäse ist essentiell!

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