Mittwoch, 5. November 2014

Kaum sehe ich dich

Ruhig war es Büro. Das Radio dudelte schon seit Wochen nicht mehr. Wenn Mandy nicht da ist, schalte ich das Gerät so gut wie nie ein. Die Fenster hatte ich ausnahmsweise auch mal geschlossen. Die Geräusche des sich vor dem Haus stauenden Verkehrs nervten mich gerade ebenso wie das der durch den nahe gelegenen Bahnhof  fahrenden Züge. Und als am allerschlimmsten erwies sich das gerade mal wieder verstärkt anstehende Getröte der Baurotten, welche an den Gleisen arbeiteten.

Gerade war ich dabei, meine auf zwei Schreibtischen und dem Boden verteilten Aktentürmchen nach wegen des sich bedrohlich näherndem Jahresende inzwischen eilbedürftig gewordenen Kram zu sichten und deren Stapelfestigkeit bei dieser Gelegenheit unter tatkräftigem Einsatz mehrerer Aktengummis zu verstärken, als sich die Tür öffnete.

Nadja erschien, um Mandys verwaisten Schreibtisch für die heutige temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden vorzubereiten. In diesem Moment geschah es.

FLATSCH! KLATSCH!

„Arghnf!“

Ein spröde gewordenes Aktengummi hatte seinen Job endgültig aufgegeben und mich während seines Rückzuges in eine entspanntere Position gestreift.

Nadja schaute zu mir rüber. „Was ist?“

„Tja, Nadja, kaum sehe ich dich, schon reißt mir hier mein Gummi.“

„Och, kenne ich. Da mach dir mal keine Sorge. Ist meinem Freund bei mir auch schon passiert.“

Ähm, ja. Oder so. Irgendwie.

Wie bekomme ich jetzt die Bilder aus meinen Kopf?




Kommentare:

  1. Vermutlich nie wieder - vermutlich wirst Du jetzt immer dran denken, wenn Du sie siehst ;)

    AntwortenLöschen
  2. Stell Dir einfach ihren Freund vor, dem der Aktengummi reißt, während er versucht, Dir das Aktenpaket auf den Schreibtisch zu legen und ihm dabei das gerissene Bändchen ins Gesicht hüpft. Genug Kopfkino? Ja, ja, ich weiß, das ist die eher langweilige Version, dafür aber jugendfrei! ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Als ob ich jemals an etwas anderes gedacht hätte.

      Löschen