Freitag, 21. November 2014

Alles halb so schlimm

Trudi betrat unsere Etage im LASA durch das Treppenhaus. Dies war durchaus ungewöhnlich, denn sonst ist sie konsequente Benutzerin des hauseigenen Aufzugs. Sie bemerkte meinen fragend-neugierigen Blick – oder das, was ich dafür halte – und fühlte sich dankenswerterweise auch gleich zu einer Erklärung bemüßigt.

„Den Aufzug nehme ich nicht mehr, der macht so komische Geräusche.“

„Wenn die Geräusche komisch sind, dann hast du ja was zu lachen.“

„Du bist doof. Nein, da ist bestimmt was kaputt. Am Ende bleibt der noch stecken.“

Na, da konnte ich sie wenigstens beruhigen.

„Kein Grund zur Unruhe. Steckenbleiben ist nicht schlimm. Es zählt ja als Arbeitszeit. Und wenn der Hausi mal nicht da ist, retten dich Sven und der Ökoklaus als amtlich bestellte Aushilfs-Aufzugswärter.  Früher, in der Hauptverwaltung, haben wir als Auszubildende unsere Mittagspause gerne mal verlängert, indem wir im Aufzug während der Fahrt gemeinsam hochgesprungen sind. Dann blieb der immer stecken.“

„Aber wenn er abstürzt, während ich drin bin? Und unten aufschlägt?“

„Nur keine Panik. Da passiert nichts. Unten im Schacht ist eine riesengroße Sprungfeder angebracht."
„Ja, die kenne ich. So wie die in den alten Betten von früher. Die quietschen doch immer so, wenn man sich im Bett – hmmm – bewegt.“

Verdammte Hacke, jetzt habe ich Bilder im Kopf.

„Ähm, nicht so ganz. Wie auch immer. Jedenfalls bremst die große Feder die Kabine ab und schießt sie danach wieder aufwärts.“

„Na toll, da donnere ich gegen das Dach.“

„Auch nicht, denn da ist genauso eine Feder. Dann geht es wieder abwärts.“

„Aber dann sause ich ja immer rauf und runter.“

„Ja, aber das legt sich nach einiger Zeit. Wir machen in der Zwischenzeit die Tür auf und werfen dir, sobald du auf unserer Höhe bist, was zu essen rein, damit du da drinnen nicht verhungerst.“

Ach übrigens, der Aufzug ist da. Will noch jemand mitfahren?




Kommentare:

  1. Ich staune über solch ausgereifte Technik in einem Amtsgebäude! Auf diese Art und Weise könnte man zum Beispiel auch in eine großen Topf Milchschaum für alle Kaffees sämtlicher Mitarbeiter produzieren und das in einem Arbeitsgang! :-)

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    1. Nix, ich plädiere auf Minderheitenschutz. Als Teetrinker fühle ich mich bei so einer Sache benachteiligt.

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