Sonntag, 30. November 2014

Sinnfragen

Es muß ja nicht immer die Frage nach dem Sinn des Lebens sein. Zuweilen tut es doch auch die Frage nach dem Sinn des Staubsaugens. Das habe ich nämlich vorhin gemacht. Also das Saugen. Und dann habe ich der Katzenbande etwas hingestellt.










Kenner wissen Bescheid: Gefriergetrocknetes Fleisch staubt. Und nicht zu knapp. Vor allen Dingen, wenn es zerbissen wird.

Und jetzt wisst ihr auch, warum ich beginne, mir Fragen zu stellen. Vor allen Dingen die nach dem Sinn, vorher Staub gesaugt zu haben.

Übrigens: Marty hat sein Gesicht so gut es ging in eine der Öffnungen versenkt. Es soll ja niemand behaupten, der Bursche sei kein Kopfarbeiter. Blöd nur, daß er dieses Spielzeug mit seinem so in der Öffnung versenktem Gesicht durch das ganze Wohnzimmer geschoben hat. Und den Dreck gleich dazu.

Einmal Onkel Staubsauger zu Besuch reicht am Tag. Jetzt kommt Tante Handfeger.




Samstag, 29. November 2014

Unausgeprägt

Das Radio dudelt vor sich hin. Hier ist ein Sender eingestellt, der mir mehr entgegenkommt als das Volldampfradio im Büro. Kein unerträglicher Gute-Laune-Moderator. Alles ein paar Nummern seriöser. Der Radiomann sagt, ich soll so langsam meine Winterjacke raussuchen. Gut, mache ich.

Ich stelle mal wieder fest, daß meine Beziehung zu Musik etwas - wie soll ich sagen - unausgeprägt ist. Hier steht zwar eine ansehnliche CD-Sammlung herum, aber tatsächlich habe ich die letzte CD vor deutlich über einem Jahr abgespielt. 

Darüber gestolpert bin ich, als ich für dieses Jahr auch mal einen Blog-Weihnachtskalender zusammenstellen wollte. Ich hatte vor, Musikvideos mit bestimmten Ereignissen in meinem Leben zu verbinden. Doch dann musste ich feststellen, daß ich bei weitem nicht auf 24 Lieder oder Melodien komme, mit denen ich auch nur ansatzweise Ereignisse in Zusammenhang bringen könnte. 

Gut, ein paar sind schon dabei, doch es reicht nicht für mein Vorhaben. Also gibt es keinen Kalender.

Schade eigentlich.




Freitag, 28. November 2014

Nicht viel los

Irgendwie ist gerade nicht viel los. Ich räume in der Wohnung hin und her. Dabei passiert nichts Erzählenswertes. Gut, die Katzendamen gucken etwas doof aus der nicht vorhandenen Wäsche, weil plötzlich Dinge an Orten stehen, wo sie nicht hingehören. Das nennt man Zwischenlagerung.

Der Kater bleibt weitgehend unten im Gartenzimmer und unternimmt nur kurze Kontrollgänge, bevor er wieder verschwindet. Na warte, dort geht es auch bald los, dann ist Schluss mit lustig.

Stichwort Wäsche. Die sollte ich jetzt auch mal wieder waschen, der Vorrat bestimmter dringlich benötigter Teile aus der 60 Grad-Abteilung ist bedenklichst zur Neige gegangen. Und nicht nur deswegen, weil ich mich aus dem Vorrat bedienen musste, um die Strohwitwerfahne zu hissen.

Unspektakulär.

Mit meinem Strohwitwer-Speiseplan hänge ich jetzt zwei Tage hinterher. Da wird wohl was eingefroren werden müssen.  Ich esse im Moment wenig. Sehr wenig, für meine Verhältnisse. An sich ein gutes Zeichen. Es deutet auf Ausgeglichenheit hin.

Mein Bürotermin am Mittwoch verlief auch unerwartet. Tendentiell positiv, es kann aber auch noch hin die Hose gehen. Mehr möchte ich jetzt dazu noch nicht schreiben.

Tja.

Dann gehe ich jetzt mal wieder herumkramen.

Wünsche allseits einen schönen Tag.



Donnerstag, 27. November 2014

Witz, komm raus, du bist umzingelt

Im Kollegenkreis unterhielten wir uns über vergangene Zeiten. Damals, als die Zeit im LASA noch gut war, man als Mitarbeiter statt als Arbeitskraft tituliert wurde und man sich nicht krampfhaft bemühte, eine Behörde um jeden Preis wie einen Wirtschaftsbetrieb nach längst überholtem Muster zu führen. So kam das Gespräch auch auf unseren im fernen Bad Husten stets rührigen Herrn Abteilungsleiter. Der Herr Abteilungsleiter ist noch ein echter Mensch von der Basis, denn er hat im Gegensatz zu den meisten unserer höheren FührungsKräfte vor ungezählten Jahren als gewöhnlicher Sachbearbeiter im LASA angefangen. Das hiermit verbundene Wissen und vor allen Dingen Verständnis für die Belange der Sachbearbeitung merkt man ihm – trotz aller Sachzwänge, denen er natürlich unterworfen ist – heute noch an. Bei anderen ist das eher nicht so.

So hat der Herr Abteilungsleiter, bevor er der Herr Abteilungsleiter wurde, bei den Auszubildenden, aber auch bei Umschülern in externen Einrichtungen, sein Wissen vermittelt. Und darum kenne ich ihn auch noch aus der Zeit, in welcher er eben noch der Herr Sachbearbeiter aus der Hauptabteilung war. Und einen kräftigen Schnauzbart durch die Gegend getragen hat.

Wie gesagt, unterhielten wir uns über jene Zeit. Man gab eine Geschichte über den Herrn Abteilungsleiter zum Besten, in der er plötzlich und ohne sofort erkennbaren Zusammenhang anfing zu lachen. Nach Befragen teilte er denn mit, daß er vor einiger Zeit einen Witz gehört habe, und über den würde sich jetzt amüsieren. Diese Kurzdarstellung wird jetzt reichen müssen.

Als gutes Urgestein des LASA musste ich zu der soeben gehörten Erzählung natürlich auch etwas einwerfen.

„Liebe Leute, wisst ihr denn nicht, wie oft der Herr Abteilungsleiter über einen Witz lacht?“

Allgemeines Verneinen.

„Das macht er drei Mal. Das erste Mal, wenn der Witz erzählt wird. Dann das zweite Mal, wenn der Witz erklärt wird. Und ein drittes Mal, nachdem er ihn verstanden hat.“



Dienstag, 25. November 2014

Die Fahne ist gehisst - 2014

Aktuelle Meldung:

Seit 16.00 Uhr, kaum daß ich die Tür hinter der zweitbesten Ehefrau von allen, welche von nun an wie jedes Jahr zu dieser Zeit einige Tage aushäusig weilt, befindet sich die Strohwitwerfahne wieder an ihrem vorgesehenen Platz. Nun habe ich bis Sonntag, eigentlich eher Montag, aber da muß ich wieder arbeiten, die Gelegenheit, hier wieder aus-, ein-, um-, weg- und sonstige Dinge zu tun, welche mit -zuräumen enden. Und abends, nachdem ich vollkommen geschafft mein Das-mag-sie-nicht-Essen zubereitet habe, laufen hier Männerkulturfilme. Also all die schönen Dinge mit Zombies, Schießgeräten, Raumschiffen und ähnlichem Kram von Unterhaltungswert. Und zwar in angemessener Lautstärke, nicht im Flüstermodus.




Meine Planung wurde allerdings schon etwas sabotiert, da der heutige Aufbruch später als vermutet begann und ich morgen nochmal trotz Urlaubes ins Büro muß. Bleiben mir also nur Donnerstag bis Sonntag.

Passt schon.

Frau Kleinhüppgenreuther hat die letzten Reste der Taschenumverteilung von unserem Flur in Richtung Balduins Laderaum mitbekommen, da der Hund dummerweise aber auch ausgerechnet jetzt und in diesem Augenblick seinen Spaziergang benötigte. Wenn sie in den nächsten Tagen feststellt, daß meine Angetraute und der Wagen verdächtig lange nicht vor Ort sind, bin ich über die ersten Gerüchte hinsichtlich des dauerhaften Auszugs meiner Angetrauten gespannt. Die Anzahl der mitgenommenen Taschen würde einen solchen Verdacht durchaus zulassen. Sportkleidung und Zusatzausrüstung für mehrere Tage beanspruchen nun mal Volumen.

Noch Minuten später war über die halbe Straßenlänge zu vernehmen, wie Frau Kleinhüppgenreuther den Hund lautstark immer und immer wieder maßregelte. Er war wohl wieder auf unerlaubten Pfaden unterwegs.

Schon vorher bemerkte ich am Rande der Ladearbeiten, wie eine Katzenpfote den Weg aus unserem Flur in Richtung Treppenhaus nahm. Verbotener Weise! In einem leisen aber doch warnenden Tonfall erwähnte den Namen eines gewissen Katers. Noch nicht mal meine in der Nähe stehende Angetraute verstand, was ich sagte.

Zack, schon war die Pfote wieder da, wo sie sein darf. Und das für die komplette restliche Zeit, bis die Tür wieder geschlossen werden konnte.

Und das ist der Unterschied.



Leserumfrage

Vielleicht habt ihr es ja schon über andere Blogs mitbekommen: Anja Briehl, eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Hohenheim, führt eine Studie durch. Zu diesem Zweck werden Blogger und ihre Leser befragt. Ich habe mein Einverständnis gegeben, auch diesen Blog in die Befragung aufzunehmen.

Sofern ihr als meine Leser teilnehmen möchtet, ist ein Online-Fragebogen auszufüllen. Die Befragung findet vollkommen anonym statt; auch ich werde über die Beantwortung der Fragen keinerlei Informationen erhalten, die konkret mit mir und dem Blog in Verbindung stehen.

Im Weiteren zitiere ich auszugsweise den von Frau Briehl selbst verfassten Text:


Hintergrundinformationen

An der Universität Hohenheimführen wir derzeit eine wissenschaftliche Studie über die Beziehung von Bloggern und ihren Lesern durch. Bei diesem Projekt handelt sich um meine Abschlussarbeit, die von Prof. Dr. Michael Schenk betreut wird. Im Rahmen dieser Studie führen wir eine Onlinebefragung von Bloggern und deren Leserndurch. Bei der Auswertung werden die Angaben der Blogger mit denen Ihrer Leser verknüpft. Dies erfolgt über eine anonymisierte ID, die in den Fragebogenlinks enthalten ist. Unterstützt wird das Projekt von der Firma hallimash.


Individuelle Befragungslinks

Leser-Befragung:

Bei diesem Link handelt es sich um die Befragung Ihrer Leser. Bitte veröffentlichen Sie den Link auf Ihrem Blog und bitten Sie Ihre Leser, möglichst zahlreich an der Befragung teilzunehmen. Ihre Leser benötigen für das Ausfüllen des Fragebogens etwa 15 Minuten. Unter allen Teilnehmern der Leserbefragung werden 25 Amazon-Gutscheine im Wert von jeweils 20 Euro verlost.


Wichtige Hinweise

Bitte veröffentlichen Sie den Befragungslink für Ihre Leser ausschließlichauf dem Blog, auf das Sie sich in der Blogger-Befragung beziehen! 

Wie Sie bereits wissen, haben andere Blogger am Ende des Fragebogens die Möglichkeit, selbst individuelle Befragungslinks für ihr Blog anzufordern. Bitte geben Sie daher Ihre Links nicht an andere Blogger weiter, da sonst die Qualität der Daten beeinträchtigt wird.


Fragen

Für Rückfragen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung: Anja.Briehl@uni-hohenheim.de


Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme am Projekt und die Unterstützung meiner Abschlussarbeit!

Mit freundlichen Grüßen

Anja Briehl
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Universität Hohenheim
Institut für Kommunikationswissenschaft
Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft und Sozialforschung (540A)
Fruwirthstraße 49 (Kavaliershaus 2, Raum 014)
70599 Stuttgart

E-Mail: Anja.Briehl@uni-hohenheim.de
Webseite: https://kommunikationsforschung.uni-hohenheim.de/



Montag, 24. November 2014

Niedergeknüppelt: Goldes wert und Bodenlosigkeit

Heimischer Herd ist Goldes wert. Ich glaube, so lautet eine alte Weisheit. Vermutlich geht es dabei um den Umstand, überhaupt ein eigenes Zuhause zu haben, aber dennoch wollen wir uns zur Klärung der neunten Frage dem augenscheinlich zentralen Gegenstand des Spruches widmen: dem Herd. Denn Ednong wünscht zu erfahren, was ich kochen würde, wenn ich dazu fünf Euro zur Verfügung hätte. Den Begriff des Kochens fasse ich jetzt etwas weiter und lasse ihm auch die Bedeutung backen, garen, grillen, also Nahrung zubereiten als Ganzes zukommen.

Nun sind fünf Euro nicht wenig, wenn es darum geht, nur für mich alleine Essen auf den Tisch zu bringen. Da bleibt glatt noch etwas übrig. Soll es lange reichen, gibt es Nudeln oder Kartoffeln. Ich gehe jetzt aber mal nicht von Notfallsituationen aus. 

Meine konkreten Ambitionen, nur etwas für mich alleine zu kochen, werde ich in der nächsten, in Kürze wieder anstehenden Strohwitwerwoche umsetzen. Da geht es nicht um gesundes Essen, sondern um Essen, welches ich mag und die zweitbeste Ehefrau von allen eben nicht. Einmal im Jahr gibt es diese paar Tage für mich, an denen ich in der Küche rücksichtslos sein kann. Und das werde ich auch sein.

Und was machen wir da für fünf Euro? Salzbraten!

Man nehme ein Stück Schweinekrustenbraten (im Angebot für 3,99/kg ohne Knochen) sowie die entsprechende Menge Salz (0,19 Cent/500 g) sowie etwas Senf aus dem Vorrat, zur Not auch gekauft. Kann man aber auch weglassen. Das Geld jedenfalls sollte noch reichen. Dann schütte man das Salz auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech, möglichst auf einen Haufen, und lege das zuvor mit dem Senf eingeriebene Fleisch mit der rautenförmig eingeschnittenen Schwarte nach oben auf den Salzhaufen. Bei 200 Grad sollte es je nach Größe in gut zwei Stunden fertig gebacken sein. Etwas Pfeffer findet sich noch irgendwo, Beilagen werden überbewertet und sind für einen Strohwitwer verzichtbar. Na ja, wenn das Geld noch reicht, sollte ein Gurkensalat drin sein. Muß aber nicht.

Mit vollem Magen packe ich dann meine Reste ein und begebe mich auf den Weg zur zehnten und letzten Frage: Würdest du dich an den Rand der Welt wagen, wenn diese eine Scheibe wäre?

Den Umstand ignorierend, daß ich nicht gerne verreise und da ich ohnehin gerade schon auf dem Weg bin, würde ich das wohl machen. Die Anreise müsste bequem sein, also nicht in der engen Touristenklasse eines Flugzeuges. Mehrtägige Anfahrten würde ich auch nicht in Kauf nehmen wollen. In diesem Fall sehe ich mir die Sache eher auf Bildern an. Wenn der Rand der Welt denn aber für mich gut erreichbar ist, hätte ich kein Problem damit, mir die Sache mal anzusehen und einen Blick in die Bodenlosigkeit zu werfen.

Leute, wir leben in einer Welt, in welcher dieser Scheibenrand touristisch erschlossen und gesichert wäre. Was soll da passieren? Gut, ich verabscheue Massen- und Pauschaltourismus, aber das wäre wohl mal zu verkraften. Was tut man nicht alles, um das Ende der Welt zu sehen?

Und das Ende des Fragenkatalogs!

Hiermit sind die zehn Fragen abgearbeitet. Gezielt weitergeben möchte ich sie nicht, aber natürlich kann sich jeder gerne daran bedienen. Ich bin gespannt auf weitere Antworten.

In diesem Sinne: Knüppel aus dem Sack!




Samstag, 22. November 2014

Niedergeknüppelt: offene Fragen und eine Berufung

An der siebten Stelle gibt es eine Lücke in Ednongs Fragenkatalog. Das Opfer des Knüppels muß sich hier auch noch selbst niederknüppeln. Nö, mache ich nicht. Zumindest nicht so heftig. Mir fällt gerade keine geistig ansprechende, Witz und Esprit verströmende Frage ein. Begeben wir uns auf ein etwas kindlicheres Niveau, nicht kleinkindlich, sondern vielleicht knapp vorpubertär.

Wie ist deine Lieblingsfarbe?

Blau. Aber wirklich nur als Farbe. Andere Erfahrungen habe ich damit nicht, blau zu sein. Gut, auch nicht mit persönlicher farblicher Bläue. Mich nerven entsprechend angefärbtetrunkene Personen, so sie sich in meinem Umfeld aufhalten. Habe ich oft genug während meiner Ausbildung erleben müssen. Brauche ich nicht, vielen Dank.

Als Kind mochte ich Himmelblau, später wechselte ich mal zu Türkis, heute mag ich eher ein kräftiges Blau. Nicht ganz Königsblau, aber schon in diese Richtung tendierend. Nur bei meinen Jeans sollte es eher blassblau sein. Auch wenn die meisten meiner Hosen aktuell das dunklere Jeansblau aufweisen. Aber die blassblauen gab es gerade nicht in meiner Größe, als ich zuletzt neue Hosen brauchte. Das Leben zeigte sich wieder von der härtesten Seite.

Als sehr angenehm empfinde ich es, daß ich auch auf der Arbeit Jeans tragen darf und mich nicht verkleiden muss. Womit wir zur achten Frage kommen, die da lautet: Würdest du deinen Beruf nochmal ergreifen?

Es klingt vielleicht überraschend, wenn man hier schon länger mitliest, aber die Antwort ist ein ganz klares ja. Ich liebe meinen Beruf. Ich liebe die meisten Inhalte meiner Arbeit. Ein paar nicht so sehr, aber den größten Teil schon. Das ist einfach klasse. Nur das Telefonklingeln macht mich aggressiv. Aber das ist ja auch eher eine Randerscheinung aus dem Gesamtpaket. Noch. Das Telefon wird immer mehr zum Allheilmittel der modernen Arbeitswelt verklärt. Natürlich wäre es mir lieber, überhaupt nicht mit dem Telefon als Mittel des Kundenkontakts zu tun zu haben, sondern mich nur mit den Akten und Schriftkram beschäftigen zu können. Nicht immer wieder aus den Gedanken herausgerissen zu werden oder unter dem damit verbundenen Zeitdruck Zusammenhänge gar aus einer Akte herauslesen zu müssen, die ich zuvor noch nie gesehen habe. Aber die Beschäftigung mit den Akten selbst ist toll. Das ist meine Welt.

Was die Begleiterscheinungen meines Berufes angeht, ist das eine ganz andere Sache. Das, was man heute Leistungsverdichtung nennt, hat uns voll im Griff. Mit immer weniger Personal immer mehr in weniger Zeit und und besserer Qualität leisten müssen. Der Druck wird stetig höher. Den lauen Bürojob, wie ihn sich die Stammtischstrategen gerne vorstellen, gibt es bei uns nicht mehr. Nein, nicht nur körperliche Arbeit macht kaputt. Da können diese Idioten Sesselpupser schreiben so viel sie wollen. Aber ich sehe es ihnen nach, denn sie wissen es nicht besser. Es gibt so manche, die es vorher auch nicht wahrhaben wollten, bis sie bei uns angefangen haben. Und dann sie Erkenntnis gewannen, daß es ja sogar so sei, nach Feierabend auch körperlich durch zu sein, nicht nur mental.

Es sind nur noch Zahlen zu liefern, was dahinter steckt ist egal. Kundenwünsche sind bewusst misszuinterpretieren, damit das vorgeschriebene Zahlenbild nicht aus den festgesetzten Fugen gerät. Statistiken sind zu erfüllen. Um anderes geht es nicht mehr. Unwillkommene Argumente werden als Ausreden abgeschmettert; man will sie nicht hören. Wirklich tiefgehendes Fachwissen ist als Ballast über Bord zu werfen. Jeder muß von allem etwas wissen, aber nichts von allem richtig. Nur schnell Masse erledigen, das zählt. Rechtfertigungszwang für alles, was man nicht gemacht hat, denn das wäre in der Nachbetrachtung natürlich das Eiligere gewesen. Die Dinge, die man gemacht hat, sind mindestens selbstverständlich, alles andere macht man doch wohl nebenbei. Das könne man erwarten.

Unsere Arbeitswelt bedeutet Pech für die Altvorderen wie mich, die noch echtes Spezialistenwissen auf ihrem einst etwas enger gezurrten Fachgebiet haben und sich heute neuen Realitäten stellen müssen.

Wir sind Auslaufmodelle.

Wenn wir weg sind, kann es für die Jüngeren schwierig werden. Denn dann ist die Zapfsäule für nicht in den modernen Medien erfasstes Wissen auch weg.

Doch die Welt hat auch das Verschwinden der Dinosaurier überlebt.




Freitag, 21. November 2014

Alles halb so schlimm

Trudi betrat unsere Etage im LASA durch das Treppenhaus. Dies war durchaus ungewöhnlich, denn sonst ist sie konsequente Benutzerin des hauseigenen Aufzugs. Sie bemerkte meinen fragend-neugierigen Blick – oder das, was ich dafür halte – und fühlte sich dankenswerterweise auch gleich zu einer Erklärung bemüßigt.

„Den Aufzug nehme ich nicht mehr, der macht so komische Geräusche.“

„Wenn die Geräusche komisch sind, dann hast du ja was zu lachen.“

„Du bist doof. Nein, da ist bestimmt was kaputt. Am Ende bleibt der noch stecken.“

Na, da konnte ich sie wenigstens beruhigen.

„Kein Grund zur Unruhe. Steckenbleiben ist nicht schlimm. Es zählt ja als Arbeitszeit. Und wenn der Hausi mal nicht da ist, retten dich Sven und der Ökoklaus als amtlich bestellte Aushilfs-Aufzugswärter.  Früher, in der Hauptverwaltung, haben wir als Auszubildende unsere Mittagspause gerne mal verlängert, indem wir im Aufzug während der Fahrt gemeinsam hochgesprungen sind. Dann blieb der immer stecken.“

„Aber wenn er abstürzt, während ich drin bin? Und unten aufschlägt?“

„Nur keine Panik. Da passiert nichts. Unten im Schacht ist eine riesengroße Sprungfeder angebracht."
„Ja, die kenne ich. So wie die in den alten Betten von früher. Die quietschen doch immer so, wenn man sich im Bett – hmmm – bewegt.“

Verdammte Hacke, jetzt habe ich Bilder im Kopf.

„Ähm, nicht so ganz. Wie auch immer. Jedenfalls bremst die große Feder die Kabine ab und schießt sie danach wieder aufwärts.“

„Na toll, da donnere ich gegen das Dach.“

„Auch nicht, denn da ist genauso eine Feder. Dann geht es wieder abwärts.“

„Aber dann sause ich ja immer rauf und runter.“

„Ja, aber das legt sich nach einiger Zeit. Wir machen in der Zwischenzeit die Tür auf und werfen dir, sobald du auf unserer Höhe bist, was zu essen rein, damit du da drinnen nicht verhungerst.“

Ach übrigens, der Aufzug ist da. Will noch jemand mitfahren?




Donnerstag, 20. November 2014

Niedergeknüppelt: die Spinne und das Leben

Von nun an geht es etwas schneller weiter mit der Beantwortung von Ednongs knüppelharten Fragen.

Es stellt sich im Rahmen der fünften Fragestellung nunmehr die Situation, morgens im Badezimmer auf eine Vogelspinne zu treffen, welche den Toilettendeckel blockiert und mich auch noch anfaucht. Watt nu?, wie wir Nichtlateiner so sagen. Nach dem ersten Schreck hoffe ich, ein ausreichend großes Handtuch griffbereit vorzufinden. Ich stürze mich mit eben diesem Handtuch auf die Spinne und führe meine bereits angeführte Hoffnung dergestalt fort, daß ich dieses Untier a) mit dem Handtuch erwischt habe und b) selbiges mit der Kraft meiner Schläge, welchen ich das Handtuch und die darin vermutete Spinne nun aussetze, in einen Klumpen Zellgewebe verwandle. Danach wird das Handtuch seinen Frieden in einem vor dem Haus befindlichen Mülleimer finden und die Spinne zur ewigen Ruhe geleiten.

He, bitte, es handelte sich hier um eine fette Vogelspinne. Ihr glaubt doch wohl nicht allen Ernstes, daß ich das Handtuch wasche und wiederverwende? Außerdem habe ich danach genug damit zu tun, die zweitbeste Ehefrau von allen wieder von ihrem hysterischen Anfall, den sie mit Sicherheit erleiden wird, nachdem sie das alles mitbekommen hat, wieder in so etwas wie einen ansatzweisen Normalzustand zu bringen und anschließend alle Katzen durchzuzählen. Nicht, daß die Spinne eine von denen gefressen hat. Und dann gibt es einen allgemeinen Anranzer an die Katzenbande, warum sie das Vieh nicht vorher schon selbst mittels ihrer bewährten Methode umgebracht hat: es durch möglichst ungeschickte Anstellen auf der Jagd zum Totlachen zu bringen. Und anschließend das unauffällige Entsorgen nicht vergessen. Ich wünsche nicht, die Reste im Katzenklo zu finden. Denkt euch was aus, wie ihr das so hinbekommt, daß ich niemals erfahre, daß die Spinne jemals dagewesen ist. Nur damit wir uns gleich richtig verstehen.

Das hoffentlich erfolgte Ableben der Spinne bringt auch uns ins nächste Leben. Oder vielmehr zur sechsten Frage, die darauf zielt, was ich mir für das nächste Leben vorgenommen habe.

Die Sache ist schnell geklärt: Nichts. Ich glaube nicht an ein nächstes Leben. Auch nicht an eine unsterbliche Seele, einen göttlichen Funken, einen außerweltlichen Masterplan oder sonst etwas in der Art. Das Leben ist ein bestimmtes,  im Laufe eines vom menschlichen Verstand nicht erfassbar langen Zeitraumes entstandenes Zusammenwirken biochemischer und bioelektrischer Komponenten. Fertig. Irgendwann ist es zu Ende. Das war es dann.

Wie auch für die Spinne.




Mittwoch, 19. November 2014

Niedergeknüppelt: Beethovens neunte Sinfonie, 4. Satz

Freude schöner Götterfunken,

jetzt hast du deinen Führerschein.

Mag dein Vater noch so unken,

froh steigst du ins Auto ein.


Dieses literarische Kleinod habe ich vor unzähligen Jahren mal irgendwo gelesen. Es geht noch weiter, aber wie bei so vielen anderen in früheren Zeiten auswendig gelernten Gedichten, so ist auch dieser Text meinem Gedächtnis nur rudimentär verhaftet geblieben.


Nein, dies ist nicht das Ergebnis meiner ersten Autofahrt.*)

Ednong möchte in seiner vierten Frage wissen, worüber ich mich freue bzw. womit man mir eine Freude machen könnte. Ich gestehe freimütig ein, daß gerade die Beantwortung dieser Frage schon ein paar Schweißperlen auf meiner Stirn erscheinen ließ.

Emotional bin bekanntlich ich ein wenig – öhm – sagen wir mal unterkühlt. Und ansonsten ja auch recht durchgeknallt. An das Gefühl, echte Freude empfunden zu haben, kann ich mich nicht mehr richtig erinnern. Klingt brutal, ist aber so. Als Kind war das sicher anders, da schweben mir schon entsprechende Szenen vor das innere Auge, aber im Laufe der Jahre wurde das immer weniger.


Muttiherzen schlagen jetzt hoffentlich schneller.

Beginnen wir mit dem zweiten Teil der Frage. Womit könnten mir andere Menschen eine Freude machen? Gar nicht. Ist einfach so. Ich mag es nicht, wenn andere etwas für mich tun. Es ist schon eine Herausforderung für mich, andere zu bitten, mir einen kleinen Gefallen zu erweisen, wenn ich gerade im Augenblick oder grundsätzlich etwas nicht selbst erledigen kann. Die Herausforderung ist natürlich je nach potentiellem Empfänger und Art meines Begehrs unterschiedlich stark ausgeprägt, aber sie ist immer da. Und wenn dann jemand etwas für mich getan hat, habe ich grundsätzlich ein schlechtes Gewissen.  Einfach nur deswegen, weil ich es nicht selber getan habe. Da wird es schwierig, auch noch Freude zu empfinden.

Mir etwas schenken zu wollen ist eine ganz schlechte Idee. Ihr könnt davon ausgehen, daß ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach eher darüber ärgere, es sei denn, daß es sich bei dem Geschenk um ein Ding handelt, welches ihr ansonsten weggeworfen hättet. He, das bedeutet nicht, daß ihr von jetzt an all euren Müll bei mir loswerden könnt. So ist das nicht gedacht.

Geschenke haben etwas Verpflichtendes für mich. Ich will aber in niemandes Schuld stehen. Und die alte Nummer Ich schenke dir 10 Euro und du mir 10 Euro bringt es ja auch nicht. Früher, als es auch nach dem Rauswachsen aus dem Kindes- und Jugendalter bei uns noch üblich war, zu Geburtstagen und Weihnachten Geschenke zu verteilen und zu empfangen, fand ich es schlimm, Wunschzettel abgeben zu müssen. Natürlich war das hilfreich, denn man bekam nur die Dinge, die man haben wollte. Mehr oder weniger. Denn irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem man nichts mehr benötigt, was man sich nicht selber kaufen könnte. Oder die Sache war viel zu teuer, um sie sich schenken zu lassen. Also schrieb man Verlegenheitswünsche auf.

Meint nun jemand, mir ein Überraschungsgeschenk machen zu müssen, handelt sich meistens um etwas, was ich nie haben wollte. Und wenn ich es nicht haben will, dann kann ich zumeist mit diesem Ding auch nichts anfangen. Ich ärgere mich, weil für dieses Ding Geld ausgegeben wurde, mit dem ich unter dem Strich mehr hätte anfangen können. Also wurde im Umkehrschluß quasi mein Geld ausgegeben, ja sogar verschwendet. Hört sich doof an, ich weiß. Und dafür muß ich dann sogar Dankbarkeit heucheln?! Nur damit der Schenkende sein Ziel erreicht und sich selbst gut fühlt? Nein, vielen Dank. Ein Geschenk als Dankeschön für etwas, was ich getan habe, nehme ich allerdings schon gerne an. Wenn es sich dabei denn um etwas handelt, was ich auch haben will und nicht - siehe Stichwort Überraschungsgeschenk.

Wir haben die Sache mit der Schenkerei bei uns vor Jahren abgeschafft. Als es irgendwann so weit ging, daß wir unsere Geschenke selber kaufen mussten, sie vom Schenkenden bezahlt wurden, wir sie dann abgegeben haben, nur um sie einige Wochen später verpackt wieder zu bekommen, wurde es meiner Angetrauten und mir endgültig zu viel.

So ganz freudlos ist mein Dasein nun aber doch nicht. Ich empfinde anstelle dessen, was man gemeinhin mit Freude umschreibt, eher ein Gefühl der Zufriedenheit. Habe ich eine Prüfung bestanden oder etwas anders Aufwendiges erledigt, so war und bin ich zufrieden. Freuen werde ich mich nicht. Das Gefühl der Zufriedenheit ist jetzt nichts, was lange anhält und mich durch die nächsten Tage begleitet. Es ist da, bleibt einen Moment lang, dann geht es wieder zurück zur Tagesordnung.

Es gibt da aber etwas, was mich wirklich zufrieden machen kann. Mein persönliches Utopia sozusagen. Stellt euch folgende Szene vor: Ich stehe morgens auf, habe gut geschlafen und werfe mich unter die Dusche. Dann ziehe ich mir gemütliche Klamotten an und stelle fest, daß die Wohnung rundum aufgeräumt und sauber ist. Es steht nichts an, was ich gerade tun müsste. Die Heizung ist ausgeschaltet, von draußen strömt frische Luft durch die etwas geöffneten Fenster. In der Küche finden sich – los, alle mal lachen - Restevom gestrigen Abendessen. Kaltes Gyros mit Tzatziki und Zwiebeln, Überbleibsel einer Pizza oder etwas in der Art. Frühstück! Nur für mich.

Ich schlurfe ins Wohnzimmer, betuttel die nächste vorbeilaufende Katze und kann tun und lassen was ich will. Ein Buch lesen, einen Film ansehen – und den zeitfressenden Computer ausgeschaltet sein lassen. Ich muß wir weder Sorgen um meinen Kontostand noch um andere unleidliche Dinge machen.

Ja, das wäre es mal.



*) Näheres siehe hier.

Dienstag, 18. November 2014

Niedergeknüppelt: Ich bin kein Benjamin Franklin

Benjamin Franklin hat ja den Strom erfunden. Den elektrischen Strom, um genau zu sein. Na ja, fast jedenfalls. Boah, jetzt seid doch nicht so pingelig. Danke. Ok, beschränken wir uns auf das Ding mit dem Blitzableiter.

Elektrisch betriebene Dinge erfreuen sich bei mir durchaus einer gewissen Wertschätzung. Zumindest so lange es sich nicht um entsprechende Varianten des titanverstärkten linksdrehenden Kreuzvorwarndrehers in Nenngröße 4b handelt. Denn das sind gefährliche Mordwerkzeuge. Zumindest in meinen Händen. Ich kann nichts dagegen machen.

Schon als Kind habe ich einen Heidenrespekt vor stromführenden Kabeln gehabt. Nicht daß ich mich, ganz im Gegensatz zu meiner Angetrauten, daran erinnern könnte, jemals einen Stromschlag bekommen zu haben. Aber irgendwie war das eben so. Und es ist auch so geblieben. Ich mag einfach nicht an Dingen mit Elektrik-Trick basteln. Sie verwenden schon. Zur Not und unter strengster Beachtung einer Anleitung verbinde ich Dinge mit Kabeln und lasse den Strom fließen. Aber damit basteln und experimentieren? Nö, dazu wurde Papas Lieblingssohn nicht geschaffen.


besser keine Bilder von dem unter der Platte verursachten Kabelgewirr

Damit ist auch klar, warum ich nie den Blitzableiter erfunden haben kann, selbst wenn Mr. Franklin das nicht schon früher erledigt hätte.

Nun wünscht sich Ednong eine Antwort auf die Frage, was ich tun würde, wenn frühabends der Strom für ein paar Stunden ausfällt.

Naheliegend wäre es, daß ich zunächst ein dummes Gesicht mache und hoffe, daß die Ursache nicht in meinen Verantwortungsbereich fällt. Und die Beseitigung der Ursache schon mal gar nicht. Mit einer Prüfung strengen Inaugenscheinnahme des Sicherungskastens sollten alle entsprechenden Befürchtungen baldmöglichst beseitigt sein.

Ist es Sommer, kann ich immer noch lesen. Oder auf der Terrasse sitzen und beobachten, wie verschiedene Nachbarn verwirrt auf der Straße herumlaufen. Alles schon dagewesen.  Im Winter ließe sich eine angeregte Unterhaltung oder so mit der zweitbesten Ehefrau von allen führen, die mit Sicherheit auch schon ein paar Kerzen angezündet hat.

Und zum Schluß bliebe die Hoffnung, daß ich am nächsten Tag nicht arbeiten muß, denn mein müdes Haupt würde ich erst dann zu Ruhe betten, wenn ich sicher sein kann, daß der Strom wieder da ist und mein Radiowecker wieder funktioniert. Den brauche ich zwar nicht, um rechtzeitig wach zu werden, aber doch, um den richtigen Zeitpunkt zum Aufstehen zu finden, denn ich trage keine Armbanduhr.

Und auf Lillys morgendliches Hungergefühl kann ich mich nicht so genau verlassen.




Montag, 17. November 2014

Niedergeknüppelt: Grünzeug

Die zweite Frage, welche mir Ednongs Knüppel vermittelte, erwartet eine Aussage, wann ich zuletzt Moos berührt habe. Oh, das kann ich ziemlich genau eingrenzen. Nicht speziell auf einen bestimmten Tag, aber doch in etwa.

Vorab möchte ich in typischer Politikermanier eine Stellungnahme abgeben. Es wäre ja zu einfach, bloß mal so eine simple Frage zu beantworten. Ich mag Moos. Sowohl das im übertragenen Sinne, sich also theoretisch in meinem Portemonnaie befindliche, als auch das tatsächliche, urwüchsige Moos. Steine und andere Dinge, welche mit einem schönen Moospolster überzogen sind, haben es mir angetan. Ich hatte mal ein Foto von einem solchen wirklich prächtigen Stein gemacht, aber das Bild ist mir leider abhanden gekommen.

Unkraut mag ich auch schon mal. Aber wenn man es sich mit der Nachbarschaft nicht gänzlich verscherzen will, insbesondere natürlich mit Frau Kleinhüppgenreuther, muß ich da zuweilen ran und den Garten entsprechend von unwillkommenem Grünbewuchs befreien. Ich gestehe freimütig, daß ich nicht immer unterscheiden kann, was in unserem Garten so als Unkraut zu definieren ist und was rechtmäßig da sein soll. Mir fehlt einfach der Blick dafür. Wir haben einen Steingarten, in dem entsprechend auch verschiedene Steingartenpflanzen wachsen. Diese wirken auch schon mal etwas seltsam, zumindest aber ungewohnt. Also habe ich beschlossen, daß alles, was hübsch aussieht und nicht zu sehr wuchert, kein Unkraut ist. Und natürlich alles, was ich ausnahmsweise als das erkenne, was da sein soll. Anderes hat Pech gehabt.

Natürlich macht sich auch unerwünschtes Grünzeug auf unserer Terrasse breit. Zumindest aber findet sich Vegetation, welche dort ohne bewusstes menschliches Zutun heimisch geworden ist. Zwischen den Pflastersteinen entdeckt der aufmerksame Betrachter demzufolge auch Moos.

Kurz nach Abschluss der Sommergrillsaison, also im Übergang September auf Oktober, kurz vor Beginn der Wintergrillsaison, wehte draußen ein etwas strengerer Wind. Auf unserem Terrassentisch befand sich noch eine Plastiktischdecke, welche es davor zu bewahren galt, den Weg auf die an unserem Grundstück vorbeiführende Stichstraße zu nehmen. Wir haben der Tischdecke nämlich nie beigebracht, sich im Verkehr zu bewegen, und es könnte ja sein, daß ihr aufgrund eines draußen vorbeifahrenden unachtsamen Teilnehmers am bundesdeutschen Personenkraftverkehr etwas zustößt. Also ging ich hinaus und nahm die bereits auf dem Boden liegende Tischdecke auf, um sie in ihr Winterquartier zu bringen. Dabei berührte ich das auf unserer Terrasse befindliche Moos zufällig mit der Hand.

Und es fühlte sich gut an.



Sonntag, 16. November 2014

Massenbewältigung

Bei unserem Internet-Provider scheint es gerade ein kleineres Problem zu geben. Ich glaube jedenfalls nicht, daß meine über den gleichen Dienst arbeitende Mutter ihre um 10.32 Uhr an mich versandte E-Mail bis jetzt tatsächlich 137 (in Worten: einhundertsiebenunddreißig) mal abgeschickt hat. So oft habe ich die bis jetzt nämlich empfangen.

Und es hört einfach nicht auf.




Samstag, 15. November 2014

Niedergeknüppelt: die Frage nach der Traumfrau

Während ich in einer gewissen Lethargie, was jetzt seitens der Wortwahl wohl nur mit mäßigem Erfolg lediglich einen Anfall akuter Schreibfaulheitunlust beschönigen soll, in Klein-Bloggersdorf verweilte, hat mich Ednong hinterrücks und ohne jegliche Vorwarnung mit einem Stöckchen Knüppel erwischt. Noch vollkommen verwirrt ob des heimtückischen Vorgehens sagte ich eine entsprechende angemessene Gegenreaktion zu. Der Herr Taxifahrer stieß entsprechend nach, und so nahm ich den Knüppel, verwahrte ihn sicher und begab ich mich an die Beantwortung der zehn Fragen.

Da ich nicht unbedingt dafür bekannt bin, mich in Schriftform stets so kurz wie möglich zu fassen, ist es wieder etwas mehr Text geworden, den ich über mehrere Tage verteilt zum Besten geben werde.

Gleich die erste Frage hat es in sich, und nicht zuletzt die zweitbeste Ehefrau von allen sieht ihrer Beantwortung durch mich mit maßloser Neugier einem gewissen Interesse gespannt entgegen.

Welche drei Dinge (drei, meine Herren, nicht zwei ;-) ) sind dir an deiner Traumfrau (oder Traummann) das Wichtigste?

Uff! Drei Dinge auf einmal. Soll ich mich jetzt in die wahrhaften Niederungen männlichen Gedankenguts begeben? Soll ich wirklich die drei großen Ms aufschreiben? Möpse, Muschi und Moneten? Nein, mache ich natürlich nicht.

Mit dem Wort Traumfrauassoziiere ich als typisch männlicher Vertreter der Gattung Homo sapiens zunächst eine weitgehend idealisierte Optik. Männer denken mit dem – ähm – Auge. Sagt man jedenfalls. Mag auch zunächst so zutreffend sein. Also runden wir die Sache einfach mal ab und präsentieren drei Damen des öffentlichen Lebens, welche meinem primären und damit absolut unrealistischen Beuteschema am ehesten entsprechen. Die Reihenfolge der Nennungen hat nichts zu bedeuten.

Die Vertreterinnen ihres Geschlechtes, welche also meinem Beuteschema am ehesten entsprechen, sind








Natürlich haben sich die Damen im Laufe der Jahre verändert. Konzentrieren wir uns bei der Sichtung der Bilder doch einfach mal auf die Zeiten, in denen sie in voller Blüte standen.  Keine jungen Hüpfer mehr, aber auch noch nicht in einem zu fortgeschrittenen Alter. Das sollten eher grob in den 80er Jahren gewesen sein. Hallo – es geht um Traumfrauen, da darf man den Alterungsprozess einfach mal ignorieren und in der Vergangenheit schwelgen. Schließlich war das die Zeit, in der sich diese Bilder im Gehirn manifestiert haben.

Gehen wir die Sache realistischer an und betrachten die inneren Werte. Meine Traumfrau benötigt, wenn ich mich auf die Vorgaben der Frage beschränke, also drei Eigenschaften. Wichtig wäre mir da eine gewisse Bodenständigkeit, was ich einfach mit Realitätsbezug gleichsetze. Als eher nüchterner Mensch kann ich mit jemanden, der ständig in (s)einer Traumwelt lebt, schlichtweg gar nichts anfangen.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt ist die Bereitschaft, sich darauf einlassen zu können, daß ein als in unseren Breitengraden als üblich angesehenes soziales Leben mit mir zusammen eher schwierig zu gestalten sein wird. Ich halte mich nicht gerne unter meinen Mitmenschen auf. Nicht nie, aber doch eher selten. Urlaubsreisen sind jetzt auch nicht unbedingt das, wonach ich mich verzehre. Ich gestehe meiner Traumfrau zu, Dinge alleine zu unternehmen oder sein zu lassen und erwarte das im umgekehrten Fall auch. Mit einem Klammeräffchen wäre alles sehr schnell wieder vorbei, denn ich brauche meinen Freiraum und Phasen, in denen ich auch mal alleine zu Hause bin. Und wenn es sich nur um Stunden handelt.

Und ganz wertfrei zu guter Letzt: Verstand wäre auch nicht unbedingt verkehrt. Sowohl gesunder Menschenverstand als auch ein IQ, welcher sich nicht unbedingt in Bodennähe einpendelt, sind Dinge, die ich nicht verachte.

Über einen möglichen vierten Punkt, nämlich eine gewisse Ordnungsliebe, reden wir jetzt einfach mal nicht. Denn der war nicht gefragt. Gut so.

Wenn ich diese ersten drei Punkte so betrachte, dann habe ich mit der zweitbesten Ehefrau von allen seit über sechzehn Jahren meine Traumfrau an meiner Seite.



Donnerstag, 13. November 2014

Tiefrabenschwarz

„Hast du noch etwas, was mal schwarz war und wieder schwarz werden soll?“

„Meine Seele.“

„Die bekomme ich nicht zum Färben in die Waschmaschine.“

Ach so. Na dann eben nicht.




Dienstag, 11. November 2014

Anschauungsmaterial

Natürlich saßen wir wieder in unserem gemütlichen Büro und arbeiteten vor uns hin. Mandy und ich mussten den Vierpersonenraum zu der Zeit gerade mit niemandem teilen. Somit waren die Tische unserer Einarbeitungsplätze frei. Das heißt, so richtig frei wiederum auch nicht. Wir hatten sie mit Aktenstapeln belegt, ordentlich sortiert und beschriftet. So sucht es sich leichter, als wenn die Aktenberge auf dem Boden liegend den schönen, immer noch fast neuen Teppich unter sich begraben. Welcher übrigens schon erste Abnutzungserscheinungen zeigt. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Im Radio verbreitete der nervtötende Gute-Laune-Moderator irgendwas von einem anstehenden Jahrestag. Hat mich nicht weiter interessiert. Mandy aber sprang darauf an.

„Du, Paterfelis?“

„Ja, du Mandy?“

„Wir sollten lieber morgen einen anderen Jahrestag begehen.“

„Was liegt denn an?“

„Morgen vor zwei Jahren hatte ich meinen Bandscheibenvorfall.“

„Dann lass uns mal machen. Dazu musst du aber Berliner mitbringen.“

„Berliner?“

„In exotischen Gegenden weitab jeglicher Zivilisation sagt man dazu auch Pfannkuchen. Aufgeblähtes Fettgebäck mit Marmeladenfüllung und Zuckerbestreuung. Manifestierte Kalorien pur.“

„Ach die. Warum denn ausgerechnet die?“

„Wegen Rajiv. Den kennst du doch?“

„Klar. Aber was hat der damit zu tun?“

„Der hat letztens wieder einen Vortrag gehalten. Darin ging es auch um Bandscheibenvorfälle.“

„Und?“

„Vorher hat er die zweitbeste Ehefrau von allen angerufen. Die wollte ja auch zu dem Vortrag.“

„Aha.“

„Ja. Er hat sie gefragt, ob sie vier Berliner mitbringen könne.“

„Warum das denn?“

„Weil er gerade in dem Laden sei, der Lebensmittel liebt. Aber die hätten wohl keine mehr.“

„Jetzt weiß ich immer noch nicht, was er damit will.“

„Natürlich demonstrieren, wie so ein Bandscheibenvorfall aussieht. Draufdrücken und die Marmelade rausquetschen.“

„Interessant.

„Ja. Und er musste vier haben, weil er es vorher ausprobieren wollte. Meine Angetraute sollte ihm dabei helfen.“

„So so.“

„Da habe ich natürlich noch die geniale Idee gehabt, daß sie Gummihandschuhe für sich und ihn mitnehmen soll. Weil das Zeug doch so klebt. Wenn ich einen Berliner gegessen habe, muß ich hinterer immer duschen gehen. Wäre aber doof, wenn die beiden das während des Vortrages auch machen müssten.“

„Ähm, ja.“

„Die Idee fand meine Angetraute auch richtig gut. War ja auch von mir.“

„Was auch sonst?“

„Eben. Und dann ist sie früher als geplant von zu Hause losgefahren, damit sie die Berliner noch besorgen kann.“

„Hat sie denn welche bekommen?“

„Nö. Aber sie hat mich dann von unterwegs angerufen, ich soll die Mikrowelle einsatzbereit machen und dann vor die Tür kommen.“

„Wieso das denn schon wieder?“

„Weil der Drehteller des Gerätes noch in der Spülmaschine war.“

„Nein, ich meine, warum denn überhaupt die Mikrowelle benötigt wurde.“

„Wegen der Berliner, die sie doch nicht bekommen hatte.“

„Häh?“

„Na, da hat sie zu den kleinen Tiefkühl-Windbeuteln gegriffen. Die haben auch eine Füllung.“

„Wie praktisch.“

„Ja, aber die sind doch gefroren. Deswegen sollte ich sie in der Mikrowelle kurz antauen.“

„Clevere Idee.“

„Finde ich auch, obwohl die noch nicht mal von mir war.“

*stöhn*

„Was? Egal. Es lief aber doch nicht so wie geplant.“

„Warum?“

„Sie haben die Handschuhe nicht gebraucht.“

„Na und?“

„Damit bin ich um meinen wertvollen und überaus intelligenten Anteil zum Gelingen des Vortrages gebracht worden.“

„PATERFELIS!“




Montag, 10. November 2014

Da ist was am Köcheln

Mein privatpersönlicher Rotzkocher läuft. Die Saison ist also wieder eröffnet. Vielleicht sollte ich meinen vor Monaten beiläufig gedachten Gedanken, mich zwecks Vorbeugung regelmäßiger in die Sauna zu schmeißen, doch endlich mal umsetzen.

*snief*



Sonntag, 9. November 2014

Verpennt

Man ist in den letzten Wochen nicht umhingekommen festzustellen, daß in diesen Tagen ein geschichtsträchtiges Ereignis jubiliert. An sich sogar mehrere. Aber während ich bei des Kaisers Abdankung allenfalls als flüchtige Zukunftsvision meiner noch im Kindheitsalter befindlichen Oma zugegen war, kann ich die ewige Frage nach dem Wo warst du, als… für den 9. November 1989 doch recht eindeutig beantworten.

Zu dieser Zeit wohnte ich noch in meinem Elternhaus. Hier nannte ich zwei Zimmer mein Eigen, nämlich mein Wohnzimmer sowie den Raum unter dem Satteldach als Schlaf- und Fernsehzimmer. Es war ein Donnerstag, an dem ich wie üblich im LASA geschuftet hatte. Damals beschäftigte ich mich dort noch mit den Geheimnissen des europäischen Rechts und dessen Auswirkungen auf das unsrige. Meine täglichen An- und Abfahrtswege waren damals schon durchaus beachtlich, aber als junger Mensch der noch bei seinen Eltern lebt, störte das Geld, welches er somit täglich durch den Auspuff bläst, noch nicht so richtig. Es war genug vorhanden (he, ich verdiente 2.600 DM brutto, mir gehörte die Welt) und ich hatte nach Abzug des natürlich abzuliefernden Kostgeldes nicht viele Ausgaben für meine Freizeitbewältigung zu stemmen. Außerdem machte Auto fahren seinerzeit noch Spaß.

Schon damals ein Frühaufsteher hielt ich es abends natürlich nicht übertrieben lange aus. Unter der Woche war allerspätestens um 22 Uhr Schicht. So lag ich zu einer mir nicht mehr erinnerlichen Uhrzeit noch lesenderweise in meiner Koje, als mein Vater die Treppe erklomm und mir die Empfehlung gab, mal den Fernseher einzuschalten, die Mauer wäre geöffnet worden. Doch nein, ich hatte keine Ambitionen, mir das Spektakel anzusehen und zog es vor, ein Ründchen zu schlafen, um den letzten Arbeitstag der Woche dann auch noch überstehen zu können.

Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, was da mit mir los war. Es berührte mich schlichtweg überhaupt nicht, auch wenn ich mir die Faszination des möglichen Mauerfalls als Gedankenspiel schon seit Jahren immer wieder mal vorstellte. Seit ich mich erinnern kann war ich an Geschichte und historischen Ereignissen interessiert. Eine frühere Inkarnation Dr. Strebsingers sagte einst in einem privaten Gespräch zu mir, daß man ja durchaus schon mal gehört habe, daß jemand erzähle, an Geschichte interessiert zu sein, ich aber derjenige sei, dem man dies auch tatsächlich glaube. Und ausgerechnet ich, der als Zeitzeuge auch noch einen ganzen Stapel alter Zeitungen mit geschichtsträchtigen Geschehnissen archiviert hat, ignorierte bewusst ein Ereignis, welches man später eindeutig als welthistorisch bedeutsam bewerten würde.

Die Bilder, die ich in jener Nacht verpasste, flimmerten in den Jahren danach immer und immer wieder über den Fernseher. Aber es ist doch etwas anderes, sie als Archivaufnahmen zu sehen als behaupten zu können, man sei dabei gewesen. Irgendwie jedenfalls. Indirekt. Aber dabei. In Echtzeit.


Doch die Welt bewegte sich auch ohne mich weiter. Eine tröstliche Erkenntnis.


NRZ vom 11.11.1989





Samstag, 8. November 2014

Manchmal muß es einfach sein

Ihr kennt ja alle diese Spaghetti in Tomatensauce aus der Kartonverpackung, oder?! Packung, nicht Dose. Das ist jetzt wichtig. Das Dosengematsche würdige ich keiner weiteren Beachtung. Vor Jahrzehnten habe ich mir aus purer Neugier den Spaß gemacht, das wirklich mal zu probieren. Hat gereicht für den Rest meines Lebens.

Diejenigen unter euch, welche die letzten Jahrzehnte irgendwo in einem indischen Urwald zugebracht haben, können sich zur Einstimmung ja nochmal diesen kulturhistorisch wertvollen Beitrag ansehen:




Das wirklich Schlimme an der Sache ist, daß der zweitbesten Ehefrau von allen und mir das Zeug tatsächlich schmeckt. Zumindest die klassische Variante Spaghetti in Tomatensauce vom Markenhersteller. Hin und wieder brauchen wir das einfach. Auch, wenn ich die Länge der Spaghetti wirklich niedlich finde. Aber das ist wohl eher kein Geschmacksproblem. Allerdings hat Geschmack ja nicht immer was mit schmecken zu tun,  doch das führt uns vom Thema weg. Ich will mich nicht schon wieder verzetteln, dazu ist die Sache hier zu wichtig.

Natürlich könnte man sich, wenn man nur ein wenig Affinität zur Küche und eben jenen Dingen, die man in ihr anstellen kann, hat, Spaghetti in echter Tomatensauce auch schnell selbst und ohne Fertigpackung zubereiten. Nein, liebe mitlesenden Jugendliche, Studenten und Küchenasketen, Tomatenketchup gilt hier nicht als Tomatensauce im engeren Sinne und kann diese auch nicht ersetzen. Keinesfalls. Das ist in etwa so, als würde man Ketchup aufwärmen, über eine Bratwurst kippen und dann behaupten, daß sei eine Currywurst. Vergesst es. Das würde vielleicht in Berlin funktionieren, scheitert aber schon an dem Umstand, daß man dort keine feine Bratwurst, sondern eine Brühwurst als Basis der Currywurst verwendet. Unglaublich. Nein, nein und nochmals nein, auch da gibt es keine Diskussionen! Ich zitiere in diesem Zusammenhang gerne Altkanzler Helmut Schröder: Basta!

Es ist die vielbeworbene original Würzmischung des Markenherstellers, die es bei der Tomatensauce ausmacht. Ich will nicht wissen, was da drin ist. Aber sie hat einfach etwas. Leider. Nun haben die zweitbeste Ehefrau von allen und ich es immer wieder versucht, eigene Tomatensaucen herzustellen, die auch durchaus lecker waren. Doch an diesen Geschmack kamen wir nicht ran. Ist einfach so. Manchmal muß es dann doch das Original die industrielle Kopie sein. Auch wenn die Zubereitungsanleitung im Hinblick auf die Kochzeit der Nudeln durchaus ignoriert werden sollte. Ich will doch kein Nudelpüree essen.

Mein Problem ist, daß ich das Zeug für ziemlich teuer halte. Viel zu teuer für den Inhalt. Ein paar Nudeln, etwas Tomatenmark und die Würzmischung. Über den Hauch von geriebenem Hartkäse brauchen wir gar nicht erst reden. Tun wir aber trotzdem noch. Die Zahl der Personen, für die eine Packung laut Aufdruck reichen soll, ist ja so was von lebensfern. Und das wirklich Witzige ist ja der bereits erwähnte Hartkäse. Ich glaube, in dem Tütchen befindet sich nur ein Esslöffel voll, der ja nicht mal bescheidenen dekorativen Ansprüchen genügt, wenn man dieses Häufchen gleichmäßig auf alle entsprechend der Portionsangabe bereitgestellten Anzahl Teller verteilt. Dem Anschein nach ist in den größeren Komplettpackungen, die theoretisch sogar für die vollständige Familie Walton – oder etwas zeitgemäßer gerne auch Familie Wollny - reichen sollen, die gleiche Tüte enthalten wie in den Normalpackungen.

Da wir uns im Zeitalter von preislich günstigeren Nachahmerprodukten unter dem Zeichen der Handelsmarke befinden, unterziehen die zweitbeste Ehefrau von allen und ich seit Jahren immer wieder entsprechende Alternativen einem harten Test. Bestanden hat den noch keine. Echt nicht. Egal von welchem Anbieter auch immer, an die originale Würzmischung kam noch keiner ran. Gänzlich andere Sorten haben teilweise sogar total versagt und wurden als ungenießbar eingestuft. Nicht mal durch Nachwürzen war an den Saucen was zu retten. Immerhin hatten wir dann noch die Nudeln.

In unserem letzten Test habe ich den Hartkäse aus der winzig kleinen Zwei- bis Dreipersonentüte mal wieder einer gesonderten Verkostung unterzogen. Mein entsprechendes Prädikatsurteil veranlasste die zweitbeste Ehefrau von allen beinahe zum Hyperventilieren. Und mit was? Mit Recht!

„Schmeckt wie eine Mischung aus Sägespänen und Salz.“

Was es vermutlich wohl auch gewesen ist.

Einfach nur traurig.




Freitag, 7. November 2014

Äpfelchen

Als ich meine Büropost auf der Flucht auf meinem Weg nach draußen noch in unserem Postzimmer loszuwerden gedachte, lief mir vollkommen unverhofft Trudi über den Weg.

„Trudi, du wärst heute stolz auf mich gewesen.“

„Warum? Hast du so viel gearbeitet?“

„Also ob dich das in irgendeiner Form beeindrucken würde.“

„Stimmt.“

„Nein, ich habe heute Äpfelchen gegessen.“

„Huch, Vitamine? Für dich?“

Ja, die Bedenken kann ich verstehen. Die Äpfel lagen aber schon länger in unserer Küche herum. Wir wollen ja mal nicht gleich das Schlimmste annehmen und hoffen, daß die in den Dingern jemals enthaltenen Vitamine mittlerweile das Zeitliche gesegnet hatten.



Donnerstag, 6. November 2014

KFC

Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich waren mit Balduin auf Deutschlands Straßen unterwegs. Gelangweilt in meiner Eigenschaft als Beifahrer schaute ich mir die Umgebung an, als ich einen Wagen mit Kölner Kennzeichen bemerkte.

Köln kennt ihr ja wohl, oder?! Das ist diese Stadt, die wohl nur aus dieser großen Kirche, altrömischen Bauruinen und einer Würstchenbude besteht. Zumindest stellt sich mir das so dar, wenn ich im Fernsehen Bilder aus Köln sehe. Und wenn es im Fernsehen gebracht wird, dann muß das doch stimmen. Sonst würden die das doch wohl nicht machen.

Egal, es wird mir wohl ein ewiges Geheimnis bleiben, wo die ganzen Kölner wohnen. Doch darum soll es jetzt nicht gehen.

Ich bemerkte also das Kennzeichen dieses anderen Wagens. Logisch, sonst wüsste ich ja nicht, daß er aus Köln kommt. Man könnte natürlich meinen, daß er vielleicht einen Aufkleber von dieser wohl einzigen und damit scheinbar recht populären Kirche aus Köln, eben dieser aus dem Fernsehen, irgendwo aufgepappt hätte. Hatte er aber nicht. Also: Kennzeichen.

K – FC und natürlich eine Nummer. Nein, nicht 4711. Irgendeine andere ohne weitere Bedeutung für den Fortgang dieser Geschichte.

K – FC. K – FC? KFC?!

Da fällt mir doch was zu ein. Schlagartig. Und schon sehen wir, wessen Geistes Kind ich bin.

Kentucky Fried Chicken! Da bin ich noch nie gewesen. Müsste ich auch mal machen.

Ich teilte meiner Angetrauten meine Assoziation mit.

„Omm, natürlich. Jeder andere Kerl denkt bei KFC zuerst an Fußball, aber du?“

„Fußball?“

„1. FC Köln! Kölner FC! Ka Eff Cee.“

Nun ja, auch in Sachen Fußball habe ich doch bekanntlich meine eigenen Prioritäten.





Mittwoch, 5. November 2014

Kaum sehe ich dich

Ruhig war es Büro. Das Radio dudelte schon seit Wochen nicht mehr. Wenn Mandy nicht da ist, schalte ich das Gerät so gut wie nie ein. Die Fenster hatte ich ausnahmsweise auch mal geschlossen. Die Geräusche des sich vor dem Haus stauenden Verkehrs nervten mich gerade ebenso wie das der durch den nahe gelegenen Bahnhof  fahrenden Züge. Und als am allerschlimmsten erwies sich das gerade mal wieder verstärkt anstehende Getröte der Baurotten, welche an den Gleisen arbeiteten.

Gerade war ich dabei, meine auf zwei Schreibtischen und dem Boden verteilten Aktentürmchen nach wegen des sich bedrohlich näherndem Jahresende inzwischen eilbedürftig gewordenen Kram zu sichten und deren Stapelfestigkeit bei dieser Gelegenheit unter tatkräftigem Einsatz mehrerer Aktengummis zu verstärken, als sich die Tür öffnete.

Nadja erschien, um Mandys verwaisten Schreibtisch für die heutige temporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden vorzubereiten. In diesem Moment geschah es.

FLATSCH! KLATSCH!

„Arghnf!“

Ein spröde gewordenes Aktengummi hatte seinen Job endgültig aufgegeben und mich während seines Rückzuges in eine entspanntere Position gestreift.

Nadja schaute zu mir rüber. „Was ist?“

„Tja, Nadja, kaum sehe ich dich, schon reißt mir hier mein Gummi.“

„Och, kenne ich. Da mach dir mal keine Sorge. Ist meinem Freund bei mir auch schon passiert.“

Ähm, ja. Oder so. Irgendwie.

Wie bekomme ich jetzt die Bilder aus meinen Kopf?




Montag, 3. November 2014

Multiple Gefahrenabwehr

Das Wetter zeigte sich am letzten Arbeitstag im Oktober vermutlich spätsommerlich. So genau konnte ich dies nicht bestimmen, denn ich hatte die Jalousien im Büro wie schon seit Wochen geschlossen und bekam von der Außenwelt kaum etwas mit. Dort, jenseits der Außenwelt, saß ich immer noch alleine und arbeitete friedlich vor mich hin, als Dr. Strebsinger mit einer von ihm mitgeführten Akte das seinem und dem der Akte entsprechenden Volumen an Luft aus dem Raum verdrängte.

In dem mitgebrachten Fall ging es um die Gefahr einer drohenden Dienstaufsichtsbeschwerde, worauf Dr. Strebsinger einzugehen gedachte. Da die Materie der Abgabenerhebung, um die es letztendlich ging, keineswegs zu seinen fachlichen Schwerpunkten zählt und sich auch unsere Fachbereichsleiter damit aus nachvollziehbaren Gründen schwer tun, bat er mich als Seniorsachbearbeiter mit einer Leidenschaft für dieses Rechtsgebiet, nochmal einen Blick in die Akte zu werfen, ihm kurz ein paar rechtliche Hinweise zu geben und seinen späteren Entwurf für das von ihm noch zu verfassende Schreiben sicherheitshalber gegenzulesen.

Gerade als ich begonnen hatte, mich in den Fall einzuarbeiten, erschien Kollege Waldbauer mit unserem Einkaufswägelchen. Eigentlich handelt es sich dabei nicht direkt um ein Einkaufswägelchen, sondern mehr um einen kleinen Aktentransportwagen, der aber doch irgendwie an einen zu klein geratenen Einkaufswagen ohne Seitengitter erinnert.  Erfreulicherweise war eben dieser Wagen gerade nicht mit beschriebenem Papier beladen, sondern vielmehr mit nicht zu wenigen mit Eis gefüllten Kartons. Speiseeis. Alle möglichen Sorten aus dem nicht unbedingt nahe gelegenen nächsten Lebensmittelgeschäft.

„Los, Paterfelis, nimm dir eins. Heute ist für mich der letzte Tag des Sommers. Ich gebe einen für die ganze Etage aus.“

Ähm, ja. Da diskutiert man nicht, sondern greift zu, denn das Zeug muß ja schließlich der Gefahr der alsbaldigen Verflüssigung entzogen werden und damit weg. Zumal es im ganzen Haus zwar den einen oder anderen Kühlschrank gibt, von denen aber - inklusive Dr. Strebsingers von seinem Vorgänger übernommenen und in seinem Büro aufgestellten Privatgerät – keiner über ein Eisfach verfügt.  Also schnappte ich mir ein Hörnchen mit Nusssplittern und Schokoladenüberzug. Ja, die Konsistenz zeigte schon erste Ermüdungserscheinungen, war aber noch in einem nicht übertrieben instabilen Bereich.

Nachdem ich mit der Akte soweit fertig war und im Rahmen eines sich anbahnenden Notfalls auf nachdrücklichem Verlangen Herrn Waldbauers ein weiteres Eis mit schon beginnenden stärkeren Verflüssigungstendenzen verdrückt hatte, begab ich mich in Dr. Strebsingers Büro, um mit ihm die aus meiner Sicht angebrachten Korrekturen und Ergänzungen zu besprechen.

Dr. Strebsinger war gerade von draußen gekommen und hatte sich etwas Grünfutter für die Mittagspause besorgt. Auch Herr Waldbauer war mit seinem Eiswagen zugegen und versorgte Dr. Strebsinger mit dem nun dringlich vorzuziehenden Nachtisch. Wir erledigten die dienstlichen Belange kurz stehenderweise. Herr Waldbauer verschwand schließlich, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß er auf seinem Wägelchen immer noch ein paar Eisreste habe, um deren sachgerechte Vernichtung auch ich mich später, aber nicht zu spät, bitte noch zu kümmern habe. Nun ja, ich würde mich auf dem Rückweg wohl aufopfern und ein drittes Eis essen trinken verdrücken. Es waren noch Sorten im Becher vorhanden, das war klecksvermeidungstechnisch durchaus zu verantworten.

Dr. Strebsinger bedankte sich für meine Arbeit, schaute mich dann an und raunte mir ein „Herr Paterfelis, sie haben da noch Eisreste.“ zu, während er an der entsprechenden Stelle rechts über seiner Oberlippe deutete.

Ich wollte es kurz entfernen, als er den Kopf schüttelte. Nein, das andere Rechts war gemeint. Da sei noch was.

Mooooment, derartige Situationen bringen furchtbarste Erinnerungen hoch. Erinnerungen, die schon im frühesten Kindesalter unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt werden. Gefahr drohte! Ich ließ sämtliche Zurückhaltung fallen.

„Dr. Strebsinger, wenn Sie jetzt ihr olles, eingespeicheltes Taschentuch rausholen, um mir meinen Nachtisch aus dem Gesicht zu entfernen, ist was los.“

Er grinste zurück.

„Erinnerungen an traumatische Kindheitserlebnisse mit Ihrer Mutter?“

„Oma!“

„Da mussten wir wohl alle mal durch.“

Zweifelsohne.

Nun, werte mitlesenden Muttis und Omas, nun sagt schon: Macht ihr das immer noch? Ist das genetisch veranlagt?

Bääääh!






Samstag, 1. November 2014

Boxen

Es begab sich aber zu der Zeit, als ein Gebot von bevor wir damit begonnen haben, in unseren vier Wänden mal ordentlich auszumisten... jedenfalls hört sich das als kurzes Vorwort besser an als wenn ich lapidar erkläre, daß ich den nachfolgenden Text aus dem Archiv gekramt habe.

Unter der Woche bin ich mit meinen Einkaufszeiten etwas eingeschränkt. Von daher mache ich mir auch keine großen Gedanken darüber, um welche Uhrzeit ich losziehe. Ja selbst der Tag, an dem ich mich dem Konsum hingebe, ist im Regelfall schon dadurch vorgegeben, daß ich nicht immer so über unseren Balduin verfügen kann, wie ich es gerne hätte. Also bildete sich als Schwerpunkt für meine entsprechenden Erledigungen der Samstag raus.

Wenn man aber mal frei hat, dann wird das schon eine komplexe Sache. Insbesondere dann, wenn es sich um einen freien Montag handelt. Ich musste frische Ware besorgen, war scharf auf die kurz vor dem Verfalldatum stehende preisreduzierte Ware und wollte auch noch aus dem Bereich der Lockangebotenur zeitlich begrenzt vorhandenen Aktionsware ordentlich was abgreifen. Denn der Lebensmitteleinzelhändler meines Vertrauens hatte Boxen im Angebot. Aufbewahrungsboxen. Für Schuhe.

Zweckmäßig wäre es, dem Personal Zeit geben, um die verderbliche Frischware einzuräumen. Und dazu die Zeit, um zu reduzierende Ware ausfindig zu machen und entsprechend auszuzeichnen. Aber ich musste auch früh genug vor Ort sein, um noch die Angebotsware vorzufinden. Sehr diffizile Angelegenheit.

Es ergaben sich meinerseits Bedenken, schon am frühen Vormittag im Laden zu sein. Denn neben den Schuhboxen war auch Kleidung im Angebot. Kinderkleidung. Ich hatte noch aus früheren Jahren in Erinnerung, daß der Tag, an dem Kleidung im Allgemeinen und Kinderkleidung im Besonderen als Aktionsware angeboten wird, ein guter Tag zum Sterben ist - erdrückt von einkaufswütigen Frauen (im Allgemeinen, siehe oben) und Muttis (im Besonderen, siehe oben), welche sich um die Textilien schlagen, Ware blind schnappen, in ihrem Einkaufswagen sichern, dort sortieren und das nicht genehme Zeug dann irgendwo verteilen. Auf harmlose Männer, welche gar nicht an der Kleidung interessiert sind, wird da keine Rücksicht genommen. Sie werden einfach zur Seite geboxt, niedergetrampelt und deren irdische Reste anschließend vom Personal in Wischeimern entsorgt.

Die zweitbeste Ehefrau von allen hingegen meinte, daß ich mich ruhig auf den Weg machen könnte, so schlimm sei das nicht mehr mit den Angeboten. Mir ist zu spät einfallen, daß ich keine Idee habe, woher sie dies wissen will.

Ich war schließlich früh genug in Aktion, um von den Angeboten noch die von mir als ausreichend berechnete Menge vorzufinden und einzusacken. Von der Frischware war hingegen nicht alles ausgepackt, was ich benötigte, und die Frau mit dem Rotstift war auch noch nicht durch. Dafür waren die Frauen (im Allgemeinen) und die Muttis (im Besonderen) bereits damit zugange, ihre Plünderung zum Abschluss zu bringen. Glück gehabt, das Schlimmste war schon vorüber, ich musste nur noch die Nachgefechte der Spätaufsteherinnen überleben. Das sollte zu bewältigen sein.

Egal, ich hatte die Schuhboxen. Hier zeichnete sich eine gewisse Dringlichkeit ab, denn unsere Schuhe, also meine Hand voll und die anderen, welcher eher zur zweitbesten Ehefrau von allen passen, lagerten sowohl auf einem dramatisch überfüllten Schuhregal an der Schlafzimmertür als auch an einem anderen dafür vorgesehenen Ort in unserer Diele. Dazu kam noch ein weiterer Ort, welcher keineswegs dazu auserkoren war, sich aber auch nicht vor der Zweckentfremdung wehren konnte. Und zwar die kleine Freifläche neben unserem CD-Schrank. Im Wohnzimmer. Nicht sehr hübsch anzusehen. Mit den neuen Schuhboxen würde sich das ändern, denn zwischenzeitlich haben wir anderen Ortes etwas Platz gefunden, und das Schuhregal stört sowieso nur.

Umständehalber begann die Umräumaktion – verbunden mit einer Schuhputzorgie - reichlich spät in den Nachmittagsstunden. Und hier zeigte sich der erste Schock. Meine Angetraute wies mich dezent darauf hin, daß mir wohl ein weiteres Schuhlager durchgegangen sei. Ja, war es zu meinem Entsetzen. Und damit nicht genug. Denn während ich begann, das Schuhregal abzuräumen, fiel mein Blick neben unseren Kleiderschrank. Schuhe. Noch mehr Schuhe. Ganze Warenlager an Schuhen. Die von mir an sich großzügig bemessene Zahl käuflich erworbener Boxen würde bei weitem nicht ausreichen. Was blieb mir übrig, als am nächsten Tag erneut loszuziehen und eventuelle Restbestände aufzukaufen?

Leider kam ich erst in der Mittagszeit dazu. Ich fuhr zu meinem Lebensmitteleinzelhändler – und fand noch zwei Packungen Schuhboxen für Herrenschuhe vor. Und drei für Stiefel, mit denen ich nichts anfangen konnte. Also gut, nehmen wie die etwas zu groß geratenen Boxen. Und dann weiter zur nächsten Filiale.

Die war vollständig geplündert. Keine einzige Box konnte ich dort noch erstehen.

Himmel, wer benötigt so viele Schuhe? Natürlich kennen wir alle die Antwort. Und ich gehe dabei selbstverständlich davon aus, daß viele der Herrenschuhboxen zwischenzeitlich von Damenschuhen bewohnt werden.

Kann mir bitte jemand rechtzeitig Bescheid geben, wenn mal wieder so eine Aktion kommt? Gerne auch mit Aufbewahrungsboxen für Damenhandtaschen. Oder doch nicht. Zumindest nicht für die Handtaschen. Für die habe ich schon neue Boxen gekauft. Stapelboxen in groß. Unfassbar viele Stapelboxen.

Danke.