Sonntag, 5. Oktober 2014

Putzteufelchen (aktualisiert)

Es gibt da noch eine Geschichte, die ich schon lange nachreichen wollte. Doch ich hatte irgendwie nie die Muße, sie aufzuschreiben. Daher gibt es jetzt  mit Verzögerung folgendes Annekdötchen.

Wie sich die Leser dieses Blogs, welche schon längere Zeit dabei sind, vielleicht noch erinnern, ist Karla eines schönen Tages von zu Hause ausgezogen. Das macht man halt so, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat und sein eigenes Geld verdient: Man steht auf eigenen Füßen.

Einige Wochen waren vergangen, als Mandy sich erkundigte, wie es Karla denn in ihrer eigenen Wohnung so gefiel.

„Ja, alles prima. Es läuft gut. Ich habe auch einen Plan, wann ich alles mache. Putzen und so. Das macht mir richtig Spaß.“

Ungläubige Blicke wurden aus Mandys Richtung erkennbar.

„Doch, ehrlich. Im Wohnzimmer habe ich Laminat und unter dem Sessel einen Teppich. Das sieht immer ganz toll aus, , wenn ich den gesaugt habe. Dann laufe ich gar nicht mehr auf dem Teppich herum, weil das doch wieder Spuren hinterlässt. Das gefällt mir dann nicht so. Ist nur scheiße, weil ich dann nicht zu meinem Sessel komme.“

„Strich! Zehn sind voll. Wir bekommen einen Fluchkuchen von dir.“

„Oh. Na gut, ich sage meiner Mama Bescheid, daß sie einen backen soll.“

„Nö, denn wollen wir schon von dir.“

„Hmmm.“

„Hast du in deiner Küche überhaupt schon mal was gemacht?“

„Hin und wieder wärme ich eine Tiefkühlpizza auf. Meinen Herd habe ich noch gar nicht benutzt.“

„Warum das denn nicht?“

„Ich gehe doch immer zu meiner Mama essen. Die freut sich, wenn sie meine älteren Geschwister und mich noch bekochen kann.“

„So geht’s natürlich auch. Ist das denn nicht lästig?“

„Wieso das denn? Die wohnt doch im gleichen Haus wie ich, nur eine Etage unter mir.“

Wie kommt es nur, daß ich das geahnt habe?


EDIT:

Ich weise auch auf den Kommentar der zweitbesten Ehefrau von allen hin.




Kommentare:

  1. Einer der besten Freunde meines Ex-Mannes, nennen wir ihn mal Norbert, war ein sehr fleißiger Mensch. Von dem vielen Geld, dass er durch seinen Fleiß erwarb, kaufte er sich eine Eigentumswohnung an einem der besten Plätze in der Stadt. Das Zentrum dieser Wohnung war die Küche, für der er sich eine blendend weißlackierte Einrichtung zulegte. Auf meine Frage, wer denn diese weißen glänzenden Flächen in diesem Zustand hielte, der wie neu aussah, antwortete Norbert mir: "Ich koche hier nicht, weil ich keine Zeit dazu habe, ich esse in der Kantine...."- Was soll man dazu noch sagen??

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    1. Oh ha, gutes Stichwort. Meine Angetraute wird hierzu sicherlich was zu kommentieren wissen. Die Sache ist tatsächlich steigerungsfähig.

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    2. *stöhn*
      Erinnerungen werden wach...

      Meine Eltern haben Nachbarn - die sind tatsächlich eine Stufe weiter gegangen...

      Eines schönen Tages - ich war noch grundschulpflichtig - vernahm man Sägegeräusche, Schlagbohrergebohre und diverse andere Tonarten, welche darauf schließen ließen, dass ein paar Häuser weiter gerade eine neue Küche angeliefert und aufgebaut wurde.

      Da meine Eltern und ich nicht zur Gattung "Kleinhüppgenreuther" gehören, drückten wir uns nicht die Nasen am Küchenfenster platt, sondern gingen unseren Beschäftigungen weiter nach und störten uns nicht weiter an dem Gewusel in der Nachbarschaft.

      Ein paar Tage später erhielten wir eine Einladung zur "Kücheneinweihung".
      Merkt euch dieses Wort! Ihr werdet es noch brauchen!

      Brav wie wir als Nachbarn so sind, tauchten wir mit einer Kleinigkeit in den Händen zum vorgegebenen Zeitpunkt auf und erhielten Einlaß. Die Frau des Hauses war geschäftig dabei das kalt/warme Buffet herzurichten und verschwand dazu immer wieder im Keller des Hauses.
      Ok - solange nur die kalten Sachen aufgebaut wurden ist das nachvollziehbar. Die Küchen der Häuser sind zwar nicht so winzig wie die im Hause Paterfelis ausgefallen, aber kalte Platten kann man dennoch sinnvoller im Keller lagern. Da stehen sie kühl und nicht im Weg.
      Als es dann allerdings mit den warmen/heißen Dingen weiterging und diese noch immer aus dem Keller geholt wurden, war zumindest meine Verwirrung komplett. Also fragte ich meine Mama was denn das für einen Grund haben könnte, doch sie konnte mir keine zufriedenstellende Antwort geben. Wir ließen die Sache auf sich beruhen. Wie gesagt, wir müssen nicht immer alles erfahren. Manches lässt man besser auf sich beruhen.

      Einige Zeit später - die Gästeschar war inzwischen vollständig - wurde das "Heiligtum", welches an diesem Tage laut Einladung einzuweihen war, für die bewundernden Blicke der Anwesenden geöffnet. Dabei wurde - gemäß der Natur dieser Familie - ausführlich darüber berichtet welche Materialien zum Einsatz gekommen seien (Granitarbeitsplatte!), wofür die ganzen verbauten Gerätschaften zu nutzen wären (Dampfgarer, Backofen auf Arbeitshöhe, eingebaute Mikrowelle usw.) und - selbstverständlich - was man denn dafür an harter Mark auf den Tisch legen musste (wenn ich mich richtig erinnere rund 50.000 DM).

      Im Zuge der Begutachtung wurde von einer anderen Nachbarin die Frage gestellt, ob es für eine Familie mit zwei Kindern, die oft und viel kocht nicht ein wenig unsinnig sei, eine Küche mit Hochglanzfronten (ja, die waren damals auch schonmal modern) anzuschaffen. Da käme man ja aus dem Putzen nicht mehr raus.
      Die Dame des Hauses grinste breit und meinte nur: Wieso? HIER wird SELBSTVERSTÄNDLICH NICHT gekocht! Unsere alte Küche steht jetzt unten im Hobbyraum. Passt perfekt und erleichtert mir das sauberhalten hier oben.
      Anmerkung: der Hobbyraum hat den exakt gleichen Grundriß wie die Küche, inkl. Elektro und Wasserinstallationen.

      Ich kann mich noch hervorragend an die Gesichter der umstehenden Erwachsenen erinnern. Es war kein einziges dabei, das nicht irgendwie schreckverzerrt war...

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  2. Ah. Eine Mogelwohnung, sozusagen.

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  3. Ha, das ist wirklich genial! Da muss erst Einer mal drauf kommen.

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  4. Also, da kenne ich auch Familien mit der Arbeitsküche im Keller oder draußen im Anbau... Wobei irgendwann die Faulheit zu siegen pflegt, und man die Kellerküche dann nur noch für Dinge wie Einkochen, Reibekuchen- oder Fischbrataktionen verwendet, normales Essen aber wieder in der ebenerdigen "Vorzeige"-Küche zubereitet.

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    1. Reibekuchen. Gutes Stichwort. Will ich auch mal wieder haben. Aber von Anfang bis Ende selbstgemacht.

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    2. ...denn nur dann schmecken sie so, wie sie das sollen. Knusprig, würzig, fettig, lecker :) Uuuund sie dürfen niemals dick sein, sondern nur hauchdünn und am Rand wie gebratene Spitze. Und ohne Zwiebeln.

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  5. Wie sagte meine weise Oma immer so schön: "Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten". Je weiser ich werde, umso mehr gebe ich ihr recht.

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