Freitag, 17. Oktober 2014

Paterfelis spielt - nicht mehr (3)

Der nächste Knackpunkt war der zunehmende Wegfall von Räumlichkeiten. Wir benötigten schließlich Fläche. Wie bereits erwähnt, ist die Standard-Spielflächengröße 120 x 180 cm, gerne auch mehr. Einige Systeme kommen bei zwei Spielern mit 90 x 90 cm aus, was aber auch schon eine Ansage sein kann. Bei Ulf konnten wir immer weniger spielen. Ich hatte zu den ihm schichtdienst- und anderen zeitaufwendigen Hobbys bedingt genehmen Zeiten auch das Auto nicht mehr zur Verfügung, da es aufgrund der berechtigten Ambitionen meiner Angetrauten in Richtung Selbständigkeit von dieser vermehrt in Anspruch genommen werden musste. Die An- und Abreise mit dem öffentlichen Nahverkehr gestaltet sich schwierig, wenn der letzte Bus am Zielort samstags um 14 Uhr und dann erst wieder am Montag fährt.

Mit der Zeit ergab es sich, daß nur noch mein heimischer Metzelsaal, unser Gartenzimmer im Souterrain, als Spielort zur Verfügung stand. Dies gefiel mir nicht, da nicht alles damit stehen und fallen sollte, ob ich Zeit hätte oder nicht. Mir würde es psychisch zu anstrengend werden, immer anwesend sein zu müssen. Außerdem war ich somit auch in der Verpflichtung, unsere Wohnung in einem vorzeigefähigen Zustand zu halten, was seinerzeit aber unter anderem wegen des langwierigen Umbaus unseres Arbeitszimmers zum Mädchenzimmer meiner Angetrauten nicht möglich war. Mir wurde es zunehmend peinlich, die Tür für andere zu öffnen, das Chaos hatte überhand genommen. Ich brauche eine Umgebung, in der ich mich wohl und sicher fühle, wenn ich mich mit anderen Menschen auseinandersetzen muß. Die hatte ich aber nicht mehr. Außerdem wurde die Terminfindung immer schwieriger, da außer Ulf auch einige weitere Spieler an Wochenenden arbeiten mussten bzw. deren familiäre Situation es nicht gestattete, sich an Wochenenden mit anderen Dingen als eben dieser Familie zu beschäftigen. Ehefrauen und Freundinnen können da schon etwas eigen sein. Für mich jedoch ergaben sich nur an Wochenenden die Möglichkeiten des Spielens.

Schließlich fand man nach längerer Suche die Gelegenheit, sich außerhalb irgendwelcher selbst genutzter Wohnungen in leerstehenden Bürogebäuden auszutoben. Wir durften die dort von einer Brettspielgruppe angemieteten Räume gelegentlich mitbenutzen. Doch wurden diese Gebäude nach einiger Zeit planmäßig abgerissen.

Nun sollte es eine bestimmte Kneipe sein, auf deren Kegelbahn wir uns spieltechnisch vergnügen konnten. Die Zeit der großen Tabletops war damit für uns vorbei, es ließen sich nur noch Spiele mit wenig Platz- und Materialbedarf veranstalten. Außerdem war der Termin immer donnerstags ab 19.00 Uhr. Unmöglich für mich, ihn wahrzunehmen, denn mit dem ÖPNV war die Anreise für mich viel zu aufwendig. Außerdem sehe ich mich nicht in der Lage, morgens um 4.30 Uhr aufzustehen, zu arbeiten, und dann nach einem Umweg über zu Hause noch an Spielen teilzunehmen, die von den Spielern doch ein deutlich höheres Konzentrationsniveau verlangen als Mensch-ärgere-dich-nicht und die zumeist mehr als zwei Stunden reine Spielzeit in Anspruch nehmen. Ich weiß es nicht, wie die anderen es nach Ende ihrer Arbeitszeit so hinbekommen, aber bei mir geht dann in Richtung geistiger Anstrengung nichts mehr.

Das Forum hatten wir mittlerweile aufgegeben und eine Facebook-Gruppe gegründet. Zu dieser Zeit war ich ohnehin mental eher schlecht eingestellt. Die große Tanzshow stand an. Im Vorfeld gab es mit einem Beteiligten massive Querelen, welche aufgrund seiner Position im Zusammenhang mit der Show durchaus dazu führen konnte, daß alles kurzfristig abgesagt werden müsste. Ich möchte hier nicht näher darauf eingehen.

Nach der Show begann ich, deren Geschichte zu erzählen. Die Querelen und die Rolle des Beteiligten verschwieg ich weitgehend. Niemand sollte in ein schlechtes Licht gerückt werden. Dennoch wurde ich zu dieser Zeit massiv von ihm dahingehend angegangen, daß ich die Veröffentlichung dieser Erzählungen zu unterlassen habe. Dies geschah noch bevor ich mit meiner Erzählung an die Stelle kam, zu der es für ihn überhaupt kritisch hätte werden können, wenn ich wirklich alles verarbeitet hätte. Und trotzdem war er nicht zufrieden, an vielen Stellen meines Textes wurde Unmögliches reininterpretiert. Dabei war diese Person im Text noch nicht mal ansatzweise zu identifizieren. Nicht für die meisten Beteiligten und schon gar nicht für Außenstehende, und alleine um die ging es. Dennoch zogen mich diese Angriffe weiter runter, bis ich meinen Rundumschlag startete und mich von allen Außenkontakten zurückzog. Ich löschte alles, wirklich alles aus meinem Facebook-Konto, welches ich später gänzlich aufgab. Fast sämtliche Kontakte flogen damals raus, ebenso meine Kontakte aus der Facebook-Gruppe des Spielerkreises. Meine Devise lautete Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Diese Form des Rückzugs ist ein Damoklesschwert, welches über allen meinen Aktivitäten schwebt - auch über das Blog hier und den vielen Kleinigkeiten darum herum.

Der damalige soziale Rückzug besiegelte das endgültige Ende meiner Tabletop-Karriere sowie meiner außerhalb des Büros gepflegten Kontakte. Seit dieser Zeit habe ich niemanden außerhalb der Familie, das heißt Eltern und Schwiegereltern, mehr besucht und keinerlei Besuche mehr empfangen. 

Obwohl es theoretisch sehr einfach wäre, Anschluß an eine andere regionale Gruppe zu erhalten, habe ich nicht mehr die Kraft und auch nicht den Willen dazu, mich nochmal auf eine solche Herausforderung einzulassen. Denn das ist es für mich: eine Herausforderung. Die Mauern sind zu massiv. Es ist nach fast 15 Jahren wirklich intensiver Beschäftigung mit dem Thema vorbei.

Heute verfolge ich die Szene nur noch aus der Ferne, schaue mir die Neuigkeiten via Internet an und trauere den alten Zeiten nach. Geblieben sind Unmengen von eingelagerten Spielen und Miniaturen sowie der gelegentliche Kauf eines neuen deutschsprachigen Regelwerkes aus der Tabletop-Szene, weil mich die Regeln interessieren. Fast wie früher.

Das war es also: Paterfelis, das leidenschaftliche Spielkind, spielt nicht mehr.



(Ende)




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