Freitag, 10. Oktober 2014

Einmal jährlich

Eine unruhige Nacht lag hinter und ein ekelhafter Termin vor mir. Einer jener  Termine, welche man in gewisser Regelmäßigkeit hinter sich bringen muß.

Den Kontrolltermin beim Zahnarzt.

Der mich immer wieder vollkommen begeisternde Teil ist die damit verbundene Zahnsteinentfernung. Meine Zähne sind im Laufe der Jahre etwas empfindlich geworden. Nicht alle, aber einige. Insbesondere einer. Und wenn man irgendwo hingeht und schon die Garantie darauf hat, daß einem richtig fiese Schmerzen zugefügt werden, und sei es für noch so kurze Zeit, dann – nun ja, dann macht man das üblicherweise wohl kaum in allerfreudigster Erwartung.

Meine Zahnärztin unterhält ihre Praxis in einer Klinik. Dies geht einher mit einem Schichtbetrieb, welcher die Vorteile einer durchaus langgestreckten Öffnungszeit mit sich bringt. Mein Termin war um 7 Uhr morgens. Früh genug, um anschließend noch den Weg ins nahegelegene Büro zu bewältigen, ohne dort zu spät aufzuschlagen. Gleitende Arbeitszeit ist schon eine praktische Sache.

Als altes Gewohnheitstier habe ich meine regelmäßige morgendliche Startzeit um 6.30 Uhr. Dies aber auch nur deswegen so spät, weil ich früher nicht darf. Bin ich um 6.45 Uhr noch nicht am Platze, beginnen bei den dann gleichfalls schon anwesenden Kollegen die ersten Schweißperlen zu laufen, befürchtet man doch eine Krankmeldung meinerseits sowie eine neue Phase der Vertretungtemporären Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden. Also habe ich die Bande mal wieder etwas leiden gelassen.

Die Zahnklinik erreichte ich, gerädert vom ausgeprägten Schlafmangel, etwa eine halbe Stunde zu früh, was sich dank der erforderlichen Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel nicht verhindern ließ. Also lief ich gemächlichen Schrittes ein wenig die Straße rauf und runter, bis man die Pforten öffnete.

Schnurstracks ging ich auf die – so von mir vermutete - einstige Raumschiffs-Befehlszentrale zu, welche dort als Arbeitsbereich der Damen vom Empfang fungierte. Zwei Plätze vorne, mittig dahinter hinter ein weiterer Platz – bestimmt der ehemalige Kommandantenbereich mit dem Stuhl des Captains. Doch etwas war anders als sonst.

Ja, da fiel es mir auf. Man kennt sich ja seit einigen Jahren. Und ich weiß ganz genau, daß die Dame, welche sich meiner Krankenversicherungskarte annahm, sonst einen etwas anderen Kleidungsstil bevorzugte. Um es mal ganz klar auszudrücken: Während sie auf ihrer Seite des Tresens arbeitete und ich derweil auf der Gästeseite stehend auf weitere Anweisungen wartete, konnte ich ihr stets an den Hupen vorbei bis zum Bauchnabel gucken. Es bestand nahezu keine Chance, nicht dorthin zu sehen.

Und jetzt: weiße Hose und rosa Poloshirt. Ihre Kollegin auch. Die Dame im Stuhl des Captains ebenfalls, allerdings das Shirt in etwas dunklerer Ausführung. Na ja, als Captainin muß man sich ja abheben.

Ich wurde direkt in den Wartebereich meiner Zahnärztin entlassen. Kaum daß ich einen der neben einem Kanapee aufgestellten höchst bequemen Sessel mit meinem Allerwertesten berührte, stand auch schon meine Zahnärztin bereit, mich in den Behandlungsraum zu geleiten. Sie war entgegen meines sonstigen Erlebens mit weißer Hose und leuchtend grünem Poloshirt bekleidet. Der Farbton des Shirts passte exakt zu den Wasserbechern, Papiertüchern und –lätzen des Raumes, in dem die Untersuchung stattfinden würde. Man scheint Dienstkleidung mit einem Farbcode eingeführt zu haben.

Eines aber frage ich mich jetzt doch.

Der Raum nebenan wird ebenfalls von meiner Zahnärztin genutzt. Dort sind die farblich variablen Bestandteile der Verbrauchsgüter aber sämtlich in Lila gehalten.

Zieht sie sich jetzt vor jedem Raumwechsel um?

Mal sehen, ob ich nächstes Jahr mehr herausfinden kann. Bis dahin habe ich jetzt nämlich wieder meine Ruhe.

Hoffentlich.

Und übrigens: Der Umstand, nach einem wiederholten  Nervenkitzel plötzlich hellwach zu sein, hält entgegen landläufiger Meinung keineswegs den Tag über an.




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